Der Fussballbundesligist MSV Duisburg, Gründungsmitglied der Bundesliga und im fussballverwöhnten Westen der Republik angesiedelt, durfte zum Trainingsauftakt im neuen Jahr 500 Fans begrüßen. Die kamen so zahlreich, um den neuen Trainer der Zebras, Jürgen Kohler, zu sehen.
Der Viertligist 1. FC Union Berlin, Kultverein im nicht ganz so fussballverwöhnten Osten der Bundeshauptstadt, durfte zum Trainingsauftakt im neuen Jahr mit mehr als 1.000 Fans doppelt soviele Fans wie der Verein aus der 1. Liga begrüßen. Auch diese Fans kamen, um einen neuen Trainer zu sehen. Georgi Wassilev leitet die Mannschaft auf ihrem Weg in die Drittklassigkeit.
Zumindest was also den Fanzuspruch beim Auftakttraining angeht, ist man in Berlin-Schöneweide über die Drittklassigkeit bereits weit hinaus.
Hach! Wie wunderschön das Schicksal mal wieder Schicksal spielt.
Da trifft am Samstag die deutsche Nationalmannschaft in Paris auf die Franzosen. In Verbindung mit all dem Aufruhr, in dem sich die Grande Nation derzeit befindet, kann der Ausgang des Spiels dem Selbstvertrauen des ganzen Landes den entscheidenden Schub geben.
Oder aber, man soll ja den Gurken in unserer Truppe ruhig mal was zutrauen, einen weiteren Schlag. Freut einen doch immer wieder, wenn man unseren französischen Freunden zu Diensten sein kann. So oder so.
Die Berliner Zeitung veröffentlicht vor der Saison die Etats der Fußballbundesligisten:
| Verein | Etat 05/06 | Etat 04/05 | Transfer-Ausgaben/-Einnahmen |
| FC Bayern München | 60,0 | 60,0 | 8,0/6,8 |
| Hertha BSC Berlin | 53,2 | 54,7 | 0,2/0,2 |
| Bor. Mönchengladbach | 50,5 | 40,1 | 1,2/0,2 |
| VfL Wolfsburg | 50,0 | 50,0 | 5,0/1,8 |
| 1. FC Köln | 41,0 | 22,0* | 2,9/0,0 |
| SV Werder Bremen | 40,0 | 45,0 | 14,3/9,2 |
| FC Schalke 04 | 38,5 | 40,0 | 9,3/7,3 |
| Eintracht Frankfurt | 37,0 | 12,5* | 3,8/0,0 |
| Hannover 96 | 30,0 | 25,0 | 4,2/0,2 |
| Borussia Dortmund | 28,0 | 39,0 | 1,2/5,3 |
| VfB Stuttgart | 28,0 | 32,0 | 9,7/22,8 |
| Arminia Bielefeld | 27,0 | 25,0 | 2,4/1,8 |
| Bayer Leverkusen | 26,0 | 26,0 | 1,8/3,0 |
| 1. FC Nürnberg | 26,0 | 26,0 | 1,2/0,1 |
| MSV Duisburg | 25,0 | 13,0* | 1,0/0,0 |
| Hamburger SV | 25,0 | 25,0 | 7,6/2,3 |
| FSV Mainz 05 | 25,0 | 23,0 | 0,4/1,0 |
| 1. FC Kaiserslautern | 14,5 | 16,5 | 0,0/2,0 |
| Summe | 624,7 | 574,8 | 74,2/64,0 |
Die Ausgaben sind also vermeintlich um 50 Mio. € gestiegen, könnte man sagen. Allerdings sollte man dabei nicht übersehen, daß in den Etats 04/05 die Zweitligaetats der Aufsteiger enthalten sind, und nicht die höheren Erstligaetats der Absteiger aus der Bundesliga. Trotzdem ist das Bild, das sich ergibt, schon erstaunlich:
• Schalke und Stuttgart, zwei Mitfavoriten auf den Titel, haben zusammen gerade mal 6,5 Mio. € mehr Etat als der FC Bayern alleine
• Hamburg und Leverkusen wollen mit sparsamen Mitteln in den Europacup ziehen - ob allerdings bei Leverkusen die Zahlen stimmen, sei dahingestellt (der Bayerkonzern veröffentlicht wenig über sein finanzielles Engagement im Fußball)
• Dortmunds finanzielle Sanierung schreitet voran, zumindest die Personalkosten hat man in den Griff bekommen - was immer das auch für die Qualität des Kaders bedeuten mag
• die Aufsteiger Köln und Frankfurt wollen bloß eines nie wieder - zurück in die zweite Liga. Ihre Etats jedenfalls deuten Richtung vorderes Mittelfeld
• für Kaiserslautern wird´s wohl eine lange und harte Saison
Vor einer neuen Saison haben erstmal alle Mannschaften in einer Liga null Punkte und null Tore. Manch einer freut sich da zum letzten Mal, denn so gut wird seine Platzierung nie wieder sein. Alle Mannschaften können nämlich guten Gewissens behaupten, auf dem ersten Platz zu stehen - auch wenn man ihn sich mit allen anderen teilen muß.
Das ist aber nur theoretisches Gesäusel. Einordnen in seine Tabellenberechnungssoftware muß man die Vereine ja trotzdem, und so gibt es natürlich bereits vor der Saison auch immer eine Mannschaft, die die Tabelle anführt. Je nachdem, in welcher Liga man bei welchem Verein auf den Internetauftritt schaut, erhält man so natürlich in einer Liga mit 18 Teilnehmern genau 18 verschiedene Auskünfte über den Tabellenführer - auf der jeweiligen Webseite findet sich immer die jeweilige Mannschaft ganz vorn. Blicken wir beispielsweise in die Oberliga im Nordosten der Republik, und da speziell auf den ehemaligen Serienmeister BFC Dynamo. Ganz oben in der Tabelle auf dessen Seite findet sich - natürlich - der BFC selber.
Eine Frage ist aber auch, wer dann ganz hinten steht? Beim BFC schiebt man den SV Falkensee/Finkenkrug ans Ende, wohl deswegen, weil man diesen Klub kaum kennt. Beim 1. FC Union, frisch aus der Regionalliga abgestiegen und voller Tatendrang, sich dort auch wieder hinzusiegen, verfährt man an der Spitze der hauseigenen Tabelle wie üblich, an deren Ende aber doch mit Vorbedacht. Dort findet sich nämlich eben jener BFC Dynamo, mit dem die Unioner eine ewige Hassliebe verbindet. Und da konnte man sich die Chance nicht entgehen lassen, in der Anfangstabelle der Saison den Stand einzugeben, den man sich eigentlich zum Ende wünscht: Union steigt auf, BFC steigt ab.
