31.12.04

Tsunamis im Anmarsch

Die Zahlen steigen. Der durch ein unterseeisches Erdbeben auf den Weg gebrachte Tsunami, der fast die gesamte Küstenlinie des Indischen Ozeans verwüstet hat, hat sich bereits jetzt in der Geschichte der Menschheit seinen Platz als eine der größten Katastrophen aller Zeiten erobert. Und nicht nur wegen der schier unermesslichen Anzahl der Opfer, sondern auch wegen der Bedrohung unserer Urlaubsgebiete und der damit verbundenen, realen Gefahr für uns, die Bewohner der Industrienationen, fragt man sich weltweit, wie man ähnlichen Unglücken vorbeugen kann.

Mögliche Ursachen für erneute Tsunamis gibt es genügend:

• natürlich überall da, wo sich aufgrund der Plattentektonik unterseeische Verwerfungen ergeben, die Seebeben auslösen können


(Quelle: Wikipedia.org)

• Vulkanische Aktivität in der Nähe von oder auf dem Meer kann Tsunamis auslösen

• große Inseln mit vulkanischer Entstehungsgeschichte, deren Hänge durch Erdrutsche gigantische Wellen auslösen können (z.B. Hawaii oder Kanarische Inseln)

• unterseeische Atombombentests wie sie seinerzeit im Bikini-Atoll oder auf Mururoa durchgeführt wurden

• der Einschlag eines Meteoriten auf dem Meer kann die wohl größten Tsunamis auslösen (so gibt es Hinweise auf eine mehr als 1.000m hohe Flutwelle, die seinerseit mehr als 1.000km ins Landesinnere vordrang)

Der Ruf wird laut nach einem Vorwarnsystem für alle von potenziellen Tsunamis bedrohten Küsten der Welt. Im Pazifik gibt es solch ein System immerhin bereits seit 1949. Wenn man aber den Aufwand sieht, den einige mit reichlich Tsunami-Erfahrungen ausgestattete japanische Gemeinden betreiben, wird schnell klar, daß den meisten Ländern der Welt - man denke an Südamerika, Afrika und einige asiatische Staaten - der finanzielle Hintergrund für diese Maßnahmen fehlen dürfte. Entgegen der Meinung der Berliner Zeitung entstehen Kosten dabei nicht nur beim Sensornetz im Ozean, daß die seismischen Daten sammelt und weiterleitet, sondern gerade bei der anschließenden Auswertung und Kommunikation der gesammelten Daten sowie den Küstenschutz- und Evakuierungsmaßnahmen. Ohne sie wäre eine Frühwarnung sowie sinnlos.

Davon abgesehen wird ein Frühwarnsystem ohnehin nur helfen können, die Zahl der Opfer zu minimieren. Eine totale Sicherheit kann das beste Frühwarnsystem nicht bieten. Zum einen muss es eine ausreichende Vorwarnzeit geben, was von den Telekommunikationsmöglichkeiten ebenso abhängt wie von der Entfernung des Ortes, an dem der Tsunami entsteht, bis zur bedrohten Küste. Zum anderen müssen dann vor Ort nicht nur geeignete Maßnahmen zur koordinierten Evakuierung der betroffenen Küstenstriche durchgeführt werden. Es muss auch Orte in unmittelbarer - das heißt: erreichbarer - Nähe geben, die der Bevölkerung Schutz vor den anstürmenden Wassermassen bieten. Gerade auf den Malediven mit ihrem flachen Landniveau über dem Meeresspiegel bleibt dann nur die Flucht aufs tiefe Wasser, wo die Amplitude der Tsunamis die Meterhürde noch nicht überwunden hat. Andernorts müssten notfalls - wie in Japan vereinzelt zu sehen - aufwändige Maßnahmen zum Küstenschutz ergriffen werden.

Solange aber ein solches Frühwarnsystem global nicht zur Vefügung steht, bleibt das Erkennen erster Anzeichen bis dahin einzige Hilfe:

• wenn Tiere vom Strand flüchten, spüren sie vielleicht etwas

• wenn urplötzlich das Wasser weit vom Strand zurückläuft, sammelt es sich für die Wucht einer großen Welle

In diesem Falle hilft nur noch die Flucht. Und selbst die sollte unter einem glücklichen Stern stehen.

30.12.04

Asteroideneinschlag an einem Freitag, den 13.?

Die Chance, dass ein kürzlich entdeckter Asteroid die Erde im Jahre 2029 treffen wird, bestehe nun nicht mehr, so eine Meldung von CNN. Die Laufbahn des im Juni entdeckten Asteroiden 2004 MN4 konnte mit neu analysierten Bildern aus dem März des Jahres genauer berechnet werden. Die Bilder wurden seinerzeit vom Spacewatch Observatory der University of Arizona gemacht. Der zuvor mögliche Einschlag auf der Erde, der für den 13. April 2029 mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:300 angegeben wurde, sei daher auszuschliessen. Ein Einschlag auf dem Mond wäre nun auch unmöglich, fügten die Wissenschaftler an.


(Quelle: astronews.com)

Wie man sich leicht errechnen kann, wäre der 13. April 2029 übrigens passenderweise ein Freitag gewesen. Ein wahrhaft schwarzer Freitag, wenn ein 400m großer Gesteinsbrocken die Erde trifft. Auf der Torino Scale for Asteroid and Comet Impact Hazards hatte 2004 MN4 übrigens zwischenzeitlich eine 2 erreicht:

A somewhat close, but not unusual encounter. Collision is very unlikely.
Aber wer glaubt schon an einem Freitag, den 13. an eine solche Aussage?

29.12.04

About Puffmais, Ketwurst and other stuff

Over there at Dialog International, a story is told about an ongoing legal battle regarding the rights to former symbols of the German Democratic Republic. Since Dialog International posts most of his stuff in english, and this is going to be a trackback response thing, this post here is going to be in english as well. Not that it should matter to the net junkie of the 21st century.

So at the end of that post, David (the man who runs this political blog) talks about some food synonyms used in Eastgermany, especially Ketwurst and Puff-Mais. Because before the denkpass became the denkpass he was also a teenager in the most western part of the Ostblock, we´re going to chip in with some thoughts:

• Puff-Mais is not directly comparable to Popcorn. Whereas you get your popcorn as a mass of loose corns in a bag, Puff-Mais comes your way in a pressed form - more like a candy bar, but most of the time it comes in a circular form.

