29.04.05

Kuschelig war an der DDR rein gar nichts

Für alle, die denken, die DDR war kuschelig: Sie war es nicht. Darauf hat Martin Schröder in seiner Polemik gegen den Jubelsturm der Erinnerung vor fünf langen Jahren bereits hingewiesen und er hat auch heute damit recht:

Die DDR war eine am Ende nicht mehr lebensfähige Diktatur, und es ist unmoralisch, sich aus der Diktatur Bröckchen zum Gutfinden rauszufingern. Und was sind das auch für Bröckchen! Jede Subvention war in Wahrheit ein nächster Schritt in den Bankrott, jede fürsorgliche staatliche Geste hatte ein ideologisches Motiv. Auch über das Ende der DDR ist ein Vereinnahmen von Meinungen ehemaliger DDR-Bewohner nicht zulässig. Der Anteil der "Bürgerrechtler" (ohne Mandat) am Ende der DDR tendiert gegen null; keinerlei staatlich geduldete, mit staatlich finanzierten Künstlern und ein paar Inoffiziellen Mitarbeitern (Bürgerrechtler und IM Wolfgang Schnur, Bürgerrechtler und IM Ibrahim Böhme, Widerstandsprenzlauerberglyriker und IM Sascha Anderson) und SED-Mitgliedern bestückte "Demonstration" eines romantischen 4. November hat die DDR erledigt. Auch keine unter dem Schutz westlicher Fernsehkameras stattfindende "Montagsdemonstration". Eine wirkliche Revolution hat es ebenso wenig gegeben wie auch nur einen echten Revolutionär oder eine ausformulierte revolutionäre Idee. Dieses verkommene, ärmliche, gammlige Land, dessen meiste Intellektuelle geflohen waren und das seinen "Bürgern" die Waren täglichen Bedarfs kaum liefern konnte, war schlicht pleite. [..]

Die DDR war doch der Staat, der auf Korruption und mit sich gegenseitig waschenden schmutzigen Händen aufgebaut worden ist unter dem Deckmantel des Sozialismus, ohne öffentliche Kontrolle. Heute müssen sich korrupte Politiker zur Rechenschaft ziehen lassen. Es war die DDR jenes Land, in dem sich moralischer Anstand nur durch Hinnehmen von Nachteilen erkaufen ließ. Es waren die Volkskammerwahlen der Kandidaten der "Nationalen Front" (sic!) eine politische Farce. Es war die DDR, deren Hausdächer jahrzehntelang undicht waren. Es war die DDR, deren Geheimdienst sich bis in die kleinste Zelle der Gesellschaft, die Familie, ausbreitete. In der DDR gab es Zwangsadoptionen, Wehrkundeunterricht für Halbwüchsige und eine Erziehung zum Hass auf den vermeintlichen Klassenfeind, die bis heute nachwirkt. Es gab keine Papiertaschentücher, keine Erdbeeren, die ja doch hier wuchsen, und keine Telefone.

Oh, du seliger, heulend reklamierter Gemeinsinn, wo warst du eigentlich, als Kindern aus religiösen Familien das Recht auf Bildung vorenthalten wurde? Kuschelige DDR-Solidarität, wo warst du, wenn junge Männer keinen Dienst an der Kalaschnikow leisten mochten? Östliche Wärme und Fürsorge, wo wart ihr, wenn jemand das Land verlassen wollte und dafür erschossen wurde? DDR-Fleiß, wo warst du, da sich die DDR-Wirtschaft als lebensunfähig erwies? Und DDR-Intelligenz, wie konnte eine Zensur so lange hingenommen werden?

Wie zum Beispiel erging es Jugendlichen, die aus allen möglichen Gründen (und nicht nur wegen ihrer Straffälligkeit) in den Jugendwerkhof eingeliefert wurden und die dort zerbrachen? Beispielhaft berichtet darüber Matthias Lohre nach einem Interview mit Stefan Lauter, einem Insassen des berüchtigsten Jugendwerkhofs in Ostdeutschland, der sich in Torgau befand. Alle Besorgungen im Laufschritt erledigen, gemeinsam auf die Toilette gehen, Prügelstrafe und Einzelhaft für Jugendliche und keinerlei Intimsphäre waren die Seiten, die die DDR dort ihren Problemkindern zeigte:
Schlimmer kann es nicht mehr kommen, dachte er, als die zwei Männer mit ihm im grünen Wartburg Kombi durch den Wintermorgen fuhren. Schlimmer als das vergangene Vierteljahr im Jugendwerkhof Freital, die verzweifelte Flucht, die Festnahme und die Einzelzelle, in der der 17-Jährige schlief - bis sie ihn abholten. Die Männer um Stefan Lauter sagten nicht, wohin sie ihn brachten. Auch nicht, als ihr Wagen bereits die imposante alte Häuserfront passiert hatte und sich das wuchtige Schleusentor hinter ihnen schloss. Über Stunden stand der schmächtige Junge auf einem Büroflur, Menschen gingen wortlos an ihm vorüber. Als er einen der Unbekannten fragte, wo er sei, schlug der ihm mit einem Schlüsselbund ins Gesicht. Jetzt wusste Stefan Lauter, es würde noch schlimmer kommen.

An diesem 8. Februar 1985 kam der junge Berliner in den Jugendwerkhof Torgau: den einzigen Geschlossenen Jugendwerkhof der DDR. Zwischen 1965 und 1989 schleuste das von Margot Honecker geleitete Volksbildungsministerium etwa 4.000 Jugendliche durch das ehemalige Gefängnis. Die Kontrolle über die Jugendlichen auf dem 4.000 Quadratmeter großen Areal war nahezu perfekt. Wer in anderen Jugendhilfe-Einrichtungen aus der Reihe tanzte, wurde hierher geschickt. Auch Stefan Lauter, der zu fliehen versucht hatte.

Was ihm in den folgenden vier Monaten widerfuhr, erlitten auch die anderen Insassen, rund 40 Jungen und 20 Mädchen zwischen 14 und 17 Jahren: Zur Begrüßung kam er drei Tage lang in Einzelarrest, die Haare wurden ihm abrasiert. In Einheitskluft leistete er stupide Handwerksarbeit in der hauseigenen Werkstatt, Prügel und bis zu 14 Tage Einzelarrest waren gängige Erziehungsmittel.

Nur, daß man das niemals vergißt...

