26.02.05

Sudel-Edes Erbe?

Wenn Angela Merkel in ihrer aktuellen Pressemitteilung davon redet, daß Außenminister Joschka Fischer seine Amtspflichten im Rahmen der Visa-Affäre schwer verletzt hat, verwendet sie auch eine ganz spezielle Art von Rhetorik:

Wenn er noch einen Funken Selbstachtung hätte, dann wüsste er, was zu tun ist. Es sind schon viele Minister wegen sehr viel geringerer Anlässe zurückgetreten.
Das mag so sein, und ob Fischer sich nicht letztendlich doch dem Druck zu beugen hat, wird man noch sehen. Zumindest die Grünen vermelden jedoch eine breite Unterstützung Fischers durch die Bundesbürger, wie eine Umfrage von Infratest dimap ergab.

Der Ton Angela Merkels ist es jedoch, der die Musik macht. Und gerade der Hinweis auf den letzten "Funken Selbstachtung" zeugt doch von einem kaum vorhandenen Respekt der Politiker untereinander. Hat Merkel womöglich zuviele Sendungen des Schwarzen Kanals geschaut? Ist ihr Sudel-Edes Ton - so nannte man den verantwortlichen "Journalisten" seinerzeit - in Mark und Bein übergegangen?

Aber auch der Ton der Pressemitteilungen anderer Parteien orientiert sich - zumindest manchmal - an der großmäuligen Polemik von Schnitzlers (der Denkpass hatte seinerzeit zum Beispiel auf eine Äußerung Reinhard Bütikofers hingewiesen). Sollte man vielleicht darüber nachdenken, den Zugang zu den Sendearchiven des Schwarzen Kanals, den das Deutsche Rundfunkarchiv eingerichtet hat, für Mitglieder des Bundestages und ihre Mitarbeiter zu sperren? Oder sie erst recht auf dieses Archiv und seine Inhalte aufmerksam machen?

Fragen über Fragen...

22.02.05

Let the good times roll

Einer der größten Autoren Amerikas hat uns am Sonntag verlassen. Hunter S. Thompson starb an den Folgen einer selbst zugefügten Schußverletzung - ein Abgang, der zu seinem Leben paßte.

Die poetische Kraft seines Schreibens, die wilden Vergleiche und irrwitzigen Geschichten machten ihn zu meinem Lieblingsautor. Die Welt ist ohne HST ein bisschen grauer geworden. Ich werde Dich vermissen, Hunter.

Und heute abend, in Deinem Andenken, die Birne zuknallen...

20.02.05

Geschichtsträchtiges Datum für die Space Shuttles

Wie die NASA bekannt gibt, soll das amerikanische Space Shuttle mehr als zwei Jahre nach dem Absturz der Columbia-Fähre seinen Betrieb wieder aufnehmen. Am 15. Mai ist ein Start der "Discovery" angesetzt, so meldet der Spiegel. Weitere Starts der aus den drei Fähren "Discovery", "Endeavour" und "Atlantis" bestehenden Space Shuttle Flotte sind ab Juli vorgesehen.

Genau 28 Jahre vor dieser Meldung, am 20. Februar 1977, absolvierte das erste Space Shuttle einen ersten Testflug.

19.02.05

Blog-Geburtstage

Als Hilfestellung bei der Verfolgung von Blog-Jubiläen sei dem werten Leser folgende Liste vorgestellt, aus der die Anfänge der Blogs der Täglichen Lesung des Denkpasses ersichtlich sind:

Artikel 20 Blog - erster Eintrag laut Archiv am 6.11.2002 (836 Tage = 2,289 Sonnenjahre = 119 Wochen und 3 Tage = 20064 Stunden = 1203840 Minuten = 72230400 Sekunden)

Ätzpostille - erster Eintrag womöglich am 22.7.2004 (212 Tage = 0,580 Sonnenjahre = 30 Wochen und 2 Tage = 5088 Stunden = 305280 Minuten = 18316800 Sekunden)