• The same goes for Ketwurst (in that it was not directly comparable to hot dog). The bread of the Ketwurst gets warm by putting on a hot metal rod. After that, you simply put the wurst in the hole left by the rod (and not on top of the bread like hot dogs). With Ketwurst, there is also no onions and other stuff, just bread, wurst and ketchup. And who knows what they had put in the ketchup back then.

• What was comparable was the eastern counterpart of hamburgers. In Berlin you had grillettas. Those were comparable to hamburgers except in their smell and taste. We did buy them in bunches, anyway.

And today? You still get Puff-Mais in the supermarkt - at least in the eastern parts of germany. You still get Ketwurst at the christmas market. What you won´t be able to get is grilleta. Because it was so much like a hamburger, it didn´t get past McDonalds or Burger King.

Anruf bei OBI

Klingelingeling. Klingelingeling. Klingelingeling.

"Guten Tag, Sie sprechen mit Jana Klawottke, OBI Markt Prenzlauer Berg. Wie kann ich Ihnen helfen?"

"Hallo. Ick brauch ´ne Fußbodenheizung für meen Wohnzimmer. Mir frieren hier die Füße ab."

"Da verbinde ich Sie mal kurz mit der Abteilung Bauen&Renovieren."

[Musik ertönt...]

Nach einiger Zeit:

"Ich kann da gerade niemanden erreichen."

"Is ooch ejal. Ick will det Ding unter meen Teppich packen, verstehste? Unjefähr fünf mal fünf Meter. Is´n großer Teppich."

"Warten Sie bitte einen Moment. Ich versuchs nochmal."

[Musik ertönt...]

Nach einiger Zeit:

"Hören Sie? Ich kann immer noch niemand erreichen. Könnten Sie zu einem späteren Zeitpunkt anrufen? Ich kann Ihnen auch die Durchwahl geben."

"Wat? Ne, lass mal. Det Jeschäft machen wir jetzt klar."

"Aber die Fachabteilung kann Ihnen da besser helfen."

"Pass mal uff jetze. Ick brauch det Scheißding heute noch. In zehn Minuten muss et hier sein. Ihr liefert doch ooch nach Hause, oder?"

"Ja, sicher. Aber ..."

"Wat heisst´n hier aber? Ick will ´ne bekackte Fußbodenheizung. In zehn Minuten. Haste det verstanden, oder wat?"

"Ich schlage vor, Sie kommen her und lassen sich vor Ort beraten..."

"Wat is denn so schwer da dran zu versteh´n? Det is doch ´n freiet Land, oder? Ick will ´ne bekackte Fußbodenheizung, fünf mal fünf Meter, in zehn Minuten. In zehn", BUMMM!, "bekackten", BUMMM!, "Minuten!", BUMMM!

(Es waren Geräusche zu vernehmen, als ob jemand den Telefonhörer mit voller Wucht an einen Holzschrank schlug.)

"Kriecht Ihr det hin, Ihr Pigfucker? Sonst dreh ick richti´ durch."

Aufgelegt.

...

Zwölf Minuten später.

Klingelingeling. Klingelingeling. Klingelingeling.

"Guten Tag, Sie sprechen mit Jana Klawottke, OBI Markt Prenzlauer Berg. Wie kann ich Ihnen helfen?"

"Yo. Ick bins nochmal. Sitz ick hier so rum und wunder mir, warum hier keener klingelt und mir ´ne Fußbodenheizung bringt. Dabei hab´ ick doch verjessen, euch meene Adresse zu jeben. Haste wat zu schreiben, Mädel?"

28.12.04

Zuwenig Zeit? Nein. Zu viel zu tun!

In Heft 12/04 der Zeitschrift Technology Review äußert sich Prof. Dr. Karlheinz A. Gießler von der Bundeswehruniversität München über die Rolle, die wir der Zeit in unserem Leben einräumen (der Artikel ist leider online nicht verfügbar). Dem interessanten Blickwinkel, den der Professor auf die Probleme fehlender Zeit anwendet, kann man dabei nur zustimmen.

Geißler würde einem Kind Zeit auf die folgende Art erklären:

Die Zeit ist etwas, was nicht vorhanden ist und was wir uns ausdenken. Und warum denken wir es uns aus? Damit wir unser Leben ordnen können.
Weil unser Leben spätestens seit dem Erfolg des Calvinismus in England und Holland auf Arbeit und Aktivitäten konzentriert sei, von denen wir uns Fortschritt, Entwicklung und Reichtum - und damit Glück - versprechen, nimmt dieses Konstrukt unseres Geistes jedoch eine so zentrale Rolle in der Gestaltung unseres Lebens ein. Unser Problem sei es auch nicht, so der Professor, daß wir zuwenig Zeit hätten. Wir würden uns nur zuviel an Aktivitäten aufbürden in den uns gegebenen Zeiträumen.

Dabei ändert sich gerade die Strategie der Gesellschaft, mehr im Leben unterzubringen. Waren bislang schnellere Technik, Transporte, Produktionszeiten und Konsummöglichkeiten das Maß der Dinge, wird die Zeit des Einzelnen nunmehr verdichtet - durch Gleichzeitigkeit. Deswegen üben Mobiltelefonie, Hörbücher und Laptopsteckdosen im ICE solchen Reiz aus: Sie ermöglichen uns simultane Aktivität und werden uns als ein Mehr an Freizeit uns somit auch ein Mehr an Freiheit verkauft.

Daß es ein bewußtes Mehr an Freiheit auf diese Art nicht geben kann, darauf weist Prof. Dr. Geißler hin. Soziale Systeme, von denen intelligente Wesen wie der Mensch abhängig sind, können "weder verdichtet noch beschleunigt werden".

"Wir werden einsamer, weil wir kurzfristiger werden."
Auswege aus dieser Krise bietet die Verknüpfung der verschiedensten Formen von Zeit: Langsamkeit, Schnelligkeit, Hektik, Warten, Ruhe. Eine Aussage von Prof. Dr. Geißler ganz wenig abwandelnd, kann man sagen:
"Man muss möglichst viele dieser Formen praktizieren, um ein erfülltes Leben zu erlangen.
Die Dualität von aktivem und beschaulichem Verhalten, sozusagen.

