Über einen interessanten Aspekt deutscher Nachkriegsgeschichte schreibt Astrid M. Eckert, Research Fellow am German Historical Institut in Washington, in ihrem Beitrag zur Ausgabe 17/2005 der Zeitschrift Aus Politik und Zeitgeschichte. Im Zuge von Plünderungen und Gegenplündrungen, die der zweite Weltkrieg den betroffenen Ländern einbrachte, kamen beispielsweise in Deutschland nicht nur Kunstgegenstände, Wertpapiere und Edelmetalle abhanden.
Sondern auch, und gerade das war ein Punkt kontroverser Debatten zwischen der Regierung der jungen Bundesrepublik und den betroffenen Alliierten, eine Vielzahl von Akten und offiziellen Dokumenten aus den Archiven der Behörden und Institutionen des Landes. Unter anderem war davon die gesamte Aktenlage des Auswärtigen Amtes betroffen, teilweise seit der Mitte des 19. Jahrhunderts. Adenauer, einen Verlust des kollektiven Gedächtnisses seines Landes befürchtend, forderte zur vollen Erlangung der Souveränität des Landes in mehreren Verhandlungen eine Rückgabe dieser Akten. Dies war jedoch nicht im Sinne beispielsweise Winston Churchills, der unter Anderem befürchtete, daß brisante Informationen über das britische Köngishaus ans Tageslicht gelangen könnten, wenn die Akten frei verfügbar wären. Letztendlich konnte man sich nach mehrjährigen diplomatischen Verhandlungen auf eine Rückgabe einigen. Dieser Vorgang ist jedoch bis heute nicht abgeschlossen, da in Washington oder London immer noch vereinzelte Unterlagen aus deutschen Archiven auftauchen.
Eine spannende Lektüre über ein kaum beachtetes Thema.
Jeff Long ist ein fanatischer Bergsteiger und Himalaya-Tourist. Zusätzlich kann der in Boulder, Colorado lebende Mann schreiben, und zwar ziemlich spannend. Einer der besten Science-Fiction-Romane der letzten Jahre war das 1999 erschienene The Descent. Darin geht es um die Entdeckung eines die gesamte Erde umspannenden Tunnelsystems, das den Menschen Zugang zu ungeahntem Reichtum an Bodenschätzen und Lebensraum bieten kann. Aber lassen wir Jeff Long selber zu Wort kommen:
Faced with a land of new riches, the armies, governments, and corporate powers would rush in, claim territory, plant their flags, subjugate the natives, and exploit the resources.Aber der Wettlauf um die vorderen Plätze im Labyrinth unter der Erde führt zu einer schrecklichen Erkenntnis. Der unbeschreibliche Reichtum liegt auf dem Grunde der Hölle:
I decided, if you're going to descend, really descend. Journey into the ultimate abyss. Go to the real heart of darkness, into the underworld. The Descent bottom-feeds on our darkest fears. . . and transcends our remembered nature. Some of the oldest adventure stories in literature have painted a picture of what hell might look like.Und genau dorthin führt die lange Reise in den Abgrund den Leser - direkt in Long´s Version der Hölle. Und die Sache hat einen weiteren Haken - die Hölle ist bewohnt. Nahrung ist hier unten knapp, deswegen gehen die Bewohner mit ihren Opfern grausam um. In der ewigen Dunkelheit erwartet die Eindringlinge eine Auseinandersetzung verschiedener Zivilisationsansätze:
[Mankind] discover[s] that this tubular frontier of tunnels and caves is inhabited. Here are the fabled devils . . . a species that is monstrously separate from ours. I call them Homo hadalis, or hadals. But are they truly evil? Or are they simply defending themselves from human invasion? And how much are they like us? The expeditionaries view the hadals much the way Europeans viewed indigenous people here and in Africa and Australia, as inhuman savages. One thing is certain, the hadals have retreated from beneath the continents to the deepest, most remote hiding place, beneath the Marianas Trench. There they seem to be preparing an apocalyptic last stand.Der wahre Reiz des Buches geht dann auch von dem Anführer der unterirdischen Bewohner aus. Jenem Fürsten der Dunkelheit, den die Menschheit schon so lange kennt und fürchtet - Satan:
If there was a historic Jesus, why not a historic Satan? What would he be like? Forget the sadist with a pitch fork -- that's a cartoon. I tried to envision him as a real being, one who might still be alive. Would he be a philosopher-king, or a guerrilla leader like Mao or Geronimo, or a wanderer like Odysseus, or a dark prince like Hamlet? What about his capacity for evil? And what about ours?Es ist dieses Konzept des Bösen, das Jeff Long lebendig werden lässt und das den Leser von Seite zu Seite mehr in seinen Bann zieht. Seine Gedanken sind nachvollziehbar und verständlich, seine Handlungen konsequent, aber grausam und endgültig. Ist Satan am Ende ein Mensch?