27.04.05

Von der qualvollen Lust des Lesens

Der Bibliomaniac spricht mir aus dem Mund. Das, was er am 25. April über die Widerständigkeit des Lesens ingewohnt eloquenter Weise geschrieben hat (diesem Link folgen und dann die Nachricht mit dem Titel [Leseglück] vom 25. April lesen], habe ich auch schon das eine oder andere Mal erlebt:

Lektüre kann auch mit einer gewissen Widerständigkeit verbunden sein, die das Leseglück vervielfacht. Das ist so ähnlich wie Sport, wo sich ein Flow auch erst nach der Anstrengung einstellt. Dann aber ist er gewaltig! Auch Spiele, wie z.B. Schach, sind sehr fordernd und widerständig. Warum tun sich das Menschen an? Weil die Erfüllung, die sich einstellt, eine andere Qualität hat, als wenn man sich nur treiben läßt. Wem die gebrateten Tauben nur in den Mund fallen, der wird sie nur noch bedingt als Delikatesse schätzen können.
Manchmal wird diese Qual nicht mit einem Glücksgefühl belohnt, wie es mir bei Christa Wolfs Nachdenken über Christa T. erging. Erzählweise, fehlende Handlung und der - in meinem Fall ermüdende - Blick hinter die Gedanken einer jung verstorbenen Frau, die sich schwer tut im System der DDR, sie konnten letztendlich keine Begeisterung bei mir auslösen. Womit aber nicht gesagt sein will, daß es sich hierbei um ein schlechtes Buch handelt. In diesem, meinem Falle also Qual ohne (Glücks-)Entlohnung.

Ganz anders war das bei Joseph und seine Brüder von Thomas Mann (ich berichtete hier und hier darüber). Welche Konzentrationsfähigkeit, welch kompletten Grad an Ausblendung der Umwelt verlangt Thomas Mann seinen Lesern da ab? Beinahe unmenschlich ist die Motivation zu bezeichnen, dieses völlige - totale - Einlassen auf ein Werk durchzuhalten, desse Lektüre sich über 2.000 Seiten und in meinem Falle gar über zwei Blogs erstreckt. Und der Lohn? Der erwartet den tapferen, unermüdlichen Leser in der Gewißheit, den Gipfel eines Leselebens erklommen zu haben.

Der Bibliomaniac hat also Recht: Qual gehört manchmal zum Lesen dazu.

Von einem, der auszog, um Doktor zu werden

Von wegen, Deutschland sei eine Bildungswüste! Hierzulande werden sogar 80jährige noch Doktor.

Eine Frage bleibt: War diese fulminante Karriere rein akademisch oder gab es auch Zeiten, wo der gute Mann arbeiten ging?

26.04.05

Ein harter Hund

Roger Willemsen in der Ausgabe 01/05 der Zeitschrift chrismon über Gefahren für Leute, die nach der Disco noch schnell ins Freibad einsteigen wollen:

Ich war als junger Mann während meines Studiums Nachtwächter in Bonn. Die Nachtwächter sind eine der ärmsten Klassen, die man sich vorstellen kann. Sie arbeiten bis zu sechzehn Stunden, haben ruhende Tätigkeit, verdienen wenig, viele trinken, ihre Familien sind zerrüttet. Und diese Leute haben Hunde und tragen an den Hunden ihre Misere aus. Ich kann wirklich niemandem raten, nachts in ein Freibad einzusteigen: Er sieht sich einem Nachtwächter gegenüber, der seine Angst am liebsten mit einem Schuss aus seiner Schreckschusspistole kompensieren würde. Und einem Hund, der vom Nachtwächter so unterdrückt wurde, dass er hart geworden ist.

25.04.05

Wer zieht in den UEFA-Cup ein?

Dass Bayern und Schalke im DFB-Pokalfinale bereits zum dritten Male in dieser Saison aufeinander treffen, ist alleine keine Garantie für ein spannendes Spiel. Daß die Schalker bislang zweimal die Nase vorn hatten, auch nicht. Daß es zweimal nur 1:0 hieß, spricht auch nicht dafür. Fußballerische Magerkost stand bislang immer auf dem Plan, und zwei kümmerliche Tore in den zwei Spielen machen nicht viel Hoffnung auf ein Schützenfest.

Spannung also ade? Nicht ganz. Zumindest aus Sicht der Qualifikation für den UEFA-Cup herrscht große Spannung vor dem Endspiel. Denn sollten beide Mannschaften in der Tabelle der Fußballbundesliga ihre Positionen bis zum Ende der Saison halten können, spielte der Meister gegen den Vizemeister. Das hat aber auch Relevanz für die Vergabe des UEFA-Cup-Startplatzes, der an die Teilnahme im DFB-Pokalendspiel gebunden ist. Und da der Meister und sein Vize für die Champions-League gemeldet werden, würde keiner von beiden im UEFA-Cup starten. Wer aber dann? Womöglich einer der Halbfinalisten, wobei der Sieger eines noch anzusetzenden Entscheidungsspiels in den UEFA-Cup zieht? Eher nicht.

Einfacher wird das Ganze, weil sich mit Werder Bremen einer der Verlierer des Halbfinales auch noch für die Champions-League-Qualifikation bewerben kann. Die müssten nur langsam mal wieder anfangen, Fußball zu spielen. Also Bielefeld, ohne Entscheidungsspiel? Wohl kaum, obwohl die Bielefelder das für ihr gutes Spiel am Mittwoch sicherlich verdient hätten. Eventuell wird der freigewordene Platz im UEFA-Cup einfach an den Tabellensechsten vergeben. Dieser Platz wird derzeit vom Hamburger SV warm gehalten.

Oder aber, die Regeln sehen so eine komplizierte Festlegung gar nicht vor - dann würde der Startplatz verfallen. Bielefeld oder Hamburg wären dann ganz schön traurig - und Europa auch. Denn gegen die deutschen Mannschaften kommt man doch immer so leicht weiter...

23.04.05

Nachschrift zum "Namen der Rose"

Eine sehr interessante Nachschrift zum "Namen der Rose" hatte Umberto Eco seinerzeit auf Verlangen seiner zahlreichen Leser vorgelegt. Darin äußert sich Eco unter anderem zum Eigenleben eines Buches, das von den zahlreichen Deutungen seiner verschiedenen Leser lebt:

Nichts ist erfreulicher für den Autor eines Romans, als Lesarten zu entdecken, an die er selbst nicht gedacht hatte und die ihm von Lesern nahegelegt werden.
Radikal fordert Umberto Eco dann auch, dem Text sein Eigenleben zu überlassen und als Autor nicht zu viel von der eigenen Sicht zu dogmatisieren:
Der Autor müßte das Zeitliche segnen, nachdem er geschrieben hat. Damit er die Eigenbewegungen des Textes nicht stört.
Eco äußert sich zum Sinn des Titels, zum Arbeitsprozeß bei der Wahl von Personen, Orten, Setting, Zeitalter und Aufbau seines Romans (sehr interessant), zu den Schwierigkeiten bei der Gestaltung der Dialoge und vielem weiteren mehr. Der Leser erfährt den Grund für die verschachtelte "Überlieferung" der Geschichte, erhält Einblick in die Schwierigkeit der Rhythmusgestaltung eines Romans ("Atem" der Geschichte genannt) und wird Zeuge der schöpferischen Auseinandersetzung Ecos mit seinem Publikum. Man erfährt vom Initiationsritus des Lesers:
Nach der Lektüre meines Skriptes meinten die Freunde im Verlag, ich sollte die ersten hundert Seiten ein wenig kürzen, sie seien zu anspruchsvoll und ermüdend. Ich hatte keinerlei Zweifel, ich lehnte ab mit dem Argument: Wer die Abtei betreten und darin sieben Tage verbringen will, muß ihren Rhythmus akzeptieren. Wenn ihm das nicht gelingt, wird er niemals imstande sein, das Buch bis zu Ende zu lesen. Die ersten hundert Seiten haben daher die Funktion einer Abbuße oder Initiation, und wer sie nicht mag, hat Pech gehabt und bleibt draußen, zu Füßen des Berges.
Das Ganze ist unterhaltsam wie das Buch, von dem es spricht. Das zählt übrigens zu den besten Büchern, die man weit und breit finden kann. Lesen sollte man beides.

Zu finden ist der Text in einem Büchlein des Deutschen Taschenbuch Verlag aus den 80er Jahren oder aber in adlibitum Nr.1, einer Literaturzeitschrift aus dem Verlag Volk und Welt (man suche beispielsweise bei ZVAB.com).

20.04.05

Liebe

Eines der besten Alben der letzten Jahre, Schillers Weltreise, enthält unter dem vielsagenden Titel "Der Prophet" diese Zeilen von Khalil Gibran über die Liebe:

winkt dir die liebe so folge ihr,
sind auch ihre Wege hart und steil.

und umfahren dich ihre flügel so ergib dich ihr
mag auch das unter dem gefieder verborgene schwert dich verwunden.

und redet sie mit dir so trau ihrem wort mag auch ihre stimme deine träume
erschüttern, wie der nordwind den garten verwüstet.

liebe gibt nichts als sich selber und nimmt nichts als aus sich selbst
heraus.

liebe besitzet nicht und läßt sich nicht besitzen, denn liebe genügt der
liebe"

Anti-Spam- und Anti-Phishing-Gesetzesinitiativen

Die Bundesregierung arbeitet derzeit an einem Gesetzesentwurf, mit dem man Spamversender wirksam abschrecken will. Der Denkpass berichtete. Um nun auch die öffentliche Meinung zu dem Vorhaben zu erfahren, gab es dazu unter der Woche im Ausschuß für Wirtschaft und Arbeit eine Anhörung. Dabei stellte sich heraus, daß das Gesetz "unterschiedliches Echo" hervorruft.

Vertreter von Industrie und Handel sprachen sich gegen die EInführung von Bußgeld- oder gar Straftatbeständen aus. Verbraucherschützer und Internetprovider bestehen jedoch gerade auf den mit dem Orndungswidrigkeitenrecht verbundenen Möglichkeiten der Spamabwehr, ohne die ein Anti-Spam-Gesetz, das eine zentrale Melde- und Beschwerdestelle vorsieht, ohnehin kaum Sinn machen würde. Druck müsse auf diejenigen gemacht werden, die absichtlich durch die nicht aussagekräftige Formulierung ihrer Betreffzeile die kommerziellen Intentionen ihrer e-mails verschleiern wollen. Als Aufsichtsorgan, das diese Vorgänge überwachen möge, komme auch die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post in Betracht.

Zudem empfiehlt der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und Neue Medien (Bitkom), "kriminelle Formen wie das so genannte Phishing ("Password Fishing") unter Strafe" zu stellen und auch zu verfolgen. In diesem Zusammenhang sei die Einführung einer nationalen Strafvorschrift sinnvoll. Ob diese Strafvorschrift nun Teil des Anti-Spam-Gesetzes wird, eigenständig veröffentlicht wird oder aber Anti-Spam- und "Anti-Phishing"-Gesetzgebung im Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb aufgehen werden, darüber muß der Ausschuß für Wirtschaft und Arbeit noch beraten.

17.04.05

Kooperation mit dem Teufel

Einen lesenswerten Abriß der historischen Entwicklung der Zusammenarbeit des israelischen Geheimdiensts Mossad und des BND kann man in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Das Parlament finden. Begonnen hatte das Ganze im Winter 1958 und wird seitdem intensiv fortgesetzt. Dabei gab es zumindest anfangs verständlicherweise einige Vorbehalte:

Weniger als zehn Jahre nach Kriegsende, hatten viele Mossad-Beamte entweder selbst den Holocaust überlebt oder Familienangehörige in den Konzentrationslagern der Nazis verloren. Viele von ihnen lehnten eine Zusammenarbeit mit den Deutschen ab, besonders mit Gehlen, der während des Dritten Reichs einen solch hohen Rang innegehabt hatte. Isser Harel wusste jedoch, dass sein Dienst strategische Partner finden musste, um Informationen über die arabischen Staaten zusammen zu tragen. "Für Israels Sicherheit werden wir sogar mit dem Teufel kooperieren", sagte er und akzeptierte eine begrenzte Zusammenarbeit mit dem BND.

The nature of prison

Rubin "Hurricane" Carter was a great boxer who once almost won a world championship. However, in 1967 he was arrested and wrongly convicted for a triple murder in a bar, the Lafayette Grill in Paterson, New Jersey. Over the next decades, he and his supporters amassed convincing evidence of his innocence that lead to his release in 1986. His story was told in the book Hurricane. The miraculous Journay if Rubin Carter by James S. Hirsch and also in the movie Hurricane with Denzel Washington. I can recommend both.

Because he spent so much time in prison, Rubin Carter has something fundamental to say about them:

This place is built for destruction. It is designed to destroy any and everything that comes into contact with it, for it is unnatural, it is anti-human, and it must destroy! It has no other choice. So being frightened is not being afraid; it is being smart! [..] Being frightened means not helping your keepers keep you kept, and handling this place and its people as one would handle a poisonous rattlesnake: always being completely respectful of its nature and what it is designed to do, and making damn sure that you always stay away from the business end of it!

16.04.05

Stupid White Men by an Angry White Man

Vor einiger Zeit, eigentlich noch vor der Wiederwahl von George W. Bush, hatte ich die Zeit gefunden, Stupid White Men von Michael Moore zu lesen. Seitdem lag es, mit Notizen versehen, irgendwo versteckt auf meinem Schreibtisch. Weil nun aber meine Anmerkungen nicht völlig umsonst gewesen sein sollen, möchte ich einige Eindrücke - in kürzest möglicher Form - letztlich doch noch widergeben.

