02.08.05

Setz dir mal, Kindchen, ick sach' da Bescheid, wenn de wieda hoch musst

Berliner sind ruppig und haben ein loses Mundwerk? Stimmt nicht!

04.07.05

Ewige Freundschaft?

Vor einer neuen Saison haben erstmal alle Mannschaften in einer Liga null Punkte und null Tore. Manch einer freut sich da zum letzten Mal, denn so gut wird seine Platzierung nie wieder sein. Alle Mannschaften können nämlich guten Gewissens behaupten, auf dem ersten Platz zu stehen - auch wenn man ihn sich mit allen anderen teilen muß.

Das ist aber nur theoretisches Gesäusel. Einordnen in seine Tabellenberechnungssoftware muß man die Vereine ja trotzdem, und so gibt es natürlich bereits vor der Saison auch immer eine Mannschaft, die die Tabelle anführt. Je nachdem, in welcher Liga man bei welchem Verein auf den Internetauftritt schaut, erhält man so natürlich in einer Liga mit 18 Teilnehmern genau 18 verschiedene Auskünfte über den Tabellenführer - auf der jeweiligen Webseite findet sich immer die jeweilige Mannschaft ganz vorn. Blicken wir beispielsweise in die Oberliga im Nordosten der Republik, und da speziell auf den ehemaligen Serienmeister BFC Dynamo. Ganz oben in der Tabelle auf dessen Seite findet sich - natürlich - der BFC selber.

Eine Frage ist aber auch, wer dann ganz hinten steht? Beim BFC schiebt man den SV Falkensee/Finkenkrug ans Ende, wohl deswegen, weil man diesen Klub kaum kennt. Beim 1. FC Union, frisch aus der Regionalliga abgestiegen und voller Tatendrang, sich dort auch wieder hinzusiegen, verfährt man an der Spitze der hauseigenen Tabelle wie üblich, an deren Ende aber doch mit Vorbedacht. Dort findet sich nämlich eben jener BFC Dynamo, mit dem die Unioner eine ewige Hassliebe verbindet. Und da konnte man sich die Chance nicht entgehen lassen, in der Anfangstabelle der Saison den Stand einzugeben, den man sich eigentlich zum Ende wünscht: Union steigt auf, BFC steigt ab.

Zufall? Wohl kaum.

15.06.05

Weltanschauung Prenzlauer Berg

Besser kann man´s gar nicht sagen:

Ich hatte mal gehört, der Prenzlauer Berg sei kein Stadtbezirk, sondern eine Weltanschauung.

08.05.05

Treppen über Treppen im Berliner Nahverkehr

Zwei Kleine Anfragen der Abgeordneten Claudia Hämmerling (Bündnis 90/Grüne) im Berliner Senat beschäftigen sich mit der behindertengerechten Umrüstung von U- und S-Bahnhöfen. Wer schon mal mit einem Kinderwagen auf dem S-Bahnhof Warschauer Strasse gestanden hat, wird wissen, wie umständlich die Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel in Deutschlands Hauptstadt ist - und dass von fehlenden Maßnahmen für allseitige Nutzbarkeit des Nahverkehrs nicht nur Behinderte, sondern auch ältere Menschen oder Frauen mit Kindern in Kinderwagen betroffen sind.

Wie in der Koalitionsvereinbarung des rot-roten Senats für die Jahre 2001-2006 festgehalten wurde, hat man sich jedoch einem behindertengerechten Berlin verschrieben - und somit dem schrittweisen Ausbau der von U-Bahnhöfen und der Erhöhung der Sicherheit ins Auge gefasst. Wie die Kleine Anfrage jedoch gezeigt hat, gibt es in Berlin sogar U-Bahnhöfe, die nach einer grundhaften Instandsetzung weiterhin ohne Fahrstuhl erreichbar bleiben, woran der Senat seltsamerweise keinen Anstoß nimmt:

Einen Verstoß gegen die Leitlinien zum Ausbau Berlins als behindertengerechte Stadt sieht der Senat nicht, da diese grundinstandgesetzten Bahnhöfe in einer 2. Bauphase mit einem Aufzug ausgerüstet werden. [..] Von einem Verzicht auf einen behindertengerechten Ausbau kann somit nicht die Rede sein.
Höchsten von einem vorübergehenden Verzicht. Das freut Behinderte oder Kinderwagennutzer sicherlich ganz ungemein, daß sie dann einfach noch ein bisschen warten dürfen, wenn sie in der Zwischenzeit das Pech haben, an einem falschen Bahnhof auszusteigen.