Die Antwort erfährt, wer das Buch liest.
Wie man bei Frauen schnell hohe Sympathiewerte erreicht? Ganz einfach - ihnen situativ angepaßt folgenden Satz um die Ohren knallen:
So früh frißt Du schon was?
Wer dabei ist, sein Image zu wechseln, begibt sich auf eine mühsame Reise. Zum einen erfordert es eine kritische Selbstbewertung der alten Erscheinung, die man so lange nach außen und innen präsentiert hat. Ein altes Erscheinungsbild ist ja lange Zeit erfolgreich gewesen. Denn wer in der glücklichen Lage ist, über seine Außenansicht kritisch zu reflektieren, hat dafür immerhin lange genug mit ihr gelebt. Zum anderen erfordert diese Umstellung das Überwinden tief verwurzelter Verhaltensmuster, die Änderung eines individuellen Charakters, um glaubwürdig zu sein und auf Beifall zu stoßen.
Eine heikle Unternehmung diesen Ausmaßes kurz vor einem entscheidenden Ereignis in Angriff zu nehmen, wie die PDS gerade mit der Änderung ihres Namens, zeugt entweder von fehlender Weitsicht oder um sich greifender Verzweiflung. In den meisten Fällen nämlich erlebt man in der Phase nach dem Wechsel des Images einen vorübergehenden Verlust desselben. Gerade vor einer eventuell möglichen Bundestagswahl kann sich die PDS diesen wenn auch zeitlich begrenzten Verlust an Bekanntheit als Marke aber nicht leisten. Denn wenn es wieder nicht gelingen sollte, in den Bundestag mit Fraktionsstärke einzuziehen, wird man bald auch nicht mehr die Direktmandate in einigen Bezirken im Berliner Osten verteidigen können. Die Existenzberechtigung der Partei - zumindest im Konzert der Großen - steht auf dem Spiel.
Will die PDS nicht nur als Kuriosität am Rande des Parteienspektrums überleben, muß es ihr gelingen, auch im Westen Fuß zu fassen. Daher die Formung eines Bündnisses mit der WASG und Oskar Lafontaine als Spitzenkandidaten. Und deswegen auch dieser beinahe selbstzerstörerische Schritt weg von der eigenen Marke. Die zieht zwar im Osten, ist im Westen aber verpönt. Ob die Partei aber unter neuem Namen mehr Stimmen einzufahren vermag, bleibt abzuwarten. Die Aussichten scheinen nicht schlecht zu sein. Mit neun Prozent liegt das Linksbündnis sogar als drittstärkste Kraft gleich hinter der großen Mitte, wie die Berliner Zeitung schreibt. Statt Verzweiflung also Hoffnung?
Jose Carlos Somoza im Rätsel des Philosophen über den nimmermüden Geist in unseren bleiernen Gliedern:
"Ich werde euch etwas sagen, und sage es mit Worten, danach aber will ich wieder schweigen:Alles, was wir gedacht haben, was wir denken werden, was wir schon wissen und was wir in der Zukunft wissen werden, ganz und gar alles bildet ein schönes Buch, das wir gemeinsam schreiben und lesen! Und während wir uns anstrengen, den Text dieses Buches zu entziffern und weiterzuschreiben, was macht da der Körper? Er begehrt, wird müde, trocknet aus ... und schließlich zerfällt er."