Zufall? Wohl kaum.
Übrigens: Was wurde einem gewissen Michael Ballack seinerzeit nach der Niederlage auf Schalke vorgeworfen, als er folgende Sätze von sich gab:
"So, wie die heute gespielt haben, werden die auf keinen Fall lange an der Spitze stehen. Wir haben wesentlich mehr erwartet von Schalke. [..] Klar, wenn man so ein Spitzenspiel gewinnt, kriegt man vielleicht einen Schub. Aber ich glaube nicht, dass die sich weiter so durchmogeln werden. Ich gehe weiter davon aus, dass wir Meister werden", so Ballack weiter.Er hatte doch einfach nur recht gehabt. Schalke war dünn (man schaue sich doch bloß mal das schlechte Torverhältnis an) und hat seit diesem großen Tag, als man die Bayern schlug und mal wieder vier Minuten Traummeister war, schlicht und einfach das Durchmogeln vergessen. Bilanz seither:
1 Sieg, 1 Unentschieden, 4 Niederlagen - macht 4 Punkte aus 6 Spielen bei 10:15 Toren
Alldieweil die Bayern einfach nur das machten, was sie sowieso besser können - Fußball spielen. Bilanz seither:
6 Siege - macht 18 Punkte aus 6 Spielen bei 16:3 Toren
Also: Was lernen wir daraus?
• Ballack ist kein schlechter Verlierer
• Schalke hat sich lange Zeit durchgemogelt
• Bayern ist Meister
Gratulation.
Dass Bayern und Schalke im DFB-Pokalfinale bereits zum dritten Male in dieser Saison aufeinander treffen, ist alleine keine Garantie für ein spannendes Spiel. Daß die Schalker bislang zweimal die Nase vorn hatten, auch nicht. Daß es zweimal nur 1:0 hieß, spricht auch nicht dafür. Fußballerische Magerkost stand bislang immer auf dem Plan, und zwei kümmerliche Tore in den zwei Spielen machen nicht viel Hoffnung auf ein Schützenfest.
Spannung also ade? Nicht ganz. Zumindest aus Sicht der Qualifikation für den UEFA-Cup herrscht große Spannung vor dem Endspiel. Denn sollten beide Mannschaften in der Tabelle der Fußballbundesliga ihre Positionen bis zum Ende der Saison halten können, spielte der Meister gegen den Vizemeister. Das hat aber auch Relevanz für die Vergabe des UEFA-Cup-Startplatzes, der an die Teilnahme im DFB-Pokalendspiel gebunden ist. Und da der Meister und sein Vize für die Champions-League gemeldet werden, würde keiner von beiden im UEFA-Cup starten. Wer aber dann? Womöglich einer der Halbfinalisten, wobei der Sieger eines noch anzusetzenden Entscheidungsspiels in den UEFA-Cup zieht? Eher nicht.
Einfacher wird das Ganze, weil sich mit Werder Bremen einer der Verlierer des Halbfinales auch noch für die Champions-League-Qualifikation bewerben kann. Die müssten nur langsam mal wieder anfangen, Fußball zu spielen. Also Bielefeld, ohne Entscheidungsspiel? Wohl kaum, obwohl die Bielefelder das für ihr gutes Spiel am Mittwoch sicherlich verdient hätten. Eventuell wird der freigewordene Platz im UEFA-Cup einfach an den Tabellensechsten vergeben. Dieser Platz wird derzeit vom Hamburger SV warm gehalten.
Oder aber, die Regeln sehen so eine komplizierte Festlegung gar nicht vor - dann würde der Startplatz verfallen. Bielefeld oder Hamburg wären dann ganz schön traurig - und Europa auch. Denn gegen die deutschen Mannschaften kommt man doch immer so leicht weiter...
Heute ist es an der Zeit, über ein Thema zu sprechen, das ich lange verdrängt und vor mir her geschoben habe. Es ist ein schlechtes Zeichen, wenn einem das passiert, sobald man über seinen Lieblingsverein schreiben möchte - muss -, aber die aktuelle Tabellensituation am Ende der Regionalliga Nordost lässt mir keine Wahl. Der 1. FC Union Berlin, so weh mir das tut, spielt eine verkorkste Saison, hat ein ängstliches, zu keinerlei Selbstvertrauen fähiges Team und steht zu Recht dort, wo er derzeit hingehört - am Ende der dritten Liga und damit auf dem Weg in die Viertklassigkeit.
Wir - die Fans - fragen uns nun natürlich nach dem Sinn dieser Sache. Steckt hinter all dem ein großer Plan? Ist diese Demütigung, diese niederträchtige und verdammenswürdige Wendung des Schicksals, das unseren Verein seit fast anderthalben Jahren befallen hat, Teil eines großen Schemas, das wir am Ende einmal irgendwann verstehen lernen? Gibt es in all diesen grausamen Fußballspielen, die uns unsere Mannschaft anzuschauen zwingt, die Spur eines uns in bald wieder ins Gesicht lächelnden Glücks, dessen wir in all unserer Verzweiflung nicht gewahr werden wollen?
Kann es wirklich stimmen, daß uns die grausamsten aller Götter, nämlich die des Fußballs, zwingen wollen, in die Liga abzusteigen, in der unser größter Erzfeind gefestigt seine Runden zieht? Auf daß wir wieder in ihre dumm grienenden, eingebildeten Gesichter schauen mögen, wenn sie sich endlich wieder auf einer Höhe mit uns glauben, diese Fans des BFC. Ist es das, was man mit uns vorhat? Wer weiß das schon. Gnade uns Gott, wenn wir auch gegen die noch verlieren. Niemand in dieser vergeßlichen Stadt gäbe einen Pfifferling auf das Pokalendspiel vor ein paar Jahren, das ein Gelsenkirchener Vizemeister mit viel Glück gegen uns gewann. Niemand erinnerte sich an die tollen Spiele im UEFA-Pokal, als wir den finnischen Zuschauern Respekt abverlangten für die begeisterten Fans, die dieses unbekannte Team da mitgebracht hatte. Und zu Recht - wir hätten es nicht anders verdient.
Aber vielleicht haben die Götter ja Großes mit uns vor. Vielleicht sollen wir am letzten Spieltag der nächsten Saison gegen eben diesen unseren Erzfeind gewinnen, die weinrotweiße Fussballsch... in die fünfte Liga schicken und selber aufsteigen. Vielleicht soll dann unser Stadionneubau fertig werden, wir durch neu entfachte Begeisterung den Schwung des Aufstiegs nutzen und gleich weiter steigen. So daß uns ein Jahr später die Fußballbundesliga zu Füßen liegt während wir von Sieg zu Sieg taumeln und Hertha BSC - eine weitere Truppe hochbezahlter Gurken, die man als Unioner unbekümmert hassen darf in dieser Stadt - zweimal mit 5:0 aus dem Stadion fegen. Vielleicht sollen wir ein Jahr später zuerst Chelsea und Inter, im Achtelfinale dann ManU, danach Barcelona, anschließend Juve und im Finale Real Madrid zur Sau machen und uns mit Champagner und Bier die Birne zuhauen können und danach die Straßen im Umfeld des Endspielstadions in irgendeiner europäischen Großstadt in Kotze und heiserem Gebrüll versinken zu sehen. Und das alles, um für dieses Jahr entschädigt zu werden.