27.12.04

Glamour und der Weihnachtsmann

Folgende Erklärung gibt die Zeitschrift Glamour auf die Frage nach dem Unterschied zwischen Weihnachtsmann und Nikolaus (Heft 01/05, S. 80):

Hinter den beiden Namen steckt ein und derselbe: Bischof Nikolaus von Myra. Der lebte im 4. Jahrhundert und war bekannt für seine Großzügigkeit. Ihm zu Ehren gab es von seinem Todestag an, dem 6.12.343, Geschenke für die Kinder. Im Zuge der Reformation (1535) schob Luther die Bescherung vom Nikolaustag auf den 24.12. und säkularisierte das strenge Bild vom Bischof mit Mitra und Stab zu unserem netten weltlichen Weihnachtsmann.
Gehen wir mal der Reihe nach den Blödsinn durch, den sich die "Sex and the City"-Generation mit ihren Magazinchen da so antut:

Zur Zeitangabe der Reformation (auf dieser Webseite oder besser: aus diesem Buch von Heinz Schilling):

• Die Reformation begann am 31. Oktober 1517, als Martin Luther seine Thesen per Brief an einige katholische Würdenträger verschickte (der Sachverhalt wurde im Denkpass seinerzeit dargestellt).

• Eine Klärung des Konflikts war von Karl V., der sich später als letzter deutscher Kaiser vom Papst krönen ließ, für den Reichstag zu Worms vom 17./18. April 1521 vorgesehen worden. Luther verwies auf sein Gewissen und verweigerte einen Widerruf seiner Lehre. Daraufhin belegte der Kaiser den sächsischen Mönch und seine Anhänger mit der Reichsacht. Allein seine Macht reichte zu diesem Zeitpunkt nicht mehr aus, diese im Wormser Edikt festgehaltene Reichsacht durchzusetzen und überall im Reiche aufrecht zu erhalten.

• Bereits fünf Jahre später, auf dem Reichstag zu Speyer 1526, wurde das Wormser Edikt de fakto außer Kraft gesetzt - jedem Reichsstand war der Glauben in eigener Verantwortung übertragen worden, bis ein Konzil die endgültige Klärung brachte.

• 1529, auf dem zweiten Reichstag zu Speyer, setzte des Kaisers Bruder das Edikt wieder in Kraft. Fünf Fürstentümer und vierzehn Reichsstädte jedoch, die zu diesem Zeitpunkt bereits im Aufbau einer evangelischen Landeskirche begriffen waren, nutzten ein altes Reichsinstrument der Stände, die "protestatio", dagegen zu protestieren. Luthers Bewegung sollte fortan Protestantismus heißen.

• Weil die Türken zum wiederholten Male bis kurz vor Wien marschiert waren, konnte der Kaiser seine gebündelten militärischen Kräfte nicht gegen die evangelische Minderheit im Reiche zur Geltung bringen. 1532 sah er sich veranlasst, im Nürnberger Anstand einen zeitlich befristeten Religionsfrieden festzulegen.

• Erst sehr viel später, am 25. September 1555, kam es zum Augsburger Religionsfrieden, der das Nebeneinander der Konfessionen garantierte.

Einen Grund, warum die Reformation exakt 1535 stattgefunden haben sollte, kann man im geschichtlichen Abriß nicht erkennen.

Zu Bischof Nikolaus von Myra als Vorbild für den Nikolaus:

• Wie uns diese Seite mitteilt, lässt sich der Todestag des Bischofs Nikolaus von Myra nicht belegen. Ja, selbst sein Leben im vierten Jahrhundert lässt sich nicht exakt verifizieren.

• Weiter noch, weiss man aufgrund kritischer Analyse vorhandener Textpassagen, daß es einen wirklichen Nikolaus nicht gegeben hat. Nikolaus ist eine Kompilation aus zwei historischen Personen: dem Bischof Nikolaus von Myra im kleinasiatischen Lykien, der wahrscheinlich im 4. Jahrhundert gelebt hat, und einem gleichnamigen Abt von Sion, der Bischof von Pinora war, und am 10. Dezember 564 in Lykien starb.

Fakten und Legenden zum Nikolaus werden von Glamour in einer Klarheit angegeben, die die Aktenlage nicht hergibt.

Zum Verschieben der Bescherung auf den 24.12.:

• Zwar hatte Luther wohl versucht, Christus im Mittelpunkt der Frömmigkeit auch dadurch zu unterstreichen, indem er einen Heiligen Christ einführte, der am Heiligabend die Kinder beschenkte. Weil der Begriff aber nicht angenommen wurde, änderte sich der Name bald auf Christkind.

• In Matthäus 2 liest man:

Der Stern, den sie schon bei seinem Aufgehen beobachtet hatten, ging ihnen voraus. Genau über der Stelle, wo das Kind war, blieb er stehen. Als sie ihn dort sahen, kam eine große Freude über sie. Sie gingen in das Haus, fanden das Kind mit seiner Mutter Maria, warfen sich vor ihm nieder und huldigten ihm. Dann breiteten sie die Schätze aus, die sie ihm als Geschenk mitgebracht hatten: Gold, Weihrauch und Myrrhe.
(Zur Verwendung dieser Gaben verweise ich auf Jim Henley, der sich darüber - und über einige andere Sachen - so seine Gedanken gemacht hat.) Jedenfalls dürfte ein Ursprung der Bescherung zum Heiligabend ganz klar im Matthäusevangelium zu suchen sein (auch, wenn beispielsweise erst Luther diesen Gedanken aufgegriffen haben mag).

Zum strengen Bild von Bischof mit Mitra und Stab:

• Zur Zeit der Gegenreformation war man in katholischen Kreisen offensichtlich bestrebt, auch zum Weihnachtsfest einen Kontrapunkt setzen zu müssen. Der Brauch, am 6. Dezember durch den Nikolaus Geschenke zu erhalten, kam erst um diese Zeit auf. Begleiter des Nikolaus war sein Knecht Rupprecht, der im beigeführten Sack die Geschenke trug und mit seiner Rute Kinder auch bestrafen konnte.

Die Bilder haben sich heute vermischt. Nicht nur, daß Bischof Nikolaus von Myra laut der Legende nach (und der Aussage von Glamour zufolge) ein großzügiger, den Kindern zugewandter Bischof gewesen sein soll, wozu Strenge nun wenig passt, scheint die disziplinarische Faszette des Weihnachtsmanns vom Knecht Rupprecht zu stammen.

Die Vermischung setzt sich übrigens bei der Kleidung fort. Vom Bischof stammt der rote Mantel, vom Knecht Rupprecht Kapuze und Pelzbesatz, so diese Seite.

Fazit:

Nach all den verdrehten Fakten in nur dreizehn Viertelzeilen lässt sich eins feststellen: Wer Glamour kauft, zählt zur intellektuell etwas defizitären Schicht unserer Bevölkerung. Und nachdem man es gelesen hat, wird sich das Defizit wohl erhöht haben.