Eine in ihrer Bedrohlichkeit wie Kürze kaum zu überbietende, einleuchtende Zusammenfassung des Dilemmas der Menschheit bietet Daniel Quinn in Ismael:
1. Definition: Geschichte. Eine Geschichte ist ein Szenario, das Menschen, Welt und Götter zueinander in Beziehung setzt.[..]
2. Defintion: aufführen. Eine Geschichte aufführen heißt, so zu leben, daß die Geschichte Wirklichkeit werden kann. Anders ausgedrückt: Eine Geschichte aufführen heißt, ihre Verwirklichung anstreben. [Man wird zustimmen], daß die Deutschen genau das unter Hitler taten.
[..]
3. Definition: Kultur. Eine Kultur ist ein Volk, das eine Geschichte aufführt.
[..]
[Man braucht] nur zu wissen, daß, seit es die Menschen gibt, zwei grundsätzlich verschiedene Geschichten aufgeführt wurden. Die eine wurde zum erstenmal vor zwei bis drei Millionen Jahren von den Menschen aufgeführt, [die wir heute Primitive nennen], und sie wird noch heute aufgeführt, und zwar so erfolgreich wie eh und je. Die andere wurde vor zehn- bis zwölftausend Jahren zum erstenmal von den Menschen aufgeführt, [die wir heute als zivilisiert bezeichnen], und sie wird allem Anschein nach in einer Katastrophe enden.
Wie das Leben der einfachen Bürger in der kommenden Regierungszeit aussehen wird, erfährt der aufmerksame Abonnent der e-mail-Newsletter des Bundestags bereits heute. Der derzeit christlich-demokratisch kontrollierte Bundesrat müht sich redlich, auch die letzten heiratswilligen Paare dieser grandiosen Nation vom Heiraten abzuhalten. Dazu brachte man im Parlament einen Gesetzesentwurf unter der Bundesdrucksache 15/5659 ein, der zur Tarnung gegen das Zeugnisverweigerungsrecht von Verlobten vorgeht.
"Aber das ist natürlich nur ein Vorwand.", wie man dem Denkpass unter vorgehaltener Hand mitgeteilt hat, "In Wirklichkeit geht es hier um was ganz anderes."
Wie aus Merkels Schattenkabinett zu erfahren war, wolle man "nicht wirklich" Verlobungen anders behandeln als zuvor. Man wolle ganz einfach die Diskussion anfachen. Später würde schon "irgend jemand den passenden Vorschlag machen", so war aus Berliner Kreisen zu hören. Der sei ganz einfach die staatliche Registrierung der Verlobungen. Nur so könnte letztendlich im Falle der Berufung auf das Zeugnisverweigerungsrecht kontrolliert werden, ob das Paar auch wirklich verlobt sei.
Weil das natürlich mit einigem Aufwand verbunden sei, könnte man die Hochzeitsfeier auch gleich vorziehen. Von den dann "zwei Besäufnissen" im Falle einer Hochzeit verspreche man sich beispielsweise eine gezielte Stimulation des Verkaufs gewisser landwirtschaftlicher Erzeugnisse. Und wenn die frisch Verlobten wollen, würde die künftige Kanzlerin ihren Segen auch gleich vor Ort geben. Voraussetzung wäre natürlich die Verabreichung einiger Becher gegorenen Traubensafts, so ein Vertrauter der CDU-Spitzenkandidatin.

So, werte Leser, gewinnt man Wahlen in diesem Land: freundlich lächeln, und immer ein gefülltes Glas am Hals! Prost!
