31.05.04

Welchen Wert hat eine Wählerstimme, Teil 1

Bei Michael Himsolt findet sich eine von Yahoo-News übernommene, durch die Bild am Sonntag aufgeworfene Kritik der Parteienfinanzierung. Den Parteien wird vorgeworfen, sich am Europawahlkampf zu bereichern. Die Parteien wollen sich auf diese Weise, so der Artikel, finanzielle Fettpölsterchen für die anstehende Kanzlerwahl im Jahre 2006 anlegen:

Union, SPD, Grüne, FDP und PDS wollen demnach für Plakate, Fernsehspots und Veranstaltungen im laufenden Wahlkampf zusammen 32 Millionen Euro ausgeben. Der Bund zahle ihnen dafür mindestens 120 Millionen Euro zurück [..] Dies [gelte] für den Fall, dass nur 50 Prozent der Bürger zur Wahl gehen. Wenn die Wahlbeteiligung stärker ausfalle, steige die Rendite weiter.

Nach dem Gesetz bekommen die Parteien für jede Stimme maximal 4,20 Euro. Bis zur nächsten Europawahl in fünf Jahren gibt es jährlich 85 Cent für jede der ersten vier Millionen Stimmen, 70 Cent für jede weitere Stimme. Die gleichen Summen werden für Landtags- und Bundestagswahlen ausgeschüttet.

Weil sich der Denkpass mit dem Thema Parteienfinanzierung bereits im Rahmen der Schätzung der jährlichen Einnahmen der CDU beschäftigt hat, werden wir an dieser Stelle einhaken. Wie funktioniert die Parteienfinanzierung in der Bundesrepublik und mit welchen Bundesfinanzmitteln können die Parteien jährlich rechnen? Und zu guter Letzt, stimmen die Aussagen von Yahoo-News und Bild am Sonntag, die Michael Himsolt wiedergibt?

Erster Anlaufpunkt ist hier die Webpräsenz des Bundestages. Im Rahmen der Informations- und Dokumentationspflicht berichtet der Bundestag auch über die Finanzierung der Parteien aufgrund des Achten Gesetzes zur Änderung des Parteiengesetzes vom 28. Juni 2002, veröffentlicht im Bundesgesetzblatt I S. 2268. In einer leicht verständlichen Zusammenfassung erklärt der Bundestag dem interessierten Leser Hintergründe und Ablauf der Finanzierung.

Die Parteien der Bundesrepublik erhielten lange Zeit Wahlkampfkostenerstattung auf Bundes- und Länderebene. 1992 wurde die Parteienfinanzierung neu geregelt, das neue Verfahren kam ab 1994 zur Anwendung. Es sieht eine allgemeine jährliche Finanzierung der Parteien zur Wahrnehmung der ihnen nach dem Grundgesetz obliegenden Pflichten vor, die anhand der Verwurzelung der Parteien in der Gesellschaft bestimmt wird. Der Grad der Verwurzelung wird anhand zweier Faktoren bestimmt:

• Erfolg der Parteien bei der letzten Europa- und Bundestagswahl und den letzten Landtagswahlen
• Umfang der Zuwendungen natürlicher Personen über Mitglieds- oder Mandatsträgerbeiträge oder Spenden

Um aber generell in den Genuß einer staatlichen Teilfinanzierung zu kommen, hat eine Partei nach dem endgültigen Wahlergebnis der letzten Europa- oder Bundestagswahl mindestens 0,5 Prozent der Wählerstimmen auf sich zu vereinigen oder bei einer Landtagswahl mindestens 1,0 Prozent der Stimmen. Dieser Wert wird sich ab Januar 2005 übrigens auf 5,0 Prozent erhöhen. Zusätzlich kann dann eine Partei aber auch zugelassen werden, wenn sie in drei Ländern 1,0 Prozent erreicht.

[Fortsetzung morgen]

Fussbroichs

Am Freitag abend, gegen dreiviertel Zehn, lief eine neunzigminütige Zusammenfassung des Flaggschiffes deutscher Doku-Soaps, der Fussbroichs. Die im Sommer 2002 eingestellte Sendung begeisterte ihre Anhänger durch den schonungslosen Blick hinter die Kulissen einer Kölner Arbeiterfamilie. 1979 gestartet, wanderten die Fussbroichs mit ihrer offen zur Schau gestellten Banalität einen scharfen Grat entlang und blieben dabei immer interessant: Die Familie wegzuschalten fiel schwer.

Dabei ist es gerade die Normalität und Beliebigkeit der Fussbroichs, die ihre Sendung so aus der deutschen Fernsehlandschaft abhebt. Wir Zuschauer möchten uns hüten, so zu sein wie Vater Fred, Mutter Annemie und Sohn Frank und erkennen uns doch ständig wieder. Bereits die erste Folge zeigt deutlich die Absurdität typischer westeuropäischer Verhältnisse. In den zutage tretenden Widersprüchen sind die Ursachen des späteren Scheiterns der Erziehung ihres Sohnes für die Außenstehenden leicht wahrnehmbar:

Es geht um den Alltag des damals zehnjährigen Frank in seinem Kinderzimmer. Auf etwa zehn Quadratmetern hat er alles, was die Spielzeug- und Unterhaltungsindustrie zu bieten hat. Während er mit Raketen, Schlümpfen und Carrera-Bahn spielt, singt er Schlager und Werbung im Fernsehen mit. Annemie und Fred sitzen nebenan vor ihrem Fernseher. Fred: "Dann kann er den schielenden Löwen gucken und ich die Sportschau." Gemeinsam mit den beiden Omas haben sie ihren Frank rundum ausgestattet. Annemie wünscht sich, dass aus ihm einmal "was Besseres" wird, er nicht wie bisher die Männer in der Familie in die Fabrik geht. "Irgendwie was Besonderes", meint sie, während Fred schon zufrieden wäre, wenn er wenigstens im Büro landete.
Damals fingen die Fussbroichs an, einer Kamera zu gestatten, ihr Leben aufzuzeichnen. Damit war sicherlich ein Gefühl der Auserwähltheit verbunden, das den Eltern Annemie und Fred geschmeichelt haben wird. Sie waren Doppelverdiener in einem aufstrebenden Land, das Medium Fernsehen war noch relativ jung und sie sollten im Mittelpunkt einer eigenen Sendung stehen. Das die schonungslose Offenheit der Kameralinse später in immer zunehmendem Grade Peinlichkeiten einfangen würde, hatte niemand bedacht. Da war Familie Fussbroich allerdings schon zu sehr dran gewöhnt, Medienstar zu sein - auch wenn nicht nur mit ihnen gelacht wurde, sondern immer öfter über sie.