Und anschließend steht jeder von uns Fans auf seiner eigenen, etwa einhundert Meter hohen Pyramide. So weit das Auge reicht überall diese Pyramiden, mit den nur in einem leinernen Hemd gekleideten Fans darauf, und auf den Hängen jeder einzelnen dieser riesigen Pyramiden unzählige, von Sexsucht besessene Frauen, die wie rasend darum kämpfen, als erste die Spitze zu erklimmen, einzig und allein, um vor den Anderen über uns herzufallen und uns in sexueller Hinsicht aufs Allerheftigste verwöhnen zu dürfen.
Das wär doch was. Dann wäre das alles, zugegebenermaßen, eigentlich gar nicht so schlecht. Ich glaube, so sollte ich es sehen.
Der BFC Dynamo, ein Ostberliner Viertligist, kämpft derzeit um das Privileg, Sterne auf dem Trikot führen zu dürfen. Deutsche Meister im Fußball dürfen das, und wie der FC Bayern möchte der BFC Dynamo drei solcher Sterne für seine vielen Meisterschaften in der DDR vorzeigen dürfen.
Nun hat der DFB darüber erstmal diskutiert - und beim BFC hat man anlässlich dieser Diskussion schon mal die Trikots unter die Nähmaschine gelegt. Denn morgen, so freut man sich beim ehemaligen Stasiklub, wäre ein Viertligaspiel der willkommene Anlass, sich öffentlich auf eine Ebene mit Deutschlands letztem Championsleague-Vertreter zu stellen.
Aber gemach!, sagt die Berliner Zeitung und weist auf die ungewöhnlichen Zusammenhänge hin, auf die der ostdeutsche Serienmeister für seine Serienmeistereien so zurückgreifen musste: ständige Begünstigungen durch Schiedsrichterfehlentscheidungen, lebenslange Sperren für Leistungsträger von Konkurrenten und Bevorzugung bei der Spielerauswahl.
Den Spitznamen "Schiebermeister BFC" hatte sich der Klub in der DDR nicht umsonst verdient. Und sollte der DFB dafür ernsthaft drei Sterne vergeben wollen?
Nicht nur Fussballfans haben so ihre Probleme, wenn das eigene Team verliert. Auch Rugbyfans können da zu Überreaktionen neigen...
Bleibt zu hoffen, daß der Rugbysport im Gegensatz zum deutschen Fußball von Wettskandalen unberührt ist und der Ausgang des besagten Spiels nicht manipuliert war. Sonst hätte er sich seine Glocken womöglich umsonst abgeschnippelt. Aber wer weiß, vielleicht brauchte seine Kuckucksuhr ja neue Gewichte?
Jim stellt Vergleiche an zwischen dem Verhalten von Oliver Kahn und dem von Christoph Daum:
Manchmal frage ich mich, ob nicht Oliver Kahn der gleichen heimlichen Leidenschaft fröhnt wie weiland Christoph Daum. Dieses übermotivierte hochaggressive Verhalten, was auch mal kurzfristig in Depression umschlagen kann. Der leichte Grössenwahn. Das etwas halbseidene Schickimicki-Umfeld.Kahn also am Koksen? Es gibt weitere Verdachtsmomente. So ergab seinerzeit ein Anruf von Anke "Late Night" Engelke in Kahns Wochenendadresse P1, daß der Torwart des FC Bayern dort immer nur Sprudelwasser zu sich nehme.
Und? Ganz einfach: Schon mal über all die Typen in den Diskos landauf-landab gewundert, die sich köstlich amüsieren und dabei die ganze Zeit nur Selterswasser saufen? Die sich benehmen, als ob sie weiss-Gott-wie drauf sind und dabei die ganze Nacht ohne Alkohol auskommen? Und man selber wackelt da so in der Ecke rum, verballert an der Bar mehrere hundert Euros und langweilt sich vom Feinsten? Kuckt wirklich allen Torten auf die Titten und geht trotzdem solo nach Hause? Aber wir schweifen ab.
Jedenfalls gibt es für das Verhalten dieser Typen nur eine Erklärung, Leute: Die koksen, diese Seltersfutzis. Und zwar ohne Ende. Wie soll das denn sonst ablaufen?
Weil dem Maier-Seppl die ständigen Sticheleien vom Lehmann-Jens gegen den Strich liefen, hat er in seiner urbayerischen Art mal kräftig losgepoltert. In der Konsequenz, so wissen wir jetzt, hat darauf der Klinsmann-Jürgen nur gewartet. Denn gegen dessen Strich, so scheint es, läuft der Kahn-Olli, sobald er im schwarz-weißen Trikot der Nationalmannschaft den Platz betritt.
Und so gab es mit Sepp Maier das erste Bauernopfer im Kampf um die Nr. 1 im deutschen Tor. Kahn wird sich in Zukunft mässigen müssen, denn seine unbeherrschten Attacken wie beispielsweise die vor einigen Wochen gegen Miroslav Klose könnten dem Nationaltrainer Klinsmann schnell genügend Gründe liefern, ihn einfach abzusägen.
Nicht, dass man damit Probleme haben sollte - von verdient haben im Sinne von durch vergangene Leistung als Torwart gesetzt kann und sollte man hier sowieso nicht sprechen. Verdienen muss Oliver Kahn sich diesen Platz in der Nationalmannschaft durch Leistung auf dem Platz, so wie jeder andere Torwart auch. Aber eben auch nur dort, wie Sepp Maier zu Recht hingewiesen hat. Denn Jens Lehmann hofft, sich diesen Platz durch lautstarke Rhetorik abseits desselben verdienen zu können.
Das er sich da mal nicht täuscht. Denn letzten Endes scheint es, als ob Jürgen Klinsmann keinen von beiden im Tor seiner WM-Mannschaft sehen will. Der Schwaben-Pfeil tendiert ihn Richtung Timo Hildebrand.