Das Buch liest sich zum Teil sehr schwer, weil Michael Moore die Distanz eigentlich nie wahren kann. Gerade die Distanz aber hätte der Sache besser getan. Die Detailfülle, mit der Moore seine Behauptungen liebevoll zu untermauern versteht, und die ellenlange Angabe von Referenzen führen dazu, daß das Buch sich wie ein gut betriebenes Blog liest. Moore sollte bloggen, und mittlerweile macht er das ja auch. Auf der anderen Seite verdient man mit Blogs kein Geld, mit Büchern aber schon. Michael Moore scheint auf sowas zu achten.

Alles, was Moore in Stupid White Men schreibt, klingt soweit (folge-)richtig. Moore glaubt an seine Sache. So wie er schreibt, in seinem persönlichen Stil, kostet er seiner Sache aber mehr intelligente Anhänger, als er ihr halbintelligente zu bringen vermag. So geltungsbedürftig, wie Moore ist, ist das sogar beabsichtigt. Die Sache ist zu aller Erst SEINE Sache.

Und das war es auch schon, was mir zu diesem Buch einfiel.

15.04.05

Friedrich Schiller - Deutschlands Nationaldichter?

Ist der vor 200 Jahren verstorbene Friedrich Schiller legitim als Nationaldichter der Deutschen zu bezeichnen oder maßt sich die Nation dabei die Vereinnahmung eines Aufklärers und Ästheten an, der mit ihr - der heutigen Nation - und sich selber als deren Dichter rein gar nichts anzufangen wüßte? Dieser Frage und der Bedeutung Schillers jenseits weltweiter Nationalkulturen geht Otto Daun in einem lesenswerten Artikel nach, der in einem Schiller-Spezial der Zeitschrift "Aus Politik und Zeitgeschichte" zu finden ist.

13.04.05

Eisern Union?

Heute ist es an der Zeit, über ein Thema zu sprechen, das ich lange verdrängt und vor mir her geschoben habe. Es ist ein schlechtes Zeichen, wenn einem das passiert, sobald man über seinen Lieblingsverein schreiben möchte - muss -, aber die aktuelle Tabellensituation am Ende der Regionalliga Nordost lässt mir keine Wahl. Der 1. FC Union Berlin, so weh mir das tut, spielt eine verkorkste Saison, hat ein ängstliches, zu keinerlei Selbstvertrauen fähiges Team und steht zu Recht dort, wo er derzeit hingehört - am Ende der dritten Liga und damit auf dem Weg in die Viertklassigkeit.

Wir - die Fans - fragen uns nun natürlich nach dem Sinn dieser Sache. Steckt hinter all dem ein großer Plan? Ist diese Demütigung, diese niederträchtige und verdammenswürdige Wendung des Schicksals, das unseren Verein seit fast anderthalben Jahren befallen hat, Teil eines großen Schemas, das wir am Ende einmal irgendwann verstehen lernen? Gibt es in all diesen grausamen Fußballspielen, die uns unsere Mannschaft anzuschauen zwingt, die Spur eines uns in bald wieder ins Gesicht lächelnden Glücks, dessen wir in all unserer Verzweiflung nicht gewahr werden wollen?

Kann es wirklich stimmen, daß uns die grausamsten aller Götter, nämlich die des Fußballs, zwingen wollen, in die Liga abzusteigen, in der unser größter Erzfeind gefestigt seine Runden zieht? Auf daß wir wieder in ihre dumm grienenden, eingebildeten Gesichter schauen mögen, wenn sie sich endlich wieder auf einer Höhe mit uns glauben, diese Fans des BFC. Ist es das, was man mit uns vorhat? Wer weiß das schon. Gnade uns Gott, wenn wir auch gegen die noch verlieren. Niemand in dieser vergeßlichen Stadt gäbe einen Pfifferling auf das Pokalendspiel vor ein paar Jahren, das ein Gelsenkirchener Vizemeister mit viel Glück gegen uns gewann. Niemand erinnerte sich an die tollen Spiele im UEFA-Pokal, als wir den finnischen Zuschauern Respekt abverlangten für die begeisterten Fans, die dieses unbekannte Team da mitgebracht hatte. Und zu Recht - wir hätten es nicht anders verdient.

Aber vielleicht haben die Götter ja Großes mit uns vor. Vielleicht sollen wir am letzten Spieltag der nächsten Saison gegen eben diesen unseren Erzfeind gewinnen, die weinrotweiße Fussballsch... in die fünfte Liga schicken und selber aufsteigen. Vielleicht soll dann unser Stadionneubau fertig werden, wir durch neu entfachte Begeisterung den Schwung des Aufstiegs nutzen und gleich weiter steigen. So daß uns ein Jahr später die Fußballbundesliga zu Füßen liegt während wir von Sieg zu Sieg taumeln und Hertha BSC - eine weitere Truppe hochbezahlter Gurken, die man als Unioner unbekümmert hassen darf in dieser Stadt - zweimal mit 5:0 aus dem Stadion fegen. Vielleicht sollen wir ein Jahr später zuerst Chelsea und Inter, im Achtelfinale dann ManU, danach Barcelona, anschließend Juve und im Finale Real Madrid zur Sau machen und uns mit Champagner und Bier die Birne zuhauen können und danach die Straßen im Umfeld des Endspielstadions in irgendeiner europäischen Großstadt in Kotze und heiserem Gebrüll versinken zu sehen. Und das alles, um für dieses Jahr entschädigt zu werden.

Und anschließend steht jeder von uns Fans auf seiner eigenen, etwa einhundert Meter hohen Pyramide. So weit das Auge reicht überall diese Pyramiden, mit den nur in einem leinernen Hemd gekleideten Fans darauf, und auf den Hängen jeder einzelnen dieser riesigen Pyramiden unzählige, von Sexsucht besessene Frauen, die wie rasend darum kämpfen, als erste die Spitze zu erklimmen, einzig und allein, um vor den Anderen über uns herzufallen und uns in sexueller Hinsicht aufs Allerheftigste verwöhnen zu dürfen.

Das wär doch was. Dann wäre das alles, zugegebenermaßen, eigentlich gar nicht so schlecht. Ich glaube, so sollte ich es sehen.

Bundestag regt Diskussion über Informationsfreiheitsgesetz an

Um die von den Fraktionen des Bundestags vorgelegten Entwürfe für das Informationsfreiheitsgesetz öffentlich zu diskutieren, lädt der Bundestag zur aktiven Teilnahme im Diskussionsforum ein:

Korruptionsvorbeugung oder Informationsquelle für Extremisten und Wirtschaftsspione?