Beruf Terrorist The Enemy of all World - erster Eintrag am 5.2.2004 (380 Tage = 1,040 Sonnenjahre = 54 Wochen und 2 Tage = 9120 Stunden = 547200 Minuten = 32832000 Sekunden)

Bibliomaniac - erster Eintrag könnte vom 26.10.2003 sein (482 Tage = 1,320 Sonnenjahre = 68 Wochen und 6 Tage = 11568 Stunden = 694080 Minuten = 41644800 Sekunden)

BILD-Blog - erster Eintrag am 6.6.2004 (258 Tage = 0,706 Sonnenjahre = 36 Wochen und 6 Tage = 6192 Stunden = 371520 Minuten = 22291200 Sekunden)

Daniela M! - erster Eintrag des aktuellen Blogs am 11.7.2004 (223 Tage = 0,611 Sonnenjahre = 31 Wochen und 6 Tage = 5352 Stunden = 321120 Minuten = 19267200 Sekunden)

Daniel van Moll - erster Eintrag am 15.2.2004 (370 Tage = 1,013 Sonnenjahre = 52 Wochen und 6 Tage = 8880 Stunden = 532800 Minuten = 31968000 Sekunden)

Dialog International - erster Eintrag am 2.7.2004 (232 Tage = 0,635 Sonnenjahre = 33 Wochen und 1 Tag = 5568 Stunden = 334080 Minuten = 20044800 Sekunden)

Herr Braun - ohne Archivfunktion auch keine Informationen über den Anfang - oder blicke ich da falsch?

jimmiz journal - erster Eintrag im neuen Blog am 5.10.2003 (503 Tage = 1,377 Sonnenjahre = 71 Wochen und 6 Tage = 12072 Stunden = 724320 Minuten = 43459200 Sekunden)

Lummaland - erster Eintrag im neuen Blog am 25.1.2004 (391 Tage = 1,071 Sonnenjahre = 55 Wochen und 6 Tage = 9384 Stunden = 563040 Minuten = 33782400 Sekunden)

Meinungen und Deinungen - erster Eintrag im neuen, mittlerweile verlassenen Blog am 26. August 2004 (177 Tage = 0,485 Sonnenjahre = 25 Wochen und 2 Tage = 4248 Stunden = 254880 Minuten = 15292800 Sekunden)

Michael Himsolt - erster Eintrag womöglich am 29.10.2003 (479 Tage = 1,311 Sonnenjahre = 68 Wochen und 3 Tage = 11496 Stunden = 689760 Minuten = 41385600 Sekunden)

Michael´s Remarks - seltsamerweise gerade nicht erreichbar

Nils Webtagebuch - erster Eintrag am 11.2.2004 (374 Tage = 1,024 Sonnenjahre = 53 Wochen und 3 Tage = 8976 Stunden = 538560 Minuten = 32313600 Sekunden)

Plastic Thinking -erster Eintrag im neuen Blog am 12. Februar 2003 (738 Tage = 2,021 Sonnenjahre = 105 Wochen und 3 Tage = 17712 Stunden = 1062720 Minuten = 63763200 Sekunden)

Postfach - erster Eintrag am 23.8.2004 (180 Tage = 0,493 Sonnenjahre = 25 Wochen und 5 Tage = 4320 Stunden = 259200 Minuten = 15552000 Sekunden)

Röhrender Hirsch - erster Eintrag am 19.7.2004 (215 Tage = 0,589 Sonnenjahre = 30 Wochen und 5 Tage = 5160 Stunden = 309600 Minuten = 18576000 Sekunden)

rtfm - erster Eintrag vielleicht am 1.4.2004 (324 Tage = 0,887 Sonnenjahre = 46 Wochen und 2 Tage = 7776 Stunden = 466560 Minuten = 27993600 Sekunden)

schreiBBlogade - erster Eintrag im alten Blog irgendwann in 2003 - leider will die Archivseite nicht kooperieren - erster Eintrag im neuen Blog am 7.1.2005 (43 Tage = 0,118 Sonnenjahre = 6 Wochen und 1 Tag = 1032 Stunden = 61920 Minuten = 3715200 Sekunden)

tommys.blog - erster Eintrag womöglich am 6.10.2004 (136 Tage = 0,372 Sonnenjahre = 19 Wochen und 3 Tage = 3264 Stunden = 195840 Minuten = 11750400 Sekunden)