Da der Maier-Sepp aber nun nicht mehr die Torwartfeinde trainieren darf, greift der Klinsmann-Jürgen auf den Köpke-Andreas zurück. Der hat mit Jens Lehmann eins gemein, und zwar daß er auch schon öfter gegen Oliver Kahn gestichelt hat, ist aber voller Tatendrang und posaunt auch gleich hinaus, alles besser und komplexer zu machen als sein Vorgänger. Bevor sich jetzt aber alle freuen, wollen wir nur auf eines hinweisen: Maier-Sepp, Kahn-Oliver, Lehmann-Jens und der Hildebrand-Timo haben dem Köpke-Andreas eines voraus - sie sind alle in ihrer Karriere noch nie abgestiegen.
Frank Rost, Torhüter in den Diensten des FC Schalke 04, fühlte sich von seinem Ex-Verein Werder Bremen verschaukelt. Der Stromausfall, der am vergangenen Freitag das Eröffnungsspiel der 42. Bundesligasaison in die tiefste Nacht verschob, sei von den Bremern absichtlich herbeigeführt worden:
"Das geht nicht mit rechten Dingen zu, da spielen andere Dinge eine Rolle, aber das kennt man hier ja."Nico Lumma kann dem nicht ganz zustimmen. Er fragt sich, ob nicht El Quaida für den gemeinen Terroranschlag auf des Deutschen Lieblingssportart verantwortlich sein könnte. Diesem Gedankengang kann nun der Denkpass nicht folgen, zumal er auch nicht weiter ausgeführt wird.
Denn Nico war der richtigen Lösung doch bereits so nah. Am Freitagabend, während des besagten Spiels, weist Nico auf eine Meldung hin, die über Yahoo News verbreitet wurde. Da werden die Geschenke aufgezählt, die George W. Bush von seinen Staatsgästen erhalten habe. Ganz lapidar weist Nico dann am Ende auf den entscheidenden Zusammenhang zu Frank Rosts Verschwörertheorie hin:
"Äusserst spendabel waren die Deutschen, die haben George W. Bush gar nichts geschenkt."Und das war dem lieben George W. dann doch etwas zu schroff. Ergo, so hat George W. beschlossen, gibt es Rache. Sofort hat er Donald Rumsfeld angerufen und beauftragt, den Deutschen eine Lektion zu verpassen. Rumsfeld fällt natürlich sofort die Fußballbundesliga ein. Und so wurde ein Bagger losgeschickt, der aus amerikanischer Sicht zwei Fliegen mit einer Klappe schlug.
Zum einen wurden die Hoffnungen des deutschen Pay-TV-Publikums auf eine planmäßige Übertragung zerstört. Zugleich aber auch - symbolisch - alle Träume der rot-grünen Bundesregierung, man könne die in Kyoto beschlossene Reduktion der Kohlendioxid-Emission erreichen, ohne die Wirtschaft zu beeinflußen. Denn auch die diesbezüglichen Unkenrufe deutscher Politiker werden in Washington als äußerst unfreundlich eingestuft.
Klingt unglaubwürdig? So ein Zufall aber auch, daß Donald Rumsfelds Verwandte in der Nähe von Bremen wohnen.
Dem Land geht es schlecht. Steigende Arbeitslosenzahlen, eine ratlose Regierung und kein Ende dieser ausgedehnten Konjunkturdelle in Sicht. Selbst was den Sport betrifft, befindet sich die Nation eindeutig auf dem Rückmarsch. Bundesverbraucherministerin Renate Künast beschwert sich über schwabbelige Teenis mit zuviel Kaufkraft, Jan Ullrich greift nur noch selten an und wird dann trotzdem bloß Dritter und zur Olympiade fahren unsere Ahtleten auch bloß als Statisten. Und beim Fußball? Beim Fußball waren wir doch schon immer wer...
Ja, waren. Seit Nur-ein-Rudi-Völler seinen Graubart vom grausigen Gekicke unserer Nationalmannschaft abgewandt hat, steht es auch da nicht mehr zum Besten. Nicht, daß es vorher gut aussah - Rudi wußte schon, warum er keine Lust mehr hatte. Seit Jahren fehlte der deutschen Nationalmannschaft das entscheidende Quentchen Glück. Ob das nun bei der fehlenden Einsatzbereitschaft, zu vielen ausländischen Bundesligaprofis oder einer mangelnden taktischen Schulung unseres Fußballnachwuchses seinen Ursprung nahm, spielt keine Rolle mehr. Denn besagtes Glück will auch der eigens eingesetzten Trainerfindungskommission nicht über den Weg laufen.
Ottmar Hitzfeld sagt ab, Rehhagels Otto lässt sich mit Euromillionen und einem olympischen Fackellauf bestechen und alle anderen ziehen den Schwanz ein. Zu guter Letzt taucht Loddar auf und spielt sein altbekanntes Spiel: Keiner fragt und Lothar antwortet. Nun müssen ausländische Trainer ran, doch auch die zögern, stellen sich dumm oder sagen ab.
Dabei gäbe es doch eine Lösung, die man fast schon akzeptiert hatte und die trotzdem nicht konsequent zu Ende gedacht wurde. Und sie führt über Gütersloh und Dortmund in Fußballdeutschlands heimliche Hauptstadt: München.
Für einen kurzen Moment, als es den Mitgliedern der Trainerfindungskommission so vorkam, daß Ottmar Hitzfeld vielleicht nur etwas Zeit für sich und seine Familie bräuchte, war man drauf und dran, seinen Assistenten Michael Henke als Interimscoach zu installieren. Und zwar solange, wie Ottmar Hitzfeld brauchen würde für all die Sachen, für die man so Zeit braucht in seinem Leben. Nur Ottmar hat sich nicht überrumpeln lassen und diesen Kuhhandel sofort glatt gestellt. Sein Nein sei endgültig, so erklärte er aufgebracht.
Und alle taten die ganze Idee sogleich als Hirngespinst ab und suchten fleißig weiter nach einem Mann, der unser Team in zwei Jahren zum Weltmeister formen soll. Dabei ist Michael Henke doch mehr als nur eine Interimslösung. Der 47-Jährige ist seit vielen Jahren Co-Trainer bei den erfolgreichsten Klubs der Bundesliga. Er konnte dabei dem Wunschkandidaten Gerhard Mayer-Vorfelders, der Trainerfindungskommission und ganz Deutschlands, Ottmar Hitzfeld, seit 13 Jahren über die Schultern schauen. Zusammen gewannen sie zweimal die Champions League und den Weltpokal, wurden fünfmal Deutscher Meister und gewannen den DFB-Pokal, den Ligapokal und den Supercup.
Sie bildeten das erfolgreichste Trainerduo in der Geschichte des deutschen Fußballs. Aber irgendwann wird es Zeit für Michael Henke, sein gewonnenes Wissen und seine gesammelten Erfahrungen alleine anzuwenden. Warum nicht jetzt? Warum nicht als Trainer der deutschen Nationalmannschaft?
