31.03.05

Spielabbrüche, Schlägereien und eine Geldbörse

Interessantes und Denkwürdiges aus dem amerikanischen Sport:

• Kuriositäten, die zu Spielabbrüchen führen können, sind Gegenstand dieses Artikels (u.a. Beer Night in Cleveland führt zu Auseinandersetzungen zwischen Fans und Spielern / Anzeigentafel fällt aufs Eishockeyfeld / Regen im überdachten Stadium )

• Wie man aus Tape, mit dem man sich vor Verletzungen schützt, auch eine Geldbörse basteln kann, erfährt man hier

• Weil sie den Ersatzquarterback des Footballteams ihrer Uni geschubst hatten, sollten sich fünf Bewohner eines Wohnheims einem Überfall durch 35 kräftig gebaute Footballspieler ausgesetzt sehen

30.03.05

Ein Tag für die Demokratie

Wie die Grünen verkünden, ist seit heute die offizielle Webseite der Gedenkfeierlichkeiten anlässlich des sechzigsten Jahrestages der deutschen Kapitulation online. Dies ist Anlaß, der Opfer des Krieges als auch der den Deutschen in der Folge zuteil gewordenen Demokratie zu gedenken.

Diese aber verlangt derzeit nach einem Bekenntnis ihrer Bürger, ist sie doch gegen - in letzter Zeit auftretende - extreme Ansichten in deutschen Parlamenten zu verteidigen. Ein bundesweites Bündnis ruft daher zu einem Tag der Demokratie auf, bei dem am 7. und 8. Mai rund um das Brandenburger Tor in Berlin ein umfassendes Programm stattfindet.

All das ist notwendig, damit der Nationalsozialismus endlich aus den Köpfen aller Deutschen verschwindet. Damit auf die endgültige Niederlage der Ideologen von damals heute die endgültige Niederlage ihrer Idee folgt.

29.03.05

Acker, Mann!

Die Deutsche Bank ist mit der Führung ihrer Geschäftstätigkeiten durch Josef Ackermann sehr zufrieden. Die Zufriedenheit allerdings hatte auch schon höhere Werte gesehen. So sanken die Bezüge Ackermanns von 11,1 Mio. € auf nunmehr dürftige 10,1 Mio. €.

Josef Ackermann, so scheint es, spart also noch nicht genug - so die Nachricht auf seinem Gehaltszettel. Dabei gibt sich der Mann doch alle Mühe: Bereits seit längerer Zeit bekannt, schlug die angekündigte Streichung von 6.400 Stellen bei der Deutschen Bank Wellen, weil man mit 2,47 Mrd. € doch im Jahre 2004 einen anständigen Gewinn vorweisen konnte.

Aber nutzt Josef Ackermann alle Potentiale, die sich dem pfiffigen Bankenlenker bieten? Spart man bei der Deutschen Bank, wo man kann und könnte? Der Denkpass glaubt, nein sagen zu dürfen. Und zeigt, kosten- und gedankenlos, weitere Möglichkeiten des Einsparens auf:

1. In den Hochhäusern der Deutschen Bank in Frankfurt/Main, mit 158 m Höhe und 40 Etagen ein weithin sichtbares Symbol der Schaffens- und Manneskraft seiner Benutzer, gibt es doch sicherlich genügend Mitarbeiter, die auf die Nutzung des Fahrstuhls angewiesen sind. Fahrstühle aber, so weiß man, verbrauchen gewaltige Mengen Energie, erst recht, wenn sie mehrere Dutzend Etagen in die Höhe fahren müssen. Und Energie ist heutzutage teuer. Ergo? Nutzer zahlen für den Fahrstuhl. So einfach geht das - und schon eröffnen sich neue Einnahmequellen. Damit nun aber die Angestellten nicht auf die Treppe ausweichen, wird dort auch Maut erhoben. Hilfe bei der Einführung eines Mautsystems gibt es hier. Mauteinnahmestellen könnten so aussehen:


(Quelle: Angelika und Bernd Kohlmeier, Parlaments-Magazin "Blickpunkt Bundestag")

2. Mit größter Sicherheit lässt sich sagen, daß in den besagten Hochhäusern, aber auch in allen anderen Immobilien der Deutschen Bank, nicht alle sich bietenden Flächen genutzt werden. Wie man von dem Bild der Fahrstuhlmauterhebung sehen kann, lassen sich Schreibtische überall aufstellen. Hier bieten sich ungeahnte Einsparmöglichkeiten, die bei geschickter Ausnutzung und Zusammenlegung von Büroflächen bis ins Treppenhaus und die Tiefgarage sogar zum Verkauf einiger dann überflüssiger Immobilien führen könnten.

3. Gehaltschecks an die Mitarbeiter werden sicherlich, wie überall üblich, umsonst zugestellt. Der Einfachheit halber nutzt man dafür gerne das interne Postverteilsystem. Warum aber nicht trotzdem die entstehenden Kosten auf die Angestellten umlegen? Warum nicht für die Zustellung eines Gehaltschecks Geld verlangen? Gehaltschecks umsonst zustellen wäre doch eigentlich dasselbe wie Kontoauszüge zu verteilen, ohne Gebühren dafür zu erheben! Das macht doch, wie man als Kunde der Deutschen Bank weiß, auch niemand.

