24.11.05

Musik für alle!

Wer auf Arbeit kein Radio hat, und wer auch nicht die ganze Zeit ins Internet kann oder darf, um vielleicht Internetradio zu hören, kann sein Büro auch anders mit Musik beschallen:

Einfach mal die Arcorhotline anrufen. Irgendein Thema auswählen, über das man mit den netten Leuten reden will und schon landet man in der Warteschleife. Hörer neben´s Telefon gelegt und den Lautsprecher laut stellen.

Dann kann man eine ganz, ganz, ganz, ganz, ganz, ganz, ganz lange Zeit Musik hören. Kostenlos. Gebühren fallen erst an, wenn man mit jemanden spricht, was aber ganz, ganz, ganz, ganz, ganz, ganz, ganz lange dauert.

Eine Frage bleibt aber: Weiß die GEZ schon von dieser Sache?

20.11.05

Erkundungen in Ostdeutschland

Die Realität in der Bundesrepublik sieht mittlerweile so aus, daß rechtsradikale Parteien fest damit rechnen können, künftig von immer mehr Wählern unterstützt zu werden und sich auf Dauer in den Parlamenten fest zu setzen. Denn gerade unter jungen Leuten stoßen die heutzutage in gemäßigter, scheinbar gut argumentierter Form präsentierten Ideen rechtsgerichteter Ideologen auf reges Interesse. In einem Special über Rechtsextremismus der Zeitschrift Aus Politik und Zeitgeschichte präsentiert Annette Ramelsberger von der Süddeutschen Zeitung die Ergebnisse ihrer Recherchen über die Realität in ostdeutschen Parlamenten und Eckkneipen. Dort ist allen voran die NPD sehr erfolgreich im Kampf um die Köpfe der jungen Generation, die Herrschaft über die Straßen und letzlich auch den Einzug in die Parlamente.

Lesen! Ebenso informativ wie wunderschön geschrieben.

18.11.05

Disqualifikation der Türken

Für die Türken sollte Mittwoch ein großer Tag werden. In einer emotionsgeladenen Atmosphäre schlägt man die Schweiz, so war ihr Plan, und qualifiziert sich damit für die WM 2006 im eigenen Land. Gut, die WM findet in Deutschland statt. Da dort aber sehr viele Menschen türkischer Abstammung leben, würden die türkischen Spiele vor Kulissen stattfinden, die denen von Heimspielen sehr nahe kommen. Man könnte fast sagen, daß die Türkei wohl nie wieder so billig zu einer eigenen WM kommt.

Hätte, wenn und aber. Denn die Türken haben sich gegen die Schweiz eben nicht durchsetzen können - und haben sich nach dem Spiel in außergewöhnlicher Weise als schlechte Verlierer erwiesen. Was rückblickend die Stimmung vielleicht besonders angefacht hat, war die Verwandlung eines Elfmeters durch den Schweizer Frei bereits in der 2. Minute. Türkische Spieler und Fans fühlten sich von da ab ungerecht behandelt. Doch die Türken fanden über ihre Emotionen ins Spiel und schossen sich 3:1 in Front, bevor Streller in der 84. Minute das zweite Tor für die Schweizer erzielte. Zwar gelang den Türken noch ein weiterer Treffer zum Endstand von 4:2, jedoch waren sie wegen des Resultats des Hinspiels ausgeschieden.

Was danach passierte, ist jedenfalls bekannt. Fans warfen Gegenstände auf den Rasen, türkische Spieler und Ordner fielen über die Schweizer Spieler her, die sich anschließend aus Angst zwei Stunden in ihrer Kabine verbarrikadierten. Dies, nachdem die Schweizer Auswahl bereits bei der Einreise am Zoll schikaniert wurde und sich anschließend ohne Polizeischutz einem Hagel von Obst und Gemüse ausgesetzt sah.

Ungünstig für die Türken ist der Fakt, daß FIFA-Präsident Joseph Blatter bei dem Spiel anwesend war und die Ereignisse hautnah verfolgen konnte. Blatter ist übrigens Schweizer und wird, allein wegen der wirtschaftlichen Bedeutung der kommenden WM, mit harter Hand für Ordnung sorgen. Daß sein Herz für die Heimat schlägt, was mit Sicherheit keinen geringen Einfluß auf das Strafmaß haben wird, hätten sich die überhitzten Gemüter in Istanbul vorher überlegen sollen.

