27.08.04

Urlaub, Teil II

Der aktuelle Zustand der Urlaubsfunktion lautet für einige weitere Tage:

U(t) = 1

Zumindest in einem gewissen Sinne, was für Leser des Denkpasses jedoch das gleiche Resultat bietet.

Sprachliche Verwirrung

Eines wollen wir mal klarstellen: Lebensmittel, Gebrauchsgegenstände oder einfach Objekte, die nach einer Stadt benannt sind, haben in den meisten Fällen innerhalb der Grenzen dieser Stadt einen anderen Namen. Beispiele gefällig?

So heißen Pariser in Paris préservatif.

Berliner heißen in Berlin Pfannkuchen (diese wiederum haben nun keine Bezeichnung und werden daher in der Hauptstadt als Eierkuchen bezeichnet).

Wiener Würstchen sind Wiener Würstchen, selbst in China. Außer in Wien natürlich, da nennt man sie Frankfurter Würstchen. In den USA heißen sie aber Weiner.

Ausnahmen - das wollen wir nicht verschweigen - gibt es aber auch:

Hamburger heißen auch in Hamburg so.

In der Tat. Wie nun aber Cheeseburger in Cheeseburg genannt werden, kann selbst das örtliche Sprachinstitut nicht in aller Genauigkeit sagen. Wohl aber, wie Angela Merkel und die südrussische Mafia korrekt kommunizieren können.

26.08.04

Stinkende Finanzen

Geld stinkt nicht. Scheisse schon. Vor allen Dingen Hundescheiße, denn die liegt meist einige Zeit herum. Zumindest in der Bundeshauptstadt.

Was erhält man bei der Vereinigung dieser bahnbrechenden Erkenntnisse? Geld, das nach Scheisse stinkt? Scheisse, die nach Geld stinkt?

Die Antwort findet sich im Berliner Abgeordnetenhaus. Dort gab es eine Kleine Anfrage des Abgeordneten Karl-Georg Wellmann (CDU), die sich die Ausgaben des Berliner Senats für Hundekotmobile und die Einnahmen des Landes durch die Hundesteuer zum Inhalt nahm. Folgende Antwort gab es von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung:

• Anschaffungskosten für 10 (!) Hundekotmobile im Jahre 1998 - 270.000 €
• Betriebs- und Unterhaltskosten dieser Hundekotmobil-Flotte pro Jahr - 800.000 €

• Einnahmen durch Hundesteuer im Jahr 2003 - 11.357.258,87 €

Sollten also keine weiteren Kosten anfallen - beispielsweise für Hundesprachkurse, Hunde-Umschulungsmaßnahmen oder Hunde-Sozialhilfe - verdient die Stadt an Hunden und ihrer Scheiße mehr als 10 Milionen € im Jahr. Geld stinkt eben nicht.

Scheiße aber schon. Und die bleibt angesichts der kümmerlichen Beseitigungsmaßnahmen seitens des Berliner Senats länger liegen, als einem lieb sein kann. Wenn man sich denn zu den Fußgängern, Rasenlatschern und Naherholungsfreunden zählt. Die scheinen beim Berliner Senat allerdings keine große Lobby zu haben ...

25.08.04

Versoffenes Journalistenpack schlägt eiskalt zurück!

Wie von Tobias Müller festgestellt, hat Spiegel Online auf die Hinweise des Denkpasses reagiert und seinem Bericht über Microsofts Schimpfeskapaden gegen die überwiegende Mehrheit der spanisch sprechenden Bevölkerung nachträglich folgende erklärende Zeile angefügt:

In einigen Ländern, wie Nicaragua, sei "hembra" jedoch ein Schimpfwort und bedeute Hure.
Bei diesen lokalen Differentiationen die Feinheiten der spanischen Sprache betreffend versagen naturgemäß die besten Suchmaschinen und Übersetzungshilfen. Des Spiegels Journalisten können also durchaus recht haben, was Microsofts Fauxpas angeht: Frauen mit Hure anzusprechen ist unverzeihlich.

Wie der Spiegel im Rahmen dieser Posse aber selber demonstriert hat, rutscht dieser Fehler allzu leicht unter dem Radar durch. Denn eigentlich haben sie den Fehler von Microsoft reproduziert - nur in gespiegelter Form. Wo Microsoft das Wörtchen hembra für eine unproblematische Übersetzung von Frau hielt, und lokale Deutungen als Hure übersah, hat Spiegel Online das Wörtchen hembra global als Hure gedeutet und dabei die Bedeutung als Frau übersehen.

Was lernen wir daraus? Nicht viel. Und rein gar nichts wirklich Weltbewegendes. Aber das sind wir vom Denkpass ja gewohnt, oder?

24.08.04

Versoffene Journalistenbande betreibt volksgruppenspezifische Unternehmensverleumdung

Was schreibt der Spiegel da? Microsoft beschimpft weibliche Windowsnutzer als Huren?