Unqualified Offerings - erster Eintrag am 21.10.2001 (1217 Tage = 3,332 Sonnenjahre = 173 Wochen und 6 Tage = 29208 Stunden = 1752480 Minuten = 105148800 Sekunden)

Weltentummler - erster Eintrag irgendwann vor ein paar Jahren - die Archivfunktion ist zu umständlich

word2go - erster Eintrag am 15.6.2003 (615 Tage = 1,684 Sonnenjahre = 87 Wochen und 6 Tage = 14760 Stunden = 885600 Minuten = 53136000 Sekunden)

Die genauen Fristen wurden mit diesem Tool ermittelt (unter dem Punkt "Fristen"). Wer jetzt noch vorausschauend planen will, dem sei dort der Menüpunkt "Spezielle Geburtstage" empfohlen, ermöglicht er doch einen Blick in die Zukunft, wann es runde Jubiläen gibt (Jahre, Monate, Wochen, Tage, Stunden ...).

Und warum breitet der Denkpass diese Übersicht vor den Augen seiner werten Leser aus? Weil ihr Rindviecher das einjährige Jubiläum des Denkpasses verpennt habt. Deswegen.

17.02.05

Anti-Spam-Gesetz vorgelegt

Die Bundesregierung hat den Entwurf eines Gesetzes vorgelegt, mit dem man die Versender so genannter Spam-Mail abschrecken will.

Aufgrund des kostengünstigen Zugangs zum Internet und der damit verbundenen Zunahme des e-Mail-Verkehrs seien sogenannte Spammer dazu übergegangen, zur Unterstützung ihres Marketings in großen Mengen elektronische Post (so genannte Spam) ohne Zustimmung des Empfängers, unter Verschleierung des Absenders und des gewerblichen Hintergrunds zu versenden. Die Bearbeitung dieser Nachrichten führe bei den Nutzern des Internets zu hohen Produktivitätsverlusten und bei privaten Haushalten zu erhöhten Einwahlkosten, stellen die Abgeordneten fest. Spam untergrabe auch das Vertrauen der Verbraucher in wichtige Zukunftstechnologien.

Maßnahmen, mit denen sich Service-Provider und Verbraucher vor Spam schützen, wie z.B. Filterprogramme, könnten den Marketingeffekt allenfalls schmälern. Es bleiben für die Spamer jedoch genügend Anreize, sodass der Gesetzgeber sich zur Handlung gezwungen sehe. Im Einzelnen soll es verboten werden, in der Kopfzeile einer kommerziellen e-Mail die wahre Identität des Absenders zu verschleiern oder zu verheimlichen. Außerdem soll der kommerzielle Charakter einer Nachricht sich nicht nur aus dem Text selbst ergeben, sondern auch schon in der Betreffzeile einer e-Mail weder verschleiert noch verheimlicht werden dürfen. Bei einem Verstoß gegen das Verbot der Verschleierung oder Verheimlichung drohen Geldbußen bis zu 50.000 Euro.

Schade. Dann werden wir alle nichts mehr über die fantastischen Möglichkeiten, unsere &%§/§ verlängern zu können, erfahren...

15.02.05

Die Geburtsstunde eines parlamentarischen Instruments

Um Debatten im Bundestag lebendiger zu gestalten, gibt es neben der Möglichkeit von Zwischenfragen oder Kurzinterventionen auch die Aktuellen Stunden. Sie können sich an Fragestunden anschließen, wenn nach Ansicht einer Fraktion zusätzlicher Klärungsbedarf besteht. Sie können aber auch schon im Vorfeld verlangt werden, um aktuell in der Öffentlichkeit lebhaft diskutierte Themen aufzugreifen.