Ach. Noch was. Der Weihnachtsmann ist nicht nett.

26.12.04

Erfahrungen als Amateurdarsteller

Das Krippenspiel in der Adventkirche an der Danziger Straße wurde - soweit das feststellbar war - vom Publikum sehr gut aufgenommen. Die Dramaturgie war ja von einem theatererfahrenen Ehepaar mit Hinblick auf die anwesenden Kinder zusammengestellt worden (oder wie der Pfarrer in seiner Einführung es benannte: ein Stück für junge Herzen). Höhepunkt waren sicherlich die drei Könige, die auf Pferd, Kamel und Elefant durch den langen Gang geritten kamen. Gerade der dilettantisch-eifrige Einsatz bei der Kostümgestaltung der Tiere stieß auf die größte Gegenliebe.

Persönlich brachte mir die Teilnahme mehr, als ich je erwartet hätte. Nicht nur daß die Proben unheimlich viel Spaß gemacht haben. Gerade bei der Vorstellung selber hat man die eigene Darbietung und die der anderen Darsteller in einer Intensität erlebt, die ich nicht für möglich gehalten hätte (hervorzuheben sei an dieser Stelle der Gesang der Verkündungsengelin). Der abschließende Applaus von mehr als fünfhundert Zuschauern bestätigte unsere Anstrengungen. Dabei habe ich den Beifall nicht im Sinne einer mir zustehenden Leistung verstanden, sondern als Billigung der meinerseits erduldeten Mühsal, dem Publikum eine unterhaltsame Zeit zu bereiten. Also nicht ein Herab-Hinauf, sondern ein Geben und Nehmen auf einer Ebene.

Zwei Dinge habe ich gelernt:

1. Beifall ist geil.
2. Das war das weihnachtlichste Weihnachten, an das ich mich erinnern kann.

Daher gilt mein Dank den Organisatoren des Krippenspiels (die mich in meine Rolle nötigten), den anderen Darstellern (die die Proben so unterhaltsam ablaufen ließen) und dem Publikum (für seine erwartungsvolle Aufmerksamkeit). Ich glaube, im nächsten Jahr nötige ich die Organisatoren zu meiner Teilnahme.

23.12.04

Frohes Fest!

Wer kann, kommt morgen um 14:30 Uhr oder 16:00 Uhr zu einer der Aufführungen des Krippenspiels in die Adventkirche Danziger Strasse. Wenn man dann genau auf den größten der vier Hirten achtet, wird man unter Umständen den Autoren des Denkpasses erkennen können. Das heißt, wenn man von der miserablen schauspielerischen Leistung absehen kann (ohne zu kotzen) und die eigene Sehstärke das erlaubt. Aber das nur am Rande.

Die Vorbereitungen für das Krippenspiel, eine Firmenweihnachtsfeier in Paris, die vor dem Jahresendurlaub anstehenden Arbeiten im Job sowie eine kurze Krankheit meines Sohnes haben mich in der letzten Zeit den Denkpass stark vernachlässigen lassen. Das wird sich aber ändern, sobald das Weihnachtsgeschenkpapier in der Mülltonne gelandet ist.

Bis dahin wünsche ich den Lesern des Denkpasses ein frohes Fest und eine besinnliche Weihnachtszeit.

Der Autor des politischen Weblogs, das den Rücktritt Laurenz Meyers vorher gesagt hat. Jawohl.

22.12.04

Laurenz Meyer tritt zurück

Nach kurzer, aber heftiger Gegenwehr gibt der CDU-Generalsekretär seinen Widerstand auf und tritt zurück. Die Erklärung von Laurenz Meyer im Wortlaut:

Ich bin in die Politik gegangen, weil ich etwas verändern wollte. Meine politische Heimat ist die CDU. Kommunal-, Landes- und Bundespolitik waren dabei die Stationen - stets am Anfang nicht ahnend, dass noch eine weitere Station folgen würde.

Mir wurden unglaubliche Möglichkeiten gegeben, mich einzubringen. Stets hat mir die Arbeit für und mit der Partei große Freude und Spaß bereitet. "Arbeit muss Spaß machen" war deswegen nicht nur ein Credo, das ich meinen Mitarbeitern immer gesagt habe.

Nun bin ich in einer Situation, in der ich nüchtern feststelle, dass meine Arbeit meiner Partei derzeit mehr schadet als nützt. Außerdem sehe ich, dass die Schmerzgrenze bei denen, für die ich als Vater und Freund Verantwortung trage, überschritten ist. Deswegen habe ich heute Morgen zunächst Frau Dr. Merkel gegenüber meinen Rücktritt erklärt und dies dann auch den Mitarbeitern in der Bundesgeschäftsstelle mitgeteilt.

Den heutigen Schritt gehe ich ohne Zorn. Vielmehr habe ich eine nüchterne Abwägung in drei Dingen getroffen:

1. was nützt der Partei
2. was nützt Frau Merkel und
3. was bin ich bereit zu tragen

Ich möchte die Gelegenheit nutzen, Frau Dr. Merkel aufrichtig zu danken. Und ganz selbstbewusst sage ich: Wir haben einiges zusammen geschafft. Ich wünsche ihr alles Gute und habe ihr gesagt, dass sie auch künftig auf mich bauen kann. Gleichzeitig danke ich den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die mich begleitet haben.

Meinem Nachfolger wünsche ich alles Gute und kann guten Gewissens sagen: Das Feld ist bestellt, das Haus sehr professionell und die Menschen, die hier arbeiten, freuen sich auf die anstehenden Wahlkämpfe!


17.12.04

In kaltem Wasser schwimmt es sich schlecht

Alter Politiker-Witz:

"Was haben ein Eisberg und ein Skandal gemeinsam?
Antwort:
Ihre wahre Größe erkennt man erst, wenn man von ihnen erfasst wird.
Was jetzt auch Laurenz Meyer weiss. Denn dessen Angaben über die vom Energiekonzern RWE gewährten Vergünstigungen aufgrund eines ruhenden Vertrags stellen sich unter eingehender Betrachtung als unscharf heraus.

Wie die Berliner Zeitung meldet, beginnt diese Unschärfe bereits beim Wörtchen "ruhend". Denn entgegen seinen eigenen Aussagen hat Laurenz Meyer auch nach seiner Wahl zum CDU-Generalsekretär Managergehalt und Erfolgstantiemen bezogen.