20.03.05

Der Westen ist voll fieser 60er-Jahre-Architektur

Brenda Strohmeier von der Berliner Zeitung hat eine englische Schulklasse während eines Berlin-Besuchs begleitet. Heraus kamen dabei interessante Einsichten in bundesdeutsche Realitäten. Lesenswert!

13.03.05

Speisezimmer

Was steht in Sarah Wieners Speisezimmer in der Berliner Chausseestrasse an der Decke?

Speisezimmer - das war noch vor fast 20 Jahren bey uns ein fast unbekannter Name: man wohnte und aß in der Stube; jetzt gehört zum feineren Geschmack ein Zimmer, wo die Tafel zubereitet und dann gespeist werden kann.
Das war einmal. Heute gehört es im Prenzlauer Berg wieder zum guten Ton, in der Stube zu essen. Zumindest, was die Mehrzahl der Einwohner angeht.

01.02.05

Ostdeutsches Menschenkino

Berlin bietet seinen Besuchern so einiges an Einblicken in seine realsozialistische Vergangenheit. Wer will, kann in des Volkes Palast schaurig-schöne Stunden verbringen, sich in der Osseria ernähren wie ein ostdeutsches Arbeiterkind und die Wege dazwischen mit einem angemieteten Trabant zurücklegen.

Nur in der Platte wohnen, das gab es bislang nur für die, die sich bessere Wohnverhältnisse nicht leisten konnten. Denkste! Auch damit ist jetzt Schluß. In der Pension zum Elften Himmel nämlich können Touristen ohne Scheu zum Nahkontakt mit Ossies eine Nacht im elften Stock eines Arbeitersilos im wunderschönen Sozialbrennpunkt Marzahn verbringen.

"Wer hier übernachtet, soll vor allem Marzahn kennen lernen", sagt die Leiterin des Projektes. "Denn der Bezirk ist viel besser als sein Ruf."

Und das Konzept findet Anklang, wie die Berliner Zeitung meldet. Bei einem Reinickendorfer Ehepaar sogar so sehr, daß sie jetzt auch mal ins Brandenburger Umland wandern wollen. Im fünfzehnten Jahr der deutschen Einheit wird es dafür aber auch langsam Zeit...

Von unbekannt zu gleichgeschaltet

Über ein typisches Erlebnis des deutschen Alltags berichtet Eva Dorotheé Schmid heute in der Berliner Zeitung:

Sie wohnt legal in dem Altbauhaus im Prenzlauer Berg, steht in gutem Kontakt mit der Hausverwaltung und hat immer pünktlich ihre Miete bezahlt. Eines Tages jedoch war sie spurlos verschwunden. Alle Spuren ihrer Existenz waren entfernt. Besucher fanden ihren Namen nicht mehr an der Klingelanlage. Der Briefkasten war leer, denn der Postbote musste seine Briefe wieder mitnehmen, weil an keinem der Briefkästen mehr ihr Name stand. Und auch das Schild an der Wohnungstürklingel war weg, so dass sie sich beim Nachhausekommen nicht ganz sicher war, ob sie auf der richtigen Etage gelandet war - in ihrem Mietshaus sieht eine Etage aus wie die andere - und ob der Schlüssel noch ins Schloss passen würde. Er passte.

In der Wohnung war zum Glück alles noch beim Alten. Bei näherem Hinsehen fiel ihr auf, dass der Nachbar plötzlich ein anderes Schild auf seiner Wohnungstürklingel hatte, das handgeschriebene war durch ein maschinengeschriebenes ersetzt worden. Alle Bewohner des Hauses hatten dieses neue Schild. Nur sie hatte gar keins mehr. Um die Anonymität der Großstadt nicht noch schlimmer zu machen, griff sie zu Stift und Papier und fertigte drei neue Schilder. Selbstgemachte sind sowieso viel individueller. Da erkennt man schon von Weitem, dass man in der richtigen Etage angekommen ist. Doch am nächsten Tag waren die Schilder wieder verschwunden. Nach der Anonymität herrschte nun die Uniformität.