Während einer Aktuellen Stunde gelten besondere Regeln. So dürfen die Redebeiträge der Abgeordneten nicht länger als fünf Minuten dauern und theoretisch insgesamt 60 Minuten nicht überschreiten. Die von Mitgliedern der Bundesregierung oder des Bundesrates z.B. für Antworten in Anspruch genommene Redezeit bleibt jedoch unberücksichtigt, so dass Aktuelle Stunden tatsächlich regelmäßig länger als eine Stunde dauern. Reden Kanzler, Minister oder Ministerpräsidenten länger als zehn Minuten, kann auf Verlangen einer Fraktion eine reguläre Aussprache über die Ausführungen eröffnet werden.

Am 10. Februar 1965, also vor fast genau vierzig Jahren, fand die erste dieser Aktuellen Stunden statt. Bundestagsvizepräsident Carlo Schmid bat seinerzeit eindringlich um die Einhaltung der Regeln und kündigte entschlossenes Vorgehen an, sollten sich die Redner nicht daran halten:

"Wenn fünf Minuten abgelaufen sind, werde ich den Redefluss erbarmungslos stoppen!"
Zum Ablauf der vierten Minute bekamen die Redner ein Schild vorgelegt, das sie über den Verbleib einer einzigen weiteren Minute Redezeit informierte. Genauso wurde Wert auf freie Rede gelegt. Müsse Schmid feststellen, daß "einer der Sprecher auf die Hilfe eines fertigen Textes nicht verzichten zu können glaubt", werde er ihn einmal "abmahnen, und, wenn er seine Krücken nicht wegstellt, ihm das Wort entziehen".

Wie die Zeitschrift Das Parlament mitteilt, geht die Einführung einer Aktuellen Stunde auf einen Antrag auf Ergänzung der Geschäftsordnung der Fraktionen von CDU/CSU, SPD und FDP zurück, den der Ausschuss für Wahlprüfung, Immunität und Geschäftsordnung im Januar 1965 befürwortet hatte. Der Ausschuss hatte empfohlen, die Aktuelle Stunde zunächst probeweise einzuführen und erst dann über die endgültige Einführung zu befinden, wenn genügend Erfahrungen mit dem neuen Modell gesammelt worden seien.

Die scheint man gesammelt zu haben, und mit den Erfahrungen zufrieden zu sein, denn die Aktuellen Stunden erfreuen sich in den letzten vierzig Jahren größter Beliebtheit.

13.02.05

Die Achse des Atomaren

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Eier ab!

Nicht nur Fussballfans haben so ihre Probleme, wenn das eigene Team verliert. Auch Rugbyfans können da zu Überreaktionen neigen...

Bleibt zu hoffen, daß der Rugbysport im Gegensatz zum deutschen Fußball von Wettskandalen unberührt ist und der Ausgang des besagten Spiels nicht manipuliert war. Sonst hätte er sich seine Glocken womöglich umsonst abgeschnippelt. Aber wer weiß, vielleicht brauchte seine Kuckucksuhr ja neue Gewichte?

Musikalische Informationszwänge

Diesem Wochenende, eine Insel des Familienlebens inmitten eines Monats voller Dienstreisen, kann jedenfalls kein Aspekt des Ungeschoren-davon-Kommens abgewonnen werden. Und das in zweierlei Hinsicht: Zum einen ist wohl dosierter Eingriff in wild wuchernde Kopfbehaarung nötig - zum andern schreit so manches Postfach danach, mit Infos vom Denkpass gefüttert zu werden:

Wem wirfst du dieses Stöckchen zu (3 Personen) und warum?
[..]
- chiefpedro vom Denkpass - damit er nicht glaubt, dass er ungeschoren davonkommt
Lieber Postmeister, der Denkpass glaubt das nicht. Dafür ist er bereits zu lange Teil der geheimnisvollen Vorgänge, die wir Leben nennen. Doch hier nun die gewünschten schwerwiegenden Äußerungen zum Thema Musik:

1) Wie viel GB Musik sind auf deinem Computer gespeichert?