Um die Einführung eines kaufmännischen Softwarepakets im Unternehmen, eines sogenannten Warenwirtschaftssystems, effektiv begleiten und leiten zu können, komme ich derzeit nicht umhin, mein zugegebenermaßen seichtes Grundwissen über die kaufmännische Buchführung zu vertiefen. Dieses Verständnis wird mir bei meiner demnächst beginnenden berufsbegleitenden Ausbildung zum MBA (darüber aber später einiges mehr) auch nicht schaden. Also führte der erste Weg zur Wikipedia und der aufschlußreichen Erklärung zur doppelten Buchführung.
Das dort aufgeführte Beispiel habe ich dann selber auch einmal versucht. Das Ganze folgt einfachen Regeln und macht nach einer kurzen Phase von Ratlosigkeit sogar Spaß:
Im Rahmen der doppelten Buchführung sind bei jedem Geschäftsvorfall immer zwei Konten betroffen. Sind beide Konten auf der Aktivseite (Vermögen - Mittelverwendung) oder beide auf der Passivseite (Mittelherkunft - s. auch hier), bleibt die Bilanz und damit das Firmenvermögen unbeeinflusst. Ist ein Konto auf der Aktiv- und eines auf der Passivseite, so wird das Vermögen beeinflusst. Es gibt Bestands- und Erfolgskonten. Auf Bestandskonten werden erfolgsneutrale Zustände erfasst, also Bestände an Gütern oder Geld. Auf Erfolgskonten werden erfolgs- oder gewinnwirksame Vorgänge erfasst, als Aufwände oder Erträge.
Will man nun einen Geschäftsvorfall buchen, wie zum Beispiel die Zahlung von Miete für die Geschäftsräume, überlegt man sich erstmal, welche Konten beteiligt sind. In diesem Fall ein Konto für die Bank und eines für die Mietzahlungen. Beim Zahlen von Miete dreht es sich um einen Vorgang, bei dem die Bilanz des Unternehmens gemindert wird. Es muss also ein Aktiv- und ein Passivkonto beteiligt sein. Bank ist Aktiv, da ja Vermögen des Unternehmens, das auf einem Bankkonto liegt, seiner Verwendung harrt. Demzufolge muss das Konto für die Miete ein Passivkonto sein. Bank ist ein Bestandskonto, Miete aber ein Erfolgskonto - in diesem Fall ein Aufwand.
Bei der Buchung sind dann noch einige Regeln zu beachten, auf welcher Seite des Kontos die Zahlen aufzuschreiben sind. Schließlich erkennt man auch die Einordnung des Vorgangs als erfolgsneutral oder erfolgswirksam. Die besagten Regeln sind dann bei der täglichen Arbeit der Finanzbuchhaltung sehr wichtig und erfordern den buchhaltungsspezifischen, für den groben Überblick, den wir anstreben, wollen wir hier aber Halt machen.
Die Zuordnung eines Geschäftsvorfalls zu den beteiligten Konten und die Einordung der beteiligten Konten in Aktiv/Passiv oder Bestand/Erfolg jedenfalls ist anspruchsvoll und interessant. Viele Menschen gehen da leichtfertig drüber hinweg und halten es für banal. Das ist es nicht und zugleich ist ein grundlegendes Verständnis dafür unerlässlich, will man beispielsweise als Ingenieur auch bei kaufmännischen Entscheidungen mitreden. Gerade die Geschäftsführer der New Economy haben ein beispielloses Fehlverständnis kaufmännischer Regeln und Gesetzmäßigkeiten an den Tag gelegt, was sich in einem kolossalem Gewitter an den Börsen - für uns alle noch heute spürbar - niedergeschlagen hat.
Fassen wir also zusammen: Doppelte Buchführung ist für Außenstehende völlig unverständlich. Wenn man die Materie aber erstmal begriffen hat, darf man sich getrost als zu einem auserlesenen Kreis gehörig fühlen. Hat man sich nur oberflächlich damit auseinander gesetzt, läßt man besser die Finger davon - Halbwissen wird tödlich bestraft.
So betrachtet, ähnelt die doppelte Buchführung durchaus der Klempnerei.