10.01.05

Berlin-Stralsund-Hamburg-Bremen

Was unterscheidet die vier Städte Berlin, Stralsund, Hamburg und Bremen voneinander? Schmerzhaftes Nachdenken liefert zum Beispiel dieses hier:

• zwei von ihnen veranstalten sechstägige Fahrradkreisfahrereien, zwei andere aber nicht
• drei von ihnen sind ihre eigenen Bundesländer, eine ist dafür eine kreisfreie Stadt
• drei von ihnen haben äußerste Schwierigkeiten mit ihren Haushaltsplanung, die kreisfreie Stadt schafft es aber, einen ausgeglichenen Haushalt vorzulegen
• drei haben bekannte Häfen, eine liegt dafür an zwei Flüssen
• drei zählen zu den größten Städten Deutschlands, eine zählt man eher zur Kategorie Kleinstadt
• drei beherbergen Bundesligisten, eine nur einen Verbandsligisten
• drei beherbergen Müllverbrennungen, eine demnächst immerhin eine Müllbehandlung

Es gibt sicherlich noch vieles weitere zu berichten. Kommen wir zu den Gemeinsamkeiten:

• alle vier waren einmal Mitglieder der Hanse
• ich durfte heute in allen vieren einmal einen Fuß (oder zwei) auf den Boden setzen

So, und damit dürfte auch die Existenz dieses sinnlosen Beitrags geklärt sein. Und damit gute Nacht!

03.01.05

Party on!

Er sei in "Feierlaune" gewesen und habe deswegen mal so ein bisserl mit seiner scharfen Pistole in der Gegend herumgeballert, sagte ein Berliner Kneipenbesitzer der Polizei. Diese hatte ihn nach kurzer Ermittlung der Mordkommission verhaftet, weil er in der Sylvesternacht einen Polizeihauptwachtmeister angeschossen hatte, als der vor der Kneipe des Wirts seinen Dienstwagen wendete.

29.12.04

About Puffmais, Ketwurst and other stuff

Over there at Dialog International, a story is told about an ongoing legal battle regarding the rights to former symbols of the German Democratic Republic. Since Dialog International posts most of his stuff in english, and this is going to be a trackback response thing, this post here is going to be in english as well. Not that it should matter to the net junkie of the 21st century.

So at the end of that post, David (the man who runs this political blog) talks about some food synonyms used in Eastgermany, especially Ketwurst and Puff-Mais. Because before the denkpass became the denkpass he was also a teenager in the most western part of the Ostblock, we´re going to chip in with some thoughts:

• Puff-Mais is not directly comparable to Popcorn. Whereas you get your popcorn as a mass of loose corns in a bag, Puff-Mais comes your way in a pressed form - more like a candy bar, but most of the time it comes in a circular form.

• The same goes for Ketwurst (in that it was not directly comparable to hot dog). The bread of the Ketwurst gets warm by putting on a hot metal rod. After that, you simply put the wurst in the hole left by the rod (and not on top of the bread like hot dogs). With Ketwurst, there is also no onions and other stuff, just bread, wurst and ketchup. And who knows what they had put in the ketchup back then.

• What was comparable was the eastern counterpart of hamburgers. In Berlin you had grillettas. Those were comparable to hamburgers except in their smell and taste. We did buy them in bunches, anyway.

And today? You still get Puff-Mais in the supermarkt - at least in the eastern parts of germany. You still get Ketwurst at the christmas market. What you won´t be able to get is grilleta. Because it was so much like a hamburger, it didn´t get past McDonalds or Burger King.

22.11.04

Hitler sells!

Die Berliner Volksbühne hat seit gestern abend die "Die ultimative Show: Good bye, Adolf Hitler" im Programm. Ein Redakteur von Spiegel Online hat sie sich angesehen. Grund für das spezielle Thema dieser Revue? Die vielen Publikationen, Dokumentationen und Fernsehabende, die sich den Führer zum Inhalt nehmen und selten Neues berichten können. Oder anders formuliert:

"Südafrika hat Diamanten, Kuweit ist auf Öl gebaut und Deutschland? Deutschland hat seine Vergangenheit. Die stinkt zwar, aber dessen ungeachtet lässt sie sich auch prima vermarkten. Hitler sells!"
Das Programm tue sich aber schwer, das Niveau zu überwinden, daß es den unzähligen "Hitler-Bücher[n], Hitler-Filme[n] und Hitler-Dokumentationen" vorwirft, so Spiegelredakteur Henryk M. Broder. Der "NS-Unterhaltungsabend" blieb seltsam, wenn er auch seine Höhepunkte hatte. Hitpotenzial zum Beispiel bei Grönemeyers "Männerrrrrr", "Schuld war nur der Adolf Hitler" auf der Melodie von "Schuld war nur der Bossa Nova" und "Am Tag als Adolf Hitler starb" nach "Am Tag als Conny Cramer starb". Der Teil mit Gesangseinlagen dürfte aber in Broders Notizbuch auf der Seite mit dem Plus so ziemlich alleine stehen.