In der spanischen Version von Windows XP wurde der Nutzer (und die Nutzerin) nach dem Geschlecht gefragt. Die Wahl bestand zwischen "no especificado" (nicht spezifiziert), "varon" (Mann) und "hembra" (Hure). Der peinliche Fehler unterlief Microsoft in einer Version, die in Südamerika vetrieben wurde.
Peinlich, liebe Spiegelredakteure, ist an dieser Meldung nur eines: Die offensichtliche Unfähigkeit, Fakten zu recherchieren.

Was findet sich als Übersetzung für hembra in diesem deutsch-spanischen Onlinewörterbuch?

• die Frau
• das Weib
• das Weibchen
• das weibliche Tier

Auf Hure findet sich dort kein Bezug. Auch hier nicht. Oder hier. Aber suchen wir mal Hure in diesem Wörterbuch. Kein hembra in Sicht.

Hier also ein Tip für angehende Netzkultur-Redakteure: Durch den unübersichtlichen Dschungel des atemberaubend großen Internets kann sich der angehende Webtourist durch eine Suchmaschine leiten lassen. So haben wir alle mal angefangen, und so machen wir das immer noch.

Weil das aber offensichtlich nicht möglich ist und somit eben das, wofür einige von euch Spiegelredakteure zuständig sind - Netzkultur - nun aber offensichtlich im konisch geformten Metallbehälter - sprich: Eimer - zu finden ist, bleibt dem Denkpass nichts anderes übrig, als übel nachzutreten und dafür zu sorgen, daß sie dort auch bleibt. Zumindest einige Zeit. Eben deshalb die Überschrift.

Konstante Änderung

Wenn der Urlaub eine Funktion mit dem Namen U ist, die in Abhängigkeit vom Datum die Eigenschaften 0 (kein Urlaub) oder 1 (Urlaub) annimmt, gilt für heute und die folgenden Tage:

U (heute) = 0

U (mittelfristige Zukunft) = 0

Und irgendwann, so um Weihnachten vielleicht, gilt mal wieder:

U (Weihnachtszeit) = 1

Das Ganze könnte natürlich viel eleganter mit einer Booleschen Funktion widergegeben werden. Allerdings fiele dann die korrekte Wiedergabe von Heiligabend und Sylvester schwer:

U (24.12.) = 0,5

U (31.12.) = 0,5

So weit, so gut. Trotz der wirklich atemberaubenden mathematischen Kenntnisse, die ich während des Urlaubs bei der Lektüre so manchen Buches erarbeiten konnte, ist selbiger nun zu Ende. Das Blog wartet, ebenso die Arbeit.

Gerade dort verschiebt sich einiges. So verdichten sich die Hinweise, daß bereits in naher Zukunft für zwei Tage die Woche - jede Woche - meine Anwesenheit im lieblichen Stralsund erforderlich sein könnte - was natürlich Auswirkungen auf den Denkpass haben wird.

Änderungen kommen aber auch von anderer Seite: So hat sich, behaupte ich mit fester Stimme, meine persönliche Einstellung zum Schreiben - und damit zum Denkpass - geändert. In welcher Form, das bleibt vorerst ein kleines Geheimnis.

Aber Änderungen wird es geben. Da, und vielleicht nur da, unterscheidet sich der Denkpass einmal nicht vom wirklichen Leben:

Change is the only constant.

13.08.04

Urlaub!

[..]

Ufo rettete Menschheit

Am 30. Juni 1908 stürzte in aller Herrgottsfrühe ein riesiges Himmelsobjekt in der sibirischen Tundra auf die Erde. Der Feuerball sei heller als die Sonne gewesen, so Augenzeugen, der Donnerhall noch in 800 km Entfernung hörbar.

Allein, Teile des Objektes wurden nie gefunden. Es könne von der Atmosphäre abgeprallt sein, wenn es unter dem richtigen Winkel auf die Erde getroffen sei, so eine Theorie. Es könne sich um einen Schneeball gehandelt haben, der wegen der entstehenden Hitze geschmolzen sei, so eine andere Theorie. Aufsteigendes Erdgas habe sich entzündet, oder aber ein winziges schwarzes Loch sei implodiert, so weitere Mutmaßungen.

Eine ganz neue Erklärung liefert eine russische Expedition, die in anderer Richtung nach Teilen des Himmelskörpers suchte als ihre Vorgänger. Das etwa eine Million Tonnen schwere Objekt, so der Leiter der Expedition Juri Lawbin, sei vor dem Aufschlag von einem unbekannten Flugobjekt außerirdischer Herkunft zerstört worden.

Das Ufo schien dabei die Auslöschung der Menschheit verhindern zu wollen. Und es zahlte einen hohen Preis: Man sei sich sicher, Teile des Ufos gefunden zu haben, das anscheinend die Rettungsaktion nicht unbeschadet überstanden hat, so Juri Lawbin weiter.

Mutig, das Ganze. Nicht nur die Rettungsaktion der Außerirdischen, sondern auch die Verkündung seiner Ergebnisse durch den Expeditionsleiter. Denn der setzt seine wissenschaftliche Glaubwürdigkeit ebenso aufs Spiel wie damals die Mitglieder des außerirdischen Meteoriten-Abriß-Trupps ihr Leben.