4. Wie in vielen anderen Büros auch, sind die Mitarbeiter der Deutschen Bank sicherlich abhängig von der schwarzen Brühe, die vielerorts als "Kaffee" deklariert wird. Finanziell steht für diese Sucht häufig der Arbeitgeber ein, der Kaffeepulver, Filtertüte, Kaffeemaschine, Energie und Wasser kostenlos bereitstellt. Über die Ausmasse dieser Verschwendungssucht braucht man keine deutlichen Worte mehr zu verlieren. Also? Kaffee wird rationiert! Eine Tasse für den Chef, eine Tasse für die Angestellten:

Da Herrn Ackermann diese Ideen nicht selber gekommen sind, bleibt dem um das finanzielle Ergebnis der Deutschen Bank besorgten Betrachter also nur, die Stirn zu runzeln und den Vorstand vehement aufzufordern:

Acker, Mann!

24.03.05

3 Sterne? Drei Tritte in den Arsch!

Der BFC Dynamo, ein Ostberliner Viertligist, kämpft derzeit um das Privileg, Sterne auf dem Trikot führen zu dürfen. Deutsche Meister im Fußball dürfen das, und wie der FC Bayern möchte der BFC Dynamo drei solcher Sterne für seine vielen Meisterschaften in der DDR vorzeigen dürfen.

Nun hat der DFB darüber erstmal diskutiert - und beim BFC hat man anlässlich dieser Diskussion schon mal die Trikots unter die Nähmaschine gelegt. Denn morgen, so freut man sich beim ehemaligen Stasiklub, wäre ein Viertligaspiel der willkommene Anlass, sich öffentlich auf eine Ebene mit Deutschlands letztem Championsleague-Vertreter zu stellen.

Aber gemach!, sagt die Berliner Zeitung und weist auf die ungewöhnlichen Zusammenhänge hin, auf die der ostdeutsche Serienmeister für seine Serienmeistereien so zurückgreifen musste: ständige Begünstigungen durch Schiedsrichterfehlentscheidungen, lebenslange Sperren für Leistungsträger von Konkurrenten und Bevorzugung bei der Spielerauswahl.

Den Spitznamen "Schiebermeister BFC" hatte sich der Klub in der DDR nicht umsonst verdient. Und sollte der DFB dafür ernsthaft drei Sterne vergeben wollen?

Rücktrittsforderungen wegen eines Bundesministerzitats

Der Bürgermeister des Berliner Bezirks Steglitz-Zehlendorf, Herbert Weber (CDU), sei "kein Demokrat" und sein "rechtsradikales Gedankengut [sei] nicht mehr zu überbieten", so der Gemeindechef der Jüdischen Gemeinde in Berlin, Albert Meyer gegenüber der Berliner Zeitung. Er halte Forderungen nach Webers Rücktritt für legitim, äußerte sich Meyer zu den Bestrebungen von SPD, Grünen und PDS im Bezirk.

Anlass der Rücktrittsforderungen waren unter anderem Aussagen Webers zum zweiten Weltkrieg, die er in einer Rede zum Volkstrauertag hervorbrachte. Teile dieser Rede waren gegen deutsche Deserteure im zweiten Weltkrieg gerichtet:

"Die meisten Deserteure hatten etwas auf dem Kerbholz und wussten, warum sie abhauten. Der unbekannte Deserteur, welche Verhöhnung des unbekannten Soldaten. Es ist eine Verirrung, die nur mit Geisteskrankheit, Hetze oder maßloser Verhetzung zu erklären ist."
Dabei zitierte er den Ritterkreuzträger, Vizekanzler und Bundesminister a.D. Dr. Erich Mende. Die Spuren dieses vermeintlichen Skandals führen also vom Berliner Südwesten bis weit in die Vergangenheit der Bundesrepublik.

Daß nun aber ein Bezirksbürgermeister für das Zitat eines ehemaligen Vizekanzlers der Bundesrepublik seinen Rücktritt erklärt, halte ich für unwahrscheinlich. Und, unter uns gesagt, auch für unangemessen. Damit soll aber dem Bezirksbürgermeister Herbert Weber keine Entschuldigung für sein sonstiges Verhalten ausgestellt werden. Nur eben der Hinweis, daß man für nachhaltige Rücktrittsforderungen etwas mehr Vorwürfe anzuhäufen hat.

23.03.05

Untergang oder Wandlung

Der Philosoph Karl Jaspers sagte einmal:

Der Mensch steht heute vor der Alternative: Untergang des Menschen oder Wandlung des Menschen.

Waffen für alle!

Zwei Fakten:

1. Ein 15jähriger hat in Red Lake, Minnesota mindestens 9 Menschen erschossen. Soviel ist bekannt.

2. Unabhängig davon, vertreten bestimmte Interessenverbände die Ansicht, jedem Bürger sollte das Recht zuteil werden, eine Waffe zu tragen. Zu diesem Behelf zitiert man folgendes:

"Einige Leute verbinden Schusswaffen mit Verbrechen, Angst und Gefahr, und sie wollen sie verschwinden lassen. Diejenigen, die Waffen mit Freizügigkeit, Freiheit, Ehre, Stärke und Sicherheit verbinden, verstehen die nicht zu ersetzende Rolle, die Schusswaffen in unserem Leben spielen."