Damit ist aber nicht Schluss. Laurenz Meyers Gedächtnis-Unschärfe setzt sich fort bei der Aufzählung der energietariflichen Vorzüge. Denn wie selbst RWE nicht mehr dementieren möchte, gab es neben billigem Strom auch billiges Gas.

Um zum eingangs erwähnten Politikerwitz zurückzukehren: Nachdem man von Eisberg oder Skandal erfasst wurde, beginnt man zu schwimmen. In aller Regel in kaltem Wasser. Und häufig nur so lang, bis man untergeht.

Was Gebrauchtwagen und Versandhauskataloge so anrichten können...

Die Zeitschrift Creditreform verweist in ihrer aktuellen Ausgabe auf eine Analyse ihrer Tochterfirmen Microm und CEG, die sich die Schuldenverteilung unter deutschen Haushälten zum Inhalt genommen hat. Dabei ergab sich folgende Darstellung des Anteils verschuldeter Haushalte an der Gesamtzahl der Haushalte eines PLZ-Bereichs (dunkelgrün - unter 6% / .. / dunkelrot - über 14%):

Schulden.JPG

Die ostdeutsche Hysterie der frühen 90er Jahre, unter allen Umständen einen westdeutschen Gebrauchtwagen besitzen zu müssen, zeigt also deutliche Spuren. Die Unerfahrenheit im Umgang mit Versandhauskatalogen übrigens auch.

Spitzenreiter unter den Bundesländern sind mit einem Anteil von mehr als 13 Prozent überschuldeter Haushalte Bremen und Berlin, die ja auch als Bundesländer gerne Schulden machen. Am seltensten Besuch vom Gerichtsvollzieher erhalten demnach die Einwohner Bayerns und Baden-Württembergs, wo weniger als 8 Prozent der Haushalte nennenswerte Schulden haben.

Betrachtet man Städte, so haben Inkasso-Unternehmen in Heidelberg mit wengier als 7 Prozent verschuldeter Haushalte am wenigsten zu tun und in Bremerhaven mit satten 17 Prozent mehr als genug.

Gründe für das offensichtliche Nord-Süd-Gefälle benennt die Analyse keine. Oberflächlich betrachtet, würden bundesweite Darstellungen von Durchschnittsgehältern, Beschäftigungszahlen und vorhandenem Pro-Kopf-Vermögen sicher ähnliche Verteilungen erzeugen, die durch ihre Verknüpfungen auf den Anteil der verschuldeten Haushalte durchschlagen.

Gleiche Lebensverhältnisse in Ost und West wird´s also nicht geben. In Nord und Süd aber auch nicht, wie man sehen kann.

16.12.04

In der DDR

(... oder wie wir heute sagen: in den FNL - Fünf Neuen Ländern) hatte auch Thomas Mann einmal sein Reiseziel gefunden. Voll Vorahnung, sein Besuch könnte auf Ablehnung stoßen, stellte er erstaunt fest:

Gerade [die Bewohner von Deutschlands Osten] zeigten sich dankbar, denn in einer Isolierung vom übrigen Deutschland fühlen sie wohl, daß die Gefahr eines gänzlichen Sichauseinanderlebens der beiden Hälften, der völligen Entfremdung zwischen ihnen täglich wächst, und sind froh, wenn man sie nicht vergißt, auch noch Deutsche in ihnen sieht und sie nicht wie Pestkranke meidet.
So geschrieben von Thomas Mann in Über mich selbst. Autobiographische Schriften.

[via Bibliomaniac]

14.12.04

Überflüssige Neuigkeiten in der Berliner Jazz-Szene

Ich gebe es zu: Szenen in einem Lebensmitteldiscounter wecken bei mir Assoziationen mit dem, was ich mir unter einer aktionsreichen Fütterung eines mittelgroßen Sauenzuchtbetriebs am Schweinetrog vorstellen würde:

trog.jpg

Unterbesetztes Verkaufspersonal schippt die Ware vom Gabelstapler in die Regale. Dort purzeln die Versandkartons durcheinander, gegen 7:30 Uhr werden die Tore geöffnet, und die vor Geiz ganz geile Kundschaft kommt hereingetrampelt, walzt sich durch die Schneisen zwischen den Lebensmittelanhäufungen und packt sich ungeniert die überdimensionierten Einkaufswagen voll. Damit sich auch jeder wie ein schlauer Fuchs vorkommt, geht die Mär vom überproduzierten Markenprodukt um, das hier zu finden sei.

Genau! Hersteller von Markenprodukten sind nämlich durch die Reihe weg etwas unterbelichtet. Die produzieren so vor sich hin, bestellen auch mal das Doppelte an benötigten Rohstoffen und wissen am Ende gar nicht, wohin mit all dem teuren Mist. Mitarbeiter beschäftigen sie gerne einige zuviel, Energie- und Rohstoffkosten behält man nie im Auge - wozu auch? -, und ihren eigenen Absatzmarkt wollen die gar nicht kennen. So läuft das. So klingt das ausgesprochen plausibel. Aber soll jeder ruhig dem Märchen lauschen, das er gerne hören will.

Ich jedenfalls halte das Einkaufen bei Lebensmitteldiscountern für menschenunwürdig und dem Genuss von Lebensmitteln abträglich. Sieht übrigens auch die Gewerkschaft so. Aber des Deutschen Herz steckt in seiner Brieftasche - und das bei einem gesamtwirtschaftlichen Vermögen von 2,8 Billionen €.

Daß jetzt aber Jazz Radio Berlin es heute morgen für würdig befand, die Absicht des ALDI-Konzerns, für seine Kunden die Zahlung per EC-Karte zu ermöglichen, in den Nachrichten zu bringen, ist des Guten zuviel - und grenzt an versteckte Werbung. Denn zum einen dürfte ALDI eine der letzten Einkaufsmöglichkeiten dieses Landes sein, in denen man nicht bargeldlos einkaufen kann. Und zum andern sollte die Klientel von Jazz Radio eigentlich genug Geld in den Taschen haben, um ihrem Lebensstil angepasst einkaufen zu können.

Denn Jazz und Lebensmitteldiscount, das passt einfach nicht zusammen.

11.12.04

Multiple Mentalitätsstörung

Dem Generalsekretär der CDU, Laurenz Meyer, wird vorgeworfen, unter multipler Mentalität zu leiden. So sei er nicht nur dem deutschen Skinhead ein Bruder im Geiste, sondern stehe auch dem Energiekartell besorgniserregend nahe, vermeldet der Spiegel. Meyer verfügt also anscheinend neben der eines Skinheads auch über die unbekümmerte Nehmer-Mentalität eines bestechlichen Politikers, der sich seine einstige Tätigkeit bei einer Tochter der RWE fünf Jahre später immer noch bezahlen lässt.