12.08.04

Giant Horse catches olympic security forces on wrong foot

As greek security officials admitted, they were quite surprised when they found a giant wooden horse not far from the Olympic stadium late last week. The sudden appearance of the wooden structure sheds new doubts on whether security measures will be tight enough to protect athletes from around the world.

“When you’re spending over $1.5 billion in security, quite frankly, somebody shouldn’t be able to wheel a giant wooden horse right up to your stadium,” said one U.S. official today.

But greek officials also see the bright side of the event, as they think the giant horse will undoubtedly enhance viewership. Some officials go as far as recommending to wheel the structure into the stadium.

“I say let the horse in,” someone said. “What’s the worst that could happen?”

And why not, indeed?

[almost uncut from The Borrowitz Report]

Einheitsstuhl

Im Zusammenhang mit der Installation von MS Visio 2000 auf meinem Arbeitsrechner wurde festgestellt, daß damit auch Raumplanung möglich ist. Da unsere Bürogemeinschaft mit dem Gedanken spielt, Ende des nächsten Jahres eine Relokation durchzuführen, wurde die Möglichkeit eingeräumt, die Einrichtung der neuen Räume eben mit Visio zu planen. Dabei trat die Frage auf, inwieweit man die Maße der vom Programm zur Verfügung gestellten Einrichtungsgegenstände überprüfen müsse, um exakt planen zu können.

Folgender Begriff wurde sofort aufs Deutlichste mißverstanden:

Einheitsstuhl
Handelt es sich hierbei um

• die Abmessungen eines DIN-genormten Büromöbels?

• die Summe der Exkremente der Bundesbürger am Tag der Deutschen Einheit?

11.08.04

Dreamteam

Und ich dachte, Guido Westerwelle wäre homosexuell...

guidoangela.jpg

Experte kriegt ersten Auftrag

Weil er e-mails an amerikanische Bundesbehörden versendete, in denen er mit Bombenanschlägen auf eine Bibliothek seines Heimatortes oder der Ermordung George W. Bushs drohte, wurde ein 14-Jähriger Amerikaner mit der Anfertigung einer Untersuchung über Homeland Security bestraft. Einzige Bedingung für die Untersuchung sei der Verzicht auf das Internet als Recherchemedium.

(Zum Freischalten des Artikels hier nachschauen - aber cyberpunk in der emailadresse richtig schreiben!)

[via Obscure Store]

Zeit-Raum-Problem

Da kommt der Moe von Plastic Thinking nach Berlin. Und weil es zwar so einige Gräben zwischen uns gibt, aber auch viele Gemeinsamkeiten und ein tiefes gegenseitiges Verständnis, hatte ich mich so richtig darauf gefreut, ihn mal in freier Wildbahn zu treffen. Und zwar nicht zwischen die Augen, sondern ganz herzlich - so mit Händeschütteln, Pils an den Hals halten und viel lachen.

Leider - und ich nutze das auch gleich als Ankündigung für eine kleine Pause der geistigen Onanie des Denkpasses - bin ich am betreffenden Wochenende gar nicht in Berlin. Was heisst hier übrigens leider? Grund meiner Abwesenheit ist nämlich der Urlaub, der Los Familios Denkpassos in die Nähe des Bodensees führen wird. Genauer gesagt, in die liebliche Gemeinde Weingarten, mit einer beeindruckenden Basilika gelegen in einer traumhaften Landschaft, und einem wunderschönen Freibad. Aber das nur am Rande.

Jedenfalls, und das ist der eigentliche Grund dieses unqualifizierten Einwurfs hier, bedauere ich es aufrichtig, Moe nun doch nicht persönlich kennenzulernen. Es bleibt also bei dieser (hoffentlich) gegenseitigen Beachtung unserer Blogs, aber leider keinem Händedruck und festem-in-die-Augen-sehen.

Aber so is´ dat mit dem Licht, mal brennt et, und mal nich´. Trotzdem viel Spaß, Moe!

10.08.04

Die Blase platzt!

Demokratie ist, wenn genügend Froschfolie für alle da ist!

Schmerzhafte Erkenntnis

Viele Völker der Erde haben unabhängig voneinander Wasserwaage und Richtscheit erfunden. Selbst wenn sie sich die Nutzung dieser beiden Werkzeuge anderswo abgeschaut haben, ist nachhaltige Bautätigkeit - als Grundvoraussetzung aller uns bekannten höheren Zivilisationen - ohne den Einsatz dieser essentiellen Hilfsmittel schwer vorstellbar.

Dem Zustand ihrer Radwege nach zu urteilen, hat die Gemeinde Kleinmachnow bei Berlin diesen Entwicklungsschritt übersprungen - und ihm bis heute nichts vergleichbares entgegen gestellt.