Denn letzten Endes war es ein Abend, bei dem das Mittelmäßige überwog. Es war, so Broder, ein "grausames Spiel mit einem leichten Thema". Oder vielmehr - und nur da wollen wir Henryk M. Broder korrigieren - eine leichte Revue zu einem grausamen Thema.

03.11.04

Fußweg hin, Klima her

Die Queen treibt ihr Unwesen in der Bundeshauptstadt. Schießt mit übergroßem Hut in einer grellgrünen Verkleidung durch die offizielle und inoffizielle Partyszene, die Hände unter einer wärmenden Wolldecke dem rauhen deutschen Klima entzogen. Heute, so meldet die Berliner Zeitung, will sie unter Anderem eine Klimakonferenz eröffnen und die Stadt Potsdam besuchen.

Der Verkehrsfunk weist in diesem Zusammenhang vorsorglich auf die Staugefahr hin. Dabei ist es interessant, zu wissen, daß sich die Queen und der Duke of Edinburgh zur Nachtruhe im Adlon niedergelassen haben. Das aber ist gerade wegen seiner Lage für offizielle britische Gäste prädestiniert - befindet es sich doch im selben Gebäude wie die Britische Botschaft. Und so warnt der Verkehrsfunk, daß die Queen im Laufe des Morgens vom Adlon zur Britischen Botschaft fahren werde - um besagte Klimakonferenz zu eröffnen.

Auch gut. Die fünfzehn Meter vom Eingang des Adlons zur Straßenecke und die anschließenden fünfzehn Meter von der Straßenecke bis zum Eingang der Britischen Botschaft kann man ihr auch nicht zumuten - schon gar nicht, wenn sie eine Klimakonferenz eröffnen soll, bei der es mit Sicherheit auch um die Reduktion von Kohlendioxid-Emissionen geht.

Aber vielleicht ist die Dame ja zu Fuß recht schwach unterwegs. Da kann man aber nur hoffen, daß die Queen auf dem Zimmer gefüttert wird. Denn wenn sie Breakfast im Palaissaal des Adlons gebucht hat, wird es wohl eine mühsame Episode werden:

Der Weg vom Fahrstuhl zur Futterstelle wäre dann nämlich länger als zur britischen Botschaft, dreimal um den Tiergarten, zweimal durch die Spree getaucht und zurück ins Adlon. Und bei weitem nicht so interessant. Ob die im Adlon ein Golfcar haben?

19.10.04

Spitze!

Wie immer, gibt die Hauptstadt den Ton an. Zu sehen ist das Pro-Kopf-Müllaufkommen der einzelnen Bundesländer:

muell.JPG

12.09.04

Pünktlich und sauber

Schon vor einiger Zeit wollte Jutta Matuschek (PDS) von der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung mal wissen, welche Form des Beschwerdemanagements bei den Berliner Verkehrsbetrieben angewandt werden und welche Kulanzregelungen für Verspätungen, Ausfall, gesundheitliche Schäden u.ä. es von Seiten der Verkehrsbetriebe für ihre Kunden gäbe.

Grund zu Nachfrage gibt es allemal. Mitarbeiter, die im Namen der BVB auf der Jagd nach Schwarzfahrern leistungsabhängig entlohnt werden, lauern den Kunden in Straßenbahnen schon mal auf, bevor diese ihr Ticket am Automat überhaupt erst lösen können. Vor allem Buslinien in den Randbezirken fahren in Berlin häufig nur, wenn es sich wirklich nicht vermeiden lässt. Straßenbahnfahrer schliessen die Türen der Bahn präzise vor herannahenden Müttern mit Kinderwagen. Eine beliebig fortsetzbare Aufzählung ähnlicher Mängel könnte leicht den Serverplatz des Denkpasses überlaufen lassen.

Und die Antwort der Senatsverwaltung?

Man setze bei der BVB auf schnelle Beantwortung der Anfragen oder Beschwerden von Kunden. Diese können über Telefon, Internet, Post oder auch persönlich abgegeben werden und würden innerhalb der internen Qualitätskontrolle ausgewertet. Antwort erhielten die Kunden innerhalb von vier Wochen. Da das die im Beförderungsvertrag mit dem Senat ausgehandelte Frist von zwei Wochen überschreite, arbeite man mit Zwischenbescheiden, falls nötig. Oder man schlägt dem Kunden gleich was vor die Fresse. Auch das hat es schon gegeben.