So erhält er vom Energieversorger RWE verbilligten Strom, ab und zu "irgendeine Ausschüttung", wie er selber anführt, und zahlt nebenbei bis heute ein Darlehen ab. Er habe aber den geldwerten Vorteil der erhaltenen finanziellen Vergünstigungen immer korrekt versteuert, wie er hervorhebt. Offen liess der Generalsekretär die Frage, wofür die finanziellen Vergünstigungen gewährt wurden.

Dazu erklärt Steffi Lemke, die politische Geschäftsführerin der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/ Die Grünen:

"Fakt ist, dass Herr Meyer, ohne eine Gegenleistung zu erbringen, für Strom von RWE weniger zahlen muss als jeder Normalbürger. Fakt ist, dass dies [neben der Ausschüttung] auch eine Art Einnahme ist. Darüber gilt es zu sprechen und nicht, ob Herr Meyer diese Mehreinnahme versteuert hat oder nicht."
Ganz genau. Laurenz Meyer scheint also an einer weiteren Mentalität zu leiden: der eines demokratisch gewählten Politikers, der seine Wähler für ausgesprochen dämlich hält. Aber halt! Sieht man das nicht zwangsläufig genauso?

10.12.04

R. kommt vorbei

Aus der Küche des Schnellrestaurants drangen harmonische Geräusche, die die Jazzliebhaber unter den Gästen wohl als asiatisch-experimentelle Improvisation bezeichnen würden. Dazwischen war das Zischen des Gemüses zu hören, das im Wok auf dem Feuer stand sowie die vereinzelten Ausrufe der Köche, die mit abgehacktem Gelächter quittiert wurden.

Im vorderen Teil des Ladens machte sich heißer Dampf breit, der scharfe Gerüche durch die engen, mit ungeduldig essenden Gästen besetzten Sitzreihen aus harten Bänken und schmalen Tischen trug. Irgendwo dazwischen saß G. und war damit beschäftigt, mit seinen Stäbchen den Reishaufen auf dem vor ihm stehenden Teller zu zerlegen. Er war auf der Suche nach Erdnüssen und Schweinefleisch, und die Konzentration trieb ihm den Schweiß auf die Stirn. Neben ihm, rittlings auf der Bank und mit dem Rücken an die Wand gelehnt, saß O. - von allen nur Porno-O. gerufen - und hielt ein Glas Cola-Rum in der Hand.

"Und? Kommt er?", fragte G. Die Rede war von R., der abends zu ihnen stoßen wollte.

"Yup."

"Wann kommt er denn?"

"Um neun."

G. fand ein weiteres Stück gebratenes Schwein und nahm es mit freudigem Gesichtsausdruck mit den Eßstäbchen auf. Bevor O. sein Glas wegziehen konnte, tauchte er das Fleisch kurz in den Rum und hielt es O. vors Gesicht.

"Da."

Achselzuckend nahm O. den angebotenen Bissen in den Mund, kaute das Fleisch durch und spülte es mit einem Schluck aus seinem Glas herunter.

"Dann werd ick mal langsam die Bullen rufen!", sagte G.

"Die Bullen?"

"Yo. Ick werd ihn´n sachen, det mir bestimmte Informationen zujespielt wurden."

"Det da ´n paar Dinger am Kochen sind, sachste?"

"Jenau. Und det die Probleme zu groß sin´, um se weiterhin ignorieren zu könn´n."

"Und denn?"

"Denn werd ick se druff hinweisen, det die Jeschicke unserer wunderschönen Jemeinde vom schnellen Handeln der Verantwortlichen abhängen könnten."

"Det wird se wach machen, schätz ick."

"Da kannste mal von ausjehen, Keule."

Als Antwort rülpste O. ungeniert. Ihr Tischnachbar gegenüber schaute fragend von seiner Zeitung auf und stand dann langsam auf. Er nahm seinen Teller und setzte sich auf einen leeren Platz zwei Sitzreihen weiter.

"Wird Zeit, det der Spaßvochel verschwindet.", merkte O. an und steckte sich eine Zigarette an.

"Und wat willste den Bullen konkret sachen?"

"Na, det R. zu Dir kommt. Und det die Beschreibung von dem Messerstecher uff ihn passt."

Am Morgen zuvor hatte ein etwa dreißigjähriger Ausländer, mittelgroß und von kräftiger Gestalt, seine Exfreundin in einem Schnellrestaurant um die Ecke erstochen und war seitdem flüchtig. R. dagegen war sehr schlank, hochgewachsen und blond und hatte zur Tatzeit auf seinem vollgekotzten Sofa einen Rausch ausgeschlafen.

"Und det er wat zu kiffen mitbringt, werd´ ick ihn´n ooch sachen.", fügte G. grinsend an.

"Det wird den Pennern Beene machen."

"Jenau, Alder. Die wer´n in Chorstärke anrücken und ´n bekackten Wasserwerfer mitbringen."

"Det is det mindeste! Die wer´n den Amis die Restbestände an Napalm abkoofen und die jesamte Jejend niederfackeln."

"Richti´ so. Mit Kiffern is nich´ zu spaßen."

"Det sach ick dir. Da könnten sich sonst einje Junkies der näheren Umjebung zusammenrotten und spontanen Widerstand orjanisieren."

"Und ´n hundertjährijen Straßenkampf in´ner Mendelssohnstraße kann keener wollen."

"Nich´ in´ner derzeitjen Situation. Zivile Opfer wollen die um jeden Preis vermeiden."

"Jenau. Und deswejen Napalm. Ein für allemal ausrotten die janze Bande." Damit schob G. den Teller von sich und schmiß die Eßstäbchen auf den Tisch.

"Wesste wat? Det Ding könnte aktuell mal nach vorne losjehn. Die wer´n sich richti´ freuen, die Bullen.", sagte O. und stand ebenso auf.

"Jenau. Aber wir wissen, wat looft."

"Geil. Wir sind jewappnet."

"Mein Reden!", sagte G., bevor sie die Tür öffneten und verschwanden.