"Menschen fürchten Schusswaffen. Während Schusswaffen schlimme Taten erleichtern, machen sie es dem Bürger auch leichter, sich zu verteidigen."

In Kombination ergibt sich also die Einsicht, das Massaker wäre zu verhindern gewesen, ja? Dazu hätte nämlich jeder in der Schule - angefangen beim Hausmeister bis zu den Horterziehern - eine Waffe haben sollen.

Aber hätte das wirklich deeskalierend gewirkt?

22.03.05

Dopingkontrollen im Baseball

Man weiss, dass etwas Seltsames vorgeht, wenn deutsche Zeitungen Nachrichten über Baseball bringen. So geschehen heute in der Berliner Zeitung, die über verschärfte Dopingkontrollen in der MLB berichtet:

Die Major League Baseball (MLB) hat als Reaktion auf die Kritik des US-Senats an laschen Dopingstrafen eine Verschärfung seiner Regularien vorgenommen. Der Dopingnachweis soll ab sofort zu einer Sperre führen. Bisher konnten Sünder mit einer Geldstrafe davonkommen.
Dazu ein kurzer Überblick über die Situation:

Seit den Enthüllungen von Jose Canseco, der in seinem Buch viele seiner Kollegen des Dopings bezichtigt und der Verwicklung des vielleicht größten Baseballsspielers aller Zeiten, Barry Bonds, in den BALCO-Skandal wurden Forderungen laut, die Spieler Kontrollen zu unterziehen. Mittlerweile beschäftigt sich also, wie die Berliner Zeitung hinweist, sogar der US-Senat mit den Vorgängen (den Bericht eines Fans darüber findet man hier).

Spieler und Besitzer amerikanischer Profiteams liegen ständig im Streit über gegensätzliche Interessen hinsichtlich der gerechten Verteilung der Einnahmen, Mindestgehältern, Höhen von Geldstrafen und Längen von Spielsperren oder Rentenbeiträgen. Bei Einigung unterzeichnen beide Seiten ein sogenanntes Collective Bargaining Agreement, dessen Name deutlich die monetäre Bedeutung unterstreicht. Fehlende Einigungsbereitschaft führt aber, wie beispielsweise derzeit in der National Hockey League, zum Ausfall der Saison.

Im Baseball hatte man 2002 während einer derartigen, für die Dauer von mehreren Saisons geltenden Übereinkunft beschlossen, entweder eine Spielsperre oder eine Geldstrafe zu verhängen:

Baseball's new agreement had called for a 10-day suspension or up to a $10,000 fine for a first positive test. A second positive test was to result in a 30-day suspension or up to a $25,000 fine, a third in a 60-day suspension or up to a $50,000 fine and a four in a one-year suspension or up to a $100,000 fine.
Diese Regelung wurde nun dahingehend geändert, die Geldstrafen wegzulassen und nur noch Sperren zu verhängen. Am Rande bemerkt, bedeutet eine Sperre für den Spieler ohnehin den Gehaltsverlust für die gesperrten Spiele.

Die Forderungen der Politiker gehen aber weiter. Sie möchten, daß Baseball sich nicht selber bei der Einhaltung der Dopingregeln überwacht. Sie fordern, die Überwachung von neutraler Seite.

20.03.05

Der Westen ist voll fieser 60er-Jahre-Architektur

Brenda Strohmeier von der Berliner Zeitung hat eine englische Schulklasse während eines Berlin-Besuchs begleitet. Heraus kamen dabei interessante Einsichten in bundesdeutsche Realitäten. Lesenswert!

19.03.05

Nicht im Übermass

Als er in seinem Artikel "Champagner literweise. Langeweile ist schlimmer als der Tod: Es lebe die Biographie", der in der FAZ am 14. Januar 1998 erschien1, auf die Abneigung der Deutschen gegen biografische Lesegenüsse zu sprechen kam, gelangte Klaus Harpprecht zu folgendem vernichtenden Urteil:

[Die Abneigung gegen die Biographie entstammt der] schmerzlichen Einsicht, dass sie in Gottes Namen auch Literatur ist: dass sie Gestaltung, Formkraft, Urteilswillen und vor allem Sprache verlangt - Talente, die der Schöpfer nicht im Übermaß auf die akademische Welt der Deutschen herabregnen ließ.



1 Zu finden in der Beilage zur Zeitschrift des Bundestages "Das Parlament", Aus Politik und Zeitgeschichte 01-02/2005.

17.03.05

Patt in Schleswig-Holstein - Wählerauftrag ausgeführt

Der eine, Peter-Harry Carstensen, freute sich, als es dafür viel zu früh war.

Anschliessend freute sich die andere, Heide Simonis, daß es doch noch nicht zum Machtwechsel gekommen war. Aber auch sie tat dies anscheinend viel zu früh. Gerade weil der Landtag ihr vier Mal die Zustimmung verweigerte, war das letztendlich sehr hart, aber irgendwie auch gerecht.