Und Kulanzen? Seltsamerweise - denn vor dieser Parlamentarischen Anfrage wußte ich es nicht - gibt es die. Seit 1997, so antwortet die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, gebe es die Fahrzeitgarantie und die Sauberkeitsgarantie. Im Rahmen der Fahrzeuggarantie erhalten Kunden, die ihr Fahrziel aus Gründen, die die BVG zu vertreten hat, um mehr als 20 Minuten später erreichen als der aktuelle Fahrplan vorgibt, den Fahrpreis in Form eines Einzelfahrscheines erstattet. Im Nachtverkehr (23.00 – 5.00 Uhr) übernimmt die BVG gar die Taxi-Kosten in Höhe von maximal 25,00 Euro. Sollte die Ursache für die Verschmutzung der Kleidung eines Kunden von der BVG zu vertreten sein, werden die Reinigungskosten erstattet, so die Sauberkeitsgarantie.

In der Tat. Abgesehen vom Kundenverprügeln oder -abzocken durch die oben beschriebenen Methoden des Kontrolleti-Mobs scheint man sich also langsam über die Kunden des öffentlichen Personennahverkehrs in der Hauptstadt Gedanken zu machen. Mit einem Schuldenberg wie manches südamerikanische Land und dem Auslaufen des monopolsichernden Beförderungsvertrags mit der Bundeshauptstadt wird es auch langsam Zeit dafür.

11.08.04

Zeit-Raum-Problem

Da kommt der Moe von Plastic Thinking nach Berlin. Und weil es zwar so einige Gräben zwischen uns gibt, aber auch viele Gemeinsamkeiten und ein tiefes gegenseitiges Verständnis, hatte ich mich so richtig darauf gefreut, ihn mal in freier Wildbahn zu treffen. Und zwar nicht zwischen die Augen, sondern ganz herzlich - so mit Händeschütteln, Pils an den Hals halten und viel lachen.

Leider - und ich nutze das auch gleich als Ankündigung für eine kleine Pause der geistigen Onanie des Denkpasses - bin ich am betreffenden Wochenende gar nicht in Berlin. Was heisst hier übrigens leider? Grund meiner Abwesenheit ist nämlich der Urlaub, der Los Familios Denkpassos in die Nähe des Bodensees führen wird. Genauer gesagt, in die liebliche Gemeinde Weingarten, mit einer beeindruckenden Basilika gelegen in einer traumhaften Landschaft, und einem wunderschönen Freibad. Aber das nur am Rande.

Jedenfalls, und das ist der eigentliche Grund dieses unqualifizierten Einwurfs hier, bedauere ich es aufrichtig, Moe nun doch nicht persönlich kennenzulernen. Es bleibt also bei dieser (hoffentlich) gegenseitigen Beachtung unserer Blogs, aber leider keinem Händedruck und festem-in-die-Augen-sehen.

Aber so is´ dat mit dem Licht, mal brennt et, und mal nich´. Trotzdem viel Spaß, Moe!

23.07.04

Berliner Sommer 2004, Teil III

Douglas Adams hat dem Teil der Menschheit, den es interessiert, eines der wohl unterhaltsamsten Bücher der Geschichte überlassen. The Hitchhikers Guide to the Galaxy (für Leser, die es in deutscher Übersetzung bevorzugen: Per Anhalter durch die Galaxis) und seine vier Folgebände dürfen für sich zumindest in Anspruch nehmen, absolut einzigartig zu sein. Adams spezieller Humor hat zu einer fanatischen Leserschar geführt, und dies wiederum dazu, daß sich Hollywood drei Jahre nach dem Tod des Autors an eine Verfilmung des ersten Teils wagt.

Wie dem auch sei, in einem der Bände mit höherer Nummerierung stößt Arthur Dent, einer der wenigen Menschen in der Handlung, auf einen Mann mit speziellen Fähigkeiten. Übrigens einen der wenigen anderen Menschen in der ansonsten die Weiten des Weltalls umspannenden Handlung. Seine Bekanntschaft, der Regenmann, hat das traurige Los gezogen, Zeit seines Lebens von Regen begleitet zu werden. Als sich die beiden kennenlernen, ist der Regenmann ein mürrischer Lastwagenfahrer, der Arthur erzählt, er kenne über 300 verschiedene Regenarten. So wie die Eskimos an die 120 verschiedene Wörter für Schnee verwenden, müsse er die verschiedenen Arten des Regens unterscheiden können, so weist er hin.