07.12.04

Planlos kompetent

Auf dem CDU-Parteitag in Düsseldorf hat CDU-Chefin Angela Merkel, trotz ihres bislang schlechtesten internen Wahlergebnisses, die Richtung für die Opposition klar vorgegeben:

"Attacke auf die anderen, Feuer eingestellt auf uns selbst."
Dazu muss man wissen, daß die Demokratie sich heutzutage weit von den Idealvorstellung altgriechischer Träumer entfernt hat und mittlerweile nach folgendem Prinzip funktioniert:

• man muss an die Schalthebel der Macht gelangen

• dann darf man planlos herumpfuschen

• dabei muss man die ganze Zeit gut aussehen

Letzteres erreicht man häufig bereits durch kompetentes Wimperngeklimper und ein tiefes, weithin hörbares Lachen. Das mögen die Leute, das kommt an. Zum Beispiel kann man das so machen:

laecheln.JPG

Wie man sieht, sind alle froh. Die versammelten Wähler freuen sich über den Kanzler, der Kanzler freut sich über die heissen Torten, der Kiefernorthopäde der Dame neben dem Kanzler freut sich über die billige Röntgenaufnahme und der Bundesverband der helmproduzierenden Industrie freut sich über die kostenlose Werbung. So, meine Freunde, wird Politik gemacht.

Aber zurück zum Thema. Bei den oben aufgeführten Grundsäulen des Prinzips Demokratie scheitert die CDU/CSU unter der Führung Angela Merkels bereits kläglich am ersten Punkt. Und das seit Jahren. Den Christdemokraten will der Einzug ins mittlerweile gar nicht mehr so neue Kanzleramt in Berlin einfach nicht gelingen. Warum? Die Antwort fällt leicht.

Planlos herumpfuschen darf man nämlich erst, wenn man an der Macht ist. Bei der Opposition fällt es nämlich auf, und wenn man dann seine eigene Inkompetenz auf die Regierung schiebt, wird man schnell als Miesepeter und Gute-Laune-Verderber ausgemacht.

Und gut aussehen bei all den Dingen, die man so treibt, ja da hat Angela Merkel nun gar kein Glück. Hüpft ja wie ihr Ziehvater, die Birne, von einem Fettnäppel zum anderen. Und schaut dabei - nur hier wirklich kompetent - vollkommen hilflos aus der XXL-Wäsche. Und das trotz des heroischen Einsatzes von Starfriseur Udo Walz, dem an dieser Stelle meine Hochachtung (für seine Leistung!) und mein Beileid (für seine Sysiphos-Arbeit!) ausgesprochen werden soll.

Auf der anderen Seite sind solche Sprüche wie der von der Attacke und dem Feuer auf die eigenen Reihen eben auch nicht von einer Substanz, daß man hinter die Fassade des Hauses Demokratie schauen möchte. Denn theoretisch betrachtet, soll es auch noch eine vierte Säule geben, auf die das Haus sich stützt. Die trägt den Namen "politisches Programm", so berichten die Sagen. Aber anscheinend gehört sie ins Reich der Fabel.

06.12.04

Unnorwassrmodorgreiselbumbe, Teil III

Also:

• Leserbeteiligungszählerstandsbenachrichtigung: Leser 2
• Neuer Begriffskandidat: Weihnachtsurlaubsantragsformularausdruck von rtfm

Originelles gab´s schon, allerdings noch nichts mit HundertkilomannausdemSockenhaukaliber. Aber letztendlich kann man das ja erst festlegen, wenn man das gesamte Teilnehmerfeld kennt, oder?

05.12.04

Unnorwassrmodorgreiselbumbe, Teil II

Also, die bisherigen Denkpasswettbewerbsteilnehmereinsendungssubstantive lauten folgendermaßen:

1. Zufallsbekanntschaftenantreffampel

2. Gehirnverdrehungsnachhakundhintergrundaufzeigakrobatiker

und

3. Googlefütterungsassistentenbastelstubenreinigungsmilchherstelleretikett

Das Simultanleserzählungsvorhabenzählwerk ist aber bislang nur auf 1 gesprungen, da alle drei Vorschläge dem selben kranken Hirn entspringen.

04.12.04

Lieber Gold statt Chrom

Genau! Das will ich auch.

Und deswegen eben da rechts ein Stückchen tiefer gescrollt. Und gleich ein Dutzend dieser tollen Denkpass-T-Shirts vom Markt genommen!

Galaktischer Zufall

Da trifft man doch in einer Stadt mit weit mehr als einer Million zugelassener PKW am selben Tag dreimal Bekannte, die mit ihrem eigenen Fahrzeug genau neben einem an der Ampel zu stehen kommen.

OK, es war nur ein Bekannter, den ich auf diese Weise traf. Aber das ist genau diese Art von Zufall, die glaubwürdig gewesen wäre.

Unnorwassrmodorgreiselbumbe

Also, der Nils, der bringt einen immer auf so schräge Ideen. Schreibt er hier in einem der Kommentare was von einer Nachtstromspeicherheizung, was mich sofort auf dieses bemerkenswert deutsche Substantivkonstrukt aufmerksam macht. Wo gibt´s denn das schon, dieses Wort-an-ein-ander-klatschen-bis-der-Füller-schmerzhaft-aufjault? Doch nur in Deutschland. Mein Liebling ist und bleibt folgender Begriff:

Unterwassermotorkreiselpumpe
Besonderen Charme entwickelt er übrigens auf sächsisch:
Unnorwassrmodorgreiselbumbe
Damit verbunden der Aufruf an meine begrenzte Leserschar, weitere Begriffe zu finden, die die Herzen der Papierindustrie höher schlagen lassen - und die der Tintenfische niedriger. Wer mich von den Socken haut mit seiner Wortschöpfung, soll auch eine Überraschung kriegen. Versprochen!

03.12.04

Vorsicht, liebe Patrioten!

Zu einer neuen gesellschaftlichen Debatte rund um die Integration neuer Staatsbürger äußert sich Edmund Stoiber in einem Interview mit der Welt:

Unser Land zeichnet sich ja gerade dadurch aus, dass wir für viele Ausländer attraktiv sind, weil wir ihnen Toleranz, Freiheit und wirtschaftliche Chancen anbieten. Natürlich soll jeder Muslim und jeder Jude in Deutschland seinen Glauben leben. Aber was wir fordern müssen: Ausländer, die in unserem Land dauerhaft leben wollen, noch dazu, wenn sie einem fremden Kulturkreis angehören, müssen die hier geltenden Wertmaßstäbe respektieren und dürfen nicht dagegen verstoßen.
Zu dieser Passage fühlt sich nun Reinhard Bütikofer, Bundesvorsitzender von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, berufen, folgende Erklärung über den Pressedienst der Grünen veröffentlichen zu müssen:
Dazu hätte ich einige Fragen an Herrn Stoiber: Sind Muslime und Juden in Deutschland grundsätzlich Ausländer? Gehören Juden einem ,fremden Kulturkreis' an? Zu welchem Kulturkreis gehören deutsche Muslime? Sind die Formulierungen Herrn Stoiber nur unterlaufen oder will er tatsächlich deutsche Juden und deutsche Muslime aus der Nation ausgrenzen?
Also, falls es Herr Bütikofer in seiner falsch verstandenen Zwangstoleranz nicht klar wurde:

1. In einem Satz billigt Edmund Stoiber jedem Muslim und jedem Juden in Deutschland das Recht zu, ihren Glauben leben zu dürfen. Über Staatsangehörigkeiten wird an dieser Stelle nicht gesprochen. Bütikofer hat Geschichte und Philospohie studiert, sollte also des Lesens mächtig sein. Anwalt ist er auch nicht, denn die lesen manchmal zwischen den Zeilen, daß uns anderen schummrig vor Augen wird.