An den ähnlichen verlaufenden, aber bislang gegensätzlich endenden Schicksalen von Fred und Frank Fussbroich lässt sich dann auch einiges über den Wandel der Gesellschaft erfahren. Vater und Sohn haben einen ähnlich begrenzten Geisteshorizont. Kann sich der Vater jedoch als Arbeiter ausreichend finanziellen Rückhalt schaffen, läuft die Karriere des Sohnes auf untertourigen Drehzahlen. Die Zeiten haben sich geändert: Wenig spezialisierte und ungebildete Arbeitskraft findet sich in Asien und Osteuropa genügend, gibt sich dort aber mit einem Fünftel des Lohnes zufrieden. Harte Arbeit zahlt sich auch heute aus, nur sind gute Ausbildung und lebenslange Fortbildung mittlerweile ein Muss. Im Falles des Sohnes zeigt sich denn auch, daß es ohne diese Zutaten immer schwerer wird, überhaupt einen Job zu behalten. Die Sendung wird hier zum Spiegel unserer Gesellschaft.

Und so bleibt zu sagen, daß die Naivität der Fussbroichs trotz allem ehrlicher Natur ist. Die Familie ist harmlos und somit letzten Endes sympathisch. Von den Ozzbournes kann man das nicht behaupten: Die sind peinlich, ekelerregend und arrogant. In der Summe ist diese Mischung sogar eindeutig gefährdend. Und das ist auch der Unterschied zwischen diesen eigentlich so ähnlichen Dokusoaps. Und auch der Grund, warum mir die Fussbroichs fehlen werden.

29.05.04

Feeling better

From Nick Hornby, About a Boy:

He didn´t want to sleep with [her], but he did want to make her to feel better, and he hadn´t realized that in order to make her feel better he had to act in exactly the same way as if he did want to sleep with her. He didn´t want to think about what that meant.
And I do not want to think about the implications either.

28.05.04

Lustspiel in 2 Akten

... und mit nur 2 Wörtern. (Na gut, drei).

1. Akt:

Vorhang auf.

    A: Ruth ruht!

    B: Ruht Ruth gut?

    A: Ruth ruht gut.

    B: Gut, Ruth ruht.

Vorhang. Spontaner Zwischenapplaus. Pause.

2. Akt:

Vorhang auf.

    A: Ruht Ruth?

    B: Gut ruht Ruth.

Vorhang. Frenetischster Applaus. Jubelchöre.

27.05.04

Money makes the world go ´round, Part II

Als Nachtrag zu diesem Diskussionsbeitrag sei darauf hingewiesen, daß die SPD zwar den schlechteren Ruf in Wirtschaftsfragen hat, aber offensichtlich besser haushalten kann. Zumindest was ihr eigenes Parteivermögen angeht, liegen die Sozialdemokraten mit mehr als 125 Mio. € weit vor der CDU und deren knapp 60 Mio. €.

Die jährlichen Einnahmen, deren Höhe sich bei der CDU nach meiner nur auf Mitgliedsbeiträgen und Einkünften aus dem Parteienfinanzierungsgesetz beruhenden Schätzung auf mehr als 150 Mio. € belaufen, werden zwar von der SPD übertroffen. Die hat etwa dieselben Einkünfte aus dem Parteienfinanzierungsgesetz, aber einiges mehr an Mitgliedern und zugleich die höchsten Mitgliedsbeiträge aller deutschen Parteien. Trotzdem scheint Rot mehr auf finanzielle Reserven zu achten als Schwarz.

Von Gelb (FDP) und deren 1,8 Mio. € Schulden ganz zu schweigen. Apropos, waren die Liberalen nicht mal die Partei des Mittelstandes? Seit es dem an den Kragen geht, hat anscheinend auch die FDP nichts mehr zu lachen.

Moskauer Ansichten

Die gewohnt kritische Beurteilung des Denkpasses die Reiseeindrücke von Moskau betreffend ist - das ist mir bewußt - überfällig. Wenn sich auch die Leserschar des vielleicht am schwersten zu ertragenden Blogs in überschaubaren Grenzen hält, so bin ich mir meiner Verpflichtung bewußt, solch kolossale Erlebnisse wie eine Geschäftsreise in das Herz des Russischen Reiches nicht unkommentiert vorüberziehen zu lassen. Denn überschaubare Grenzen hin und schwer zu ertragen her, die Leserschar gibt es nichtsdestotrotz, und sie besteht nicht nur aus Leuten die hier ungebeten von Google hereingeschleust werden, weil sie Uma Thurmans Arsch oder Angela Merkels Titten suchen (womit ich übrigens glänzend in der Lage war, unauffällig weitere Google-Ströme anzuzapfen). Aber zum eigentlichen Inhalt dieses Beitrags:

Moskau ist die Hauptstadt Russlands. Russland ist das größte Land der Erde und liegt auf zwei Kontinenten - Asien und Europa. Im Kern leitet sich alles Weitere aus diesen beiden Sätzen ab. Den Anspruch, den Moskau an sich und seine Bewohner stellt, kann man mit dem Titel Hauptstadt des größten Landes der Welt erklären. Die Arroganz und Unfreundlichkeit, mit denen Offizielle von der Klofrau über die Passkontrolleurin bis zum Polizisten die Menschen behandeln, steht im Zusammenhang mit dem Stolz und der Gewißheit, dem größten Reich der Erde zu dienen. Die Fremdartigkeit, die Unterschiede zu Mitteleuropa (die besonders auffallen, weil die Moskoviter selber sehr mitteleuropäisch aussehen), die die Stadt aufweist, erklären sich aus der Schnittstellenfunktion zwischen Asien und Europa. Und so weiter...

Die Stadt ist ein Schmelztiegel hunderter Völker. Das Fernsehprogramm im Hotel wies acht russische Sender, zwei französische, fünf deutsche, drei englische und einen japanischen Sender auf. In den Straßen begegnet man den vielen Völkern der ehemaligen Sowjetunion ebenso wie Westeuropäern und Asiaten. In einem Schmelztiegel findet sich aber nicht nur eine Vielfalt verschiedenster Zutaten, sondern manchmal auch einige ungewollte Nebenprodukte, kurz: Schmutz. Die Stadt präsentiert sich (außer rund um den Kreml) schmutzig und ungepflegt. Dabei ist es die Nähe von güldenem Glanz und abstoßendem Schmutz, die Westeuropäer überrascht. Keine drei Minuten Fußweg vom Hotel finden sich Ruinen und kaum begehbare Bürgersteige und gleich um die Ecke - ein hochmodernes, sündhaft teures, in Berlin unvorstellbares Appartmenthochhaus. Die Bebauung generell läßt eine ordnende Hand vermissen - hier wird gebaut, wie der Investor es für richtig hält.