In einem späteren Teil taucht der Regenmann wieder auf. Da scheint er glücklicher zu sein. Wirtschaftlich erfolgreicher ist er allemal. Denn er lässt sich von Trockengebieten dafür bezahlen, daß er sie besucht und ihnen Regen bringt. Und er lässt sich von Erholungsgebieten in nah und fern dafür bezahlen, daß er ihnen fernbleibt. Manchmal lässt er sich sicherlich auch von konkurrierenden Touristengegenden bezahlen, eben der Konkurrenz den Sommer zu verregnen. Und wiederum manchmal wird er selber zahlen müssen. Zum Beispiel, wenn er eine Wurst essen will. Oder wenn er ein öffentliches Verkehrsmittel oder eine öffentliche Toilette benutzt. Oder beides. Aber wir schweifen ab.

Was mir im Zusammenhang mit dem Berliner Sommer 2004 auffält, ist die Tatsache, daß Deutschlands Haushaltskasse so leer ist, daß unsere Regierung den Regenmann anscheinend nicht dafür bezahlen kann, daß er bleibt, wo der Pfeffer wächst. Das wiederum bedeutet zweierlei.

Das dreckige Schwein rennt hier irgendwo rum. Es regnet täglich.

16.07.04

Berliner Sommer 2004, Teil II

Sie sollten mal alle nicht so ungeschmeidig sein, hatte einer der Geschäftsführer der Belegschaft erklärt, das Wetter werde nachmittags schon noch gut sein.

Rückblickend betrachtet hatte er Recht behalten. Zumindest für den Zeitraum bis 14:53 Uhr.

15.07.04

Berliner Sommer 2004

Er sprang auf und schaltete den Wecker aus. Danach ging er einmal ums Bett herum und legte sich neben die noch schlafende Frau. Sie behutsam umarmend, drängte er sich an sie, um ihre Körperwärme zu spüren. So lagen sie für einige Minuen eng verschlungen.

Sie hatte das mal mit Spaghettis im Nudelsieb verglichen. Das was damals, als er noch mehr einer Spaghetti ähnelte als einem Tortellini. Das Gleichnis hatte ihnen gefallen, und so benutzten sie es noch heute.

Als er sah, daß sie aufwachte, flüsterte er ihr ins Ohr: "Guten Morgen, Frau Diplom-Designerin."

Sie schaute ihn an und lächelte.

"Regnet´s heute?" fragte sie ihn nach einiger Zeit und setzte sich auf.

"Na logisch.", kam seine den Berliner Sommer 2004 zusammenfassende Antwort, "Weißt Du, was ich überhaupt nicht hören will dieses Jahr?"

Sie schaute ihn nur fragend an.

"Irgendwelche Bauern, die sich übers Wetter und ihre Ernte beschweren. Wasser gibts ja genug, um Reis anzubauen."

05.05.04

Unter den Linden 63-65

Rund um den Pariser Platz geben sich die repräsentativen Botschaftsgebäude der vier großen Mächte in der deutschen Nachkriegszeit ein Stelldichein. DIrekt auf dem Paiser Platz liegt die Französische Botschaft. Nicht weit davon entfernt, zwischen Brandenburger Tor und dem Denkmal für die ermordeten Juden haben die Amerikaner schon ein Gundstück erworben. Und gleich um die Ecke vom Hotel Adlon liegt die Britische Botschaft.

Und die Russen? Die sind ein ganz kleines Stück die Straße hinunter. Ein Blick in den bildschönen Innenhof der Russischen Botschaft in Berlin:

russemby.jpg

Für einen besseren Schnappschuß mit dem Taschentelefon blieb leider keine Zeit - ein Wachmann wies mich an, das Gebäude zu verlassen. Der Grund meines Besuches? Ich durfte die Visa abholen, die ich für die Präsentation unseres Unternehmens auf der Expoelectronica in Moskau benötige.

02.05.04

Mehr als drei Millionen

Laut dem Statistischen Landesamt Berlin wohnten im Oktober 2003 in der Bundeshauptstadt 3.393.295 Menschen, davon 1.653.375 Männchen und 1.739.920 Weibchen. Der Bezirk, in dem der eigentliche Lebensmittelpunkt des Denkpasses zu suchen ist, trägt den Namen Pankow und ist mit 348.315 Einwohnern (172.018 Männchen, 176.297 Weibchen) der bevölkerungsreichste der Stadt.