09.08.04

George W. Bush ordnet Bremer Stromausfall an

Frank Rost, Torhüter in den Diensten des FC Schalke 04, fühlte sich von seinem Ex-Verein Werder Bremen verschaukelt. Der Stromausfall, der am vergangenen Freitag das Eröffnungsspiel der 42. Bundesligasaison in die tiefste Nacht verschob, sei von den Bremern absichtlich herbeigeführt worden:

"Das geht nicht mit rechten Dingen zu, da spielen andere Dinge eine Rolle, aber das kennt man hier ja."
Nico Lumma kann dem nicht ganz zustimmen. Er fragt sich, ob nicht El Quaida für den gemeinen Terroranschlag auf des Deutschen Lieblingssportart verantwortlich sein könnte. Diesem Gedankengang kann nun der Denkpass nicht folgen, zumal er auch nicht weiter ausgeführt wird.

Denn Nico war der richtigen Lösung doch bereits so nah. Am Freitagabend, während des besagten Spiels, weist Nico auf eine Meldung hin, die über Yahoo News verbreitet wurde. Da werden die Geschenke aufgezählt, die George W. Bush von seinen Staatsgästen erhalten habe. Ganz lapidar weist Nico dann am Ende auf den entscheidenden Zusammenhang zu Frank Rosts Verschwörertheorie hin:

"Äusserst spendabel waren die Deutschen, die haben George W. Bush gar nichts geschenkt."
Und das war dem lieben George W. dann doch etwas zu schroff. Ergo, so hat George W. beschlossen, gibt es Rache. Sofort hat er Donald Rumsfeld angerufen und beauftragt, den Deutschen eine Lektion zu verpassen. Rumsfeld fällt natürlich sofort die Fußballbundesliga ein. Und so wurde ein Bagger losgeschickt, der aus amerikanischer Sicht zwei Fliegen mit einer Klappe schlug.

Zum einen wurden die Hoffnungen des deutschen Pay-TV-Publikums auf eine planmäßige Übertragung zerstört. Zugleich aber auch - symbolisch - alle Träume der rot-grünen Bundesregierung, man könne die in Kyoto beschlossene Reduktion der Kohlendioxid-Emission erreichen, ohne die Wirtschaft zu beeinflußen. Denn auch die diesbezüglichen Unkenrufe deutscher Politiker werden in Washington als äußerst unfreundlich eingestuft.

Klingt unglaubwürdig? So ein Zufall aber auch, daß Donald Rumsfelds Verwandte in der Nähe von Bremen wohnen.

Richard M. Nixon tritt zurück

Exakt heute vor dreißig Jahren, am 9. August 1974, trat Richard Nixon als erster Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika von seinem Amt zurück.

Er wäre ohne diesen Schritt der erste Präsident geworden, der seines Amtes enthoben worden wäre. Grund dafür war die Watergate-Affäre, bei der Mitglieder von Nixons Wahlkampfteam bei einem Einbruch in das Wahlkampfzentrum der Demokraten in ebenjenem Watergate-Komplex überrascht worden sind. Wie sich später herausstellte, geschahen dieser Einbruch und ähnliche Vorgänge mit Kenntnis und schweigender Billigung eines ansonsten aus internationaler Bühne brillant agierenden Präsidenten.

Was Richard Milhouse Nixon damals seinen Job kostete, würde es heutzutage nicht mal in die Printmedien schaffen. Verglichen mit den sechziger und siebziger Jahren hat sich das politische Klima in Amerika nach zwischenzeitlichen Hochständen Mitte der 90er Jahre jedenfalls nicht verbessert.

Man befindet sich in einem Krieg, der von einem großen Teil der Amerikaner nicht unterstützt wird. Der Präsident sieht sich Anschuldigungen ausgesetzt, die seine Redlichkeit und Wahrheitsliebe in Frage stellen. Es laufen Gerichtsverfahren gegen amerikanische Soldaten, in denen Informationen manipuliert werden und versucht wird, die Schadenseinwirkungen mit aller Macht von den oberen und obersten Hierarchiestufen des amerikanischen Militärs fernzuhalten. Das Haushaltsbudget weist riesige Defizite auf.

Oder wie es Hunter S. Thompson so treffend formulierte:

Compared to these jerks we have in the White House now, Richard Nixon was a flaming Liberal.

Reformstau

Die Rechtschreibreform sei eine zwansneurotische Bürokratenlösung, so Spiegel-Chefredakteur Stefan Aust, weswegen sein Blatt zur alten Rechtschreibung zurückkehre. Dem schlossen sich auch die Blätter des Axel-Springer-Verlags sowie die Süddeutsche Zeitung an. Da vorher bereits die Frankfurter Allgemeine Zeitung den Schritt gewagt hatte, arbeiten die wohl einflußreichsten Zeitungen der Bundesrepublik an einer Reform der Reform.

Der Druck auf das neue Regelwerk nehme auch sonst zu, wie die Basler Zeitung meldet. So wollen sich die Kultusminister der deutschsprachigen Länder noch im August zusammensetzen, um über die Fortführung der Reform zu beraten.

