30.05.05

Frankreich lehnt europäische Verfassung ab

Gestern also bekundete die französische Bevölkerung ihre Einstellung zur Verfassung der EU in einer Weise, wie es auch die deutsche Bevölkerung gerne getan hätte, würde man ihr die Möglichkeit dazu einräumen. Die Entscheidung kam jedoch alles andere als überraschend, hatte sich die Ablehnung der Franzosen doch lange angedeutet. Frankreichs Präsident JackChirac hätte also durchaus früher damit anfangen sollen, seine Landsleute für das Verfassungswerk zu begeistern. Dass er jetzt dazu gezwungen ist, seine Regierung umzubilden, ist somit nur gerecht.

Tragisch ist dabei, daß in Frankreich - und wahrscheinlich in Kürze auch in den Niederlanden - nicht nur über die Verfassung abgestimmt wurde. Die Gegner der EU-Verfassung in Frankreich, ein Zweckbündnis aus linken und rechten Parteien, haben nämlich auch weiter die Ängste vor einem einheitlichen Europa geschürt. Ihnen ging es nicht nur um die Verfassung als Grundlage der europäischen Zusammenarbeit, ihnen ging es in erster Linie um diese europäische Zusammenarbeit selber. Deren Nutzen für Europas Bewohner sollte aber selbst an den äußersten Rändern des politischen Spektrums nicht mehr in Frage gestellt werden.

Man braucht sich allerdings auch nicht zu wundern, daß diese Verfassung wenig Enthusiasmus bei den Wählern zu erzeugen vermag. Eine Verfassung, die von ihren Bürgern getragen werden soll, muß zuallererst auch von diesen verstanden werden können. Eine der Grundvoraussetzungen dafür ist eine übersichtliche und prägnante Darstellung, etwas, was dem europäischen Verfassungs-Entwurf leider nicht gelungen ist. Die amerikanische Verfassung erzeugt vielleicht auch deswegen jenen amerikanischen Patriotismus, weil jeder Amerikaner sie lesen und verstehen kann, ohne dafür mehrere Wochen Urlaub nehmen zu müssen oder ein Epxertengremium zur Verfügung zu haben, das ihm die wichtigsten Begriffe internationalen Rechts erläutert. Eine weitere Voraussetzung ist die Vermittlung und Erläuterung des Verfassungstextes in der Bevölkerung. Auch dies wurde bislang nicht in wünschenswertem Maße vollzogen. Bundespräsident Köhler fasst dies gegenüber Spiegel Online zusammen:

Es sei ein Fehler der Politik, die europäische Perspektive den Bürgern nicht hinreichend zu vermitteln. In der EU gebe es zu viele Formelkompromisse, zu lange und zu komplizierte Texte.
Unklar bleibt, wie die Ratifizierung der europäischen Verfassung nach diesen Rückschlägen weitergeht. Auch in den Niederlanden wird mit einer ablehnenden Haltung der Bevölkerung gerechnet. Man wolle den Ratifizierungsprozeß trotzdem wie geplant bis 2006 fortsetzen, so EU-Ratspräsident Jean-Claude Juncker. Dann komme die Zeit klärender Gespräche und man erwarte eine klare Positionierung über die weitere Vorgehensweise von denjenigen Ländern, die die Verfassung nicht ratifizieren konnten.

Positives gibt es aber auch zu berichten. So sank der Euro infolge des französischen Neins, was die exportorientierte europäische Wirtschaft sicherlich begrüßen wird. Selbst in einem so verheerenden Rückschlag findet sich also immer auch ein Fünkchen Hoffnung.

27.05.05

Must be out of his mind!

Aaron is right of course. If someone looks like this at his own murder trial, something must be wrong with him!

Einsteigen statt Aussteigen!

Wir sollten schnellstens unser Verhältnis zu Technik, zu Innovationen und zu neuen Produkten klären, fordert Friedrich Merz in einem Artikel in der Wirtschaftswoche 21/04:

Wir sollten das Wort "Aussteigen" aus unserem Sprachgebrauch streichen! Deutschland muss wieder einsteigen und zwar vor allem und in ausnahmslos alle Bereiche der Naturwissenschaften.
Allerdings versteht Merz auch die Atomenergie als zukunftsträchtige Energiequelle und fordert unüberhörbar den Ausstieg aus dem Ausstieg. Er hat trotzdem nicht Unrecht, wenn er die Gründe für anhaltende strukturelle Wachstums- und Beschäftigungskrise in der zunehmenden, regierungsamtlichen Technologiefeindlichkeit unseres Landes sucht.

Wohlgemerkt, Merz plädiert für sorgfältige Abwägung von Risiken, nicht deren bedingungsloses Eingehen. Wir fragen uns ins letzter Zeit immer nur nach Risiken, nicht aber nach den mit ihnen verbundenen Chancen, so Merz. Wir sollten an die Technikbegeisterung und den Erfindungsgeist anknüpfen, der die Wirtschaft und die Ingenieure des Landes einst stark und weltberühmt gemacht hat. So fordert Merz, innerhalb von zehn Jahren in allen technischen Disziplinen einen der vorderen, internationalen Ränge zu erobern. Starten muss dies in der Schule, mit einem Schwerpunkt auf Naturwissenschaften. Es ist die einzige Chance, die uns bleibt.