Und jetzt? Jetzt lacht wahrscheinlich wieder der erste. Aber auch nicht richtig. Denn die schleswig-holsteinische SPD überlegt, jemand anders - zum Beispiel den Finanzminister Ralf Stegner - zum Ministerpräsidenten wählen zu lassen.

Eine Frage bleibt allerdings:

Kann Stegner in diesem Fall überhaupt noch von einem Wählerauftrag sprechen?

Opfer zweiter Klasse

David von Dialog International fragt sich, warum die Sympathie, die manche Leute für kommunistische Regime hegen oder hegten, nicht ebenso scharf hinterfragt wird wie beispielsweise die Nähe Heideggers zum Nationalsozialismus.

Wie Alexander Solschenizyn in den drei Bänden seines Buches Archipel Gulag beschreibt, stand der Kommunismus dem Nationalsozialismus in der Vernichtung von Menschenleben in keinster Weise nach (er beziffert dort mehr als 40 Mio. Opfer, die in den Lagern der Sowjetunion den Tod fanden). Aber auch in der Beschneidung von Menschenrechten waren und sind kommunistische Regimes rücksichtslos.

Warum diese Fakten sich bis heute nicht in einer negativen Bewertung von Leuten niederschlägt, die mit dem Kommunismus sympathisieren, ist unklar. Kommunismus hat immer noch den Anschein eines Systems, dass zwar in der Variante des Kalten Kriegs seine Einwohner ein bisschen rigoros herumschubste - aber letztendlich doch vom Wesen her als gut befunden wird. Brüder zur Sonne, zur Freiheit - aber nur, wenn ihr die Schnauze haltet, wenn´s mal nicht so läuft.

Es wird Zeit, daß damit Schluß gemacht wird. Daß auch der Kommunismus als das dargestellt und betrachtet wird, was er ist: menschenverachtend und lebensfeindlich.

Und man hätte bei der Verschärfung des Versammlungsrechts anfangen können. Und zwar, indem man auch die Verhöhnung der Opfer des Kommunismus wie z.B. den Toten an der Mauer oder in den Lagern und Gefängnissen unter Strafe stellt. Denn bislang schützt Deutschlands neues Versammlungsrecht nur die Opfer des Nationalsozialusmus.

16.03.05

Virtueller Arbeitsmarkt erzeugt reale Kosten von 233 Mio. Euro

Der Virtuelle Arbeitsmarkt führt nicht nur, wie Spiegel Online vor knapp drei Wochen gemeldet hat, zu fehlerhaften Ergebnissen bei der Suche nach neuen Jobs. Er führt auch keineswegs zu den von der Bundesregierung erhofften finanziellen Entlastungen, wie der Bundestag meldet.

Der Vizepräsident des Bundesrechnungshofes, Norbert Hauser, stellte dies am Mittwochvormittag im Ausschuss für Wirtschaft und Arbeit fest und beklagte dabei die Nichterfassung bestimmter zur Kosten- und Erfolgskontrolle notwendiger Kennzahlen wie z.B. der Dauer der Arbeitslosigkeit des zu Vermittelnden. Erfolgreiche Integrationen in den Arbeitsmarkt, so sie denn vorkommen, seien nur schwerlich dem virtuellen Arbeitsmarkt zuzuordnen, so Hauser. Wirtschaftlicher Nutzen sei aber nicht nur deswegen schwer zu beziffern. Auch die fehlende Erfassung und Verfolgung von Kostenkennzahlen kennzeichne das Projekt:

Der Auftrag über die Einrichtung der Börse hatte zunächst einen Umfang von 65 Millionen Euro[..]. Nach dem Vertragsabschluss im Februar 2003 seien die [..] Kosten aufgrund von 800 Änderungswünschen der BA [..] auf 132,5 Millionen Euro gestiegen. [..] Durch die in der BA erforderlichen Anpassungen an das VAM-System seien weitere geschätzte 65 Millionen Euro sowie rund 70 Millionen Euro für Schulungen und Personal hinzu gekommen, sodass bis Februar 2008 mit Kosten von 233 Millionen Euro zu rechnen sei.

15.03.05

Playape

Auch Rhesusaffen stehen auf Titten und Ärsche. So jedenfalls lautet die Erkenntnis einer Untersuchung der Duke Universität in Durham, North Carolina, wie 3Sat meldet. Die männlichen Testaffen seien bereit gewesen, für den Blick auf die Hinterteile ihrer weiblichen Artgenossen Kirschsaft einzutauschen.

Bei dem Phänomen handele es sich allerdings nicht um "Affen- Pornografie", es gehe den Tieren vielmehr darum, die sexuelle Bereitschaft potenzieller Partner zu prüfen.

Sollte Hugh Hefner also auf Fruchtsaft stehen, braucht er bloß mit dem Playape das entsprechende Hochglanzmagazin herausgeben. Die Affenpopulationen der Zoologischen Gärten dieser Welt würden ihm dankend gerne Teile ihrer Nahrung übergeben.