Die Einführung eines Informationsfreiheitsgesetz (IFG) sorgt bereits vor seiner Verabschiedung für Kontroversen. Durch das Informationsfreiheitsgesetz wird jeder das Recht bekommen, Einsicht in Akten und Daten des Bundes zu bekommen, die nicht der Geheimhaltung unterliegen. Für das Recht auf Einsicht wird es keiner persönlichen Betroffenheit noch der deutschen Staatsangehörigkeit bedürfen. Der Gesetzesentwurf (Drucksache 15/4493) enthält Einschränkungen, die über das Recht auf Privatsphäre jedes Bürgers hinausgehen. Das Informationsfreiheitsgesetz wird beispielsweise eingeschränkt sein bei Belangen der inneren/äußeren Sicherheit, Kontroll- und Finanzbehörden sowie während der Aufklärung von unerlaubten Rüstungsexporten.
Gerade das Maß der Einschränkungen sorgt bei den Befürwortern und Gegnern der Gesetzesvorlage für Diskussionsstoff. Sähen Journalistenverbände und Antikorruptionsorganisationen lieber ein Mehr an Bürgerrechten, gibt es Stimmen aus dem Innenministerium und der Wirtschaft, die das Auskunftsrecht gern enger gefasst sähen.

Journalisten und Bürgerrechtler verweisen auf die positiven und langen Erfahrungen in Schweden, dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten. So können schwedische Bürger bereits seit über 200 Jahren Behördenakten ohne Vorlauf einsehen; in den Vereinigten Staaten wird die Einsicht durch den "Freedom of Information Act“ geregelt. Laut "Transparency International“ haben Länder mit Informationsfreiheitsgesetzen die niedrigsten Korruptionsraten weltweit.
Innenminister Schily fürchtet dagegen eine Überlastung der Ämter durch eine hohe Zahl von Anfragen und einen Datenmissbrauch durch fragwürdige Organisationen. Es existiere ein Spannungsfeld zwischen Datenschutz und Auskunftspflicht.
Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) lehnt das IFG grundsätzlich ab. Die Befriedigung einer abstrakten Neugier ohne ein gewisses Maß an Berechtigung sei aus Sicht der Unternehmen falsch. Wenn Informationen über Vertriebswege oder Lizenzen für jeden einsehbar würden, könnten Unternehmen in ihrer Wettbewerbsfähigkeit schaden nehmen.

Die Positionen der Bundestagsfraktionen sind der Ausgangspunkt der Diskussion. Wie lautet Ihre Meinung zum Informationsfreiheitsgesetz? Dieses Diskussionsforum bietet Ihnen die Möglichkeit, Ihre Meinung dazu den Fraktionen mitzuteilen und sich mit anderen Bürgern auszutauschen.

Die Positionen der Parteien liegen bereit. Also los!

12.04.05

Landtagswahlen in NRW

Am 22. Mai diesen Jahres gibt´s in Nordrhein-Westfalen die nächste dieser regionalen Veranstaltungen, die doch eigentlich nur noch im Hinblick auf bundesweite Politik bewertet werden können. Die Rede ist von den Landtagswahlen.

Was es dennoch an Informationen darüber gibt, hat das küchenkabinett zusammengetragen - von allgemeinen Infos übers Wahlsystem über die beteiligten Parteien und die Stimmungslage im Land bis zu weiterführenden Links fehlt da nichts.

Jetzt braucht´s nur noch ein paar Wähler, die mal ganz im Sinne ihres Bundeslandes wählen. Dazu muß man nur folgende Schritte einhalten:

• sich mit den landesspezifischen Zielsetzungen der zugelassenen Parteien auseinander setzen, dabei
a) landespolitische Interessen wahrnehmen
b) keine bundespolitische Rache verüben

• am 22. Mai zur Wahl gehen

11.04.05

Bildungsreform

Mit den Folgen, die PISA für die deutsche Bildungspolitik haben wird, setzt sich Heft 12/05 der Zeitschrift „Aus Politik und Zeitgeschichte“ auseinander. PISA ist eine von den OECD-Ländern finanzierte Studie, die sich alle drei Jahre mit dem Bildungsstand der Schüler in den Mitglieds- und Partnerländern der OECD beschäftigt. Die wohl schwerwiegendste Erkenntnis der PISA-Studie für Deutschland ist die Tatsache, dass in keinem anderen Land der Welt der Schulerfolg der Kinder in so hohem Maße abhängig ist von ihrer sozialen Herkunft wie im reichen Deutschland.

Dieser Zusammenhang ist lange bekannt. So findet sich an anderer Stelle im Heft folgendes Zitat von Manuela du Bois-Reymond aus dem Jahre 1971:

“In der Schule artikuliert sich der gesellschaftliche Unterschied zwischen Herrschenden und den Unterdrückten.
Um neoliberalen Entgegnungen vorzubeugen, sei aber darauf hin gewiesen, dass soziale Chancengleichheit und Gerechtigkeit in der Bildung nicht nur „irgendeine bildungspolitische“ Option ist, sondern in der Verfassung verbrieftes Grundrecht aller Deutschen. In diesem Zusammenhang erscheint nun auch die Überprüfung des als anachronistisch und kontraproduktiv geltenden Mehrschulensystems angebracht, das die Übertragung sozialer Ungleichheit auf Folgegenerationen fördert.

In seinem Artikel „Soziale Auslese und Bildungsreform“ setzt sich Wolfgang Böttcher, Professor an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster, mit den sich aus PISA ergebenden Konsequenzen auseinander. Er benennt als Prinzipien einer „Ökonomischen Bildungsreform“ die Begriffe Effektivität, Effizienz, Evidenz und Erfolgsorientorierung und fordert einen intelligenten wie messbaren Einsatz von Ressourcen:

Bei einer schlichten Erhöhung von Ressourcen bei gleichzeitigem Absehen von der Frage, wie diese Mittel eingesetzt werden, kann Vergeudung erwartet werden. "Intelligenter Ressourceneinsatz" ist keine Absage an die These möglicherweise notwendiger Ressourcenzuwächse, allerdings werden Belege dafür erwartet, dass Ressourcen - Geld, Zeit, Personal - so eingesetzt werden, dass intendierte Wirkungen wenigstens wahrscheinlich sind. Normative Entscheidungen sind Voraussetzung für die Anwendung der Prinzipien: Ohne eine Orientierung an Zielen, also konkreten, messbaren, realistischen und terminierten Beschreibungen dessen, was erreicht werden soll, ergibt das ganze Unterfangen keinen Sinn.
Das Ziel sei zu erreichen mit Hilfe einer „Reflexiven Pädagogik“. Ignorieren sozial bedingter Ungleichheit in den Bildungseinrichtungen führt zu ihrer Legitimierung und Verschärfung, so die These:
Weil es die Pädagogik im Dunkeln lasse, dass durch ihre Herkunft privilegierte Schüler schulisch relevante Vorteile gewissermaßen en passant im Milieu ihrer Familie erwerben, erscheint ihr Erfolg als individuelle Begabung.
Lehrer seien zur "soziologischen Relativierung" dieser "essentialistischen" Erfolgsdefinition "kaum geneigt". Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, müsse man sich einer Pädagogik bedienen, deren zentrale Aufgabe die Vermittlung des bislang bei Schülern und Schülerinnen vorausgesetzten Wissens und damit verbundener Fähigkeiten sei. Die Vermittlung intellektueller Techniken und Denkgewohnheiten sei bislang innerhalb der Familie erfolgt, müsse aber bei Bedarf auch in der Schule angewandt werden, so Böttcher.

Reflexiver Pädagogik ist der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft, pädagogischer Beziehung und Lernresultat klar. Ihr Ziel ist die Reduzierung von sozial bedingter Ungleichheit. Sie sollte möglichst früh die „Grundkenntnisse [vermitteln], die die Grundschule stillschweigend bei ihren Schülern voraussetzt, angefangen beim Verständnis und Gebrauch der gemeinsamen Landessprache und verschiedener sprachlicher und graphischer Techniken".

Wichtig sei in diesem Zusammenhang, so Böttcher, die Festlegung pragmatischer Bildungsstandards. Diese formulieren, was Kinder und Jugendlichen in der Schule mindestens lernen müssen, um „selbstbewusst an der Gestaltung der komplexen modernen Gesellschaften teilhaben zu können und über ein Fundament und ein Motiv fürs Weiterlernen“ zu verfügen. Böttcher nennt dazu vier Kriterien: Klarheit, Knappheit, Anspruch und Verbindlichkeit. Am Ende seines lesenswerten Artikels fordert Böttcher im Rahmen der Bildungsreform eine Abkehr von getrennten Bildungswegen und fragt:

Dabei zeigen gerade die internationalen Vergleichsstudien, dass Leistung und Gleichheit parallel angestrebt werden können und nur durch Unterstützung und Förderung der Lernenden und der Lehrenden erreicht werden können - nicht durch Verschärfung von Selektionsverfahren. Sie belegen, dass der Schule durchaus Möglichkeiten offen stehen, denjenigen mehr Chancen zu geben, die "von Haus aus" bildungsfern sind. Dieser Beleg ist eine der großen Leistungen der internationalen Leistungsvergleichsstudien wie TIMSS, IGLU oder PISA.

Aber will diese Gesellschaft - und die von ihr gestützte Bildungspolitik - die Verkopplung von Herkunft und Schulerfolg überhaupt lockern? Es sind "geheime" soziale Mechanismen, "mit deren Hilfe das Bildungswesen die Kinder verschiedener sozialer Klassen ungleich stark eliminiert" , schreiben Bourdieu und Passeron. Und weiter: "Das Geheimnis trägt zum Fortbestand einer auf Tarnung ihrer stärksten Selbsterhaltungsmechanismen angewiesenen Sozialordnung bei und dient den Interessen derer, die auf Erhaltung dieser Ordnung bedacht sind."[24] Also fragen wir uns, Politiker und Wissenschaftler: Wer will eigentlich mehr Chancengleichheit im Bildungswesen? Von seinem aktuellen Zustand profitiert schließlich unsere soziale Klasse. Wollen wir unseren Kindern und Enkelkindern tatsächlich die vermehrte Konkurrenz von "denen da unten" zumuten?

Genau das ist die Frage, die bislang noch keiner formuliert hat.

10.04.05

You are Eagle

Taken from Hurricane by James Hirsch, a book about the life of Rubin Carter, is this moving Native American folk tale:

Jumping Mouse was unhappy simply being a mouse. He wanted more. So he went on a search for the Sacred Mountains, but his journey was filled with peril. He was, after all, only a mouse, and he was easy prey for eagles. But Jumping Mouse had a generous heart and was willing to help others.

On his journey he gave an eye to save a dying buffalo, and the buffalo, in turn, gave him protection for part of the journey. Then Jumping Mouse met a gray wolf who had lost his memory, so Jumping Mouse gave up his other eye to restore the wolf´s ability to recall. The wolf took Jumping mouse to the Sacred Mountains, but, now blind, the mouse concluded his journey was fruitless. He couldn´t see and would be eaten by an eagle.

Jumping Mouse fell asleep. But when he awoke, miraculously, he could see, and he looked upon the Sacred Mountains. Then he was told by a frog to leap in the air. He did - and he went higher and higher, soaring into the sky.

"You have a new name," called the Frog.

"You are Eagle."

A longer, original version can be found here.

08.04.05

Von einem, der auszog, ins Weiße zu treffen

Zu den seltsamsten Bewohnern, die im Studentenwohnheim ihr Leben verbrachten, konnte man mit Sicherheit C. zählen. In seinem Zimmer war ein dermaßen breites Spektrum an Waffen und Drogen zu finden, daß die Polizei, wäre sie jemals auf den Gedanken gekommen, dort nachzuschauen, wohl sofort das ganze Heim mit Panzern, Reitern und Bogenschützen umstellt hätte und den gesamten Saupfuhl ein für allemal bis auf die Fundamente niedergebrannt hätte. Durch die unmittelbare Nachbarschaft des besagten Wohnheims zur Landespolizeischule wäre ihr auch gar nichts anderes übrig geblieben.

C. erzählte uns immer, daß seine Waffen nur Schreckschußpotential besäßen. Sein herausforderndes Lachen und der wirre Blick seiner Augen sprachen jedoch vom Gegenteil. Wir gingen der Einfachheit halber davon aus, daß zumindest die Waffen, die er sich oft anläßlich der Saufgelage im Studentenclub in den Gürtel gesteckt hatte, seiner offiziellen Verlautbarung entsprachen. Wirklich nachgefragt hat jedoch, so weit ich mich erinnern kann, niemand.

Das mit den Drogen war eine andere Sache. C. hatte nie behauptet, nur Joints vorrätig zu haben. Das dumpfe Gebrülle, das zuweilen tagelang aus seinem Zimmer kam, wäre damit auch nicht zu erklären gewesen. Gerade was psychoaktive Substanzen angeht, ist die Toleranzschwelle in gewissen Studentenheimen ohnehin sehr hoch. Die Reaktionen der Bewohner reichen von lächelnder Ignoranz bis zur wohlwollenden, aktiven Anteilnahme, die sich oft zum Anlegen eigener Vorräte der gängigsten der westlichen Welt bekannten Drogen ausweitet. C. hatte hier Beispielfunktion.