Auf den Straßen sieht man so ungefähr alles, was drei, vier oder mehr Räder hat. Zweirädrige Fortbewegungsmittel sind eher selten, was zum großen Teil an der aggressiven und regelverletztenden Fahrweise der Moskoviter liegt. Die hat auch Einfluß auf fehlende Hunde im Stadtbild, die geringe Anzahl sichtbarer Kinder und das Nichtvorhandensein von Bäumen am Straßenrand. Beispiele für diese Aggressivität gefällig? Der Sinn von Ampeln, Einbahnstraßen, Fußgängerüberwegen oder Fahrstreifenbegrenzungen erschließt sich dem Betrachter nicht. Moskoviter Autofahrer folgen eigenen Regeln. Dafür sind die Staus unvergleichlich: Bei der Rückfahrt zum Flughafen benötigte die Hotellimousine für 500m etwa eine halbe Stunde. Wegen der Importe aus allen Himmelsrichtungen sind häufig auch Lenkräder auf der rechten Seite des Wagens zu sehen. Ansonsten sieht man alles: uralte Schrottkarren aus Zeiten des Kommunismus und blitzende Maybach-Nobelkarossen. Wegen der schlechten Straßen und des billigen Benzins sind riesige Geländewagen sehr beliebt. LKW sind seltsamerweise im Vergleich zu Deutschland eher selten. Tankstellen habe ich keine einzige gesehen, war aber meistens im unmittelbaren Innenstadtbereich unterwegs.

Hauptsächlich findet der Personentransport aber in der Metro statt. Die hat riesige Rolltreppen, fährt pünktlich alle neunzig Sekunden und funktioniert einwandfrei. Einige der Bahnhöfe sehen einzigartig aus und würden den Betrachter zum Verweilen und Erkundschaften einladen, wäre da nicht das ewige Gedränge und die schlechte Luft. Auch die Zeiten, die man zum Umsteigen benötigt, sind beachtlich. Denn Stationen, die auf dem Metroplan als übereinander liegend dargestellt sind, befinden sich in Wirklichkeit in mehr als fünfhundert Meter Entfernung.

An den Autobahnen finden sich riesige Werbeschildtürme, über den Straßen der Moskauer Innenstadt prangen Werbebanner und Leuchtreklamen. Werbung findet sich auch sonst überall: In der Metro (wo man auch beschallt wird), im größten Kaufhaus GUM und an jedem freien Quadratzentimeter Fassade. Der Eindruck verstärkt das Chaos der Bebauung. Wegen der Vielzahl der Werbung nimmt man das einzeln allerdings gar nicht wahr. Man sieht nur überall ein farbiges Schimmern. Hauptsächlich wird für Banken und Mobiltelefonie geworben.

Trotz der Vielzahl zahnmedizinischer Kliniken verwundert die Anzahl schlechter Zähne, die man zu sehen bekommt. Sie dürfte weltrekordverdächtig sein. Träger von Gold- oder anderen Metallzähnen, einst Kennzeichen Osteuropas, sterben mittlerweile im wahrsten Sinne des Wortes aus. Was auch auffällt: Chirurgen, die sich auf Fehlstellungen von Füßen spezialisieren, werden in Moskau steinreich. JEDE Moskauer Frau unter 40 Jahren trägt mindestens fünfzehn Zentimeter hohe Absätze. JEDE. Das fing am Zoll an, wo eine der Beamten ihren Minirock mit kniehohen High-Heel-Lederstiefeln komplettierte und setzt sich quer durch Moskau fort. Grund dafür ist offensichtlich die Hoffnung vieler junger Frauen, so entdeckt zu werden. Ansprechen hübscher Frauen auf der Straße mit anschließender Einladung zum Mittagessen seien durchaus normal, so russische Verwandte. Weiterführendes Abend- und Nachtprogramm sehr oft auch. In der Hotelbar saßen denn abends auch immer professionell aussehende Damen mittleren Alters, die von sich aus auf die anwesenden Westeuropäer zugingen.

Fazit: Es war aufregend. Berlin ist verglichen mit Moskau ein Dorf. Und ich bin Berliner und liebe meine Stadt. Moskau brodelt rund um die Uhr, man sieht viele haarsträubende und unglaubliche Dinge und spürt den Puls des Lebens. Hier bewegt sich etwas, hier ist Geld im Spiel. Letztendlich möchte man in Moskau aber nur Urlaub machen. Zum Kinder aufziehen bin ich dann gerne wieder zurück in Berlin.

Let the good times roll

From the great Hunter S. Thompsons second volume of the Gonzo Papers, Generation of Swine:

Maybe there is no heaven. Or maybe this is all pure gibberish - a product of the demented imagination of a lazy drunken hillbilly with a heart full of hate who has found out a way to live out there where the real winds blow - to sleep late, have fun, get wild, drink whiskey and drive fast on empty streets with nothing in mind except falling in love and not getting arrested...

Res ipsa loquitur. Let the good times roll.

26.05.04

Pyrrhus-Sieg?

Da freut sich die Politprominenz der Union ausgelassen über die erfolgreiche Bundespräsidentenwahl. Konnte man doch endlich Stärke beweisen - wenn auch mit denkbar knappem Ausgang - und den längst fälligen Machtwechsel einleiten, so die siegestrunkenen Aussagen der Führungsriege der Schwesterparteien. Jedoch könnte sich der knappe Sieg des Unionskandidaten Horst Köhler über Gesine Schwan für die CDU-Partei- und Fraktionsvorsitzende Angela Merkel nachträglich als Fallstrick erweisen. Denn die SPD, so hört man, denke darüber nach, Gesine Schwan ein politisches Amt zu verpassen.

Der Gedanke liegt nicht allzu fern, sie kurzerhand zur Kanzlerkandidatin zu küren. Bietet sie doch in ihrem Profil einige Punkte, die gerade im Kontrast zu Angela Merkel erheblich ins Gewicht fallen. Gesine Schwans akademischer Hintergrund wiegt den von Dr. Angela Merkel auf. Unzulänglichkeiten in Sachen Kompetenz wird man somit beiden nicht vorwerfen können. Ein weiteres Pfund einer Kanzlerkandidatur Angela Merkels ist ihre Vorreiterrolle: Sie wäre die erste Frau im Kanzleramt und zugleich die erste Ostdeutsche im machtvollsten politischen Amt der Bundesrepublik. Gesine Schwans Kandidatur würde eine wahlkampftaktische Erörterung des ersten Punktes überflüssig machen und schwächt den zweiten zugleich deutlich ab. Wegen der Niederlage bei der von parteitaktischen Vorgaben bestimmten Wahl zum Bundespräsidenten kann Gesine Schwan zudem auf hohe Sympathiewerte bei den Wählern setzen. Schlußendlich ist sie in der Politik gänzlich unverbraucht und unbelastet. Angela Merkel hingegen kann da so manche im Ungang mit den machthungrigen Ministerpräsidenten CDU-regierter Länder oder beim tagespolitischen Manövrieren im Fahrwasser der Regierungskoalition erlittene Blessur vorweisen.