Der Denkpass kann die ganze Aufregung kaum nachvollziehen. Zielte die Rechtschreibreform doch darauf ab, Gesprochenes und Geschriebenes einander anzugleichen. Komplizierte, starre Regelungen durch leicht Verständliches zu ersetzen. Eben so zu schreiben, wie die kommende Generation bereits spricht.

Und dabei ist man doch nur halbherzig zu Werke gegangen. Spiegelt die Rechtschreibreform denn wie gewünscht die Sprache der jungen Generation wider? Nein. Ist die reformierte deutsche Sprache lebendig genug, um die Geschwindigkeit im Leben eines modernen Deutschen auch nur annähernd zu erfassen? Wieder nein.

Hört doch in U-Bahnen und Discos den Leuten einfach zu. Schaut doch nur mal in den Foren, Chatrooms und Weblogs nach, wie die Sprache auszusehen hat. Diese Rechtschreibreform geht noch lange nicht weit genug.

DeR DeNkPaSs FoRdErT eInE nEuE, eInE bEsSeRe ReFoRm. EiNe ReFoRm, DiE sIcH aN dEr SpRaChE dEs VoLkEs OrIeNtIeRt, IhR bItChEs. SoNsT JiBtS FrAtZeNjEbAlLeR oHnE eNdE. AlLeT KlAr?

08.08.04

At the end, not at the beginning

From Michael Crichtons Eaters of the Dead (the movie went by the name of 13th Warrior):

Thank Allah, for in his wisdom he put death at the end of life, and not at the beginning.

07.08.04

Erster!

Da hatte sich der parlamentarische Geschäftsführer der CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Uwe Goetze, gedacht, er müsse einem Kollegen von den Grünen zum Geburtstag gratulieren. Ziel seiner Geburtstagswünsche war der Geschäftsführer der Grünen-Fraktion, Reiner Felsberg. Er wünsche ihm "von ganzem Herzen alles Gute und viel Glück" und hoffe für Felsberg, dass dieser endlich die Zeit finde, die er sich für seine privaten Interessen schon immer gewünscht habe, so Goetze in kumpelhaftem Tone. Zum Abschluß nennt das Schreiben einige wichtige Ereignisse aus der Berliner Chronik zum 4. August - dem Geburtstagsdatum, um das sich die ganze Geschichte dreht.

Überraschend daran war im Grunde genommen eigentlich nur dieses Datum. Denn Reiner Felsberg begeht seinen Jahrestag bislang immer am 27. Dezember. Seinen Namenstag, sollte er den feiern, hätte er am 13. Januar zu begießen. Trotzdem hat sich Reiner Felsberg so sehr über den verfrühten Gratulanten gefreut, daß er dessen glorreiche, fraktionsübergreifende Freundlichkeit einer Reporterin mitteilte. Die fand das auch mitreißend und musste es unbedingt publizieren.

Damit wiederum tut man dem werten Herrn Goetze aber Unrecht an. Er wollte doch bloß nett sein. Und zugleich beweisen, welche Partei immer vorne weg ist. Eifrig und unangefochten an der Spitze. Oder so ähnlich.

Leider auch ein bisschen planlos. Aber das sind wir von der CDU ja schon gewöhnt.

06.08.04

Sinnloses Grün?

Was Berlin unter anderem so einzigartig macht, ist der Umstand, daß in der Hauptstadt viele Sachen doppelt vorkommen. So gibt es mit Spree und Havel zwei größere Flüsse, man hat einen Funk- und einen Fernsehturm, einen Tierpark und einen Zoologischen Garten und zu guter Letzt natürlich eine West- und eine Ostcity.

Wenn man sich von der Ostcity rund um den Alexanderplatz mit dem 200er Bus, dem Fahrrad oder einfach per Fuß (empfehlenswert: dauert auch bloß eine Stunde) in Richtung der West-City auf den Weg macht, stößt man gleich hinter dem Neptunbrunnen vorm Roten Rathaus auf das Marx-Engels-Forum.

Auf der rechten Seite liegt das neuerbaute Dom Aquaree, das das größte Zylinderaquarium der Welt beherbergt. Dahinter gelegen, gibt sich der monströse Dom alle Mühe, den Blick auf den Lustgarten und Berlins Prachtstraße Unter den Linden zu verdecken. Auch auf der anderen Seite der Straße findet sich eine Monströsität, stehen dort doch weithin sichtbar die Überreste des Palastes der Republik.

Der wartet seit mehr als einem Jahrzehnt auf sein Ende. Bundestag und Berliner Senat haben den Abriß auch schon beschlossen, allein an der Umsetzung des Beschlußes hapert es derweil. Nun ist es derzeit in Berlin äußerst hip, sich in den vom Asbest befreiten Tragstrukturen im Inneren des Palastes ein wenig zu gruseln. Dafür trifft man sich zu verschiedenen Veranstaltungen, trinkt ein bißchen Schaumwein und amüsiert sich köstlich über die Bedingungen in dem anderen Teil Deutschlands.