2. In einem zweiten Satz, dessen Trennung vom ersten durch das Wörtchen "aber" unterstrichen wird, fordert Edmund Stoiber von Ausländern, die sich dauerhaft in Deutschland niederlassen wollen, Respekt für die hier geltenden Wertmaßstäbe, der sich auch im Einhalten derselben niederschlagen sollte. Eine Forderung, die vom Denkpass voll und ganz unterstützt wird. Ob diese Ausländer, auf die sich Edmund Stoiber bezieht, Muslims, Juden oder beispielsweise indischer Herkunft sein mögen, ist aus dem Wortlaut des Satzes nicht zu erkennen.

Wo Reinhard Bütikofer in der zitierten Aussage Edmund Stoibers Anlass zu dem Hinweis sieht, daß Juden und Muslims sehr wohl keine Ausländer sein müssen, bleibt dem Leser verborgen. Daß Herr Stoiber mit besagten drei Sätzen deutsche Juden und deutsche Muslims ausgrenzen will, ist ebenso unmöglich zu erkennen.

Reinhard Bütikofer konstruiert und unterstellt hier rassistisches Gedankengut, wo es - zumindest im vorliegenden Interview - in keinster Weise zu sehen ist. Und genau das ist eine Haltung, die uns - genauso wie blinder Rassismus - in der Frage der Integration neuer Bundesbürger überhaupt nicht weiter helfen wird. Demagogisches Fingerzeigen heizt die Diskussion nur an. Voran treibt sie es nicht.

- UPDATE -
Im Kommentar stellt Herr Braun fest, die Äußerungen Edmund Stoibers in den selben Hals wie Reinhard Bütikofer bekommen zu haben - den falschen nämlich. Dazu folgende Anmerkung:

Also zum einen ist die Aussage Stoibers das, was von dem Gesagten nach Kürzung durch einen Redakteur übrig blieb. Ob er das gegenredigieren durfte oder nur seine Zustimmung zum Text des Redakteurs gab, wissen wir nicht. Bütikofers Text dagegen ist von ihm (oder seiner Pressestelle) veröffentlicht.

Das ist das, was er sagen will. Es klingt demagogisch, hilft dem Land bei seinen Problemen nicht weiter und ist einfach unnütz. Der letzte Satz von Bütikofers Veröffentlichung - hier übrigens als Überschrift gewählt - unterstreicht diese Feststellung, steht er doch ohne Zusammenhang dar und wirft doch den Schatten eines großen, tausendjährigen Gespenstes an die Wand.

Zum anderen wird Herrn Bütikofer hier nichts unterstellt. Unterstellen klingt so, als ob da nichts wäre. Bütikofer schießt hier scharf. Der Denkpass ebenso.

Womit übrigens bewiesen wäre, daß der Denkpass keine linke Hetzpostille wäre. Denn bislang habe ich nur Partei für die rotgrüne Koalition ergriffen. Heute mal, aber das soll keine Trendwende darstellen, eben für Big Ed und seine christlich-demokratischen Ansichten.

- UPDATE II -
Daß der Denkpass keine Hetzpostille sei, soll sich übrigens nicht als auf die Ätzpostille bezogen verstanden wissen. Denn die ist unterhaltsam und bildend - und ist nun Teil der Täglichen Lesung da drüben auf der rechten Seite geworden.

Uffs Maul jeschaut

Einer von ihnen hatte die Tür weit aufgetreten. Anschliessend waren sie ins Freie getreten, gerade als ein Polizeifahrzeug vorbeifuhr.

"Na, jeht mal schön nach Drogen fahnden, ihr Wichser.", rief der größere der beiden dem grün-weißen Auto hinterher. Der andere kicherte heiser.

Dem Lichtschein auf dem Pflaster folgend, bewegten sie sich durch die schlafende Altstadt.

"Und? Wat machste nächste Woche?"

"Schön ficken."

Der andere schaute fragend.

"In Thailand. Ick fahr nach Thailand."

"Ahh."

Die Gasse öffnete sich auf einen Platz, der von einem Zaun umgeben war. Hinter dem Zaun standen sauber aufgereiht Hunderte von Weihnachtsbäumen. Hinter ihnen lag, erschöpft vom Treiben des Tages, der Weihnachtsmarkt der Kreisstadt. Die Planen vor den verschlossenen Buden dämpften das Geräusch ihrer Schritte.

"Find ick nich jut."

"Wat?"

"Rumficken mit irgend ner Ollen."

"Warum nich? Ficken is doch geil."

"Ach. Ick krieg schon Probleme, wenn ick in´n Hotel penne und drüber nachdenke, wer da schon ins Laken gefurzt hat."

"Echt?"

"Ja. Wenn ick mir det vorstelle: Irgend eener hat seine behaarten, verpickelten Arschbacken über die cremefarbene Klobrille jerieben."

"Stimmt. Is nich jut."

"Oder det der Urin von irgend nem andren über die marmornen Fliesen im Bad jeflossen is, auf die ick ooch jepinkelt hab."

"Hmmm. So darfste det nich sehn."

"Mach ick aber."

"Is aber nich jut."

"Apropos pinkeln.", sagte einer der beiden. Er blieb an einem der Weihnachtsbäume stehen, öffnete umständlich seine Hose und urinierte in die mit Erde gefüllte Schale. Dampf stieg auf.

"Und irgend ne Olle ficken, die ne halbe Stunde vorher nem Anderen den Schwanz jelutscht hat..."

"Hmmm. Haste recht."

"Sach ick doch."

"Na und. Hauptsache ficken."

"Stimmt ooch wieder."

02.12.04

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