Davon sind insgesamt 441.404 melderechtlich registrierte Ausländer. Aufteilung:

• 122.000 Türken
• 32.000 Polen
• 8.000 Österreicher
• 10.000 Bosnier
• 5.000 Bulgaren
• 12.000 Kroaten
• 27.000 Serben
• 12.000 Russen
• 11.000 Amerikaner

Achja, und dann wären da noch 2.300 Rumänen, die seit letzten Mittwoch besonders stolz sind.

28.04.04

Alter Angriffstrick?

Hoffentlich lesen die Verantwortlichen unserer Regierung ab und zu mal was Klassisches. Oder welche Bedeutung hat dieses Trojanische Pferd auf dem Potsdamer Platz?

trojapferd.jpg

21.04.04

Friedrichshain, Berlin

Nicht weit vom östlichen Zentrum der Haupstadt entfernt befindet sich der Friedrichshain, eine der vielen grünen Lungen der 3-Millionen-Metropole. Verdoppelt man die angesprochene Strecke, so landet man ungefähr dort, wo sich das geistige Zentrum des Denkpasses befindet. Der Friedrichshain ist also der Puffer zwischen meinem unmittelbaren Lebensbereich und dem pulsierenden Zentrum dieser Stadt. Ich mag ihn auch sonst sehr gern.

friedrichshain.jpg

11.04.04

Kausale Kette

Nicht weit vom Herzen Berlins, des östlichen Zentrums rund um den Alexanderplatz, entfernt, liegt einer der vielen Parks der Bundeshauptstadt, die in ihrer Gesamtheit den Titel Grünste Hauptstadt Europas sicherlich verdient hätte. Der Friedrichshain, von dem hier gesprochen werden soll, liegt umgeben von Mietskasernen im Stadtgebiet Berlins etwa da, wo Berlin liegen würde, wenn man Berlin als eine Landkarte Deutschlands auffassen möchte. Er verdankt einen Großteil seines Reizes seiner umfassenden Sanierung im Laufe der letzten Jahre, in deren Zuge auch das Friesenstadion abgerissen wurde, um Platz zu machen für eine Naherholungsfläche, die mit gutem Recht den Titel Grünstes Fitneßstudio Berlins beanspruchen könnte. So findet man dort neben einer Beachvolleyballanlage auch ein kleines Klettergebirge, eine Inline-Skate-Bahn sowie mehrere Joggingstrecken, deren Pfad von stationären Trainingsgeräten einfachster Art gesäumt wird. Würde man wiederum den Friedrichshain als Karte Deutschlands begreifen, so fände man den eben besprochenen Teil des Parks, erschaffen auf den Trümmern des ehemaligen Schwimmstadions, eben da, wo man sonst Berlin gesucht hätte.

Nicht weit davon, im Schatten der großen Laubbäume, findet sich ein kleiner, von Amts wegen so benannter Duft- und Behindertenpark. Eingeschmiegt zwischen das am östlichen Rande des Friedrichshains gelegene, gleichnamige und ebenso modernisierte Krankenhaus und einen der zwei das Zentrum des Parks bildenden, am Ende des letzten Krieges aus der Not entstandenen, mittlerweile von der Natur wieder integrierten Trümmerberge, kann der interessierte Besucher dort Blumen und Kräuter in kreisförmig angelegten Beeten und Rabatten erkundschaften. Das Angebot wird von den Rekonvaleszenten des Krankenhauses, aber auch vielen anderen, meist älteren Bewohnern der Umgebung gerne angenommen. Das Zentrum dieser kleinen Anlage inmitten der größeren Anlage des Friedrichshains bildet eine Skulptur, eine Mutter mit einem Kind darstellend.

Neben ihr steht ein Schild, und darauf findet sich denn auch, sowohl in deutschen Buchstaben als auch in Blindenschrift, die offizielle Bezeichnung der Plastik: Mutter mit Kind. Mit einem handelsüblichen Permanentmarker hat jemand daneben vermerkt: Mutter wird gefikt, dabei im selben Atemzuge die Rechtschreibung der deutschen Sprache ebenso gröblich verletztend wie die kausale Kette der Beziehung zwischen Mutter und Kind.

06.04.04

Berlin, Berlin ...

Da gibt es ja diesen Werbespot irgendeiner Hopfen-Malz-Hefe-Wasser-Brauerei, der mit den gesungenen Worten aus der Überschrift dieses Eintrags die aufregenden, alternativen und coolen Seiten der Hauptstadt hervorhebt, um für das braune Gesöff zu werben. Findet anscheinend auch Plastic-Thinking-Co-Moderatorin Anneke saugeil (oder war sie nur eben so auf irgendeiner Demo?). Egal, egal ...