0 GB. Halt. Genaugenommen 0,02 GB. Da gibt es zwei amerikanische Lieder zum Thema Baseball, die mal auf irgendeinem Baseballspiel zu finden waren. Aber meine Frau hat mir angedeutet, diese Lieder weiter zu hören, könnte unserer Beziehung eine dramatische Wendung geben.

2) Die letzte CD, die du gekauft hast…

The King: Return to Splendor - aber nicht als sie erschien, sondern erst vor ein paar Wochen.

3) Welches Lied hast du gerade gehört, als dich der Ruf ereilte?

Gar keins. War nur kurz die e-mails checken und meine Lieblingsblogger abgrasen, bevor die Familie einkaufen ging. Ansonsten hört man hier auch kaum CDs, sondern eher Radio. Und zwar Jazz Radio, weil das wirklich ein toller Sender ist. Und weil das einer der Vorzüge der Hauptstadt ist: Jazz im Radio hören zu können.

4) Fünf Lieder, die mir viel bedeuten oder die ich oft höre:

- Take Five von Dave Brubeck
- White Lines von Grandmaster Flash and the Furious Five
- What a difference a day made von Dinah Washington
- Take another piece of my heart in eigentlich allen Versionen, aber besonders von The King oder Janet Joplin
- Techno oder House von Robert Deckstar, Tom Dailee oder Rene

5) Wem wirfst du dieses Stöckchen zu (3 Personen) und warum?

- dem Herrn Braun - und zwar aus purer Bosheit
- dem Bibliomaniac - zum einen weil es hierbei nicht um Literatur geht und zum anderen, weil man gespannt sein darf, auf welchem Themenblog es landen wird (wegen seiner Nichtigkeit aber hoffentlich nicht als finaler Eintrag des Freitod-Weblogs?!)
- dem Daniel van Moll - weil das doch so die Art von Informationen sind, die seine Fangemeinde über ihn wissen möchte, oder?

11.02.05

Kausale Kette

Ein sicheres Händchen bei der Wahl ihrer Themen bewiesen die Redakteure der Ostseezeitung am vergangenen Dienstag, dem 1. Februar, als sie auf Seite 13 - dem Titelblatt der Lokalseiten - folgende Artikel direkt übereinander platzierten:

Pfadfinder in Bestform beim Nudel-Wettessen

Vorschüler immer pummeliger

08.02.05

Medizin gegen Nazis

Ein amerikanischer Soldat meint, sich erinnern zu können, wie Hermann Göring seinerzeit das Zyankali für seinen Selbstmord erhalten hatte: Aufgefordert von zwei anonymen Deutschen, habe der Soldat dem Reichsmarschall am Abend vor seiner Hinrichtung Notizen und eine in einem Füllfederhalter versteckte Kapsel zugeschoben. Er sei sich heute sicher, daß es sich dabei um das Zyankali gehandelt habe.

Was aber kann man daraus lernen?

Zum einen, daß sich amerikanische Wachsoldaten so sehr um ihre Gefangenen sorgen, daß sie ihnen auch noch in der Nacht vor deren Hinrichtung etwas Medizin zukommen lassen wollen.

Zum anderen, daß man ein gewisses Problem in Sachsen ganz einfach lösen könnte: Der besagten, Göring nahestehenden Fraktion zum Valentinstag neue Füller schenken!

- Es wird vorsorglich darauf hingewiesen, daß dieser Beitrag satirischen Inhalts ist und wie immer beim Denkpass weit unter der Gürtellinie treffen soll. -

06.02.05

Probleme bei der Umsetzung von Hartz IV

Daß Ein-Euro-Jobs sehr wohl eine Gefahr für regulär bezahlte Arbeitsplätze darstellen, zeigt ein Beispiel aus dem Berliner Stadtteil Neukölln. Wie die Berliner Zeitung meldet, weist die Fuhrgewerbe-Innung Berlin darauf hin, daß das Bezirksamt bei Umzügen seit neuestem darauf verzichtet, Mitarbeiter der beauftragten Speditionen als Möbelträger einzusetzen. Stattdessen werden Ein-Euro-Jobber eingesetzt, wie ein Spediteur berichtete.