Das Wohnheim lag in einem ruhigen Gebiet mit einer Bebauung von Doppel- und Reihenhäusern, in dem seine Bewohner so fremd wirkten wie eine Gruppe von Taranteln auf dem Hochzeitskuchen des englischen Thronfolgers. Gegenüber von C.´s Zimmer befand sich das Grundstück derjenigen Person, die ihren Lebensunterhalt mit der allmorgendlichen Verbringung von Zeitungen und Werbung in die Briefkästen der Umgebung bestritt. Zu allem Überfluß besaß dieselbe Person einen ausgewachsenen Schäferhund. Noch überflüssiger war, daß die Stimmbänder des Tieres aufgrund eines Zufalls galaktischen Ausmaßes von einer genetischen Mutation in ihrer Leistungsfähigkeit gesteigert wurden. Der Überfluß fand seinen Höhepunkt in der Tatsache, daß das sich jede Nacht um halb drei Uhr wiederholende Schauspiel der Anlieferung der Zeitungen durch einen LKW dem Tier bislang in der Fachwelt für unmöglich gehaltene Kräfte zuströmen ließ, die es im Anschluß an die Lieferung halbstündlich in erschöpfender Inanspruchnahme besagter Stimmbänder zum Einsatz brachte. Der Lärm war schwer zu beschreiben, hatte aber zweifelsfrei epochale Züge.

In einer warmen Sommernacht jedoch muß die Kombination von unerträglicher Hitze, frei zugänglichen Drogen und einem respektablen Arsenal an Handfeuerwaffen C. dazu gebracht haben, dem wütend vor sich hin bellenden Tier eine Lektion zu erteilen, die sein Besitzer auf lange Zeit nicht vergessen sollte. Kurz nach der Anlieferung der für die Bewohner der friedlichen Siedlung so wichtigen Sonntagsmorgenlektüre versetzte sich der Hund in seine übliche unkontrollierte Wut gegen die nächtliche Störung. Als das Gebell jedoch die durch wochenlangen polytoxikonen Genuß von Substanzen stark gesunkene Toleranzschwelle von C.´s neuralem Apparat unterschritt, öffnete C. sein Fenster und schrie wütend in die Nacht hinein: "Du Scheißtöle, halt endlich deine bekackte Fresse!". Um die Wirkung seiner Worte zu unterstreichen und seine Interessen in vollem Umfang wahrzunehmen, verballerte C. mehrere Magazine seiner wichtigsten Lieblings-Pistolen in die schwüle Sommernacht des Berliner Vororts.

Ab der nächsten Nacht war von dem Hund nichts mehr zu hören. Ob der Besitzer sein Tier eingeschläfert hat, ihm die Stimmbänder zerschnitt oder einfach nur den Zwinger wechseln ließ, wurde niemals geklärt. C. schlief jedoch fortan ruhiger. Er würde sich später zur Rechtfertigung seiner Maßnahme auf Elias Canetti berufen, der einmal gesagt hatte, daß der Tod als Drohung die Münze der Macht sei. Wir mochten ihn weiterhin.

Keine drei Wochen später sollte Meisterschütze und Waffennarr C. jedoch auch einmal sein Ziel verfehlen. Es war ein Samstag nachmittag und die jeden Freitag im Studentenclub stattfindende Tanzveranstaltung hatte die Körper unserer Wohnheimgemeinschaft und ihrer Gäste bis in die frühen Morgenstunden einem ausgiebigen Leistungstest in der Aufnahme und Absonderung aller möglichen Substanzen unterzogen. C. war da keine Ausnahme. Nachdem die letzten Gäste gegen neun Uhr morgens verschwunden waren, herrschte in den Räumen des Klubs wenige Stunden Ruhe, bevor die zum Saubermachen eingeteilten Mitglieder des Klubs erschienen und ihre Arbeit aufnahmen. Die ersten Handlungsschritte der beteiligten Individuen bestanden üblicherweise im Anschalten der Soundanlage und der Versorgung der Anwesenden mit gekonnt gemixten Alkoholika. Erst nach einiger Zeit wurde damit begonnen, die Räume in einen annehmbaren Zustand zu versetzen, der dem vor etwa vierundzwanzig Stunden entsprach. Oft konnte diese Entsprechung nur bis zu einer gewissen Ähnlichkeit vorangetrieben werden, ein Umstand, mit dem wir jedoch umzugehen wußten. Auch ein Klub lebt.

Nachdem die gröbsten Arbeiten verrichtet waren - und gerade diese wurden meistens auf den geschlechtsspezifischen Abtritten erbracht - erschien an diesem Nachmittag in ungewohnter Hast C. und verlangte lautstark nach einem Schlüssel. Nach kurzer, aber intensiver Auseinandersetzung konnten die Anwesenden gemeinsam herausstellen, daß C. von dem Schlüssel zur mittlerweile gereinigten und verschlossenen Herrentoilette sprach. Man übergab ihm jenen und sah ihn hochkonzentriert davoneilen. Gedanken darüber, warum C. nicht die Toilette in seinem Zimmer benutzen mochte, hing zu diesem Zeitpunkt wohl noch niemand nach.

Zwei Stunden später jedoch wurde zu allgemeinen Verwunderung ein ausgewachsener Scheißhaufen bemerkt, der sich neben einem der Toilettenbecken äußerst deutlich von den ihn umgebenden Fliesen abhob. Daß das mit der Reinigung der Toiletten betraute Klubmitglied diese sohl olfaktorisch wie optisch kaum zu überbietende Meisterleistung übersehen haben könnte, erschien unglaubwürdig. Nach kurzer Rücksprache wandten sich die versammelten Mitglieder telefonisch an C., der sich zur Klärung weiterer Maßnahmen umgehend einfand. Nach kurzer Besichtigung des Tatorts sagte C.: "Oh. Da is´ er also.". Er lächelte uns an, schickte uns raus und begann mit der Beseitigung seiner so knapp am Ziel vorbeigeschossenen Exkremente. Er sollte sich später im Zusammenhang mit dieser Tat auch auf keinen Literaturnobelpreisträger berufen.

Und das, meine Freunde, war die Geschichte von dem Meisterschützen, der auch mal ein Ziel verfehlt. Sie wird sich - hinter vorgehaltener Hand - noch immer im Wohnheim erzählt.

Keine Toleranz den Atheisten!