Aber den Türken könnte auch von anderer Seite Ungemach drohen. Erst wehrten sich die Nachbarn der Schweizer, die Österreicher, dagegen, die Verhandlungen über den EU-Beitritt der Türken aufzunehmen. Auch die Regierungen anderer EU-Nationen, darunter wohl auch die bundesdeutsche, stehen dem Konzept einer vollwertigen Mitgliedschaft der Türken eher ablehnend gegenüber. Man verweist auf unüberbrückbare kulturelle wie volkswirtschaftliche Unterschiede und hält den Türken gerne ihren unmodernen Umgang mit Frauen, Oppositon und Minderheiten vor.

Da kommt den Gegnern eines EU-Beitritts der Türken deren öffentliches Fehlbenehmen gerade recht. Niemand wird das je erwähnen, aber diese Bilder werden uns allen länger im Gedächtnis bleiben, als alle anderen Vorwürfe gegen das Land am Bosporus es jemals könnten. Ein Beitrag für ein positives Image waren die Ereignisse vom vergangenen Mittwoch jedenfalls nicht.

Und so haben die Türken unter Umständen etwas vollbracht, was noch niemand vor ihnen hinbekommen hat: ein Spiel verlieren und damit dreimal ausscheiden. Aus der WM 2006, aus der WM 2010 und unter Umständen sogar aus der EU.

Versager

So, Freunde, mal einen kurzen Abstecher nach Amerika - wollen mal schauen, was die da von ihrer eigenen Regierung halten. Vorab folgendes: Wer nicht weiß, was das englische Wort Failure bedeutet, schaut mal kurz bei LEO rein. Unter anderem findet sich als Übersetzung Versager.

Mit diesem Wissen ausgestattet, geht ihr jetzt mal alle fein zu Google rüber. Gebt dort Failure ein und klickt Auf gut Glück!. Richtig, ihr landet bei diesem Herrn. Haben auch alle die Implikationen verstanden?

17.11.05

Männlich, ledig, jung sucht MBA-Programm

MBA-Studenten sind in der Hauptsache männlich, jung und unverheiratet, so das Ergebnis einer Studie des Internetportals TopMBA.com (erwähnt im Handelsblatt):

Das Durchschnittsalter der Befragten liegt bei 26,5 Jahren [.] Der typische MBA-Bewerber ist Single (76 %) und hat keine Kinder (87%). Das Geschlechterverhältnis ist 2:1 - 67 % der Studenten sind Männer, 33% Frauen.
Die Studie, basierend auf den Antworten von fast 4.000 MBA-Bewerbern, hat außerdem die weiterhin eindeutige Ausrichtung auf Vollzeitprogramme unterstrichen. So interessieren sich lediglich 25 Prozent der Bewerber für Teilzeitangebote.

Wichtigste Gründe für ein MBA-Studium sind der Studie zufolge:

• Verbesserung von Karrierechancen (71%)
• Neue Fähigkeiten erlernen (55%)
• Möglichkeiten beruflicher Veränderung (40%)
• deutliche Gehaltsaufbesserung (29%)
• Start in die Selbstständigkeit (25%)

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16.11.05

Von Träumen und Idealen

Die Menschheit, so sagt man, beruft sich auf eine etwa zehntausendjährige Geschichte. Zehntausend Jahre also gibt es uns. Das sind etwa dreihundert bis vierhundert Generationen von Adam und Eva zu mir und dir. Innerhalb jeder Generation kehren die selben Muster immer wieder: Wir sind Kinder und werden Jugendliche. Wir wehren uns gegen alle Vorschriften und Ansichten, lernen lieben und kämpfen für unsere Ideale. Dann schenken wir selber Leben und werden zurückhaltender. Zu dem Zeitpunkt, wo unsere Kinder selber Kinder zeugen, werden wir alt. Irgendwann sterben wir.

Und all das machen wir seit dreihundert oder vierhundert Generationen und wissen noch immer nicht warum. Keine Ahnung, was wir auf diesem Planeten verloren haben, was unsere Aufgaben und Ziele sind. Welchen Sinn dieses Projekt der Natur haben könnte. Wir leben vor uns hin, von Generation zu Generation, und wiederholen alle Fehler, die man schon vor uns zigmal wiederholt hat. Greifen zu den Waffen, rotten Leben aus, vernichten unsere Feinde und die Umwelt. Und wissen - habe ich es schon aufgeführt? - nicht mal, warum wir das tun. Welchem hehren Ziel wir dienen.