Und weil das so gut ankommt, und Bund und Staat einige wenige Euros verdienen können, weil aber auch einige Leute sowieso den Palazzo Prozzo gerne stehen lassen würden, überlegt man nun allen Ernstes, den 200m großen Schrotthaufen im Zentrum der deutschen Hauptstadt noch ein wenig länger stehen zu lassen.

Denn was hätte man schon davon, die Ostberliner Innenstadt von dieser unansehnlichen Bauruine zu befreien? Es gebe doch noch gar keinen baureifen Entwurf für das Schloss, weshalb ein Abriss und das Anlegen einer grünen Wiese jetzt nicht sinnvoll sei, so der finanzpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion Jörg-Otto Spiller.

Auf einer grünen Wiese, die die architektonische Stimmung zwischen dem Roten Rathaus und Lustgarten, zwischen Nikolaiviertel und Dom bedeutend auflockern würde, könnte man natürlich keine Veranstaltung organisieren. Man könnte Berlinern und Touristen keine Möglichkeit geben, sich im Innenstadtbereich kurz hinzusetzen und zu erholen. Grüne Wiesen wären dafür nach Aussagen Spillers ungeeignet. Rostige, mittlerweile nicht mehr asbestverseuchte Ruinen der Prunkbauten zurecht in den Läufen der Geschichte untergegangener, menschenverachtender Diktaturen dagegen schon.

Was ist dann eigentlich mit dem Tiergarten, dem größten innerstädtischen Park der Hauptstadt? Können wir doch toll mit Beton zuknallen, diese überflüssige und sinnlose Busch- und Wiesenlandschaft, oder, Herr Spiller?

05.08.04

Sinnlose Äußerung zu sinnvollem Handeln

Wie es wirklich um die Auslastung des bundesdeutschen Beamtenheeres bestellt ist, konnte man heute in der Berliner Zeitung lesen. Nein, nicht in dem BILD-Klon, der sich BZ nennt, sondern in der auflagenstärksten Tageszeitung der Hauptstadt, die zudem ihren Ursprung im Osten Berlins hat.

Als erstes Bundesministerium beschäftigt sich die Behörde unter der Leitung von Bundesfamilienministerin Renate Schmidt (SPD) damit, so liest man, eines Tages seine komplette Beamtenschaft in Berlin zur Arbeit antreten zu lassen. Aufgrund des §4 des sogenannten Berlin-Bonn-Gesetzes ist die Situation nämlich derzeit die, daß alle Ministerien des Bundes in Berlin und Bonn Niederlassungen unterhalten.

Nun findet sich zwar beim Stand der Gesetzgebung, die der Deutsche Bundestag veröffentlicht, keinerlei Hinweis auf die im Artikel der Berliner Zeitung angedeutete Änderung des besagten Gesetzes. Gleichwohl werden Äußerungen des Berliner Bürgermeisters Klaus Wowereit, den Status der Hauptstadt auch im Grundgesetz zu verankern, in der provisorischen Hauptstadt der alten Bundesrepublik sensibel registriert.

Für den Fall der Fälle hält das Familienministerium also am jetzigen Standort in Berlin-Mitte zwei weitere bundeseigene Altbauten vor, in denen die 343 bislang in Bonn beschäftigten Beamten zwanglos Platz finden würden. Man habe "Vorsorge getroffen", so ein Abteilungsleiter. Da aber bislang keine Sanierung geplant sei, entstehen auch keine Kosten: "Wir unterlaufen nichts."

Dann aber findet sich eine Aussage von Franziska Eichstädt-Bohlig - einer Bundestagsabgeordneten der Grünen -, die die Vorbereitung auf einen eventuellen Umzug als "vernünftigt" bezeichnet, um anschließend rhetorisch in die Vollen zu gehen:

"Das heißt ja nicht automatisch, dass alle kommen müssen - sondern nur die, die für ein sinnvolles Regierungshandeln benötigt werden."
Aha. Soweit verstanden.

Was treiben denn die anderen Mitarbeiter so? Benötigt man die etwa für sinnloses Regierungshandeln? Übt die über die Landesliste Berlin bereits zum dritten Mal in den Bundestag geschickte baupolitische Fraktionssprecherin hier stille Kritik an der Effizienz bundesdeutscher Ministerien? Fragen über Fragen.

Aber endlich Bestätigung auch von oben: Das Land erstickt an der Größe seines untätigen Beamtenheeres. So sehr der Denkpass die Umzugsplanungen aller bundesdeutschen Ministerien, die sich die aufregendste Stadt des Landes zum Ziel nehmen, begrüßen würde, ungleich mehr Zustimmung fände sich für sinnvolles Regierungshandeln in voller Mannschaftsstärke.

04.08.04

Briten beschleunigen den Weltuntergang

Die Menschheit sieht sich schwerwiegenden Problemen ausgesetzt. Den Kriegen der Ideologien, denen im vergangenen Jahrhundert mehr als 100 Millionen Menschen zum Opfer fielen, folgten die Kriege der Religionsfanatiker. Im Tierreich steht uns anscheinend ein Massensterben bevor und die Industrienationen tun sich weiterhin schwer beim Kampf gegen die Kohlendioxid-Emissionen. Dann wären da noch AIDS und Krebs und verschiedenste Grippe-Epidemien. Realistisch betrachtet, steht der Menschheit das Wasser bis zum Hals. Wir hier in der ersten Welt wollen es bloß nicht zur Kenntnis nehmen.