Ich gebe es zu. In einem tief verborgenen Winkels meines Gehirns schlummert der Traum in mir, einmal ein Buch zu schreiben. Letzten Endes war der Denkpass einmal konzipiert worden, mich der Erfüllung dieses Traumes einen kleinen Schritt näher zu bringen. Inwieweit ich dieses Teilziel erreichen konnte, überlasse ich dem Urteil des Lesers. Für mich jedenfalls hat das Betreiben dieses seltsamen Blogs jedenfalls viel an Erkenntnis über das Schreiben, über Blogs und über mich selber eingebracht. Spaß macht es übrigens auch.
Was mich nun von der Autorenschaft eines Buches trennt, ist zu aller Erst einmal die Idee für einen Roman. Viel mehr, die zielgerichtete Umsetzung derselben. Ideen gibt es zu Haufe, für Romane, Erzählungen und Essays. Über Themen, die von der Bewältigung meiner Jugend im geteilten Deutschland über Science-Fiction bis zu politischen Phänomenen reichen.
Es sind aber auch andere Punkte, in denen mir die benötigte Aussagekraft eines Schriftstellers häufig abgeht. Nehmen wir zum Beispiel diese Passage aus dem lesenswerten Roman Das Rätsel des Philosophen von Jose Carlos Somoza:
"Du glaubst also, die Menschen lassen sich nicht von der evidenten Gegenwart der Ideen, sondern von irrationalen Trieben lenken?"Sich einer Frage stellend, deren Beantwortung Krantor als müßig empfindet, richtet er den Blick auf zwei Gleichnisse, die sich auf ebenjene Frage beziehen. Da ist zum einen die Malerei, die aber mit der Bildhauerei gar nichts gemein hat, und zum anderen die scheußliche, abgenutzte Darstellung eines sterbenden Bettlers in Ton. Die Malerei nimmt die Stellung der evidenten Gegenwart der Ideen ein, der sterbende Bettler den Platz der irrationalen Triebe.Statt einer Antwort entgegnete Krantor: "Da du sokratische Fragen so magst, Speusippos, will ich dir eine stellen. Wenn du über die Kunst der Bildhauerei sprechen müsstest, würdest du da die wunderschöne Gestalt eines Jünglings auf einer Amphore als Beispiel nehmen oder die scheußliche, abgewetzte Darstellung eines sterbenden Bettlers in Ton?"
"Bei dieser Alternative, Krantor", erwiderte Speusippos, ohne groß zu verbergen, wie sehr ihm die Frage mißfiel, "lässt du mir keine andere Wahl als die Tonfigur, weil das andere keine Skulptur, sondern Malerei ist."
"Reden wir also von Tonfiguren, und nicht von schönen Malereien.", Krantor lächelte.
Da aber die Malerei nicht der Bildhauerei zugerechnet werden kann, sagt Krantor hier eigentlich, daß die evidente Gegenwart der Ideen auch nicht den Handlungsmotiven entspricht, von denen Menschen sich lenken lassen. Der sterbende Bettler, also die irrationalen Triebe, für die er steht, aber schon. Da er ihren irrationalen Trieben, diesem einzigen Handlungsmotiv der Menschen, dabei ein so scheußliches, abgewetztes Bild verleiht, schafft es der Autor sogar noch, dieses Handlungsmotiv und damit die Menschen zu werten. Er zeichnet ein Bild der Realität, das wir kennen und fürchten. Reden wir also von den irrationalen Trieben, und nicht der evidenten Gegenwart der Ideen, wenn wir über Menschen und ihre Motivation sprechen wollen.
Und das, werte Leser, ist eine Technik, die der Denkpass zugegebenermaßen noch nicht beherrscht.
Want to listen to an intriguing story of an emperor beyond comparison? Want to listen to the lamentations of a millions souls? Its a story about Moulay Ismail, sultan of Morocco, ruling the northwest of Africa and the neighbouring sea, trying to build a monstrous palace that should stretch for more than 300 miles. Moulay Ismail had just in the capital of his empire an army of more than 150,000 men at his disposal and his armada of Barbary ships terrorized the Atlantic and Mediterranean Sea and frightened coast dwellers all over Europe and North America.