Sind Fortschritte erkennbar? Sind Fortschritte überhaupt möglich und meßbar, wenn man nicht mal weiß, wohin die Reise führen mag? Wie denn zuverlässig bestimmen, ob es vorwärts ging, wenn wir nicht wissen, wo wir hinwollen. Wir wissen ja kaum, wo wir herkommen. Es ist das Schicksal des Menschen, vor lauter Aktivität keine Zeit dafür zu haben, um sich die Ruhe zu nehmen und über sich selbst zu reflektieren. Wir wurschteln halt so vor uns hin. Und haben dabei bereits dreihundert oder vierhundert Mal die Träume und Ideale einer ganzen Generation zu Asche zerfallen lassen.

Keiner lernt daraus, weil man immer denkt, uns passiert das nicht. Tut es aber. Gerade jetzt. Hier und heute.

14.11.05

Über die Schwierigkeit der Aushandlung von Koalitionsverträgen

Die Koalition hat sich nach gründlicher Beratung auf einen Koalitionsvertrag einigen können, welcher nur noch auf den Parteitagen oder Gremiumssitzungen oder was auch immer für Versammlungen der einzelnen Parteien abgesegnet werden muß. Dann aber, Juchhei!, hat dieses Land endlich wieder das, was es lange nicht haben durfte: Eine Regierung!

Allein, auf eine weitere unerlässliche Zutat für die Regiererei müßen die Wähler weiter verzichten: ein Regierungsprogramm. Nein, formulieren wir das anders. Wir warten weiterhin auf ein durchdachtes Regierungsprogramm. Bis wir eins haben, halten wir uns halt an das vorliegende Papier. Unter uns gesagt, dürfte das durchaus noch einige Legislaturen dauern. Wie aber kam der Koalitionsvertrag denn nun zustande, wenn dabei offensichtlich nicht ein Grämmchen Hirnschmalz verbraten wurde? Dem Denkpass liegen zuverlässige Informationen vor, wie diese schwierigen Verhandlungen in Wirklichkeit über die Bühne gingen.

Wie erzielt man beispielsweise Einigung darüber, ob bei unterschiedlichen Auffassungen entweder die Ansicht der CDU oder aber die der SPD ihren Weg in den Koalitionsvertrag findet? Ganz einfach - man spielt Schere, Stein, Papier:

Schere, Stein, Papier, auch Ching, Chang, Chong genannt, ist ein offenbar weltweit verbreitetes Kinderglücksspiel, welches auch bei Erwachsenen bekannt und beliebt ist. [Jawohl. Gerade bei gutverdienenden Erwachsenen!]

Das Spiel wird ausschließlich mit den Händen gespielt: Handhaltungen werden Symbole zugeordnet, die sich wechselseitig "schlagen" können. Ziel des Spieles ist es, eine höherwertige Handhaltung zu haben, als der Gegenspieler. Damit keiner der Spieler einen Nachteil durch verfrühtes Zeigen seiner Handhaltung bekommt, bewegen beide Spieler ihre rechten Hände noch zur Faust geballt vor sich hin und her und sprechen dabei zusammen den Namen des Spiels, zählen bis drei, [pupsen oder rülpsen mehrfach] oder ähnliches.

So erzielten die Spitzen von CDU und SPD in kurzer Zeit Einigkeit über die offenen Punkte und hatten auch noch jede Menge Spaß dabei. Wenn man das mal anfügen darf, gab es einen weiteren Vorteil: ihre intellektuellen Kapazitäten wurden nicht gerade überfordert.

Dann gab es ja da den Kernpunkt des Vertrags - die Höhe der Mehrwertsteuererhöhung. Sagen wir es mal so: Wir Wähler hatten einfach Glück, daß der Würfel auf der Drei liegen blieb. Es hätte auch, Gott bewahre!, die Sechs sein können.

Und zu guter Letzt mußten sich die Verantwortlichen natürlich auch noch auf die Besetzung des Kabinetts einigen. Wir wissen ja, was dabei heraus gekommen ist. Wie wird sowas effizient gehandhabt? Man stellt sich im Kreise auf, und einer zählt dann ab:

Eene meene mopel, wer frißt Popel? Süß und saftig, ein Euro achtzig. Ein Euro zehn und du darfst gehen.
Zum Beispiel der Stoiber, der hatte einfach mal Pech.

So, wer jetzt noch folgende Frage beantworten kann, weiß wirklich wie Politik funktioniert: Warum hat das Ganze denn dann drei Wochen gedauert? Wär doch auch in zwei Stunden hinzukriegen!

Nahhhh. Ganz einfach. Es muß doch so aussehen, als ob die Damen und Herren was zu tun hatten. Wie wir Berliner sagen würden: Damit et so aussieht, als ob de Politiker sich richtich ´n Kopp jemacht haben. Sonst wären wir Wähler doch von vornherein unzufrieden!