Schade nur, daß Friedrich Merz in Angela Merkels Planungen für ihr Schattenkabinett keine Rolle zu spielen scheint. Er wäre womöglich einer von wenigen intelligenten Politikern in unserer nächsten Regierung. Und wahrscheinlich der einzige mit einer Vision.

25.05.05

Die Lockerung des Kündigungsschutzes

"Hast Du das gehört? Das mit dem Kündigungsschutz?", fragte der CFO den Leiter des Personalressorts. Sie saßen in der weitläufigen Kantinenhalle und waren von den wie Ameisen quirlig durcheinander wirbelnden Massen der Angestellten durch ein paar Pflanzen und Pfosten mit roten Seilen dazwischen getrennt.

Der Personalchef legte sein Besteck auf den Teller und wischte mit der Serviette über den Mund.

"Den haben Sie jetzt gekippt, nicht wahr?", sagte er und klemmte das gefaltete Papierstück unter sein Besteck. Eine der ersten Taten der frisch gewählten CDU-Regierung war die Lockerung des Kündigungsschutzes, was der Kanzlerin Angela Merkel mit Mehrheiten in Bundestag und -rat zudem recht leicht gefallen war.

"Und, werden wir aktiv?", fragte der CFO.

Müde lächelnd griff der Leiter des Personalressorts in die Innentasche und zauberte einen Zahnstocher hervor.

"Auf jeden Fall. Ich habe schon mit den Anzeigenleuten von der Süddeutschen und der Zeit telefoniert.", antwortete er hinter vorgehaltener Hand und pullte Fleischstückchen aus seinem Gebiss, "Sie halten uns drei, vier Seiten frei."

Der CFO blickte ihn mit hochgezogenen Augenbrauen an.

"Ich meine, wir sollten jetzt einstellen, was das verfluchte Zeug hält.", fuhr der Personalleiter fort, "Zu so vorteilhaften Bedingungen konnten wir schon lange niemanden mehr an uns binden."

Sie lächelten beide müde.

"Und was machen wir mit den Leuten?", fragte der CFO, "Du kennst die Zahlen. Solange der Binnenmarkt nicht anruckt, werden wir unsere Linien zu höchstens 70 Prozent fahren müssen. Und selbst dabei produzieren wir genug auf Halde."

"Ich weiß. Unsere Produkte kauft man nur im Ausland."

"Im Inland mag man´s eben billiger."

Der Personalchef seufzte und legte seinen Zahnstocher auf den Teller, "Damit der Motor des Binnenmarktes wieder anspringt, müsste man den Leuten ihre Ängste nehmen. Man müsste ihre Konsumfreude anstacheln und sie nicht weiter verunsichern."

"Man müsste Ihnen klarmachen, daß es uns gar nicht so schlecht gehen kann, wie man uns glauben machen will. Daß uns unsere Produkte im Ausland aus den Händen gerissen werden."

"Wir sind immerhin Außenhandelsweltmeister."

"Genau."

"Was uns fehlt, ist eine gesunde Binnennachfrage."

"Und die Lockerung des Kündigungsschutzes hilft da nicht?"

Sie lachten beide laut auf.

"Doch. Auf jeden Fall. Besser geht´s gar nicht.", antwortete der Personalchef im Aufstehen, "Das gibt den Konsumenten die Sicherheit, die sie so dringend benötigen, um hemmungslos ihr Portemonnaie zu öffnen. Deswegen habe ich doch die Seiten freihalten lassen."

22.05.05

Welcome Pizdyuk Peace Duke

Wie der Jochen uns mitteilt, sind Balten und Georgier Leute mit Humor. Jedenfalls haben sie den amerikanischen Präsidenten George W. Bush eine wahrhaft historische Pflaume angeklebt, und der fand das Ganze sogar toll:

Man hat nämlich für seinen Empfang überall Plakate aufgehangen und T-Shirts gedruckt, auf denen er als Peace Duke gefeiert wurde. Das bedeutet Friedensfürst, obwohl man es dann in korrektem Englisch eigentlich Duke of Peace schreiben müsste. Aber George W. Bush ist doch auch gar kein richtiger Friedensfürst? Hmm, sind die da also ein bisschen blöde und können nicht mal englisch?

Nein, die sind richtig schlau. Und haben ein bisschen um die Ecke gedacht! Liest man das nämlich zusammengesetzt, also als Peaceduke, und denkt sich dann noch dazu, daß Georgien und die baltischen Länder sich sehr gut mit Russisch auskennen, kommt man nämlich auf das russische Wort pizdyuk. Das aber ist ein für russische Verhältnisse recht grobes Schimpfwort.

Die Washington Post hat das erst nach Zusendung eines Leserbriefs geschnallt. George Bush und seine Berater-Gang gar nicht. Sowas nennt man dann Kantholz-Diplomatie.