Eine Kanzlerkandidatur Gesine Schwans würde somit handfeste Vorteile bieten, beraubt man doch Angela Merkel so aller ihrer Alleinstellungsmerkmale. Daß der Gedanke daran in den Kreisen der SPD nun erst wegen der von parteipolitischen Taktierereien bestimmten Wahl eines ansonsten überparteilich agierenden Bundespräsidenten entstehen kann, ist eben die Ironie des Ganzen. Dabei hätte die Wahl von Gesine Schwan am vergangenen Sonntag auch sonst im Interesse der Kanzlerkandidatin Angela Merkel gelegen: Welcher Wähler könnte einer Frau die Kanzlerschaft abstreiten, wenn der Republik eine Bundespräsidentin vorsitzt? Der 23. Mai, von der Opposition als erstes Zeichen des Machtwechsel verkündet, könnte somit dereinst als der Punkt in der Zeit betrachtet werden, an dem die Welle ihren höchsten Punkt erreichte - und zurück schwappte.

25.05.04

Angriff der Kamelspinnen

Wie der Spiegel berichtet, birgt der Irak für amerikanische Soldaten weit mehr Gefahren als nur Menschen mit Sprengstoffgürteln, Autobomben und Hochzeitsgesellschaften. Da wäre zum Beispiel die gefürchtete Kamelspinne. Ob das vom Spiegel auch in Vergrößerung bereitgestellte Foto echt ist, kann zwar nicht bestätigt werden, trotzdem werden die Biester recht groß und sind auch sonst sehr munter. Und sie fressen auch keine Kamele, sondern dem Foto nach sich selber und sollten deswegen eigentlich Sichselber(fressende)spinne heissen.

Trotzdem ist das Unbehagen nachvollziehbar, das ein amerikanischer Soldat spürt, sobald sich ein handtellergroßes Insekt in seinem Schlafsack regt. Was hilft da außer roher Gewalt? Nun, Soldaten ohne Maschinengewehre und Jagdbomberunterstützung könnten ja mal diese Überlebensstrategie ausprobieren:

• dem Spinnenmonster Bagel zuwerfen
• dem Biest Stromschläge zufügen
• abwarten, bis Spinne auf menschliche Größe mutiert
• nach längerem Kampf Freundschaft schließen mit amerikanischem Happy Cola-Drink
• fröhlich-zufriedene Riesen-Mutanten-Spinne überrumpeln und durch Air-Force-Machete mit brachialer Präzision von Nervenzentrum befreien

Solcherart gesammelte Trophäen machen sich denn auch ganz gut im Rucksack des siegreich heimkehrenden Irakbefreiers.

Verletzungspech

Es wäre besser gewesen, so Sammy Sosa, er hätte sich dabei verletzt, einen Ball bis zur Spielfeldbegrenzung zu verfolgen oder mit jemandem eine Prügelei zu starten. Stattdessen hat sich der Rightfielder der Chicago Cubs den Rücken beim Niesen verrenkt. Das haben vor ihm schon Juan Gonzalez 2003, Marc Valdes 1995, Russ Springer 1997 und Goose Gossage 1985 geschafft. Aber außergewöhnlich klingt es schon. Baseballspieler können sich aber auch anders verletzen:

• Wade Boggs hat Mitte der 80er Jahre beim Versuch, seine Cowboystiefel auszuziehen, die Balance verloren und sich anschließend den Rücken gezerrt
• Sammy Sosa konnte an einem All-Star-Spiel nicht teilnehmen, weil er seine Schulter nicht bewegen konnte. Dies als Folge einer ungewöhnlichen Schlafstellung, bei der Sosa auf seinem Arm lag.
• Schlechte Kissenpositionierung verschaffte J.D. Drew einen steifen Hals.
• Randy Veres konnte wegen fehlenden Schlafes nicht spielen. Um Zimmernachbarn im Hotel auf ihren störenden Lärm hinzuweisen, schlug er gegen ein Regal und verletzte sich dabei schwer.
• Jose Cardenal konnte wegen Erschöpfung nicht spielen. Er hatte im Hotel zuviel Crickets gespielt.
• Glenallen Hill verletzte sich auf der schlafwandlerischen Flucht vor einem Spinnentraum. Er wurde von seiner Frau im Wohnzimmer seines Hauses mit blutigen Knien und Ellenbogen gefunden.
• David Wells fiel beim Versuch, einen schweren Metallstuhl umzutreten, hin. Weil er dabei zu allem Überfluß ein Glas hielt, schnitt er sich zusätzlich Hand und Unterarm auf.
• George Brett brach sich eine Zehe beim Versuch, seinen Freund und Teamkameraden Bill Buckner im Fernsehen zu sehen
• Bob Stanley zerschnitt sich seine Wurfhand, als er mit dem Hausmüll in der Hand die Treppen hinunter stolperte
• Mike Mathany zerschnitt sich die Hand selber beim Öffnen eines Geburtagsgeschenkes
• Greg Minton schlug sich einen Nagel durch die Wurfhand, als er ein Pferd behufen wollte
• Adam Eaton stach sich in den eigenen Bauch beim Versuch, eine DVD-Packung zu öffnen
• Paul Shuey schlief mit seiner Tochter auf dem Arm ein, kippte um und bekam ein Blutgerinsel in der Schulter seines Wurfarms
• Brian Jordan und Don Aase verrenkten ihre jeweiligen Rücken, als sie ihre Kinder aus dem Karrussel hoben
• Ruben Sierra verstauchte sich die Hüfte, als er sein Kind auf einer Rolltreppe verfolgte
• Mario Valdez Karriere als professioneller Baseballspieler endete, als er sich beim Aussteigen aus dem Teambus das Knie verdrehte
• Brett Barbarie wusch sich nach dem Zubereiten einer Chilisauce für die Nachos nicht sorgfältig genug die Hände. Als er seine Kontaktlinsen wieder einsetzen wollte, gelangte Chili auf seine Netzhaut.
• Steve Sparks wollte zwei Männer nachahmen, die eine Woche zuvor bei einer Präsentation Telefonbücher mit ihren Händen zerrissen. Er kugelte sich die Schulter seines Wurfarms aus.