09.11.05

So oder so

Hach! Wie wunderschön das Schicksal mal wieder Schicksal spielt.

Da trifft am Samstag die deutsche Nationalmannschaft in Paris auf die Franzosen. In Verbindung mit all dem Aufruhr, in dem sich die Grande Nation derzeit befindet, kann der Ausgang des Spiels dem Selbstvertrauen des ganzen Landes den entscheidenden Schub geben.

Oder aber, man soll ja den Gurken in unserer Truppe ruhig mal was zutrauen, einen weiteren Schlag. Freut einen doch immer wieder, wenn man unseren französischen Freunden zu Diensten sein kann. So oder so.

08.11.05

Vom Glück der richtigen Geburt

Über die merkwürdigen Verteilmechanismen, die zwischen Ost- und Westdeutschen wirken, wenn es um die Besetzung von Führungspositionen geht, berichtet die Berliner Morgenpost unter Berufung auf den MDR. Dabei ergibt sich die Erkenntnis, daß man in den folgenden Berufsgruppen

• Generäle bundesweit
• Richter und Universitätsrektoren in den neuen Ländern

so ziemlich unter sich ist. Für die, die nicht wissen, was unter sich in diesem Falle bedeutet, sei angemerkt, daß man in den jeweiligen Kreisen biographischen Schwerpunkt auf eine Geburt in den alten Bundesländern legt:

ostwestA.jpg

Ist der Denkpass nun ein chauvinistischer Ossi? Will er etwa, daß die Generäle der NVA auch in der Bundeswehr ihre Betonideologie in die Köpfe der Rekruten hämmern? Oder daß SED-Richter Urteile über freiheitsliebende Bundesbürger fällen dürfen?

Nein. Eigentlich nicht. Der Denkpass will nur darauf hinweisen, daß seinerzeit, so in den späten vierziger Jahren, frühen fünfziger Jahren etwa, kein Schwein Berührungsängste gegenüber den Generälen und Richtern des Vorgängerstaates hatte. Kein Schwein scherte sich ein bisschen darum, welche Ruhmeslorbeeren die Generäle der jungen Bundeswehr im letzten Waffengang gesammelt hatten, als einige von ihnen noch das Totenkopfsymbol auf ihrer Mütze trugen. Niemand stellte Fragen über die Vergangenheit von Richtern, die zuvor auch am Volksgerichtshof tätig waren. Niemand scherte sich auch nur einen Dreck um die Zwiedeutigkeit der beruflichen Erfahrungen fast aller Mitglieder des Auswärtigen Amtes.

Aber heute machen wir das. Weil wir aus den Erfahrungen gelernt haben? Weil die Zerrissenheit des Landes vom Jahre 1968 eine einmalige Erfahrung bleiben soll? Schön wär´s ja. Aber vielleicht auch bloß, weil man doch so einer ganzen Generation von Wissenschaftlern, Richtern und Generälen einfach mehr Jobs zur Verfügung stellen kann.

Ach. Schon wieder falsch. Eigentlich nur Dreiviertel der Generation. Den Pechvögeln aus den neuen Ländern eben nicht.

03.11.05

I take it!

Nun ist es mal wieder soweit. Irgendwer da draußen hat sich mal wieder gedacht, daß es Zeit ist für eines dieser netten Blog-Spiele. Die kosten Zeit und bringen selten mehr als horizontale Vernetzung unter Blogs und Verständnislosigkeit zufälliger Leser. Deswegen aber gleich nicht mitmachen? Iwo! Der Denkpass ist für jeden Schwachsinn zu haben, wer das noch nicht kapiert hat, der ... was auch immer.

Jedenfalls wird der Schneeball diesmal folgendermaßen losgetreten, auf daß er sich zur Lawine ausweite:

• Ab ins Archiv
• Finde den 23ten Artikel, den Du geschrieben [hast]
• Finde den 5ten Satz, poste ihn und reiche das Stöckchen weiter an 5 Leute
Archiv? Haben wir. 23. Artikel? Dürfte dieser Verriss eines Buches von und über Linus Torvalds gemeint sein. 5. Satz?
Warum nun dieses Urteil?
Mit viel Glück auch wunderschön nichtssagend. Aber das ist ja das Bezeichnende am Denkpass, stimmt´s ? Also zu den fünf armen Schweinen, die diesen Blog-Verlinkungs-Schneeball-Unfug fortsetzen dürfen, wenn sie wollen:

Daniel van Moll - der kriegt hier immer was ab, und außerdem war er so freundlich, die Abwesenheit des Denkpasses zu bemerken
Jochen - auch er ist einer, dessen warme Worte mir die Wiederkehr versüssten
Björn - der kriegt nun wirklich nie mit, was hier beim Denkpass läuft - aber meistens sind seine eigenen Beiträge umso besser
Moe - zum einen ist es immer gut, Moe zu erwähnen (das bringt Punkte bei fast allen Referrerzählern wie Blogg.de oder Technorati!), zum anderen hat Moe vergessen, daß es den Denkpass gibt (oder ist etwa Qualität eines der Kriterien für die Aufnahme in Moes Bloggroll?)
Michael Schöfer - wer so dämlich zuvorkommend ist, hier Kommentare abzugeben, wird auch gleich mit einbezogen!