Lebensunwertes Leben

In zeitlicher Nähe zur Eröffnung des Holocaustdenkmals in Berlin ein Zitat Hans Mayers über das Phänomen Auschwitz, das in seinem Buch Unerwünschte Literatur zu finden ist:

Das Phänomen Auschwitz hatte nur in vordergründiger Weise mit Judenhaß zu tun. Es meinte, weit über die Existenz von Juden hinausreichend, ein globales Vernichtungsdenken, das nur noch Mehrheiten zulassen will und Minderheiten gleichzusetzen strebt mit lebensunwertem Leben.

19.05.05

Generelles Rauchverbot?

Wenige Wochen vor dem Sommerloch toben schon die ersten Sommerlochthemen durch die Gazettenwelt: Über das Verbot von Tabakswerbung hinausgehend fordern einzelne Politiker von CDU und CSU bereits ein generelles Verbot von Zigaretten, wie freenet.de meldet. Müssen Deutschlands Nikotinjunkies also bald auf "die gemütliche Zigarette mit Kollegen vor der Kantine, die schnelle Fluppe an der Bushaltestelle" verzichten, wie das die freenet-Redakteure plakativ formulieren?

Nein, keine Angst. So dumm kann keine Regierung sein, nicht mal die deutsche. Fremdes Geld zum Fenster rauswerfen? Gerne. Eigenes Geld? Iwo. Und wie aufmerksame Leser im Denkpass bereits lesen konnten (Wo? Hier!), ist Nikotinkonsum für die Bundesregierung ein glänzendes Geschäft:

Einnahmen - ca. 14 Mrd. €
Ausgaben - keine

Keine Ausgaben? Genau. Allerhöchsten mal alle paar Jahre, aber wegen angefallener Überschüße eben gerade nicht, hat man der geplagten gesetzlichen Krankenversicherung ein bisschen finanzielle Unterstützung zu geben. Die nämlich zahlt die durch Tabakkonsum entstehenden Kosten - und die Unternehmen, in denen sich Arbeitsausfälle durch Zigarettenpausen oder Krankheit und Tod anhäufen. Insgesamt beläuft sich das Ganze auf die nicht unwesentliche Summe von geschätzten 36 Mrd. €, die sich Krankenkassen, Unternehmen und die Bürger des Landes da durchs Rauchen aufschultern.

Also, den 14 Mrd. € Bundes-Einnahmen durch Tabaksteuer steht ein volkswirtschaftlicher Schaden von 36 Mrd. € gegenüber. Der gesunde Menschenverstand sagt, daß das eine ziemliche miese Bilanz sein dürfte. Aber - Menschen mit gesundem Verstand werden nicht Politiker! Denn dann würden sie sich nämlich nichts das geringste daraus machen, daß Einnahmen und Ausgaben hier in oder aus verschiedenen Taschen der Volkswirtschaft fließen. "Druff jeschissen uff die olle volkswirtschaftliche Bilanz!", krakeelt die unternehmerische Heuschrecke im Hirne eines Politikers - und der wird somit aus reiner Gier gegen das Rauchen rein gar nichts unternehmen.

Sage da noch einer, die Herren und Damen von CDU/CSU haben wirtschaftlichen Sachverstand! Hätten beinah 14 Mrd. € in den Sand gesetzt, diese Oppositionamateure!

17.05.05

Über die Mängel des europäischen Stabilitätspaktes

Dass in der Eurozone keinesfalls ein Währungsrisiko bestehe, darauf weist Helmut Schmidt vor etwa zwei Monaten in der Zeit hin und wirft Vertretern der Opposition Stimmungsmache vor, wenn sie Gegenteiliges behaupten.

Tatsächlich besteht keine Gefahr, dass die derzeitigen Haushaltsdefizite Deutschlands und weiterer sechs am Euro beteiligten Staaten die Stabilität des Euro gefährden. Vielmehr sind die Inflationsraten im weltweiten Vergleich normal, und der Wechselkurs des Euro steigt - auf den globalen Währungsmärkten erweist sich der Euro eher als überstabil. Sorge müssen uns vielmehr die anhaltende Massenarbeitslosigkeit fast überall in der EU und die von ihr ausgelösten hohen Staatsdefizite machen. Die Situation erfordert tiefgreifende Veränderungen der Arbeitsmarkt-, der Sozial-, der Wirtschafts- und Steuerpolitik sowie der Haushaltspolitik in den EU-Staaten.
Schmidt fordert wohlgemerkt nicht die Abschaffung des Stabilitätspaktes, wohl aber seine vernünftige Handhabung. Diese müsse berücksichtigen, daß in der Eurozone kaum Inflationsgefahr aufkommen könne, da die Regierungen auf die Aufnahme von Krediten beschränkt seien, die sie von privaten Sparern, Unternehmen oder Finanzinstituten erhalten - nicht jedoch von der Europäischen Zentralbank. In der Weimarer Republik hatte sich der Staat sein Geld von der Leitbank besorgt, und wegen der sich anschließenden Entwertung das Land in eine Inflation und Wirtschaftskrise gestürzt. Dies sei heute aber verboten.