13.03.05

Perlentaucher

Auf den Erfolg, das Wesen und die Finanzierung von Deutschlands wohl populärstem Feuilleton, dem Berliner Perlentaucher, lenkt der Tagesspiegel in der heutigen Ausgabe die Blicke seiner Leser. Wohlan, der Perlentaucher scheint´s verdient zu haben.

Für interessierte Websurfer mit weniger Zeit zum Schmökern gibt es übrigens die Newsletter des Perlentauchers. Der Tagesspiegel hat das nicht gesagt, aber der Denkpass tat´s.

Speisezimmer

Was steht in Sarah Wieners Speisezimmer in der Berliner Chausseestrasse an der Decke?

Speisezimmer - das war noch vor fast 20 Jahren bey uns ein fast unbekannter Name: man wohnte und aß in der Stube; jetzt gehört zum feineren Geschmack ein Zimmer, wo die Tafel zubereitet und dann gespeist werden kann.
Das war einmal. Heute gehört es im Prenzlauer Berg wieder zum guten Ton, in der Stube zu essen. Zumindest, was die Mehrzahl der Einwohner angeht.

12.03.05

Voller Überraschungen

... ist das Leben mit unserem Sohn, wie sich eben wieder beim Frühstück bestätigen ließ. Und zwar voller positiver Überraschungen, die wir Eltern für ihn vorbereiten - und voller negativer Überraschungen, die er für uns organisiert.

Das ist nicht so schlimm, wie es klingt. Und manchmal ist es natürlich anders herum, ich weiß.

10.03.05

Ablehnung eines Oppositionsantrags fällt im Bundestag durch

Eine kleine Unachtsamkeit unterlief heute den Mitgliedern der Regierungskoalition im Bundestag. Um einen vom 9. November 2004 datierten Antrag der CDU/CSU-Fraktion abzulehnen, fehlte dem Plenum die nötige Mehrheit der Koalition. Die Drucksache 15/4146 mit dem Thema "Tatsächliche Gleichberechtigung durchsetzen Zehn Jahre Novellierung des Artikels 3 Abs. 2 des Grundgesetzes" führt somit dazu, daß die Bundesregierung vom Bundestag aufgefordert ist, die Forderungen der Opposition umzusetzen - ein zugegebenermaßen seltenes Ereignis, da die Regierung im Bundestag naturgemäß die Mehrheit hält. Sie setzt somit für gewöhnlich nur die Forderungen der eigenen Fraktionen um.

Sinngemäß stellen Politiker der Union der Koalition bereits den Totenschein aus. CDU-Generalsekretär Volker Kauder spricht von einem "Auflösungsprozess", in dem sich Rot-Grün befindet, der Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Dr. Norbert Röttgen, bemerkt "Zerfallstendenzen" und die stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Prof. Dr. Maria Böhmer, kommt nicht umhin, von einer "schlechten Verfassung" der Koalition zu reden.

Davon abgesehen, geht es in dem Dokument darum, der Bundesregierung folgende Handlungsweisen vorzuschlagen:

• dem Artikel 3 Abs. 2 des Grundgesetzes hohe Aufmerksamkeit beizumessen und bei der praktischen Politik dem Anspruch, die tatsächliche Gleichberechtigung von Frauen und Männern durchsetzen zu wollen, Rechnung zu tragen

• der Gleichstellungspolitik insgesamt einen höheren Stellenwert beizumessen und sie nicht länger als Nischenpolitik, sondern als zentrales Element sowohl
von Gesellschafts- als auch von Wirtschaftspolitik zu begreifen

• in der Gleichstellungspolitik stärker als bislang auf einen Geschlechterkonsens hinzuwirken und darauf zu achten, dass Gleichstellungspolitik Frauen
und Männer im Blick hat

• das Konzept Gender Mainstreaming angemessen umzusetzen und dabei ein Übermaß an Bürokratie zu vermeiden. Die spezifische Frauenpolitik darf dabei nicht in den Hintergrund geraten bzw. schrittweise abgebaut werden, solange die tatsächliche Gleichberechtigung in den entsprechenden Bereichen nicht erreicht ist

• in der Gleichstellungspolitik stärker als bislang die verschiedenen Frauengenerationen und altersspezifische bzw. biographiespezifische Unterschiede zwischen den Frauen im Blick zu haben und sich nicht auf eine einseitige Zielgruppenpolitik zu beschränken

• dieWahlfreiheit von Frauen und Männern zwischen Beruf und Familie durch geeignete Maßnahmen zu fördern

• die gesellschaftliche Repräsentanz und die Berücksichtigung von Frauen bei der Besetzung von Gremien zu fördern

• gemeinsam mit den Unternehmen noch stärker als bislang auf eine frauen- und familienfreundliche Ausgestaltung der Arbeitswelt hinzuwirken und so gewünschte Erwerbstätigkeit von Frauen besser zu ermöglichen. Bessere Wiedereinstiegschancen in den Beruf für Frauen und Männer sind durchzusetzen

• stärker als bislang auf die Beseitigung bestehender struktureller Nachteile von Frauen gegenüber Männern hinzuwirken, insbesondere auf dem Arbeitsmarkt. Hierbei sind Maßnahmen zur Verbesserung der Chancen auf dem Arbeitsmarkt für ältere Frauen und Männer durchzusetzen