Unseren britischen Freunden allerdings geht das Ganze noch nicht schnell genug. Die erfanden vor einiger Zeit kurzerhand eine ganz neue Art von Krankheit - BSE -, packten die in unsere Burger und Lakritzestangen und verteilten das Zeug weltweit. Und das, obwohl sie längere Zeit wußten, da stimmt was nicht.

Und nachdem die freie Welt nun daran arbeitet, diesen ganzen Prionenkram so halbwegs zu verstehen, unter Kontrolle zu bringen und zu vergessen, was machen die Jungens auf der Insel da? Die erfinden fix was neues. Haben seit zehn Jahren daran gearbeitet, so liest man, den Vorhang aber erst jetzt gelüftet.

Auf den britischen Inseln hat man sich also dem Anschein nach auf Rinderkrankheiten spezialisiert. Aber ist ja auch logisch: Sich auf Affen zu spezialisieren, fiele ja ungleich schwerer. Denn dann würde selbst der letzte Inselaffe sofort begreifen, welche Stunde geschlagen hat.

Schönen Dank an dieser Stelle, daß man nun aber auch wirklich keine Burger mehr essen darf.

03.08.04

Golfen ist ein Männersport

Golfen macht Spaß. Könnt ihr mir glauben. Ich habe es drei Stunden lang gespielt.

Um aber richtig drauf los zu golfen, muß man erstmal am eigenen Schwung arbeiten. Dafür, so mein Plan, erstmal ein Buch kaufen, zwei, drei Lehrstunden nehmen und dann auf einer der vielen Driving Ranges in und um Berlin abschlagen üben. Und chippen. Und putten. Und zwar ohne Ende, bis es sitzt. Klingt doch logisch, oder?

Also habe ich mir dieses Buch ausgesucht. Hatte gute Rezensionen, der Klappentext klang interessant, Amazon.de verschickte ohne Versandkosten, also warum nicht?

Wie immer, bleibt eine Frage offen: Was üben die beiden Süßen da auf dem Titelbild?

Wer fummelt hier an wessen Stange rum?

02.08.04

Pssssst...

... over here. Come and see yourself. I did it again! I posted something truly remarkable regarding baseball statistics over there at Mikes Baseball Rants.

Yup! I´m so cool. Anytime soon, I´m going to strike it rich, baby! Yes, yes, yes.

Do you want to know what it was all about?

I decided to rank the teams of the two professional leagues. So I took their rankings in some offensive and pitching statistical categories, weighed them with the correlation that particular statistics has to winning percentages (as was before researched by good ol´ Mike himself) and added those together for a final ranking in offensive or pitching categories. This was then put together to get an overall ranking. And then I stopped. Since I basically decided which statistics to rank and which not, it was no real scientific work anyway.

It proved though, what we all knew: The Indians have reversed from last year. They now have an outstanding offense, but they couldn´t keep their pitching together. And it proved something else, which we should make sure to let Mike know when the Phillies fire their manager Larry Bowa and replace him with Mike himself:

Their offense, standing on the shoulders of a giant formerly employed by the Indians, is great. Yet their pitching is lousy.

Kalter Kaffee?

Gerade die Leute maßen sich über die Vereinigten Staaten von Amerika negativste Urteile an, die sich mit dem Land am wenigsten auseinandersetzen. Ihre Abneigung beginnt häufig bei Vietnam, führt über Coca-Cola und Wrigleys Gum zum vermeintlich schlechten Schulsystem und endet in den meisten Fällen bei der politischen Hegemonialstellung, die sich der konsumfreudigste Binnenmarkt der Welt anmaßt.

Nicht selten wird dabei auch das der amerikanischen Justiz zugrunde liegende Geschworenensystem ins Lächerliche gezogen. Wegen des unterschiedlichen Ansatzes schwer vergleichbar mit dem in Deutschland angewandten Richter-Schöffen-System, scheint es doch auch einige Vorteile zu bieten. Hätte es die nicht, würde man dann dort drüben so unverfroren darauf bestehen?

Auch hierzulande sprechen Richter seltsame Urteile. Beispiele gefällig? Wie wäre es mit dem Fall Weimar? Oder einem grundsätzlichen Hinweis darauf, daß das Richter-Schöffen-System in Deutschland auch zu Zeiten der national- oder einheitssozialistischen Unterdrückungsysteme tadellos in der Lage war, regimefreundliche Fehlurteile am laufenden Band zu produzieren.

Gegen das Geschworenensystem wird häufig angeführt, es führe zu sinnlosen Geldstrafen gegen die Beklagten, von denen Kläger einseitig profitieren. Das hat aber nicht mit den Geschworenen zu tun, sondern mehr mit der grundsätzlich anderen Auffassung von Produkthaftung. Trotzdem, der Fall des heißen Kaffees auf dem Oberschenkel und den 2,9 Mio. $ Entschädigung erregte große Aufmerksamkeit und wird auch heute noch gerne als Beispiel für ein lächerliches Rechtssystem angeführt.