"But how does it relate to me?" you might ask. Because overlooked in our history is the fact that not only europeans made a fortune in slavery. Moulay Ismail and his Barbaries turned the tables, enslaving more than a million european coast dwellers and seamen to build on their backs one of the most powerful and dreadful empires in the history of mankind. Moulay Ismail had a harem of more than 4,000 women. More than 25,000 slaves were at all times working on his palace, and his palace stables offered space for more than 12,000 horses. Moulay Ismail was so mighty, he sent letters to european kings and ridiculed them. He probably was twice as rich as Sun King Louis XIV.
Instead of the black gold that the New Colonies in America were built on, the sultan of Morocco relied on white gold. Giles Milton wrote a book about eleven year old Thomas Pillow who after his first voyage on a ship became a slave at the court of sultan Moulay Ismail. Its an interesting story about a part of history Europe tries hard to forget. Its name is White Gold and I can recommend it for its a fantastic read.
Woran merkt man, daß man älter und erfahrener geworden ist? Man beginnt, sich die Namen der Journalisten einzuprägen, deren Artikel einem gefallen.
In meinem Falle stoße ich dabei immer wieder auf Eva Haacke. Aber das nur am Rande.
Besser kann man´s gar nicht sagen:
Ich hatte mal gehört, der Prenzlauer Berg sei kein Stadtbezirk, sondern eine Weltanschauung.
Im Titelthema des Heftes 17/2005 des Sterns kommt Erziehungsberater Jan-Uwe Rogge auf die aktuelle Hysterie rund um die "Super-Nanny"-Sendungen zu sprechen:
Eine verantwortungsvolle Beraterin, die von einem Fernsehsender in Familien geschickt wird, die eigentlich eine Therapie brauchen, hätte sofort die Kamera abschalten müssen.Wer aber gerade das nicht tut, obwohl er qualifizierter Berater ist und die Situation erkennen müsste, scheint das deswegen zu machen, weil er von dem Fernsehsender Geld erhält. Das wäre aber zutiefst unmoralisch und verantwortungslos.
Wenn man nun Prosititution als das Angebot unmoralischer Handlungen gegen Entlohnung verstehen möchte, wäre dies ein Fall davon. Aber im Fernsehen haben sich schon ganz andere prostituiert. Vor allem das Medium selber. Von daher also nichts Neues.
Ein Zitat über Politiker:
Sie alle vergöttern die Macht und erfolgreiche Grausamkeit. Es ist wichtig zu sehen, daß der Kult um die Macht mit einer Liebe zu Grausamkeit und Bosheit um ihrer selbst willen verquickt zu sein pflegt.Entnommen der überaus lesenswerten Essaysammlung Rache ist Sauer von George Orwell.
Sabine Christiansen steht mit ihrem Namen für des Landes prominenteste Talkshow mit strikt politischem Gehalt. Diesen Platz an der Sonne der Zuschauergunst verdankt die Sendung nicht von ungefähr dem netten Äußeren von Frau Christiansen, auf deren Körper und Gesicht die Augen der zumeist männlichen Zuschauer sich gerne niederlassen. Auch ihre Stimme hat einen angenehmen Klang, wenn auch zuweilen etwas körperlos und kalt. Die Anziehungskraft auf ihr Publikum verdankt die Frau ihrem Selbstvertrauen und der damit verbundenen Präsenz im Kreise ihrer hauptsächlich maskulinen Gäste. Weibliche Zuschauer neiden ihr eben jenes selbstbewußte Auftreten, männliche Zuschauer würden dieses spezielle Weibchen in ihrer Phantasie wohl gerne dominieren.