Es gibt jedenfalls eine Menge von Gründen, warum Berlin so einzigartig in Deutschland ist. Einen nennen soll ich? Na, wo kann man beim Lesend-durch-die-Straßen-Schlendern Leute beobachten, die auf dem Rasen solche seltsamen Kompositionen entwerfen:

berlin.jpg

16.03.04

Historische Ortsangaben

Aus Theodor Fontane, Der Stechlin:

Die Barbys, der alte Graf und seine zwei Töchter, lebten seit einer Reihe von Jahren in Berlin, und zwar am Kronprinzenufer, zwischen Alsen- und Moltkebrücke. Das Haus, dessen erste Etage sie bewohnten, unterschied sich, ohne sonst irgendwie hervorragend zu sein (Berlin ist nicht reich an Privathäusern, die Schönheit und Eigenart in sich vereinigen), immerhin vorteilhaft von seinen Nachbarhäusern, von denen es durch zwei Terrainstreifen getrennt wurde; der eine davon ein kleiner Baumgarten, mit allerlei Buschwerk dazwischen, der andre ein Hofraum mit einem zierlichen, malerisch wrikenden Stallgebäude, dessen obere Fenster, hinter denen sich die Kutscherwohnung befand, von wildem Wein umwachsen waren. Schon diese Lage des Hauses hätte demselben ein bestimmtes Maß von Aufmerksamkeit gesichert, aber auch seine Fassade mit ihren zwei Loggien links und rechts ließ die des Weges kommenden unwillkürlich ihr Auge darauf richten.
Dem Denkpass gefällt die beschreibende Gabe Theodor Fontanes so sehr, daß wir versuchen wollen, den exakten Ort des Anwesens zu lokalisieren:

Den Namen Kronprinzenufer gibt es offiziell seit 1978 nicht mehr. Es verlief von der heutzutage optisch äußerst opulenten Kronprinzenbrücke aus an der Spree entlang bis südlich der Moltkebrücke und war benannt nach dem Kronprinzen Friedrich Wilhelm Nikolaus Karl, dem 99-Tage-Kaiser und Intimfeind Otto von Bismarcks. Der südliche Teil des ehemaligen Kronprinzenufers hört seit 1991 auf den Namen Bettina-von-Arnim-Ufer. Dort - in der Nähe der Schwangeren Auster - scheint auch das reale Haus gestanden zu haben, das den fiktiven Barbys als Wohnsitz diente. Die Moltkebrücke ist lokalisierbar, die von Fontane erwähnte Alsenbrücke nicht. Es gibt eine Alsenbrücke in Berlin, aber sie wurde erst 1906 erbaut und liegt zu weit in Richtung Potsdam, als daß sie ernsthaft in Betracht gezogen werden kann. An anderer Stelle wird im Widerspruch zu Fontanes Schilderung (der eigentlich immer akkurat berichtete) erwähnt, die Moltkebrücke sei die aus Stein erbaute Nachfolgerin einer Holzbrücke mit dem Namen Alsenbrücke. Derselbe Vorgänger der Moltkebrücke wird an dieser Stelle Unterspreebrücke genannt.

Wahrscheinlich ist also die alte Alsenbrücke eine Holzbrücke gewesen, die irgendwo zwischen Moltkebrücke und Lutherbrücke stand - eben da, wo sich heute das Bettina-von-Arnim-Ufer am Ufer der Spree entlangschlängelt. Der gesamte Bereich liegt im Spreebogen, dem heutigen Machtzentrum unserer Republik. In Sommer und Winter eine schöne Ausflugsgegend inmitten der grünen Lunge Berlins, dem Tiergarten, kann man sich die Schönheit der Gegend vorstellen, wie Theodor Fontane sie sah. Privathäuser stehen dort heute keine mehr, die beschriebene Immobilie wird also höchstens auf historischen Fotos wieder zu finden sein.

Wegen der kurzen Amtszeit eben jenes Kronprinzen wurde Otto von Bismarck von dessen machthungrigen Nachfolger so früh abgesetzt. Eine Entwicklung nahm damals in Deutschland ihren Anfang, die erheblich dazu beitrug, deutsche Innenstädte ebenso wie das ganze Land zu zerstören. Wahrscheinlich auch das Haus, um das sich diese kurze Geschichte dreht. Wer dennoch gerne in Berlin auf den Überresten von Fontanes Spuren wandeln möchte, dem sei dieses Buch empfohlen.