Zudem müsse man bei der Aufstellung von Kriterien des Stabilitätspaktes auch regionale Besonderheiten berücksichtigen. Die Wirtschaft Portugals unterscheidet sich von der Finnlands. Auch Deutschland weise einige Alleinstellungsmerkmale auf:

Der Nettotransfer öffentlicher Mittel vom Westen in die östlichen Bundesländer macht alljährlich rund vier Prozent unseres Sozialproduktes aus, in diesem Jahr rund 85 Milliarden Euro. Wenn dieser Transfer, theoretisch, ersatzlos wegfiele, hätten wir kein Defizit mehr! Für die Drei-Prozent-Grenze des gesamtstaatlichen Haushalts werden natürlich die Defizite der Länder und der Kommunen eingerechnet; man hat aber versäumt, dem Bund ein grundgesetzkonformes Instrument zu geben, mit dessen Hilfe deren Defizite begrenzt werden können.
Schmidt weist auf einen weiteren Denkfehler in der Zielsetzung des Stabilitätspakts hin: auf Dauer in Einnahmen und Ausgaben ausgeglichene Haushalte für jeden EU-Staat würden den Wechselkurs des Euro gegenüber allen anderen Währungen der Welt nach oben treiben. Die negativen Folgen für die wirtschaftliche Konkurrenzfähigkeit gerade exportabhängiger Länder wie Deutschland oder die Niederlande wären immens.

Zudem sind Staatsschulden an und für sich kein Problem: Zum einen sind die Schulden des Staates, wenn es sich um inländische Schulden handelt, das Vermögen seiner Einwohner. Im Gegensatz zu den USA finanziert die Bundesrepublik ihre Schulden durch die hohe Sparrate ihrer Einwohner fast ausschließlich über private Spartätigkeit. Zum anderen liegt der durchschnittliche Fremdmittelanteil deutscher Unternehmen derzeit bei mehr als 80 Prozent - und entgegen aller Behauptungen geht es den deutschen Unternehmen soweit ganz prächtig. Sie sind immerhin Außenhandelsweltmeister geworden.

Der Pakt wurde außerdem zu einer Zeit geschnürt, so Schmidt, als es der europäischen Wirtschaft sehr gut ging. Fiskalpolitische Steuerungsmaßnahmen in Zeiten eines Abschwungs scheinen jedenfalls nicht im Blickwinkel gewesen zu sein:

Im Aufschwung und bei steigenden Steuereinnahmen erlaubt [der Stabilitätsakt] fiskalische Exzesse, im Abschwung dagegen forciert er die Rezession. In beiden Fällen verstärkt er ungewollt die zyklischen Tendenzen. Der heute in Brüssel für die Währungspolitik zuständige spanische Kommissar Joaquín Almunia hat jüngst am Beispiel Portugals dargelegt, dass die Eröffnung des Defizitverfahrens gemäß dem Pakt das Land »praktisch in die Rezession getrieben hat«. Die im Pakt angedrohte Belegung eines defizitären Mitgliedsstaates mit Geldstrafen setzt der prozyklischen Skurrilität die Krone auf. Wenn man schon »strafen« wollte, wäre eine temporäre Minderung der Stimmrechte sinnvoller gewesen.
Zwar werden in dem Artikel keine Maßnahmen vorgeschlagen, wie man die Situation lösen könne. Zumindest liefert Schmidt aber genügend Argumentationsmaterial, um polemische Äußerungen der Gäste von Sabine Christiansen oder bestimmter Ex-Präsidenten der Bundesbank eindrucksvoll zu belegen. Und das ist für den politisch Interessierten doch auch was wert.

16.05.05

Über die wohltuende Wikrung eines Abwaschs

Eine der Forderungen, wenn nicht die wichtigste, die wir an unsere Freizeitbetätigung stellen, ist die Möglichkeit zur völligen Befreiung unseres geplagten Geistes von Alltagssorgen. Dies wird in der Regel am einfachsten gehandhabt, indem man sich geistig total aus der üblichen, problembehafteten Umgebung löst. Dafür bieten sich zum einen gewisse psychoaktive Substanzen an, deren Nebenfolgen bei allzu optimistischer Dosierung aber in manchen Fällen von jeglicher Erinnerung nicht nur an die teuer erarbeitete Freizeit, sondern auch an die Sorgen selber sowie den ganzen Rest der eigenen Persönlichkeit befreien. Eine wirksame Lösung von Alltagssorgen ist aufgrund fehlender Erinnerung an sorgenfreie Freizeit-Zustände leider kaum befriedigend.

Dann gibt es da ja noch den Sport. Die ebenso anspruchsvolle wie aufregende Teilnahme an einer Mannschaftssportart, meinetwegen auch im Dark Room der einschlägigen Clubszene, hilft einem dabei, Probleme des Alltags vorübergehend zu verdrängen. Die sorgenfreie Erinnerung an den sorgenfreien Zustand ist in diesem Falle, außer bei gewissen Sportarten mit vollem körperlichen Kontakt, eigentlich immer möglich. Ich zum Beispiel suche mir meine Alltagssorgenbefreiung beim Joggen oder Baseball, was mir zugleich den dringend benötigten körperlichen Ausgleich verschafft.