Doch wie sah das wirklich aus? Weil Befragungen von Kunden ergaben, daß gerne heißer Kaffee getrunken wird, servieren Angestellte des Fast-Food-Konzerns den Kaffee mit 85° Celsius, somit um mehr als 20° Celsius wärmer als in anderen Restaurants in Amerika. Die 81jährige Stella Liebeck kippt sich das Gebräu über Bauch und Oberschenkel, verbrüht sich diese schwer und verbringt sieben Tage im Krankenhaus. Als sie McDonalds um die Bezahlung ihrer Behandlungskosten und eines Schmerzensgeldes angeht, bietet man ihr 800 $ an.

Zu dieser Zeit waren bei McDonalds bereits mehr als 700 Fälle von Verbrennungen durch Kaffee registriert worden, ohne daß man darauf reagiert hätte. Alle diese Unfälle wurden außergerichtlich beigelegt. Allein, die Temperatur des Kaffees blieb dieselbe.

Letzten Endes kam die Jury zu dem Urteil, der Konzern müsse 2,9 Mio. $ Entschädigung zahlen. Diese Summe wurde vom Richter auf 480.000 $ reduziert, was übrigens eine normale Vorgehensweise bei solchen Verfahren ist. Anschliessend einigten sich die Parteien außergerichtlich auf Zahlung einer noch geringeren Summe, nahmen dafür aber von Berufungen Abschied.

Sieht das immer noch lächerlich aus? Geht es hier immer noch um unsinnige Summen? Wieviel Strafe hat jemand verdient, der nach über 700 Vorfällen nicht in der Lage ist, Gefahrenpotentialen zu begegnen? Ich würde sagen, reichlich. Eigentlich mehr, als letzten Endes gezahlt wurde.

Wem verdanken wir den Hinweis? Dem Röhrenden Hirsch, über den es auch ansonsten etwas zu sagen gibt. Aber dazu in Kürze mehr.

Irak überfällt Kuwait

Ein wichtiges Datum des Irakkonfliktes war heute vor 14 Jahren, als irakische Truppen das Nachbarland Kuwait überfielen und annektierten. Der Rest ist - zumindest den Fakten nach - bekannt.

Die UNO reagierte damals mit mehr als drei Monaten Verspätung und stellte am 29. November 1990 ein Ultimatum: Abzug bis zum 15. Januar oder Krieg. Weil Saddam Hussein das Datum ohne Reaktion verstreichen lässt, beginnt zwei Tage später die Operation Wüstensturm. Die einseitig verlaufende Mutter aller Schlachten endet am 28. Februar 1991 mit einer entscheidenden Niederlage für Saddam Hussein. Die alliierten Truppen bleiben jedoch an den Grenzen des Iraks stehen und schauen tatenlos zu, wie die Überbleibsel von Husseins Truppen inländische Aufstände niederkämpfen.

Nach ständigen Problemen bei der Umsetzung und Durchführung der Waffeninspektionen und Flugverbotszonen beginnen kurz nach dem 11. September 2001 die Vorbereitungen für einen erneuten Irakkrieg, der am 20. März 2003 beginnt. Keine sechs Wochen später ist er vorbei, im Irak bricht Anarchie aus. Der geflohene Diktator wird am 13. Dezember in einem Erdloch in Tikrit gefunden.

13 Jahre, 4 Monate und 11 Tage vor seiner Festnahme also, am 2. August 1990, nahm das alles seinen Anfang. Saddam wohnte da in einer Vielzahl von Palästen und war unangefochtener Diktator im eigenen Land.

Seinen eigentlichen Anfang nahm das Alles natürlich lange vorher. Im ersten Golfkrieg, einer rein arabischen Auseinandersetzung zwischen dem Irak und dem Iran, kamen mehr als eine Million Menschen ums Leben. Trotz der Unterstützung durch die Gegner des Kalten Krieges verschuldete sich der Irak so sehr, daß sich Saddam Hussein eben an jenem 2. August 1990 gezwungen sah, seine Hände nach den kuwaitischen Ölquellen auszustrecken.

Letzten Endes ist also der erste Golfkrieg zwischen Iran und Irak (1980-88) ein Produkt sowjetischer und amerikanischer Unterstützung gewesen. Ob Saddam Hussein ohne diese Unterstützung einen Feldzug gegen die schiitische Regierung des Irans gewagt hätte, ist unklar. Die Folge jedoch war letztendlich der zweite Golfkrieg von 1991. Der wiederum bereitete das Feld für den dritten Golfkrieg, der uns - und vor allem die Iraker - heute noch in Atem hält.

01.08.04

Suchbegriffe im Juli

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Interessant vor allem der letzte Suchbegriff, aber auch "arsch schmutz" gibt einem zu denken. Ob es da einen Zusammenhang gibt?