Im Gegensatz zu vielen anderen stünde er obendrein sofort zur Verfügung.
Der 1.FC Union Berlin war schon immer etwas Besonderes. Und auch seine Fans können für sich in Anspruch nehmen, den üblichen Rahmen zu sprengen. Immerhin sammelten sie im Juli innerhalb von wenigen Tagen 1,47 Mio. € für den Erhalt der Regionalligalizenz. Verein und Fans können sich also auf dauerhafte Bindungen verlassen.
Für Fans des 1.FC Union Berlin, die sich auch im Tode nicht von ihrem Verein trennen wollen, hält Rainer Dallmann Urne und Sarg in Rot-Weiß bereit. Die Preise rangieren von 395 € für die Urne bis zu 995 € für den Sarg und sind damit durchaus erschwinglich.
Wer also künftig nachts am Friedhof vorbeikommt, und Fußballgesänge zu hören meint, braucht sich nicht zu wundern. Es könnte sich um die Geister von verblichenen Unionern handeln.
Griechenlands Finaleinzug ist in mehrfacher Hinsicht nicht nur für Griechen bedeutsam:
Für Griechenland:
• erstes Finale bei einem großen Turnier in der Geschichte des Landes
• damit zugleich beste Platzierung der Griechen seit dem 3. Platz bei den olymypischen Spielen von 1906
Für Deutschland:
• zumindest in Vertretung nahm Rehakles Rache für die unglückliche Niederlage gegen Tschechiens B-Elf
• im Hinblick auf die WM 2006 im eigenen Lande sehen wir nun, daß die von den Griechen kopierte deutsche Spielweise auch erfolgreich umgesetzt werden kann - man muss nur zwei Halbzeiten am Stück laufen wollen
• der bislang einzige Deutsche im Finale - Schiedsrichter Markus Merk - braucht sich nun nicht mehr so einsam zu fühlen
Für Tschechien:
• 1996 - Niederlage durch Golden Goal eines deutschen Stürmers
• 2004 - Niederlage durch Silver Goal der Mannschaft eines deutschen Trainers
• 2012 - Niederlage durch Bronze Goal eines deutschen ???
Unabhängig vom gestrigen Spiel gibt es eine weitere Auffälligkeit der EM 2004. Es handelt sich um die anhaltende Erfolglosigkeit der Mannschaften, die der WM 2002 ihren Stempel aufdrücken konnten. So scheiterte der WM-Dritte Türkei bereits in der Qualifikation zur Europameisterschaft. Der Vizeweltmeister Deutschland schaffte es nicht, über die Gruppenspiele hinauszukommen. Und der Weltmeister? Der durfte sich nicht mal qualifizieren...
Im letzten Vorrundenspiel gegen Tschechens B-Auswahl benötigt die deutsche Nationalmannschaft heute abend einen Sieg, um sich ihres Weiterkommens sicher zu sein. Der Denkpass hat schon darauf hingewiesen, daß für einen Sieg im Fußball eines unabdingbar ist: Tore schießen. Denn gerade das fällt der deutschen Mannschaft schwer.
Und so verwundert es auch kaum, wenn man sich vor Augen führt, daß die deutsche Nationalmannschaft seit nunmehr acht Jahren auf einen Sieg bei einer EM-Endrunde wartet. In den zwischenzeitlich absolvierten Spielen erreichte die Mannschaft drei Unentschieden (2x 1:1 und das 0:0 gegen Lettland vom vergangenen Wochenende) und verlor zwei Mal (0:1 und 0:3). Wie man an der Torausbeute der Spiele sehen kann, kommt die anhaltende Erfolglosigkeit keinesfalls von Ungefähr. Zwei Tore in fünf Spielen sind zuwenig, um international bestehen zu können.
Und heute abend? Rudi Völler hat sein Problem erkannt und scheint sich wieder für den Ein-Mann-Sturm mit Kevin Kuranyi als Spitze zu entscheiden. Die Mannschaft hat im Spiel gegen die Niederlande besser gestanden, Tschechiens B-Elf ist immer noch stark genug, um uns einfach wegzuputzen und außerdem sah man ja im Spiel gegen Lettland, wie wenig Druck von zwei Spitzen im deutschen Sturm ausgehen. Zumal, wenn eine der Sptizen der lustlos wirkende Fredi Bobic ist.
Wir dürfen trotzdem gespannt sein. Denn gegen die Niederlande konnten wir mit einem Unentschieden leben, heute abend sollte es aber schon ein Sieg sein (wollen wir denn das Schicksal Italiens und Spaniens nicht teilen). Da kommen uns die Tschechen allerdings auch nicht ungelegen. Denn den letzten Sieg hat die deutsche Nationalmannschaft im Endspiel der Euro ´96 eben gegen jene Tschechen errungen. Wenn das mal kein gutes Zeichen ist!
Anstelle der gewünschten zwei Tore mehr hätten wir uns am Ende auch mit einem begnügt. Oder wenigstens mit einer Torchance. Was rede ich da? Ein Torschuß wäre schon toll gewesen. Aber das Spiel gegen Lettland war schwerer als von vielen (und auch mir) erwartet. Das Ergebnis zeigt deutlich, warum Herr Völler der Bundes-Rudi ist und ich nur der Denkpass. Habe ich mich Träumereien hingegeben, daß der deutsche Sturm zwei Tore mehr schießen würde als die lettische Mannschaft, so hatte Rudi darauf hingewiesen, daß man diese Letten erst mal schlagen müsse.
Dabei hat der deutsche Sturm bislang noch gar kein Tor getroffen. Kein Wunder übrigens, wenn man mit Herrn Bobic aufläuft. Ich will nicht sagen, daß er schlecht ist. Keineswegs. Ich glaube bloß, er hätte ernsthafte Schwierigkeiten, das Wasser zu treffen, wenn er den Ball aus einem Boot schießen soll. Übrigens - der einzige Treffer, der für uns zu Buche steht, hätte eigentlich gar nicht fallen dürfen, wenn irgendjemand an den Ball gekommen wäre. Wollte auch keiner richtig glauben, als er drin war, so meine ich mich erinnern zu können.
Aber es gibt weitere Erkenntnisse:
• Daß Deutschland eine Turniermannschaft sei, die sich von Spiel zu Spiel steigert, ist erstmal wiederlegt. Denn als Steigerung war dieses wilde Flanken-über-alle-Spieler-schlagen wohl nicht zu verstehen.
• Anstelle des Unentschiedens benötigen wir gegen die Tschechen nun einen Sieg. War ersteres schon schwer, wird zweiteres unmöglich sein. Der Grund? Für einen Sieg muß man nämlich mindestens ein Tor schießen, Freunde.