• sich dafür einzusetzen, dass Frauen nicht nur bei gleicher, sondern auch bei gleichwertiger Arbeit ein gleiches Entgelt wie ihre männlichen Kollegen erhalten

• den Frauenanteil in den Bereichen Wissenschaft und Forschung, insbesondere in den Naturwissenschaften und in der Technik, und den Männeranteil in klassischen Frauenberufen durch gezielte Fördermaßnahmen und Programme in Schule, Ausbildung, Studium und Weiterbildung zu erhöhen

• Frauen in ihrem beruflichen Fortkommen zu fördern und gemeinsam mit den Wirtschaftsunternehmen wirkungsvolle Strategien zur Förderung von Frauen
in Führungspositionen zu entwickeln und umzusetzen

• auf eine verbesserte Absicherung von Frauen in den sozialen Sicherungssystemen hinzuwirken und dabei Erziehungszeiten angemessen zu berücksichtigen.

Peinlich dürfte das Ganze erwartungsgemäß also nur der Ungeheuerlichkeit des Vorgangs wegen sein - sind die inhaltlichen Punkte doch durchweg vernünftig zusammengestellt und auch nicht weit von dem entfernt, was Grüne und SPD selber hätten erreichen wollen. Und ihre eigenen Punkte in einem Gesetz einbringen kann die Koalition weiterhin, soviel sei angemerkt.

Wenn dies, dann jenes

Vor einiger Zeit von Fernsehkameras befragt, was denn für die versuchsweise Ausweitung des Tempolimits auf österreichischen Autobahnen von 130 auf 160 km/h spreche, holte Österreichs Verkehrsminister Hubert Gorbach zu einer Vielzahl von Bedingungen aus:

Es ist nicht einzusehen, daß wenn es schönes Wetter und gute Sicht gibt, wenn der Verkehrsfluß es erlaubt und wenn die Straßen frei sind, der Bürger nicht auch 160 km/h fahren könne....
Genau. Und wenn der Yen dies und der Verein der Österreich-Musikanten jenes tut, dann wäre vielleicht auch ... wer weiß das schon. Bei all diesen scharfsinnigen Ergüssen möchte der Denkpass nicht zurück stehen und erinnert an folgendes:
Wenn meine Tante Eier hätte, wäre sie mein Onkel.
Aber das nur am Rande.

UPDATE: Wie unser Österreich-Experte Michael (der wohnt ja auch dort) im Kommentar feststellt, war der Beitrag nicht genau recherchiert (weil nur aufgrund der Erinnerung an einen Fernsehbeitrag von 3Sat zustande gekommen). Übrigens üblich für den Denkpass, so im Dunkeln herumzustochern. Habt ihr das nicht gewußt?

Das 3Sat-Interview gibt es nicht im Wortlaut, des österreichischen Verkehrsministers Forderung nach einer Erhöhung des Tempolimits ist jedoch Gegenstand eines Dringlichen Antrags im Nationalrat gewesen.

Ach, und Bundesstraßen war eines der Wörter, das 3Sat in diesem Zusammenhang verwendete. Wie uns die - zugegebenermaßen mit dem Präfix de. versehene - Wikipedia erklärt, scheint es den Begriff zumindest gegeben zu haben.

Danke, Michael, für die korrigierende Nachfrage. Nein, wirklich. Danke. He he ;-)

06.03.05

Definitionssache

Ein Gentleman ist jemand, der schwangeren Frauen und fremden Müttern hilfsbereit gegenübertritt, auch wenn er sich nicht erinnern kann, sie geschwängert zu haben.

05.03.05

Der Tag der Befreiung

Es sind nur noch wenige Tage - genau genommen sind es 64 -, da jährt sich der Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus zum 60. Male. Dies führt seit geraumer Zeit zu einigen unsäglichen Äußerungen und Vorgängen, die von provokativen Demonstrationsanmeldungen der NPD bis zu eilig zusammen geschusterten Gesetzesvorlagen etablierter Parteien reichen.

Hermann Rudolph sah sich daher heute im Tagesspiegel veranlasst, zur Bedeutung des Tages Stellung zu nehmen. Dabei erfasst er die Schwierigkeit des Umgangs mit diesem Datum, die sich für die Deutschen aus der Gleichzeitigkeit von Befreiung und Zusammenbruch, von Dank und Scham, von Trauer und Schuld ergibt:

Am 8. Mai 1949, in der Schlussdebatte über das Grundgesetz, nannte Theodor Heuss diesen Tag die „tragischste und fragwürdigste Paradoxie der Geschichte“, weil „wir erlöst und vernichtet in einem gewesen sind“. Was damals noch jeder verstand: Vier Jahre nach Kriegsende war ganz gegenwärtig, dass das Befreiende an diesem Ende durchdrungen war von der Trauer über die Opfer des Krieges und den Schmerz über den Zusammenbruch.