Was Fernsehen mit den Menschen macht

Ein Zitat von Günther Jauch:

Fernsehen macht kluge Menschen klüger und dumme Menschen dümmer.
Weil es aber mit Sicherheit mehr dumme als kluge Menschen gibt, ist der Einfluß des Fernsehens in der Summe als schädlich, weil mehrheitlich verdummend anzusehen. q.e.d.

-UPDATE-
Der Michael fragt nach, wo Günther Jauch dieses Zitat getätigt haben will. Ich habe es im TKK-Magazin gefunden, eine Quellenangabe gibt es dort nicht. Eine kleine Google-ei ergibt seltsamerweise eine Vielzahl möglicher Zitat-Urheber:

• CSU-Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium des Innern Hermann Regensburger
• Hertha Sturm
• Marcel Reich-Ranitzky
• Günther Jauch

Die Zuordnung zu Jauch war also nicht verkehrt, wenn gleich die Chancen hoch sind, daß Jauch nur ein fremdes Zitat wiedergab.

24.05.04

Namenspate

An der Kreuzung Vozdvizhenka und Mokhovaya ulitza, keine fünf Minuten Fußweg vom Kremlin entfernt, befindet sich Russlands größte Bibliothek. Über einem Fenster des imposanten Baus der Leninbibliothek findet sich eine Denktafel für den Namenspaten des gegenwärtigen Moskauer Gesellschaftssystems:

darwin.jpg

Es handelt sich um Sozialdarwinismus in seiner reinsten Form. Das Leben in Moskaus Innenstadt, dem Bereich innerhalb des Gardenrings, bevorzugt junge, schöne Frauen und starke, rücksichtslose Männer. Für Alte, Kranke oder auch nur durchschnittlich aussehende Menschen bietet die Leiter des Erfolges wenig Platz, für Menschen mit Gewissen gleich gar keinen.

There had to be a difference

From Nick Hornby, About a boy:

He wondered whether all truants started like that, whether there was always a Mrs. Morrison moment that made them blow their top and leave. He supposed there had to be. He´d always presumed that truants were different sort of people entirely, not like him at all, that they´d been born truants, sort of thing, but he was obviously wrong. In May, before they moved to London, when he was in his last term at his old school, he wasn´t a truant kind of person in any way whatsoever. He turned up at school, listened to what people said, did his homework, took part. But six months later that had all changed, bit by bit. It was probably like that for tramps, too, he realized. They walked out of their house one evening and thought, I´ll sleep in this shop doorway tonight, and when you´d done it once, something changed in you, and you became a tramp, rather than someone who didn´t have anywhere to sleep for one night. And the same with criminals! And drug addicts! And ... He decided to stop thinking about it all then. If he carried on, walking out of Mrs. Morrison´s office might begin to look like the moment his whole life changed, and he wasn´t sure he was ready for that. He wasn´t someone who wanted to become a truant or a tramp or a murderer or a drug addict. He was just someone who was fed up with Mrs. Morrison. There had to be a difference.

23.05.04

Ein Mann des Volkes?

"Frau sein allein ist kein Argument", so Thüringens Wissenschaftsministerin Dagmar Schipanski und CDU-Bundestagsabgeordnete Hildegard Müller zur anstehenden Wahl des Bundespräsidenten. Nachdrücklich weisen sie daher darauf hin, daß Horst Köhler der aus heutiger Sicht bessere Kandidat sei.

Kabel1 hat derweil auf seinem Videotext (Link folgen, links oben auf Kabel1 Teletext klicken, dort 125 eingeben und aufrufen) eine Umfrage laufen, bei der Gesine Schwan in der Gunst der Teilnehmer vor Horst Köhler rangiert. Der zugegebenermaßen nur hauchdünne Vorsprung wird ihr allerdings wenig nützen. Denn Bundespräsidenten werden auf der Bundesversammlung gewählt - und die hält sich strikt an die Wahlergebnisse, die die Parteien in Bund und Ländern erzielt haben.

Die Wahl des Bundespräsidenten (oder der Bundespräsidentin) ist demnach eine rückbezogene Parteienwahl. Inwieweit der Bundespräsident dann überparteilich agiert, bleibt allerdings unbeantwortet.

22.05.04

I´m back

Geschafft! Zurück im Land der Verlässlichkeit. Vielleicht auch der organisierten Langeweile. Aber: Schuster, bleib bei Deinen Leisten!

20.05.04

Überflüssiges

So, so. Der spanische Kronprinz beabsichtigt, demnächst eine bürgerliche Frau zu trauen. Das war heute morgen sogar dem ZDF einen Bericht wert (obwohl es das Satellitenprogramm im Hotel hier in Moskau war, denn um diese Zeit kommt eigentlich Morgenfernsehen) und findet sich auch in allen einschlägigen Zeitungen und Magazinen.

Jedenfalls wird hier mit einer Vehemenz über die Hochzeit eines Monarchen berichtet, der sich in meinen Augen durch nichts von der Masse der Menschen, die diesen Planeten bewohnen, hervorhebt. Es geht weiter: Ich habe mehr Respekt vor dem geistigen Vater eines intelligent durchgeführten Bankraubs als vor einem durch seine Geburt zu Ansehen, Reichtum und Macht gekommenen Berufssohn.

Und obwohl der einge gejagt und der andere gefeiert wird, haben Bankräuber und Thronfolger eines gemeinsam: Sie sind auf unrechtmässige Weise zu Geld gekommen. Mit anderen Worten - Diebe.

16.05.04

Rumsfelds wirkliches Problem

Wie das Magazin New Yorker schreibt, liegt ein großer Teil der Verantwortung für den Folterskandal im Irak bei US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld persönlich. Der habe, so das Magazin, die mit der Bewachung und Befragung der Gefangenen beauftragten Militär- und Geheimdiensteinheiten ermutigt, physische Gewalt und sexuelle Demütigungen zur Informationsgewinnung einzusetzen. Die angewandten Methoden seien Teil einer seit Oktober 2001 verfolgten Strategie, die Kontrolle über paramilitärische Operationen dem CIA zu entreißen, der nach Ansicht Rumsfelds zu viele Skrupel beim Kampf gegen den Terrorismus zeige. Das Pentagon versucht den Schaden zu begrenzen und wies die Vorwürfe des Magazins als fehlerhaft und aus den Wolken gegriffen zurück.

Das Problem beschränkt sich aber mittlerweile nicht darauf, ob New Yorker-Reporter Seymour M. Hersh oder das Pentagon Recht haben. Das wird in überzeugender Weise kaum geklärt werden, und wenn doch, dann zumindest nicht vor den Augen der Weltöffentlichkeit. Die wird sich ihren Teil denken.