Aber es gibt noch eine weitere Möglichkeit, den Sorgen des Alltags zu entfliehen: Hausarbeit. Ja! Nehmen wir zum Beispiel den Abwasch. Ich mache das gerne. Da kann man einfach so abschalten, sich voll auf die runden und eckigen Formen der Teller und Pfannen konzentrieren, hier ein bisschen Fett abschrubben, dort etwas festgebratenes Gemüse abkratzen und sich immer freuen, wie toll sauber das Abgewaschene aussieht, während man nebenbei das Abwaschwasser im Auge behält und so die Mahlzeiten der letzten Woche Revue passieren lassen kann. Und am Ende freut man sich, was man alles so geleistet hat und wie toll es in der Küche aussieht. Geschirrspüler? Pahh. Ist was für Schwuchteln. Richtige Männer waschen selber ab. Jawohl!

So, Freunde, eins müsst ihr mir aber versprechen: Das Ganze bleibt unter uns! Wehe, ihr verratet das meiner Frau.

15.05.05

Warum MBA? Teil II

[Fortsetzung von gestern]

Damit stellt sich aber auch sogleich eine Frage: Wie bleibt man mit seiner eigenen Biografie weiterhin begehrenswert auf dem Arbeitsmarkt? Denn der Schritt in Richtung Nachfolge bietet keine unbegrenzte Sicherheit für lebenslange Beschäftigung. Es bestehen aus meiner Sicht einige Risiken oder Gründe, die mich wieder auf den Arbeitsmarkt bringen könnten: ich könnte nicht imstande sein, die Geschäfte eines solchen Unternehmens zu führen, übergeordnete Zwänge könnten die Ertragslage des Unternehmens negativ beeinflussen, ein Interessent könnte ein Angebot zur Übernahme unterbreiten, das man selbst beim besten Willen nicht vorüberziehen lassen würde oder aber es stellt sich heraus, dass ich es einfach nicht zustande bringe, mit meinen Verwandten zusammen zu arbeiten (das ist nämlich tagein tagaus ein hartes Geschäft).

Um also mich selber zum einen besser auf die Belange der Geschäftsführung eines kleinen mittelständischen Unternehmens vorzubereiten, um aber gleichzeitig auch ein potenzielles Standbein für die Zeit "danach" zu haben, richtete sich mein Augenmerk auf die aus dem angelsächsischen Raum stammende Ausbildung zum Master of Business Administration MBA. Daher der Titel des Beitrags und der gleichnamigen Kategorie, in deren Rahmen über meine Bewerbungsbemühungen und - im Falle meiner Zulassung zu solch einem Programm - auch über meine Sicht der Ausbildung berichtet werden soll.

Der MBA ist ein Managementstudium, in dem Nicht-Betriebswirten zusätzliches betriebswirtschaftliches Wissen ebenso vermittelt wird wie Wissen über Managementtheorien, Zeit- und Selbstmanagement, Team- und Führungskompetenzen und vieles weitere. Es werden Einblicke in volkswirtschaftliche Zusammenhänge gegeben, rechtliche Fragen erläutert und dem MBA-Studenten im allgemeinen das Wissen vermittelt, das ihn zur Führung von Unternehmen oder Teilen davon befähigt. MBAs sind keine Heuschrecken, sie sind z.B. Ingenieure oder Anwälte, die sich betriebswirtschaftliche Kompetenz aneignen wollen, um technisches oder juristisches mit finanziellem Verständnis verknüpfen zu können.

In meinem Falle erhoffe ich mir dadurch folgende Vorteile: Ich werde in die Lage versetzt, das Unternehmen und seine Mitarbeiter kontinuierlich und ertragreich zu führen. Ich erzeuge mit dem Titel MBA bei den Mitarbeitern, Partnern, Lieferanten und Kunden das Vertrauen, das eine erfolgreiche Zusammenarbeit benötigt und das ich als Sohn und Bauingenieur nicht voraussetzen kann. Das Unternehmen und ich profitieren von dem Netzwerk, das man während einer Ausbildung zum MBA mit seinen Kommilitonen knüpft. Durch die durchgängige Darbietung des Stoffes in englischer Sprache perfektioniere ich nebenbei meine Englischkenntnisse. Sollte es dazu kommen, daß ich das Familienunternehmen verlasse, bin ich mit meinen Kenntnissen und der Ausbildung auf dem Arbeitsmarkt sehr gut positioniert (im Gegensatz zu einem Bauingenier mit längeren Erfahrungen in der Elektronikbranche).

Die Entscheidung war also gefallen. In einem nächsten Schritt ging es um die Auswahl der Schulen, bei denen ich mich bewerben würde sowie die Art des Programmes. Dazu aber später mehr.