Seltsamerweise sind es aber die Charakterzüge von Frau Christiansen, die den Erkenntnisgewinn des Publikums in Grenzen halten. Man erfährt nämlich nicht so viel, wie man erfahren könnte, wenn Sabine Christiansen sich selber und ihre Sympathien und Antipathien mehr im Zaume halten würde. Erfahrene Rhetoriker, und Politiker darf man in den meisten Fällen getrost zu dieser Personengruppe zählen, schaffen es sehr leicht, Frau Christiansen von der Fährte zu locken. Mit allen Wassern gewaschene Polit-Profis wie Roland Koch oder Gregor Gysi lotst Frau Christiansen daher nicht so leicht aufs Eis. Gerade das aber wäre interessanter als der Sermon einstudierter Phrasen.
Aber dies nur am Rande. Kommen wir zum eigentlichen Gegenstand dieses Artikels. Gestern nämlich waren Wolfgang Clement, Friedrich Merz, Gregor Gysi und Heinrich von Pierer zu Gast bei Frau Christiansen. Man sprach darüber, ob die womöglich kommende Neuwahl das Land verändern würde. Heinrich von Pierer, dem als Aufsichtsratsvorsitzenden der Siemens AG zugestanden sei, nicht nur die Interessen der Bevölkerung im Blickfeld zu haben, griff dabei mit Wolfgang Clement vehement den einzigen Vertreter der SPD - und damit der Regierungskoalition - an. Er warf der Regierung unter anderem Polemik vor, wenn diese von den Wirtschaftsunternehmen mehr Patriotismus verlange. Sobald Bund oder Länder nämlich selber Aufträge vergeben, kommen dort nicht nur deutsche Unternehmen zum Zug.
Recht hat er natürlich, obwohl ein Verweis auf das geltende Ausschreibungsrecht in der EU erklärt, warum den öffentlichen Auftraggebern in diesem Fall die Hände gebunden sind, selbst wenn sie patriotisch vergeben möchten. Trotzdem sollte gerade der Aufsichtsratsvorsitzende der Siemens AG der Bundesregierung keinen fehlenden Patriotismus bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen vorwerfen. Denn wie verträgt sich dieser Vorwurf mit dem Fakt, daß die Siemens AG für ein Trikotsponsoring in der Fußballbundesliga kein Geld zu haben scheint, für die Brust von Real Madrid aber schon? Und mit 12 Millionen € jährlich gar nicht mal so wenig.
Aus der Toilette drang plötzlich ein dumpfes Gebrülle, gefolgt von einigen Schlägen gegen die Tür. O. überlegte sich kurz, ob er eingreifen sollte. Aber selbst der Gedanke daran, auch nur eines seiner Gliedmaßen bewegen zu müssen, schreckte ihn ab. Und warum auch? Die Nachbarn hatten das Wochenende bislang ruhig über sich ergehen lassen. Sie waren, soviel schien mittlerweile klar zu sein, sehr tolerant gegen drogeninduzierten Lärm.
"Halt´s Maul!", schrie O., um wenigstens etwas zur Rettung seiner Wohnungseinrichtung zu unternehmen.
"Wieso?", fragte ihn G. sanft. Er stand in Unterhosen im Wohnzimmer. Hinter ihm schien Licht durch die offene Toilettentür in den Flur. Auch das Laufen des Wasserhahnes war noch zu vernehmen.
"Whhmmmmmpfff.", winkte O. ab und griff nach einem der Gläser auf dem Tisch.
"Alter! Ick schieb ´ne Optik.", fuhr G. fort, "Eens meener Oogen fehlt."
O. hatte mittlerweile ein halbvolles Glas gegriffen und riß es hoch, wobei er etwas Flüssigkeit verspritzte, "Echt? Welchet denn?"
"Det weess ick noch nich so jenau.", antwortete G. und setzte sich.
O. trank etwas und rülpste dann, "Ick will´n Film kieken. Kannste mal die Fresse halten?"
Der Film lief bereits seit einigen Stunden. Wie sie dazu gekommen waren, sich gerade dieses Machwerk auszuleihen, konnte keiner der beiden mehr sagen. Optisch, da waren sie sich einig, gab es nichts auszusetzen. Das Drehbuch war es, das ihren Zorn erregte - zuviel Liebe, zuwenig animalischer Sex und bislang nicht ein Alien weit und breit. Titanic schien nicht für sie gedreht worden zu sein, soviel dämmerte ihnen bereits.