Aber wir werden das schon packen. Denn die deutsche Mannschaft hat bislang eines bewiesen: Sie spielt immer so, wie es keiner erwartet. Und daß wir zu den besten acht Mannschaften Europas gehören sollten, dürfte niemand auf der Rechnung haben.
Am 2. Spieltag der Vorrundengruppe D der Fußballeuropameisterschaft trifft die deutsche Nationalmannschaft um 18:00 Uhr in Porto auf Lettland. Dabei wäre es für Rudi Völlers Truppe wichtig, mit zwei Toren Unterschied zu gewinnen - würde doch so am letzten Spieltag gegen Tschechien ein Unentschieden ausreichen, um in das Viertelfinale einzuziehen.
Denn egal, wie das Spiel Holland-Tschechien (20:45 in Aveiro) ausgeht, eine der beiden Mannschaften könnte die deutsche Nationalmannschaft in der Tabelle dann nicht mehr überholen. Schauen wir uns die Konstellation einmal an. Voraussetzung bleibt: Deutschland gewinnt heute mit zwei Toren Unterschied, also 2:0, 3:1 oder gar 7:5 - und hätte heute abend vier Punkte.
• Gewinnt Tschechien gegen Holland, haben die Holländer einen Punkt und können am letzten Spieltag auf maximal vier Punkte kommen. Mit einem Unentschieden gegen Tschechien stünde Deutschlands Punktekonto bei fünf Zählern - wir wären im Viertelfinale.
• Gewinnt Holland heute abend, so hätten die Tschechen drei Punkte, Holland vier. Deutschland würde mit einem Unentschieden gegen Tschechien auf fünf Zähler kommen und könnte von den Tschechen nicht mehr überholt werden - der Viertelfinaleinzug wäre die Folge.
• Spielen Holländer und Tschechen heute abend Unentschieden, und siegt Holland am letzten Spieltag gegen Lettland bei einem gleichzeitigen Unentschieden zwischen Deutschland und den Tschechen, hätten die drei großen Teams der Gruppe D jeweils fünf Punkte. Weil wir aber mit zwei Toren gegen Lettland gewonnen haben (deswegen wäre das so wichtig) und Tschechien nur mit einem Tor, wäre Deutschland auf jeden Fall vor Tschechien platziert.
So oder so, bei einem heutigen Sieg mit mindestens zwei Toren Unterschied würde uns am letzten Spieltag ein Unentschieden reichen.
Allerdings, auch die Letten würden gern gewinnen. Denn dann hätten sie selber eine Chance auf das Viertelfinale. Und so warnt Rudi Völler denn auch vor ebenjenen Rechenspielen, denen der Denkpass gerade erlegen ist:
„Es wird schon schwer genug, das Spiel überhaupt zu gewinnen.“
Ich gebe es offen zu: Lange Jahre hielt ich Rudi Völler mehr für einen Lückenbüßer als für die wirkliche Lösung der Trainerfrage unseres Nationalteams. Und Michael Skibbe erst! Den nahm doch nie jemand ernst, damals, bei Borussia Dortmund. Hauptgrund für meine Zweifel? So jung beide sind, so wenig sind sie doch für Wechselspielchen. Und zwar in jeder Hinsicht, wie die Berufung von Christian Ziege in die Nationalmannschaft ebenso zeigt wie die Einwechselung von Fredi Bobic in der 85. Minute gegen Holland.
Was das Auswechseln von Fußballspielern angeht, haben Bundes-Rudi und Bundes-Skibbe eine äußerst lange Leitung. Sowenig Sinn es macht, bei Christian Ziege darauf zu warten, daß er mit 32 Jahren endlich lernt, eine Flanke so zu schlagen, daß sie zumindest in der Nähe des Strafraums landet, so unverständlich blieb gestern abend, warum mit Kevin Kuranyis Auswechslung bis zur 85. Minute gewartet werden mußte. Der Schwabenpfeil war körperlich nach 60 phantastischen Minuten am Ende - und hätte spätestens in der 70. Minute durch Thomas Brdaric ersetzt werden sollen. Herthas Sturma(a)s Fredi Bobic dagegen würde ich nicht mal in die Nähe eines EM-Fußballplatzes lassen.
Aber das spielt alles keine Rolle, wenn man bedenkt, daß Rudi ansonsten alles richtig machte. Alles? Wie wir seit gestern wissen, ist Rudi ein kaltblütiger Taktierer und eiskalter Fintenleger, der seinesgleichen sucht. 1:5 in Rumänien? 0:2 gegen Ungarn? Paaah - wer glaubte, daß Deutschlands Nationalmannschaft so schlecht sei, hat nicht verstanden, worauf es dem Bundes-Rudi ankommt. Alles Absicht: Verwirrung und Zweifel streuen, seine Gegner im Unklaren lassen über die eigenen Mannschaftsstärke.
Wie sagt eine alte Fußballweisheit: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Wenn man seinen Gegner in die Irre leiten will, so Rudi Völler, kann es sich dabei auch ruhig mal um 48 Tage handeln. Die Holländer jedenfalls haben sich das alles sicher ganz anders vorgestellt. Die meisten der deutschen Zuschauer, mich eingeschlossen, aber auch.
Rudi hat uns alle an der Nase rumgeführt. Und wenn es nach mir geht, soll er das mal ruhig weiter so machen. Und uns am Ende auf dem Frankfurter Römer den Topp hinhalten...
Weil einige Zeitungsreporter des niedersten Postillenniveaus, aber auch ihre Kollegen der privaten Leichtkost-Television bemüht-eloquent darauf herumreiten, möchte der Denkpass nur in aller Kürze darauf hinweisen:
Vor solch folgeschweren Fehlern wie diesem, diesem oder jenem stehen jahrelange Arbeit und unglaubliche Erfolge.
Der Denkpass vermutet auch hinter den Namen dieser Journaille-isten Lebewesen, die intelligentem Zuspruch zugänglich sein können. Auch wenn sich ihre vor menschlichem Gewissen nur monetär vertretbaren Erfolge darauf beschränken, Lügen in DRUCKBUCHSTABEN zu formulieren, so daß auch der letzte Pisa-Versager sich angesprochen fühlt, müssen sich in den Redaktionen von Bild oder RTL doch allerletzte Spuren natürlicher Intelligenz nachweisen lassen. Diesen sei gesagt, daß Oliver Kahns Teilnahme an einem WM-Endspiel, einem Champions-League-Achtelfinale und dem Quasi-Endspiel um eine Deutsche Meisterschaft Ausdruck unvergleichlichen sportlichen Erfolgs wie Gegenstand millionenfachen Neides sind.