Nun ist das offenbar nicht mehr so. Aber muss man diese Ambivalenz des 8. Mai trotzig hervorheben, als spreche man damit etwas aus, was man nicht sagen dürfte? Muss man wirklich, andererseits, die Deutschen, wenn sie an ihre Leiden und Verluste erinnern, sogleich mit dem Hinweis auf den Holocaust festhalten wie ertappte Sünder, die ihrer Schuld entlaufen wollen? Doch ohne die Anerkennung seiner bedrängenden Zwiespältigkeit ist dem Tag nicht gerecht zu werden.

Genau so ist es.

Regionale Vorzüge

Die Vorteile eines Flachspülers werden derzeit bei A Fistful of Euros heiss diskutiert. Robert Waldmann, einer der Autoren dieses ausgezeichneten Blogs, konnte in Österreich erste Erfahrungen im Umgang mit einem solchen Porzellanmöbel sammeln - und ist seitdem schwer begeistert:

I’m still thinking about Vienna. I didn’t especially like the anti aircraft towers, but I think the toilets were excellent.
Wer nicht weiss, was ein Flachspüler ist, sei auf die entsprechende Wikipediaseite verwiesen - oder aber - viel interessanter - auf die unmittelbareren Eindrücke der Kommentatoren des besagten Artikels bei A Fistful of Euros.

Warum das Ganze hier erwähnt wird? Nun, der Gedanke scheint noch niemandem gekommen zu sein - aber vielleicht sind es die Vorzüge europäischer Toiletten, die George W. Bush zu seinem längeren Europaaufenthalt im Februar getrieben haben...

04.03.05

Kein Visum - keine Einreise!

Der 9. März 2005 ist für Viktor Juschtschenko, den neuen ukrainischen Präsidenten, ein Glückstag. Ihm wird die Ehre zuteil, vor dem versammelten deutschen Parlament zu reden, womit in der Geschichte der Bundesrepublik erst 21 Männern und Frauen ausgezeichnet worden sind. Im Falle Juschtschenkos nun kam diese Ehre aufgrund einer gezielten Indiskretion zustande, die entweder von Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) ausging oder vom Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Volker Rühe (CDU), so berichtet die Berliner Zeitung.

Gerade der CDU dürfte der Besuch des ukrainischen Staatspräsidenten zumindest in einer Hinsicht ungelegen kommen, merkt die Berliner Zeitung an:

Aus den Reihen der [Visa-]Affären-Aufklärer hieß es, Juschtschenkos Auftritt könnte die Arbeit der Union im Visa-Ausschuss negativ beeinflussen. Da habe man es einerseits mit Massen von ukrainischen Schwarzarbeitern und Zwangsprostituierten zu tun, und da komme andererseits dieser sympathische Mann und werde von seinem sympathischen Land und dessen Wunsch nach Annäherung an die EU reden.
Aber vielleicht schafft es Juschtschenko ja nicht rechtzeitig zum Bundestag. Ein Visum braucht er doch auch noch, oder?

03.03.05

Das Geschäft mit dem Tod

Daß in deutschen Gaststätten weiter graucht werden darf, wissen wir nun. Der Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA) Ernst Fischer, die Bundesministerin für Gesundheit und Soziale Sicherung Ulla Schmidt sowie die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Marion Caspers-Merk haben eine entsprechende Vereinbarung unterschrieben.

Um nicht zu viele Raucher zu erfassen, sind von der Vereinbarung generell nur die Mitglieder des DEHOGA betroffen, und von denen auch nur die Speisebetriebe, deren Fläche 75m² übersteigt oder die mehr als 40 Plätze vorhalten. In Kneipen, Bars und Diskotheken darf gleich ganz weiter gepafft werden.

Folgende Schutzzonen wurden von der Bundesgesundheitsministerin und der Drogenbeauftragten für Raucher festgeschrieben (in Umdrehung der Zahlen für Nichtraucher):

• bis zum 1. März 2006 sind maximal 70 Prozent der Restaurants vollkommen für Raucher frei, in den verbliebenen Lokalitäten sind maximal 70 Prozent des Platzes für Raucher vorzuhalten

• bis zum 1. März 2007 sind maximal 40 Prozent der Restaurants vollkommen für Raucher frei, in den verbliebenen Lokalitäten sind maximal 60 Prozent des Platzes für Raucher vorzuhalten

• bis zum 1. März 2008 sind maximal 10 Prozent der Restaurants vollkommen für Raucher frei, in den verbliebenen Lokalitäten sind maximal 50 Prozent des Platzes für Raucher vorzuhalten

So weit also die Ergebnisse der vereinten Bemühungen von Bundesgesundheitsministerium und Drogenbeauftragter.

Was wir noch nicht wissen, ist der Grund, warum nicht ähnlich wie in Italien Rauchen komplett verboten wird. Dazu erst einmal einige Fakten.