Und genau da liegt das wirkliche Problem. Wir sehen Donald Rumsfeld seit mehreren Jahren auf der Leinwand, wir hören ihn reden und können die Auswirkungen seiner Politik aufs Allergenaueste verfolgen - und wir würden sie spüren, wenn wir in den entsprechenden Teilen der Welt lebten. Wir haben erlebt, welche Unregelmäßigkeiten bei der Wahl von George W. Bush auftraten und mit welcher Hartnäckigkeit Bush und Rumsfeld vor dem Irakkrieg die Mittel und Möglichkeiten der UNO außer Acht ließen. Wir konnten sehen, wie man die Gefangenen in Guantanamo Bay behandelt und auch, daß man die eigenen Soldaten vor dem Internationalen Gerichtshof mit zweierlei Maß beurteilt wissen möchte. Die Weltöffentlichkeit saß zuvor in der ersten Reihe bei der Berichterstattung aus dem Krieg in Afghanistan und den nachfolgenden Ereignissen.

Und das Problem der amerikanischen Regierung ist, daß wir es ihr nach all dem bisher Erlebten durchaus zutrauen, Befehle zur Folter erteilt zu haben. Der Schaden ist demzufolge bereits eingetreten.

15.05.04

Moskau

Nur am Rande sei darauf hingewiesen, daß die geistige Onanie des Denkpasses in der nächsten Woche allerhöchsten sporadisch auftreten wird. Zumindest, was das Bloggen angeht. Als personifizierter Denkpass werde ich mir den denkbar schlechtesten Einfluß auf die Menschen in meiner Umgebung kaum verkneifen können. Wer hätte das gedacht, he?

Grund ist jedenfalls ein Messe-Auftritt in Rußlands Hauptstadt, der wegen des erschwerten Internetzugangs, der seltsamen Tastaturen und generell einer ausgelassenen Vergnügungssucht meinerseits eine regelmäßige Beschäftigung mit den für den Denkpass üblichen Themen in Frage stellt. Glücklicherweise nur vorübergehend, und vielleicht auch nur zum Teil. Am Sonnabend sollte der Spuk vorbei sein und der Denkpass in der Lage, Euch allen wieder fröhlich in die Suppe zu spucken.

Na starowje!

Zeitliche Abfolge

Um den Dingen auf den Grund zu gehen, ist es oft notwendig, auch die Abfolge einzelner Ereignisse im Auge zu behalten. So greifen wir denn etwas zurück:

Amerikaner, Briten und ihre mittlerweile bröckelnde Koalition der Willigen suchen verstärkt nach Lösungen für den Irak-Konflikt. Der Denkpass weist nur ungern darauf hin, daß die Vielzahl der politischen Blogs in Amerika, England und Deutschland die Unlösbarkeit des Konfliktes zu einer Zeit vorhersagte, als keine mit menschlichen Kadavern gefüllten Plastesäcke die Notwendigkeit einer Lösung so deutlich unterstrichen. Und so bedeutet Lösung heute einzig und allein Schadensbegrenzung. Denn der Schaden übersteigt mittlerweile alle Vorstellungen und Vorhersagen. Die militärische Handlungsfähigkeit, das Ansehen und die Redlichkeit der gesamten westlichen Welt finden sich derzeit als Einsatz auf dem Tisch - oder sind bereits verspielt.

Grund der sich rapide zuspitzenden Thematik ist die Veröffentlichung menschenunwürdiger Bilder, seien es Folterungen im von amerikanischer Seite betriebenen Ex-Staatsgefängnis Saddam Husseins oder willkürliche Enthauptungen zufällig eingefangener Zivilisten. Der Druck, den diese Bilder auf die beteiligten Regierungen applizieren, nimmt jedenfalls stündlich zu. Das liegt aber auch daran, daß uns allen klar ist, daß diese Bilder uns nur die ekelerregende Spitze des Eisberges vorführen.

Die Lösung für die Amerikaner lautet dann auch, schnellstmöglich das Weite zu suchen. Ihnen geht es nur noch darum, das Gesicht zu wahren: Sollte die am 30. Juni zu wählende irakische Regierung es wünschen, so US-Außenminister Colin Powell am Rande eines Außenministertreffens der G8, so werden die Amerikaner ihre siegreichen Truppen abziehen. Schließlich ist bald Wahl, nicht? Die Liste von Kriegszielen, die Verteidigungsminister Donald Rumsfeld mal zusammenstellte, interessiert mittlerweile niemanden mehr. Wohl auch deshalb, weil man ja vom Geheimdienst so geschickt hinters Licht geführt werden wollte wurde und sich einige der aufgeführten Punkte eben als nie umsetzbar erwiesen.

Kommen wir also an dieser Stelle zur zeitlichen Abfolge zurück:

Zuerst sind also die erschütternden Bilder von Folterungen zu sehen, die amerikanische Soldaten an Irakern begehen. Als nächstes findet sich die Aussage, die Amerikaner wollen schon noch ein bisschen bleiben, aber wenn die neue irakische Regierung es wolle, so werde man sich eben aus dem Irak verdrücken. Es fällt sofort ins Auge, daß in beiden Sätzen die Amerikaner etwas mit den Irakern anstellen. Zufall oder gutes Timing?

Verleihen wir also Lenin etwas Menschliches, indem wir eines seiner Zitate so zitieren, wie es sicherlich im Original lautete:

Wer profitiert von der ganzen Scheiße?
Ganz klar: die Amerikaner. Und stünde ich im Irak zur Wahl, ich würde für den Fall der Fälle an meiner Rede arbeiten und den Amis danken. Und sie dann des Landes verweisen. Wer will schon gerne gefoltert werden?

13.05.04

Die Luft wird dünner

Eine Umfrage des Gallup-Institutes vom vergangenen Dienstag zeigt George W. Bush in ernsthaften Schwierigkeiten. In der Gunst wahrscheinlicher Wähler liegt er zwar immer noch hauchdünn vor dem Demokraten John Kerry, allerdings ist die Zustimmung des amerikanischen Volkes zu seiner Leistung als Präsident auf ein Rekordtief während der Bush-Administration gefallen. Erstmals ist die Zahl der Gegenstimmen größer als die der Befürworter von George W. Bushs Politik. Mit nur noch 46 Prozent hat die Zustimmung dann auch einen Wert erreicht, der signifikant für die Chancen einer Wiederwahl sein könnte. Denn alle fünf Präsidenten, die sich seit 1950 erfolgreich um eine Wiederwahl bemühten, konnten ihre Zustimmungswerte ab dem Februar des Wahljahres über 50 Prozent halten.