Das Bezirksamt konnte so auf die Buchung von sechs Mitarbeitern der Spedition verzichten, die üblicherweise etwa eine Woche mit dem Umzug zugebracht hätten. Der Fall werde von der Agentur für Arbeit geprüft. Die Kritik der Fuhrgewerbe-Innung und des Deutschen Gewerkschaftsbundes an diesem Fall sei richtig, so ein Sprecher der Regionalagentur Berlin. Die Ein-Euro-Jobber hätten Tätigkeiten übernommen, die bisher von normal entlohnten und Sozialversicherungsbeiträge zahlenden Arbeitnehmern ausgeführt wurden.

Der Bezirksbürgermeister von Neukölln, Heinz Buschkowsky (SPD), allerdings sieht die Sache anders. Die Argumentation "hinkt", weil doch Ein-Euro-Jobs dazu da wären, einfache "Handschläge" zu verrichten. Würde man in jedem erdenklichen Fall Firmen hinzuziehen, wären Ein-Euro-Jobs unmöglich. Und außerdem habe man sich redlich bemüht, zumindest einen Teil der Arbeiten an ein Unternehmen zu vergeben. Denn der Umzug hätte auch mit einem Lastwagen des Bezirksamts abgewickelt werden können.

Der Spedition wird nach dieser unverhohlenen Drohung wohl klar sein, daß sie in Zukunft über solche Fälle nicht gleich die Innung und den Gewerkschaftsbund unterrichten sollte. Und was die eigenen Möbelträger angeht, die sollten sich ruhig schon mal in die Kartei des Bezirksamts aufnehmen lassen. Man kann ja nie wissen ...

05.02.05

Polizisten auf Rädern

Seit knapp 24 Monden schwören die Gesetzeshüter der Hauptstadt auf tieffliegende Objekte aus den Bayerischen Motorenwerken. Die Stadt hatte seinerzeit die Fahrzeugflotte ihrer Freunde und Helfer auf BMW umgestellt, und zur Freude der Beamten 177 PS unter die Haube packen lassen.

Seit dem, so antwortet Innensenator Ehrhart Körting auf eine Kleine Anfrage der CDU, war die Polizei in ihren neuen Dienstfahrzeugen in fast 500 Unfälle verwickelt. Für 75 Prozent dieser tragischen Zwischenfälle war sie sogar verantwortlich. Inklusive der Forderungen des Herstellers für dabei zu Schrott gefahrene Leasingfahrzeuge beläuft sich der Schaden für die Stadt auf immerhin mehr als 850.000 €.

Der CDU-Abgeordnete, der die Kleine Anfrage stellte, verbindet die Unfallhäufigkeit mit mangelnder Übung der Fahrer und verlangt nun ein besseres Training. Hier kommt der Denkpass im wahrsten Sinn des Wortes ins "Spiel" und empfiehlt den versierten Kraftfahrzeugpiloten der Polizei folgende realistische Fahrsimulation:

[via Tagesspiegel]

04.02.05

Der Rückzug der Demokratie

Wegen der geringen Teilnehmerzahlen bei der Gegendemonstration der NPD-Demo vom vergangenen Samstag in Kiel sprach Eldad Beck, ein israelischer Journalist, in der BILD-Zeitung davon, daß die bundesdeutsche "Demokratie sich nicht mehr" gegen die Nazis "wehre". Dabei brachte die Gegendemonstration immerhin mehr als 8.000 Schleswig-Holsteiner auf die Straße, während die Nationaldemokraten nur knapp 400 ihrer Anhänger mobilisierten.

Wirkliche Angst um den Zustand unserer Demokratie würde Eldad Beck verspüren, hätte er die Zahlen der Montagsdemonstration in Stralsund gekannt. Denn dort fanden sich gerade mal 30 Menschen, um der Kundgebung unter dem Namen "Keinen Fußbreit den Faschisten, gegen die Agenda 2010 und weiteren Sozialabbau" beizuwohnen. Fürwahr ein gewöhnungsbedürftiger Cocktail von Forderungen, aber erschreckend bleibt die Tatsache, daß in der ehrwürdigen Hansestadt die Hälfte der Demonstranten Sympathisanten der NPD waren, wenn man der Ostseezeitung glauben darf.