Einige andere wie zum Beispiel Dialog International hätte der Denkpass ja gerne hinzu gebeten, wenn er nicht wüsste, dass auf ihren Seiten NUR Gehalt- und Anspruchsvolles zu finden ist. Autsch. Jetzt habe ich die, die ich aufrief, beleidigt, oder? Egal. Immer lächeln, Freunde!

-UPDATE-
Ganz vergessen zu sagen, wer das Stöckchen hier hingeworfen hatte: YellowLed war es.

02.11.05

Ein neues demokratisches Verständnis

Man fängt bereits an, darüber zu reden. Was würde eigentlich passieren, wenn es am 26. März Neuwahlen geben müsste, weil die Große Koalition nicht zustande kommt? Ich will jetzt nicht über die Aussichten von Angela Merkel und Matthias Platzeck oder Kurt Beck reden, den wahrscheinlichen Kandidaten für diesen Termin. Nein, was macht der geschäftsführende Bundeskanzler Gerhard Schröder die ganze Zeit?

Er würde weiter Kanzler sein. Angela Merkel kriegt ja eben aufgrund der Verhältnisse im Bundestag keine Mehrheit für ihre Wahl zusammen - überhaupt der Grund für die Neuwahl-Hirngespinste. Schröder bliebe somit geschäftsführend im Amt. Rückblickend gar nicht so verkehrt, den Kanzler - und nicht wie 1998 den Wahlsieger - auf den Europagipfel zu schicken.

Allein, regieren fiele ihm schwer. Hatte Schröder vor der Wahl zumindest rein rechnerisch genügend Rückhalt im Parlament, um mehrheitlich Beschlüsse fassen zu können, weiß er diese Mehrheit nun im neu konstituierten Bundestag nicht mehr auf seiner Seite. Die Situation, die er vermeintlich als Anlass für die Auflösung des Bundestags sah, er könnte sie nun während seiner geschäftsführenden Tätigkeit wahrhaftig erleben. Denn im neuen, dem 16. Bundestag hat keiner - auch und schon gar nicht der geschäftsführende Kanzler - eine Mehrheit.

Praktisch betrachtet, wäre das Land unregierbar und würde in einem gefährlichen Stillstand verharren. Keine Mehrheit, keine Beschlußfähigkeit. Andererseits könnte sich gerade dieses Patt als hervorragende Chance erweisen. Eine der wenigen Kritiken an der bundesdeutschen Demokratie ist ja gerade die Wahl des Kanzlers durch das Parlament. In anderen Ländern werden Regierungschef und Parlament unabhängig voneinander gewählt. Minderheitenregierungen sind dort gang und gäbe - und stellen von vornherein erstmal kein Problem dar.

Wie verabschiedet man aber nun Gesetze ohne Mehrheit? Ganz einfach - man sucht sich eine Mehrheit. Von Fall zu Fall. Dies führt zu mehr und weitaus fachlicher Diskussion über die anstehenden Probleme - und nicht nur zum ewigen Oppositions-Regierungs-Gezänk. Wegen der fehlenden Koalitionsvereinbarungen gibt es anderswo nicht alleine Gesetzgebung der starken Parteien, sondern man spürt eben auch den Einfluß der kleineren Meinungsvertretungen. Von Fall zu Fall kann man eben auch, wenn es die Situation im Parlament zulässt, ein Gesetz mit der Unterstützung der kleinen Parteien verabschieden.

Der Vorteil ist klar: Es gibt keine reine Opposition, wie es auch keine reine Regierungspartei gibt. Alle sind an der parlamentarischen Demokratie beteiligt - und der Kanzler muß sein Programm auch im Parlament verkaufen können. Und nicht nur in den auf Machterhalt bedachten Gremien einer Koalition.

So betrachtet, wäre ein kleiner Test dieses so gänzlich anderen demokratischen Weges gar nicht so schlecht. Vielleicht sogar der Aufbruch zu einer neuen Bundesrepublik. Man darf doch wohl noch träumen, oder?