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14.05.05

Warum MBA? Teil I

Um dem Folgenden im Großen wie im Kleinen auch nur den Ansatz eines Sinns geben zu können, ist es wichtig, einen ganz kurzen Blick auf die Ursachen der jetzigen Situation zu richten. Das aber sieht wie folgt aus:

Am Anfang der 90er Jahre hatte ich mich für eine Schule entscheiden müssen, nach deren Besuch ich für das Hochschulstudium zugelassen werden konnte. Weil es für mich an der von mir während des Jahrzehnts zuvor besuchten Polytechnischen Oberschule aufgrund gewisser Entscheidungen der dafür verantwortlichen Lehrer keine gnädige Beurteilung für den Besuch einer Erweiterten Oberschule gab, fasste ich damals eine Berufsausbildung mit Abitur ins Auge. Die Entscheidung meiner Lehrer, mich nicht für den höheren Bildungsweg zu empfehlen, hatte mit meiner "wenig staatsbürgerlichen" Einstellung zu tun, und sie sollten zumindest darin Recht behalten. Was die Berufsausbildung mit Abitur anging, wollte ich mir seinerzeit keineswegs von den Bewerbungsstellen der Berufsschulen eine Verpflichtung zum dreijährigen Dienst an der Waffe abpressen lassen - nicht nur, weil mir stupides Kasernenleben eindeutig nicht wünschenswert erschien, sondern weil mir die DDR bereits damals zum Halse raus hing und ihre Armee erst recht.

Damit blieb dem angehenden Abiturienten in mir aber nur die Unterschrift unter einen Lehrvertrag des Wohnungsbaukombinats, verbunden mit einer Ausbildung zum Maurer mit Abitur. Denn das Gegenstück zur Erweiterten Oberschule EOS war eben die einzig in Ostdeutschland vorhandene Berufsausbildung mit Abitur BmA, deren Vorteile die monatliche Entlohnung nach dem Lehrvertrag und die meist lockere politische Ausrichtung der Berufsschullehrer waren. Diese Vorteile waren allerdings zu einem hohen Preis erkauft: eine BmA dauerte ein Jahr länger als der zweijährige Besuch der EOS.

Aufgrund dieser Ausrichtung am Maurerberuf, dessen Lehrlingszeit zwar anstrengend, aber auch lustig und voller Erkenntnisse für die Wertschätzung körperlicher Arbeit war, fiel die Wahl meines Studiumwunsches später auf das Bauingenieurwesen an der TU Berlin. Ob die Wahl eines anderen Studiums vielleicht zu dessen schnellerem Abschluß geführt hätte, wird die Welt wohl nie erfahren. Letztendlich jedoch scheint auch dieser Weg mir all die Erfahrungen und Einblicke in das Leben gebracht zu haben, die mein Wesen heute ausmachen. Zu bemängeln, welche Richtung ich damals einschlug, blietet sich also kein Grund.

Zur selben Zeit, als ich damals meine Zelte im Oberstufenzentrum Bau-Steine-Erden (oder wie das auch immer geheissen haben mag), wurden anderswo bereits Entscheidungen getroffen, die auch mich später einmal berühren sollten. Meine Mutter gründete, um der Arbeitslosigkeit aus dem Weg zu gehen, eine Firma. Die vertrieb die eigenen Designleistungen im Leiterplattenentwurf sowie die Herstellung und Bestückung elektronischer Flachbaugruppen und sollte, nach Jahren harter Arbeit, gegen Ende der 90er Jahre auf gesunden Beinen stehen und urplötzlich wie wild zu wachsen anfangen. Als ich jedenfalls mein Studium beendet hatte, war es im Bauwesen fast unmöglich einen Job zu bekommen - doch da gab es ja diese Firma, deren ertragreiche Lage auch dem eigenen Sohn und ins Auge gefassten Nachfolger eine Möglichkeits der Erwerbstätigkeit bieten sollte. Um die Zeit bis zur ersten Anstellung als Bauingenieur zu überbrücken, schlug ich damals das Angebot nicht aus, hatte ich doch immerhin zu dieser Zeit bereits meine Frau und unseren Sohn zu versorgen.

Als dann später die Anstellung im Bauwesen gefunden war, die Stelle als Projekt- und Oberbauleitungsassistent beim Generalunternehmer für den Bau einer Müllbehandlungsanlage angetreten war, gab es erste Gespräche über die spätere Nachfolge im Familienunternehmen. Die Arbeit dort bietet einige Vor-, aber auch, wer schon mal in ähnlicher Konstellation gearbeitet hat, weiss das jetzt, genügend Nachteile, dass man sich diesen Schritt lange und gründlich überlegen sollte. Ich habe das getan, und bin dabei zu dem Schluß gekommen, es versuchen zu wollen. Das tat ich auch und habe vor einigen Monaten im Bauwesen das Handtuch geschmissen. Was am Anfang der 90er Jahre begann, ist somit ein für allemal zu Ende gegangen.