Wobei das letztere Phänomen besagten Individuen wahrscheinlich allzu bekannt sein dürfte. Anders läßt sich ihre Schadenfreude jedenfalls nicht erklären.
Populismus ist laut der Wikipedia u.a. wie folgt definiert:
[Populisten] achten bei [..] Äußerungen meist mehr darauf, ob sie die Zustimmung [großer Teile] des Volkes finden, als darauf, ob sie [anstehende] Probleme wirklich lösen.Populismus ist also nichts anderes als mehrheitliches Honig-ums-Maul-schmieren. Peter Struck, Verteidigungsminister der Bundesrepublik Deutschland und ehemaliger Vorsitzender der SPD-Fraktion, der sonst anderen Politikern Populismus gerne mal vorwirft, hieb gestern selber in die populistische Kerbe, als er sich im Fernsehen zur Deutschen Meisterschaft im Fußball positionierte:
"Ich bin froh, daß Werder Deutscher Meister wird. Ich bin froh, wenn jede Mannschaft außer Bayern München Meister wird."Der zweite Satz erregt unser Mißfallen. Entweder kann Peter Struck den FC Bayern nicht leiden, weil er ihn immer an diesen Herrn erinnert - oder er möchte sich auf Kosten des FC Bayern profilieren. Mit den Worten des Volkes (um dessen Zustimmung er sich ja anscheinend sehr bemüht) beschreibt man das so: auf anderer Leute Pisse Kahn fahren.
[Anm. d. Denkpasses: Zitat basiert auf Mitschrift, kann also vom wirklichen Wortlaut geringfügig abweichen.]
Der Herr Wildmoser, seines Zeichens Präsident beim TSV 1860 München, dachte Warum nicht? und hat sich mit dem deutschen Ableger Alpine Bau GmbH der österreichischen Baufirma Alpine auf eine klitzekleine Korruption eingelassen, so scheint es. Soweit ist das gestern und heute morgen von allen großen Medien auch verkündet worden.
Der Denkpass zeigt sich nur verwundert, daß im Radio immer noch von einer Baufirma gesprochen wird. Die persönlichen Rechte der Herren Wildmoser (jr. + sr.) werden aufgrund der allzu klaren Beweislage nicht mehr geschützt und ihre Namen genannt. Die Rechte der Baufirma scheint man zumindest im Radio noch schützen zu wollen. Dabei gehören zu einer Korruption immer zwei: einer der das Geld vorher hat und einer der es nachher hat. Die für die Korruption verantwortlichen Mitarbeiter der Firma Alpine Bau GmbH, deren Webpräsenz vorübergehend einige Probleme aufzuweisen scheint, wären genauso schuldig wie die Herren Wildmoser. Sie sollten ebenso öffentlich benannt werden wie jene.
Des Weiteren sollte die Geldsumme, um die es hier geht, vom Staat einbezogen werden. Anfallende Kosten jedweder Art von gerichtlichen Auseinandersetzungen (der FC Bayern beispielsweise prüft rechtliche Schritte und TSV 1860 als Verein sollte das auch tun) sollten fair zwischen den Wildmosers und Alpine aufgeteilt werden. Die Bauleistungen für das geplante Stadium sollten neu ausgeschrieben werden, wobei Alpine von der neuerlichen Vergabe ausgeschlossen wird. Entstehende Kosten für die erneute Vergabe, z.B. durch die Verzögerung des Bauablaufs und Mehrkosten bei der beschleunigten Aufnahme nach der Vergabe sollten sich wiederum die Wildmosers und die Alpine Bau GmbH teilen.
Und sinngemäß sollte bei jeder Form von Korruption verfahren werden: hart, transparent und schnell. Wenn man das so durchhält, wird den Beteiligten auch schnell die volle Bedeutung des lateinischen Wortstamms klar:
lat. corrumpere = verderben / vernichten / bestechen
Die Frage, wer seine Schwäche abstellt (Lübeck - heim, Union - auswärts), wurde gestern in der für mich korrekten Form beantwortet: Union gewann 2:0 und verlässt wieder mal die Abstiegsränge. Dieses Mal, so hoffen hier einige in Berlin, bleiben wir auch außerhalb dieser Ränge.
Zwei Sachen wollen wir denn noch anmerken:
1. Die gute Abwehrarbeit des 1.FC Union Berlin (siebentbeste Abwehr) wird sich dahingehend auszahlen, bei weiterhin guter Abwehrarbeit nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben. Offense wins games, defense wins championships gilt überall.
2. Um die Spiegelei aufrecht zu erhalten, hat Hertha heute gegen Bochum nachzulegen. So wie die beiden Vereine in letzter Zeit Schritt halten, sieht es aber gut aus.
Eine Koinzidenz ist folgendermaßen definiert:
Koinzidenz (lat.), zeitl. Zusammenfallen, genaue Übereinstimmung (z.B. Interessen-K.).Was sich gestern aus Berliner Sicht im Fußball zutrug, kann demzufolge nicht besser als mit Koinzidenz beschrieben werden.
Die Situation vor dem gestrigen Tage sah folgendermaßen aus: In der ersten und zweiten Fußballbundesliga gibt es jeweils einen Berliner Fußballverein, der sich mit aller Macht gegen den Abstieg wehrt. Die Tabellensituation sah bis gestern jeweils so aus:
(Die seltsame Formatierung bitte ich zu entschuldigen.)
Pl. Anz. S U N Torverh. Punkte
1.Liga:
15 1. FC Kaiserslautern 21 7 3 11 23:34 -11 21
---------------------------------------------------------------
16 Eintracht Frankfurt 21 5 5 11 22:32 -10 20
17 Hertha BSC 21 4 7 10 20:41 -21 19
18 1. FC Köln 21 4 4 13 16:30 -14 16
2.Liga:
14 Erzgebirge Aue 21 5 8 8 21:26 -5 23
---------------------------------------------------------------
15 Eintracht Trier 21 6 5 10 24:35 -11 23
16 1. FC Union Berlin 21 5 6 10 24:27 -3 21
17 LR Ahlen 21 6 3 12 20:33 -13 21
18 VfL Osnabrück 21 5 5 11 21:35 -14 20
(Mannschaften unter der gestrichelten Linie befinden sich auf einem Abstiegsplatz.)