Grund für das schlechte Abschneiden Bushs sind die Bilder der Folterungen irakischer Gefangener, deren Ausstrahlung von mehr als vier Fünfteln der Amerikaner sehr genau verfolgt wurde. Die überwältigende Mehrheit der Amerikaner empfindet die Bilder als sehr störend und kann keine Umstände erkennen, die die Taten der Soldaten als entschuldbar darstellen können. Drei Viertel des amerikanischen Volkes erachten eine gerichtliche Bestrafung der Soldaten für notwendig. In diesem Zusammenhang sieht mehr als die Hälfte der Amerikaner die Soldaten als selbst verantwortlich für ihre Taten an und hält Verweise auf Befehle von oben für nicht schuldmindernd. Zur Verantwortung zu ziehen seien aber auch die Vorgesetzten vor Ort sowie die an den Verhören beteiligten Geheimdienstoffiziere, so die Meinung des Wählers.

Auch die Zustimmung für den Krieg selber sinkt zunehmend. Befragt, ob der Krieg die Strapazen wert war, antworten mittlerweile mehr Amerikaner mit Nein als mit Ja. Die Einsicht, daß der Krieg dann ein Fehler war, ist allerdings noch nicht so weit verbreitet. Die Zahl der Kriegsgegner steigt dennoch kontinuierlich an.

Piloten haben viel Sex

Auf der ILA 2004 findet der aufmerksame Beobachter genügend Mittel zur Steigerung der eigenen sexuellen Attraktivität. Bewiesen werden kann dies ganz einfach dadurch, daß eine auffallend hohe Anzahl äußerst gut aussehender Frauen in der Nähe von Männern gesehen werden, die sich beispielsweise so ein Spielzeug anschauen:

piper.jpg

Es handelt sich um eine Piper-Maschine und wahrscheinlich ist ein Teil der sexuellen Attraktionsfähigkeit mit der Intelligenz verknüpft, die erforderlich ist, um ein Cockpit wie das dieser Maschine zu beherrschen:

cockpitpiper.jpg

Ein anderer, wahrscheinlich viel wichtigerer Anteil der sexuellen Anziehungskraft, die Flugzeuge wie dieses ihrem Besitzer verleihen, ist sicherlich der Rückschluß auf die finanzielle Leistungsfähigkeit desselben. Immerhin kostet die Maschine so wie dargestellt knapp 280.000 $. Für ein kleines Würstchen wie mich natürlich viel zu viel. Aber deswegen auf Hilfsmittel zur Steigerung der sexuellen Aktivitäten verzichten? I wo.

Und darum habe ich mich auf die Suche nach einer vernünftigen, finanzierbaren Alternative gemacht. Hier ist sie:

kleinflugzeug.jpg

Ordinäres Lesevergnügen

Breakpoint 2004 ist die größte Veranstaltung der Demoszene weltweit. Demoszene, was ist das denn? Da treffen sich Leute, die kurze Programme schreiben, die grafisch und akustisch recht beeindruckend sind. Seinen Ursprung nahm das beim C64, und der wird heute noch als Plattform verwendet. Aber auch PCs, MACs und AMIGAs treten in den Kategorien Demo, 64k-Intro, 4k-Intro und vielen weiteren Kategorien an.

Wenn nun eine Reihe von Punkten zusammen treffen:

• man ist einer der Programmierer, die in einer der Kategorien gewinnen
• man wähl sich vor langer Zeit einen seltenen, aber einprägsamen Namen
• man gewinnt die c´t dafür, von dem Event zu berichten

dann schafft man es, in einer angesehenen deutschen Massenpublikation wie eben der c´t folgendes Wort zu veröffentlichen:

METALVOTZE

[Der Artikel bei c´t ist leider online nicht verlinkbar.]

12.05.04

Der Schlaf des Präsidenten

Nick Berg war ein junger Amerikaner aus einem Vorort von Philadelphia, der in den Irak zog, um Antennenmasten zu reparieren. Daß er dies auf eigene Faust tat, sollte letztendlich sein Schicksal besiegeln. Seine planmäßige Rückkehr von einem zweiten Trip ins Kriegsgebiet jedenfalls kam nicht zustande, weil irakische Polizisten und das amerikanische Militär ihn dreizehn Tage festhielten, um den Grund seines Aufenthaltes zu erfahren. Letztendlich wieder auf freiem Fuß, wurde er entführt und vor einiger Zeit enthauptet. Die Veröffentlichung des Videos dieser Enthauptung schockiert seit gestern die Weltöffentlichkeit.

Empörung gibt es aber nicht nur wegen des abscheulichen Todes, sondern auch wegen der auf dem Filmmaterial enthaltenen Aussage, man habe das Leben Nick Bergs den Amerikanern zum Austausch gegen Gefangene des Abu-Ghuraib-Gefängnisses angeboten. Dies sei aber abgelehnt worden. Beides streitet die amerikanische Regierung ab - findet aber zunehmend weniger Glauben und Vertrauen in die eigene Politik.

"Sie haben ihn wie ein Tier umgebracht", hat Bergs Freund Don Lagrotteria am Nachmittag gesagt. "Ich hoffe, Präsident Bush zieht das in Betracht. Ich hoffe, er schläft diese Nacht gut."

Thirty seconds flat

A quote from Heat that is also used in the album Widescreen by rmb:

"You want to be making moves on the street, have no attachments, allow nothing to be in your life that you cannot walk out on in thirty seconds flat if you spot the heat around the corner."

Dicke, schwere Hämmer

Ein gebärfreudiges Becken, eine Wespentaille und darüber zwei monströse Apparate sind für Männer nicht allein als Vorlage für absurden Onaniertrieb interessant. Derart ausgeprägte Formen weisen auf handfeste Vorteile bei möglicher Paarung hin: Wie eine Studie der Universität Krakau zeigt, sind sie Anzeichen für erhöhte Hormonwerte der jeweiligen Frauen. Deren Werte für das weibliche Geschlechtshormon Östroradiol lagen im Mittel um 26 Prozent über denen anderer, nicht als ganz so attraktiv eingestufter Frauen. Damit einher geht eine zwei- bis dreimal so hohe Chance der erfolgreichen Befruchtung.

Allerdings, bei diesem Gedanken vergeht den meisten Vertretern des starken Geschlechtes wohl die plötzliche Wollust. Wackeln zwei so fruchtige Milchtüten an einem vorbei, denken die meisten doch an unverbindlichen Sex und nicht an einen Zwillingskinderwagen, oder?

10.05.04

Geheimdienst schuld?

Was gibt Jim da leichtfertig wieder?