[Fortsetzung morgen]

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10.05.05

Das kleinere Übel

George Orwell in der Essaysammlung Rache ist sauer über Kompromisse in der Politik:

In der Politik kann man nie mehr tun, als sich zwischen zwei Übeln für das kleinere zu entscheiden, und es gibt Situationen, denen man nur entkommen kann, wenn man wie der Teufel oder der Verrückte handelt.

09.05.05

Rentenrechner auf CD

Die Rente ist unsicher? Niemand weiß, wieviel er im Alter an Rente erhalten wird? Alles Quatsch - wer will, kann sich seine Rente selber ausrechnen! WWW - Wo Wie Wann? World Wide Web - Hier, bei der BfA, gibt´s eine CD-ROM mit Rentenrechner. Juchhu!

Jetzt muß man nur noch sicherstellen, daß kommende Legislaturen die der Berechnung zugrunde liegende Rentengesetzgebung unangetastet lassen. Dazu hat übrigens Peter Bofinger in seinem Buch Wir sind besser als wir glauben einen ernstzunehmenden Vorschlag gemacht: Die Verabschiedung einer Rentenverfassung, die interfraktionell erarbeitet werden sollte und später nur noch geändert werden kann, wenn Bundestag und Bundesrat mit Zweidrittelmehrheit dafür stimmen. Die Unwahrscheinlichkeit dieser Stimmverhältnisse würden den Festlegungen der Rentenverfassung, so Bofingers Idee, die wünschenswerte Sicherheit geben, die den Rentengesetzen derzeit fehlt.

08.05.05

Treppen über Treppen im Berliner Nahverkehr

Zwei Kleine Anfragen der Abgeordneten Claudia Hämmerling (Bündnis 90/Grüne) im Berliner Senat beschäftigen sich mit der behindertengerechten Umrüstung von U- und S-Bahnhöfen. Wer schon mal mit einem Kinderwagen auf dem S-Bahnhof Warschauer Strasse gestanden hat, wird wissen, wie umständlich die Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel in Deutschlands Hauptstadt ist - und dass von fehlenden Maßnahmen für allseitige Nutzbarkeit des Nahverkehrs nicht nur Behinderte, sondern auch ältere Menschen oder Frauen mit Kindern in Kinderwagen betroffen sind.

Wie in der Koalitionsvereinbarung des rot-roten Senats für die Jahre 2001-2006 festgehalten wurde, hat man sich jedoch einem behindertengerechten Berlin verschrieben - und somit dem schrittweisen Ausbau der von U-Bahnhöfen und der Erhöhung der Sicherheit ins Auge gefasst. Wie die Kleine Anfrage jedoch gezeigt hat, gibt es in Berlin sogar U-Bahnhöfe, die nach einer grundhaften Instandsetzung weiterhin ohne Fahrstuhl erreichbar bleiben, woran der Senat seltsamerweise keinen Anstoß nimmt:

Einen Verstoß gegen die Leitlinien zum Ausbau Berlins als behindertengerechte Stadt sieht der Senat nicht, da diese grundinstandgesetzten Bahnhöfe in einer 2. Bauphase mit einem Aufzug ausgerüstet werden. [..] Von einem Verzicht auf einen behindertengerechten Ausbau kann somit nicht die Rede sein.
Höchsten von einem vorübergehenden Verzicht. Das freut Behinderte oder Kinderwagennutzer sicherlich ganz ungemein, daß sie dann einfach noch ein bisschen warten dürfen, wenn sie in der Zwischenzeit das Pech haben, an einem falschen Bahnhof auszusteigen.

06.05.05

Polizisten auf Rädern, Teil II

Hmmm. Wenn der Denkpass eine Kleine Anfrage im Berliner Abgeordnetenhaus bemerkt und über seltsame Häufungen von Unfällen schreibt, in die die Fahrzeuge der Berliner Polizei verwickelt sind, Spiegel Online drei Monate und einen Tag später das Thema aufgreift und ausführlich darüber berichtet, kann man dann in diesem Fall erfolgreich argumentieren, daß die Herren Spiegel Online-Redakteure zu den Lesern des Denkpasses gehören?

Wer weiß das schon und ist es wirklich wichtig? Eines lässt sich aber sicher feststellen: Der Denkpass war mal wieder schneller!

04.05.05

Selbstauskunft zur Literatur

Der Biblbiomaniac hat mir - durch den Zuwurf eines Stöckchens - folgende literarische Kurzauskunft aufgezwungen:

You're stuck inside Fahrenheit 451, which book do you want to be?

Eigentlich der Joseph von Thomas Mann. Aber wer kann sich schon 2000 Seiten in höchster sprachlicher Vollendung merken? Also würde ich mit Fear and Loathing in Las Vegas von Hunter S. Thompson ein zudem englisches Werk wählen - wegen seiner irrsinnigen Blicke tief in die Realitäten Amerikas, seiner unnachahmlichen Poesie und seiner unübertroffenen Vergleiche. Zudem ist es vom Umfang her überschaubar.

(Weitere Kandidaten wären: Albert Camus - Die Pest, Michail Bulgakow - Meister und Margarita, Leo Tolstoi - Anna Karenina und so viele andere)

Have you ever had a crush on a fictional character?