"Wesste woran de erkennen kannst, det de richti´ in ´ne Scheiße steckst?", fragte G.
"Woran´n?"
"Wenn de uff´n Vordeck von den Scheißkahn stehst, und´n Eisberg an deiner Backbordseite langschrammt, der sich zu den übrigen Eisbergen, die man so kennt, verhält wie´n Sumoringer zu´ne Eintagsflieje, denn is det erstmal keen jutet Zeichen, wür´ick sachen."
"Det seh ick ooch so. Und wenn det janze Schiff anfängt zu wackeln, noch viel wen´jer."
O. versuchte, sich aufrecht hin zu setzen. Er kramte einige Sekunden unter dem Tisch herum, holte eine Uhr hervor und blickte drauf.
"Wir brauchen Spaghettis!", brüllte er, sprang auf und lief in die Küche. "Richti´ vülle Spaghettis."
"Noch mehr als wa schon ha`m?", schrie ihm G. hinterher und grinste.
"Ja. Jenau.", war O. zu hören. Aus der Küche drang das Geklapper von Geschirr und Töpfen, unterbrochen von kurzen Hustenanfällen und einigem Geschrei. Nach einer Weile kam O. mit zwei Schüsseln voll dampfender Spaghettis und rotbrauner Soße ins Wohnzimmer und stellte sie auf den Tisch.
"Wir brauchen viel mehr.", sagte er, "Viel, viel mehr. Mehr als uns in unserer Situation lieb sein kann."
O. tänzelte mit einigen Schritten zur offenstehenden Balkontür, schrie "Juchhu!" hinaus und schloß die Tür geräuschvoll. G. aß bereits.
"Det is übrijens ´n weiteret Zeichen, det det nich jut aussieht.", sagte O.
"Wat denn?", blickte G. auf.
"Na, dette da.", O. zeigte mit seiner Gabel auf den Fernseher und kaute weiter. Einige Spaghettis fielen auf den Teppich, "Wenn´e Ratten schneller als de Passagiere den vorgeschriebenen Notausjängen zueilen, dann würd´ ick mir ´n Kopp machen."
G. rülpste und nickte. Sie aßen weiter.
"Und det dürfte det endjültije Zeichen sein, det wat nich in Ordnung is.", sagte O. schließlich. Im Film war der Kapitän gerade ins Funkschapp getreten und hatte den Funkoffizier angewiesen, ein Notsignal abzusetzen.
"Nur der letzte Depp schnallt jetz nich, wat los is."
"Det is keene Übung mehr. Jetz´ wird´s Zeit für Plan B."
"Jenau, Alter. Jetz´ is höchste Zeit, in´ne Kapitänskajüte zu latschen, den bekackten Safe zu sprengen und Plan B raus zu holen."
"Wann willste den Scheißplan holen, wenn nich jetze? Der ursprüngliche Plan is offensichtlich im Scheitern begriffen."
"Aber die sehn nich so durch wie wir, verstehste? Die sin´ völlich bekloppt, die Schädel!"
O. rülpste, steckte seine Gabel hochkant in den verbliebenen Berg von Spaghettis auf seinem Teller und lehnte sich zurück. Er lächelte. Nach einer Weile holte er unter einem Stapel Zeitungen eine Zigarette hervor und zündete sie an.
"Scheiß Videothek.", sagte er, "Die hätten uns uff den Scheiß vorbereiten soll´n."
"Jenau. Man hätte uns nich´ einfach so losschicken dürf´n.", antwortete G. und aß weiter. "Irgendwelche präzisen Anweisungen brauchen wa schon, wie wir mit dieser Scheiße umjehen sollen."
"Mindestens ´n A4-Blatt mit ´ner kurzen Übersicht oder wat? ´N paar klare Instruktionen. Wat willste mehr?"
"Ick weeß et ooch nich´."