Durch die Siege von Hertha BSC und Union Berlin haben sich beide Berliner Profi-Mannschaften am gestrigen Tage innerhalb von 2,5 Stunden aus den Abstiegsplätzen entfernt. Die Tabellensituation heute:
Pl. Anz. S U N Torverh. Punkte
1.Liga:
15 Hertha BSC 22 5 7 10 23:42 -19 22
---------------------------------------------------------------
16 Borussia M'gladbach 22 5 6 11 23:33 -10 21
17 1. FC Kaiserslautern 22 7 3 12 23:35 -12 21
18 1. FC Köln 22 4 4 14 17:33 -16 16
2.Liga:
14 1. FC Union Berlin 22 6 6 10 26:28 -2 24
---------------------------------------------------------------
15 Erzgebirge Aue 22 5 8 9 21:28 -7 23
16 Eintracht Trier 21 6 5 10 24:35 -11 23
17 LR Ahlen 21 6 3 12 20:33 -13 21
18 VfL Osnabrück 22 5 5 12 21:36 -15 20
So weit, so gut. Dem Schicksal war diese großartige Möglichkeit, einen Jokus kosmischen Ausmaßes durchzuführen, denn doch zu schade, als daß es sie vorbei ziehen ließ. Und so ähneln sich die beiden Berliner Vereine im bezahlten Fußball dahingehend, daß sie die letzten Nichtabstiegsplätze ihrer jeweiligen Liga einnehmen - zumindest derzeit. Dies verdanken die Klubs ihren bislang starken Rückrundenergebnissen:
Pl. Anz. S U N Torverh. Punkte
7 Hertha BSC 5 3 0 2 8:9 -1 9
4 1. FC Union Berlin 5 2 2 1 9:6 +3 8
Damit enden die Gemeinsamkeiten auch. Wir wollen jetzt nicht davon reden, daß der 1. FC Union Berlin dem Denkpass bedeutend mehr am Herzen liegt als Hertha BSC. Wir wollen auch nicht über die unterschiedlichen Etats reden, der bei den Ostberlinern 6,5 Mio. € beträgt und bei den im Westen der Stadt spielenden Herthanern 49,2 Mio. € (womit wir gleich zwei weitere Unterschiede aufgezählt hätten). Wir wollen einzig und allein die sportlichen Ergebnisse vergleichen, um zu zeigen, daß die gestrige Koinzidenz wirklich nur ein zeitliches Zusammenfallen war. Stellen wir einmal Heim- und Auswärtsstärke gegenüber:
Heim:
Pl. Anz. S U N Torverh. Punkte
18 Hertha BSC 10 2 3 5 10:18 -8 9
6 1. FC Union Berlin 12 6 2 4 18:12 +6 20
Auswärts:
Pl. Anz. S U N Torverh. Punkte
6 Hertha BSC 12 3 4 5 13:24 -11 13
18 1. FC Union Berlin 10 0 4 6 8:16 -8 4
Es ergibt sich ein wirklich gespiegeltes Bild (man beachte die Platzierungen!) - Union ist zu Hause stark, Hertha BSC auswärts. Umgekehrt ist Union der auswärtsschwächste Klub der 2. Liga, Hertha BSC das heimschwächste Team der 1. Liga. Schlimm für beide: während der restlichen Spiele müssen beide Klubs öfter dort antreten, wo sie sehr schwach sind - Union auswärts, Hertha zu Hause.
Beide Vereine haben zudem einige Schwierigkeiten, das gegnerische Tor zu finden. Allerdings scheint gerade Union da auf einem besseren Weg. Der Verein hat nämlich in der Hinrunde einen Schnitt von 1,0 Toren pro Spiel erreicht, kann aber in der Rückrunde bisher 1,8 Tore pro Spiel vorweisen. Aber auch Hertha hat in den letzten vier Spielen seinen bisherigen Saisonschnitt verdoppeln können.
Herthas größte Schwäche scheint - neben dem schwachen Sturm - die katastrophale Abwehr zu sein. Immerhin die drittschlechteste der Liga, läßt sie fast 2,0 Gegentore pro Spiel zu. Doch auch daran scheint man zu arbeiten: in den letzten vier Gegenspielen hat Hertha BSC nur noch exakt 1,25 Tore pro Spiel kassiert. Unions Abwehr spielt während der gesamten Saison konstant und läßt nur 1,2 Tore pro Spiel zu.
Fazit: Vom Torekonto und Punktestand würde ich sagen, Hertha BSC müsste sich mehr fürchten. Hertha BSC hat auch keine Erfahrungen im Abstiegskampf, und gerade in Berlin mit seinen sechs regionalen Tageszeitungen ist der Druck groß. Auf dem Papier aber hat Hertha BSC eine Mannschaft, die um UEFA-Cup-Plätze spielen sollte. Union hat da nichts Vergleichbares aufzuweisen, und sollte nur im Glücksfall um den Aufstieg spielen. Beide Mannschaften scheinen aber den Kampf ums Überleben anzunehmen - das zeigen die Ergebnisse der Rückrunde.
Ich denke, beide werden bis zum Ende da unten mit bei sein. Aber: Beide werden es schaffen. Union, weil ihr Torekonto andeutet, daß sie besser sind als ihre Platzierung. Hertha, weil es eben in der 1. Liga andere Mannschaften gibt, die da wirklich nicht hingehören.
- UPDATE -
Union ist jetzt also wieder in den Abstiegsrängen, da Trier den VfB Lübeck mit 4:2 besiegt hat. Interessant ist übrigens, daß der VfB Lübeck als zweitschlechteste Heimmannschaft der 2. Liga am kommenden Freitag den 1. FC Union empfängt - wie wir wissen, somit das schlechteste Auswärtsteam. Eine bessere Möglichkeit für Union, seine Auswärtsschwäche abzustellen, wird es wohl kaum geben. Eine bessere Möglichkeit für Lübeck, seine Heimschwäche abzustellen, aber wohl auch nicht.
So schön kann er sein, der Fußball. So schön.
(Und mehr gibt es dazu nicht zu sagen...)
Ist zwar nicht ganz neu, dieses Bekenntnis Michael Meiers über die beklemmende Finanzsituation Borussia Dortmunds. Aber interessant ist es schon.
Wegen des in dieser Saison drohenden Fehlbetrags von 50 Mio. € müsse sich der Verein in Zukunft an ein „Gehaltsvolumen von 30 bis höchstens 50 Millionen Euro“ gewöhnen. Derzeit gibt die Borussia nicht weniger als 57 Millionen € für Spielergehälter aus. Mal sehen, wie eine Beispielrechnung des Managers der Borussia ausgesehen haben könnte:
So. Mal abgesehen von der wirklich bombastischen Präzisionsangabe für das kommende Gehaltsniveau (deren Bandbreite wir für unsere kleine Beispielrechnung der Einfachheit halber mal gemittelt haben), ergibt sich ein Sparpotenzial von 17 Mio. €. Hmmm. Das Finanzloch beträgt aber 50 Mio. €. Da muss die Borussia noch mal ran an den Speck.
Mein Vorschlag: Wenn sie weitere Möglichkeiten zur Einsparung suchen, warum nicht das Gehalt für Michi, das Mathe-As streichen?