Ich kann mich jedenfalls nicht mehr daran erinnern. Liebe also keineswegs, allenfalls weitestgehende Identifikation. Ich mag beispielsweise die beiden Helden aus "Fear and Loathing", ich ergriff seinerzeit in sehr starkem Maße Partei für Nicholas Urfe in Der Magus von John Fowles (worüber im Denkpass vielleicht nochmal zu reden sein wird). Ich verstand die Beweggründe Hendrik Höfgens in Mephisto, sich mit den Machthabern auf ein gefährliches Spiel einzulassen. Aber Verliebtheit, Schwärmerei? Eher selten.

The last book you bought is:

Bei Amazon? Kabeljau von Mark Kulansky.
Im Laden? Der Teufelspakt von Sebastian Haffner.

The last book you read:

Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch von Alexander Solschenitzyn - sage noch einer, BILD publiziert nur Blödsinn (der Band wurde im Rahmen einer Reihe von Romanen unter der Obhut der BILD-Zeitung herausgegeben).

What are you currently reading?

Ich lese immer einiges gleichzeitig. Derzeit dieses hier:

Rache ist sauer von George Orwell.
Baseball Prospectus 2005 by a Team of Experts
Every Man a Tiger by Tom Clancy
Insiderwissen MBA von Bernhard Kuderer

Five books you would take to a desert island:

Ach, wenn das immer so laufen würde mit dem Bücher mitnehmen. Sagen wir einfach, ich wäre dem Schicksal sehr dankbar, wenn auf meiner einsamen Insel auch diese Bücher gut erhalten auftauchen würden:

Uwe Johnsons Jahrestage
Marcel Prousts Auf der Suche nach der verlorenen Zeit
Maj Sjöwall und per Wahlöös Martin Beck-Krimis
die 12-bändige Reihe zur Deutschen Geschichte aus dem Goldmann-Verlag

und zu guter Letzt aus praktischen Erwägungen ein Buch wie dieses hier:

Der UKW-Amateurfunk-Profi. Erfolgreiche Weitverbindungen. Erfahrungen, Tips, Tricks.

Who are you going to pass this stick to (3 persons) and why?

Ich bekam das Stöcken vom Bibliomaniac und reiche es weiter an den Postmeister, den Nils vom Norfweb und an David von Dialog International.

Wie der Bibliomaniac schon sagt: Gar nicht so einfach, jemanden zu finden, der Bücher liest und bloggt und die Fragen voraussichtlich beantworten wird. Und bei dem einen das ganze auch noch interessiert, möchte man anfügen.

02.05.05

Kirche und Sexualität

Benedikt XVI. ist keinen Monat an der Macht, da liest man bereits von einschneidenden Änderungen im Umgang der Kirche mit Fragen der Sexualität. So berichtet der Sex Columnist des Daily Northwestern von folgendem Erlebnis:

In hearing stories of public sex, the only time I can say I've felt personally offended was when I heard how a friend of mine got a handjob through his pants pocket while sitting in church. I think the only reason I was offended was that I was sitting a couple of pews away, getting no action. But I think others might be offended for different reasons.
Na, da kommen dann künftig auch mehr Leute zum Gottesdienst, oder?

[via Obscure Store]

Das Leben als eine Kette von Niederlagen

George Orwell in Rache ist sauer über den Wert von Lebensgeschichten:

Jemand, der über sein Leben nur Gutes zu sagen weiß, lügt in den meisten Fällen, weil jedes Leben von inner her gesehen nichts weiter als eine Kette von Niederlagen ist.

01.05.05

Ballack ein schlechter Verlierer?

Übrigens: Was wurde einem gewissen Michael Ballack seinerzeit nach der Niederlage auf Schalke vorgeworfen, als er folgende Sätze von sich gab:

"So, wie die heute gespielt haben, werden die auf keinen Fall lange an der Spitze stehen. Wir haben wesentlich mehr erwartet von Schalke. [..] Klar, wenn man so ein Spitzenspiel gewinnt, kriegt man vielleicht einen Schub. Aber ich glaube nicht, dass die sich weiter so durchmogeln werden. Ich gehe weiter davon aus, dass wir Meister werden", so Ballack weiter.
Er hatte doch einfach nur recht gehabt. Schalke war dünn (man schaue sich doch bloß mal das schlechte Torverhältnis an) und hat seit diesem großen Tag, als man die Bayern schlug und mal wieder vier Minuten Traummeister war, schlicht und einfach das Durchmogeln vergessen. Bilanz seither:

1 Sieg, 1 Unentschieden, 4 Niederlagen - macht 4 Punkte aus 6 Spielen bei 10:15 Toren

Alldieweil die Bayern einfach nur das machten, was sie sowieso besser können - Fußball spielen. Bilanz seither:

6 Siege - macht 18 Punkte aus 6 Spielen bei 16:3 Toren

Also: Was lernen wir daraus?

• Ballack ist kein schlechter Verlierer
• Schalke hat sich lange Zeit durchgemogelt
• Bayern ist Meister

Gratulation.