Weitere Wahlerfolge stehen den rechten Parteien also bevor, wenn man die Mobilisierungskräfte der Gesinnungen einmal anhand der Stimmverhältnisse auf dem Stralsunder Rathausplatz beurteilen möchte. Und nicht zufällig werden sie ihnen dort gelingen, wo die bundesdeutsche Gesellschaft sich mehr und mehr zurückzieht, ja vielleicht einmal noch nie gewesen ist. Zurück bleiben Armut, Überalterung und Fremdenhaß. Und rechts regierte Parlamente.

01.02.05

Ostdeutsches Menschenkino

Berlin bietet seinen Besuchern so einiges an Einblicken in seine realsozialistische Vergangenheit. Wer will, kann in des Volkes Palast schaurig-schöne Stunden verbringen, sich in der Osseria ernähren wie ein ostdeutsches Arbeiterkind und die Wege dazwischen mit einem angemieteten Trabant zurücklegen.

Nur in der Platte wohnen, das gab es bislang nur für die, die sich bessere Wohnverhältnisse nicht leisten konnten. Denkste! Auch damit ist jetzt Schluß. In der Pension zum Elften Himmel nämlich können Touristen ohne Scheu zum Nahkontakt mit Ossies eine Nacht im elften Stock eines Arbeitersilos im wunderschönen Sozialbrennpunkt Marzahn verbringen.

"Wer hier übernachtet, soll vor allem Marzahn kennen lernen", sagt die Leiterin des Projektes. "Denn der Bezirk ist viel besser als sein Ruf."

Und das Konzept findet Anklang, wie die Berliner Zeitung meldet. Bei einem Reinickendorfer Ehepaar sogar so sehr, daß sie jetzt auch mal ins Brandenburger Umland wandern wollen. Im fünfzehnten Jahr der deutschen Einheit wird es dafür aber auch langsam Zeit...

Von unbekannt zu gleichgeschaltet

Über ein typisches Erlebnis des deutschen Alltags berichtet Eva Dorotheé Schmid heute in der Berliner Zeitung:

Sie wohnt legal in dem Altbauhaus im Prenzlauer Berg, steht in gutem Kontakt mit der Hausverwaltung und hat immer pünktlich ihre Miete bezahlt. Eines Tages jedoch war sie spurlos verschwunden. Alle Spuren ihrer Existenz waren entfernt. Besucher fanden ihren Namen nicht mehr an der Klingelanlage. Der Briefkasten war leer, denn der Postbote musste seine Briefe wieder mitnehmen, weil an keinem der Briefkästen mehr ihr Name stand. Und auch das Schild an der Wohnungstürklingel war weg, so dass sie sich beim Nachhausekommen nicht ganz sicher war, ob sie auf der richtigen Etage gelandet war - in ihrem Mietshaus sieht eine Etage aus wie die andere - und ob der Schlüssel noch ins Schloss passen würde. Er passte.

In der Wohnung war zum Glück alles noch beim Alten. Bei näherem Hinsehen fiel ihr auf, dass der Nachbar plötzlich ein anderes Schild auf seiner Wohnungstürklingel hatte, das handgeschriebene war durch ein maschinengeschriebenes ersetzt worden. Alle Bewohner des Hauses hatten dieses neue Schild. Nur sie hatte gar keins mehr. Um die Anonymität der Großstadt nicht noch schlimmer zu machen, griff sie zu Stift und Papier und fertigte drei neue Schilder. Selbstgemachte sind sowieso viel individueller. Da erkennt man schon von Weitem, dass man in der richtigen Etage angekommen ist. Doch am nächsten Tag waren die Schilder wieder verschwunden. Nach der Anonymität herrschte nun die Uniformität.