In der Ausgabe vom 17.1.2005 befasste sich die Zeitschrift des Bundestages, Das Parlament, schwerpunktmäßig mit Sucht und Drogen. Dort findet man neben interessanten Artikeln über die Entstehung von Sucht, dem Umgang mit Sucht, verschiedenen Auffassungen von Drogenbekämpfung auch wissenswerte Zahlen zum Thema Nikotin:

Fast 17 Millionen [Deutsche] rauchen regelmäßig, und 5,8 Millionen von ihnen brauchen über 20 Zigaretten täglich für ihre Sucht. Der Konsum von Tabak und Alkohol beginnt immer früher, der Ausstieg ist schwierig.
Man kommt auch auf die Kosten des Nikotinkonsums zu sprechen:
Klar ist, dass jährlich über 110.000 Menschen an den Folgen ihres Tabaksucht sterben, sehr viele durch Krebs. Darüber hinaus sterben etwa 37.000 durch Kreislauferkrankungen und 20.000 durch Atemwegserkrankungen - das sind insgesamt über 1,5 Millionen verlorene Lebensjahre. Der volkswirtschaftliche Schaden durch die Raucherei ist enorm: Die Deutsche Hauptstelle für Sucht schätzt die Kosten durch Arbeitsausfälle, belegte Klinikbetten, Kuren und aufwendige Krebstherapien auf rund 17,3 Milliarden Euro, das sind über ein Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Trotzdem verlangt keine Krankenkasse bisher einen Raucherzuschlag.
In einem anderen Artikel kommt der Autor zu dem Schluß, daß die betriebswirtschaftlichen Ausfälle durch unbezahlte Angehörigenpflege oder Raucherpausen in den genannten Zahlen nur ungenügend berücksichtigt sind:
Bei den Kosten des Arbeitsausfalls spielen wegen der früheren Mortalität die Krebserkrankungen die wichtigste Rolle (44 Prozent). Ungefähr ein Drittel des Arbeitsausfalls entsteht durch frühzeitigen Tod, zwei Drittel gehen auf Arbeitsunfähigkeit und Frühverrentungen nach einer Erkrankung zurück. Die Kosten der unbezahlten Arbeit, die zum Beispiel dadurch entstehen, dass ein Angehöriger einen Lungenkrebskranken betreut, müssen noch dazu addiert werden. Sie liegen derzeit bei etwa 19,5 Milliarden Euro.

Ein weiterer Aspekt sind die "Raucherpausen" in Betrieben. Die dadurch bedingten Arbeitsausfälle werden auf etwa 30 bis 50 Minuten pro Tag und Raucher geschätzt. Diese Berechnungen sind allerdings sehr problematisch. Vielleicht liegt der betriebswirtschaftliche Schaden sogar noch höher.

Tabak erzeugt aber auch Einnahmen. So sammelte der Bund 2003 etwa 14 Mrd. € an Tabaksteuern ein.

Ganz deutlich soll in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen werden, daß Einnahmen und Ausgaben im Zusammenhang mit Nikotinkonsum nicht aus demselben Geldtopf stammen. Während der Bund die Steuern einsammelt und für seine Zwecke verwendet, werden die Ausgaben für medizinische Versorgung von den Krankenkassen, für Arbeitsausfall von den jeweiligen Unternehmen getragen. Da der Staat also die Kosten nur indirekt spürt - über finanzielle Beihilfen für verschuldete Krankenkassen oder verminderte Steuereinnahmen der betroffenen Unternehmen -, die Einnahmen aber direkt in seine Taschen fließen, würde er von steigenden Raucherzahlen sogar profitieren.

Für den Bund ist die Bilanz des Geschäftes mit dem Tod durch die Nikotin also glänzend. Ist man deswegen in Regierungskreisen nur halbherzig an Eingrenzungen des Tabakkonsums interessiert? Auf die Frage nach dem Grund für den laschen Umgang mit Rauchern, zitiert die Berliner Zeitung die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marion Caspers-Merk folgendermaßen:

Man müsse schließlich die schwierige wirtschaftliche Situation bedenken.
Krebstod fürs Vaterland lautet also die Devise. Die Krankenversicherten der Bundesrepublik werden es schon zahlen.

02.03.05

Der amerikanische Traum

Einst ausgezogen, den amerikanischen Traum zu suchen, taumelte Hunter S. Thompson zeitlebens einen schmalen Grat entlang, der ihn immer nahe genug an sein Ziel führen sollte, so daß er gerade noch wach und Herr seiner Sinne blieb - aber nie nah genug, um es fassen zu können.

Der amerikanische Traum. Wer würde ihn nicht gerne finden und leben? Die Mär von unendlicher Freiheit, grenzenloser Weite und den unbegrenzten Möglichkeiten. Von weit unten bis fast ganz oben.

Oder: umgekehrt. Denn zu guter Letzt erreichte Hunter S. Thompson sein Ziel. Er fand ihn, den amerikanischen Traum. Oder das, was davon übrig war.

Getrieben vom Wahnsinn seiner Drogen, gehetzt von der Unberechenbarkeit einer tiefen, lebenslangen und kräftezehrenden Trunkenheit erblickte er den amerikanischen Traum am Ende des kalten, geölten Laufes seiner Schrottflinte. Und drückte ab.

Denn Drogen, Gewalt und Tod - sie gehören zum amerikanischen Traum dazu wie die Freiheitsstatue zu New York. Hunter wußte das - und zog seine Konsequenzen.

----------------------------------------------------------

[Ein Nachruf des Denkpasses auf einen der größten Autoren des 20. Jahrhunderts muss besser sein als dieser stümperhafte Versuch!]