John Locke argumentierte einmal folgendermaßen über Menschen, die - weil sie selber an keinen Gott glauben können - die Existenz von Gott und damit den Glauben anderer Menschen verneinen:

Wer die Existenz Gottes leugne, setze seine persönliche Wahrheit [als] absolut [an], könne [daher] andere Meinungen nicht dulden und verdiene es folglich auch nicht, selbst toleriert zu werden.
Ein zwar drastisches Urteil, bei dem sich der Denkpass nichtsdestotrotz schwer tut, sich ihm nicht anschließen zu können. Toleranz - oder wie der äthiopische Prinz Asfa-Wossen Asserate sagt: Duldung des gegenläufigen Urteils - würde wie so jedem Menschen auch den Atheisten gut stehen.

04.04.05

Erbschaftssteuern in der Bundesrepublik

Interessante Zahlen zum Thema Erbschaft finden sich in Ausgabe 8/2005 der von der Bundeszentrale für politische Bildung herausgegebenen Zeitschrift Aus Politik und Zeitgeschichte. Am Rande ihres Artikels Dialog der Generationen haben die Autoren Volker Amrhein und Bernd Schüler Zahlen des Globus vom 13.2.2004 verwendet, die einen Blick auf die Größenodnung der infolge des Ablebens von Bundesbürgern stattfindenden Finanzverschiebungen erlauben.

So wandern jährlich rund 50 Mrd. Euro in die Taschen der Erben, in Form von Erbschaften oder diesem Transfer vorgreifenden Schenkungen. Über 500.000 Haushalte treten nach Sterbefällen die Erbfolge an und profitieren im Schnitt von 65.000 Euro Vermögenszuwachs (Ost und West profitieren übrigens unterschiedlich mit durchschnittlich 16.000 oder 70.000 €). Weitere 300.000 Haushalte erhalten Schenkungen in Höhe von durchschnittlich 30.000 Euro (West: 32.000, Ost 20.000 Euro).

Bleibt zu erwähnen, daß einige Haushalte besonders profitieren - die der Bundesländer. Mit rund 3,3 Mrd. Euro Erbschaftssteuer nahmen sie knapp zwei Prozent ihrer Steuereinnahmen ein. Hat ja keiner gesagt, daß der Tod nicht auch schöne Seiten haben kann, nicht?

03.04.05

Sondersendungen zum Tode des Papstes

Papst Johannes Paul II. hat seine letzte Ruhe gefunden. Nach einem sehr langen Leben, das der Papst als Instrument in den Dienst der katholischen Kirche gestellt hatte, und das immer gezeichnet war von den Folgen eines Attentats im Jahre 1981, schlief der höchste Diener Gottes nach schwerer Krankheit gestern in den Abendstunden ein. Friede sei mit ihm.

Daß darüber aber gestern fast alle Sender dieses Landes in Sondersendungen berichten mußten, war zumindest merkwürdig. Denn zum einen kam Karel Wojtylas Tod nicht unerwartet. Zum anderen wird hier der Tod eines Menschen zum Gegenstand einer Inszenierung gemacht, von dessen Lebenswerk dieselben Fernsehsender ansonsten auch nur höchstens am Rande Notiz nahmen.

Deutschland ist und bleibt ein multikonfessionelles Land. Um über den Tod von hohen Würdeträgern der evangelischen Weltkirche zu berichten, würde man aber keine Sondersendungen ausstrahlen. Dies alleine ist ein Zeichen der Bedeutung und der Leuchtkraft von Johannes Paul II. Auf der anderen Seite wird aber das Lebenswerk des Papstes in Deutschland kaum zur Kenntnis genommen, wird die Position des Vatikans in Sachen Abtreibung und Verhütung als mittelalterlich und rückständig belächelt.

Warum dann aber die plötzliche öffentliche Anteilnahme auf fast allen Fernsehsendern, wo die deutschen Kirchen aller Konfessionen doch über ständig schwindende Mitgliederzahlen klagen? Würde sich der Papst nicht mehr freuen, wenn dieselben Personen, die mit Sondersendungen über seinen Tod ihr Abendprogramm füllen, ihre Anteilnahme über seinen Tod in mehr oder weniger regelmäßigem Besuch einer Kirche -egal welcher Konfession- manifestieren könnten? Wenn sie, anstatt ergriffen vor Fernsehkameras zu posieren, in einer ehrenamtlichen Arbeit ihrer Gemeinde helfen würden, die Not von Kranken, Schwerbehinderten, Alten oder Hilfebedürftigen zu lindern? Wenn statt vorübergehender Anteilnahme dauernder Glauben gezeigt werden könnte?

Mit Sicherheit. Aber in Deutschland ist das nicht zu erwarten. Denn sobald die Sensation vorbei ist, geht es für uns mit dem normalen Fernsehprogramm weiter. Zapp...

02.04.05

Fehlende Transparenz im Berliner Abgeordnetenhaus

Die Bemühungen des Berliner Abgeordneten Benjamin Hoff (PDS), seine außerparlamentarischen Einkünfte durch Honorarjobs im Handbuch des Abgeordnetenhauses zu veröffentlichen, bleiben fruchtlos. Wie die Berliner Zeitung meldet, war Hoff davon ausgegangen, zusätzlich zur Pflicht (Angabe des Nebenjobs) auch die Kür (Angabe des mit dem Nebenjob erzielten Entgelts) abliefern zu dürfen. Trotz der jüngsten Diskussionen um die Offenlegung von Nebengehältern der Politiker bleibt die Regel jedoch in Berlin weiterhin die Regel: Die Angabe des Verdienstes ist nicht nur nicht nötig, sie ist sogar untersagt.

Nach einem gläsernen Politiker wird in der Bundeshauptstadt weiter gefahndet.

Billion Euro gestohlen!

Einer Studie des Freiburger Finanzwissenschaftlers Bernd Raffelhüschen zufolge könnte sich die Größe des Finanzierungslochs in der gesetzlichen Pflegeversicherung auf bis zu 950 Milliarden Euro belaufen, meldet Spiegel Online. Raffelhüschen weist außerdem daraufhin, dass jegliche Finanzierungsmodelle, die von den großen Parteien der Bundesrepublik derzeit lanciert werden, keine nachhaltige Finanzierung garantierten.

In allen Modellen sei "eine weitere Steigerung der Beiträge nicht zu verhindern", schreibt Raffelhüschen.
Aber wer interessiert sich schon dafür, daß man der kommenden Generation fast eine Billion Euro geklaut hat? Die Bevölkerung ebensowenig wie die Politiker. Die über-über-über-über-über-nächste Legislatur wird´s uns danken, Freunde!

01.04.05

Erotisches Verhalten

Glaubt dem Fachmann, wenn er sagt:

Erotisch Rülpsen will gelernt sein.