Eine weitere beschuldigte US-Soldatin erhob schwere Vorwürfe gegen den Militärgeheimdienst. Sie habe im Gefängnis Abu Ghraib auf direkte Anweisung des Militärgeheimdienstes gehandelt, schrieb die Militärpolizistin Sabrina Harman der Zeitung "Washington Post" in E-Mails aus Bagdad. Die Gefangenen seien schon gefesselt und mit Kapuzen über den Kopf zur Militärpolizei gebracht worden, allein oder zu mehreren. "Die Aufgabe der Militärpolizei war es dann, sie wach zu halten, ihnen die Hölle zu bereiten, um sie zum Sprechen zu bringen", schildert Harman die Vorgänge.
So leichtfertig wollen wir es der Soldatin dann aber nicht gestatten, ihre Schuld auf den Geheimdienst abzuschieben. Der fungiert seit mehr als vierzig Jahren häufig eben dann als Schuldiger, wenn andere Erklärungen entweder zu umständlich sind oder aber dem eigenen Weltbild widersprechen. Aber kann er hier wirklich zur Klärung beitragen? Gehen wir den von Jim gewählten Textabschnitt der Reihe nach durch:

Gefangene zumindest für den Transport zu fesseln, ist weltweit gängige Praxis. Ihnen Kapuzen aufzusetzen, war bis vor Kurzem bei den amerikanischen Truppen im Irak üblich. Es mag der Verringerung der Fluchtgefahr, dem Ausschalten von aggressiven Angriffen gegen die Soldaten oder der Geheimhaltung der Gefangenenidentität vor der Öffentlichkeit gedient haben. Sinn und Verträglichkeit mit der Wahrung der Menschenwürde wollen wir hier mal außer Acht lassen, denn: Beide Vorwürfe sind nur schwer dem Geheimdienst vorzuwerfen, sondern eher als Polizeiroutine oder Weisung des Oberkommando der amerikanischen Truppen zu betrachten.

Der nächste Satz ist dann bezeichnend:

"Die Aufgabe der Militärpolizei war es dann, sie wach zu halten, ihnen die Hölle zu bereiten, um sie zum Sprechen zu bringen"
Und das hat sie dann äußerst einsatzfreudig und innovativ getan. Und hat sich bislang auch kein Indiz gefunden, daß sich da jemand von den eigentlich zur Bewachung eingesetzten Soldaten gegen diesen Auftrag gewehrt hat. Zumal er bislang auch nur von Leuten erwähnt wurde, die sich ganz plötzlich in bislang ungewohnter Verteidigung befinden.

Über die Fehler von Versagern wird nie geredet

Weil einige Zeitungsreporter des niedersten Postillenniveaus, aber auch ihre Kollegen der privaten Leichtkost-Television bemüht-eloquent darauf herumreiten, möchte der Denkpass nur in aller Kürze darauf hinweisen:

Vor solch folgeschweren Fehlern wie diesem, diesem oder jenem stehen jahrelange Arbeit und unglaubliche Erfolge.

Der Denkpass vermutet auch hinter den Namen dieser Journaille-isten Lebewesen, die intelligentem Zuspruch zugänglich sein können. Auch wenn sich ihre vor menschlichem Gewissen nur monetär vertretbaren Erfolge darauf beschränken, Lügen in DRUCKBUCHSTABEN zu formulieren, so daß auch der letzte Pisa-Versager sich angesprochen fühlt, müssen sich in den Redaktionen von Bild oder RTL doch allerletzte Spuren natürlicher Intelligenz nachweisen lassen. Diesen sei gesagt, daß Oliver Kahns Teilnahme an einem WM-Endspiel, einem Champions-League-Achtelfinale und dem Quasi-Endspiel um eine Deutsche Meisterschaft Ausdruck unvergleichlichen sportlichen Erfolgs wie Gegenstand millionenfachen Neides sind.

Wobei das letztere Phänomen besagten Individuen wahrscheinlich allzu bekannt sein dürfte. Anders läßt sich ihre Schadenfreude jedenfalls nicht erklären.

09.05.04

Mit den Augen eines Kampfpiloten

Eine Gesetzesvorlage hat in den USA die erste Hürde genommen, geltendes Recht zu werden. Sie sieht vor, Personen zu bestrafen, deren Kleidung zuwenig Körper bedeckt:

"I don't relish the idea of seeing the beginning of people's pubic hair," Westwego City Councilman Glenn Green told the House Criminal Justice Committee on Thursday.

"I don't relish seeing the beginning of the crease of people's buttocks. And I don't enjoy watching young men letting their sexual organs show through their red or black silk underwear," Green said.

Verstöße werden mit gemeinnütziger Arbeit oder bis 175 $ Geldstrafe geahndet. Die bislang nur von Republikanern unterstützte Gesetzesvorlage solle Exhibitionisten ebenso einen Riegel vorschieben wie einer sonst vielleicht nicht mehr aufzuhaltenden Versexualisierung der Gesellschaft, so die Argumente der Befürworter.

Eine Frage stellt sich dem Denkpass: Haben die Amerikaner alle so gute Augen wie Westwego City Councilman Glenn Green? Denn der sieht überall um sich herum nur Schamhaare, Arschbackenansätze und die sexuellen Organe junger Männer. Oder ist der gute Glenn Green vielleicht am Ende das Gegenstück eines Exhibitionisten - ein Voyeur? Ein Voyeur mit den Augen eines Kampfpiloten allerdings.

08.05.04

Kleines Quiz für angehende Justizministerinnen (und solche, die es sind)

Worum dreht sich folgende Aussage unserer amtierenden Justizministerin Brigitte Zypries:

[D]as, was man zum Eigengebrauch hat, [ist] nicht so strafwürdig [..], wenn es überhaupt strafwürdig ist, wie das, was man dealt.
a) um Drogen?
b) um Waffen?
c) um Kinderpornografie?

Man sollte es nicht glauben, aber unsere Bundesjustizministerin, deren Lebenslauf folgende Eckpunkte enthält:

• abgeschlossenes Studium der Rechtswissenschaften
• wissenschaftliche Mitarbeiterin Uni Gießen
• Referentin hessische Staatskanzlei
• Wissenschaftliche Mitarbeiterin des Bundesverfassungsgerichtes
• Referats- und Abteilungsleiterin der Niedersächsischen Staatskanzlei
• Staatssekretärin im Niedersächsischen Ministerium für Frauen, Arbeit und Soziales
• Staatssekretärin im Bundesministerium des Inneren

hat diese Aussage im Zusammenhang mit Kinderpornografie getätigt. Die richtige Antwort auf meine Frage wäre also c) gewesen. Die richtige Antwort auf die Frage, die Brigitte Zypries damals gestellt bekam, müsste meines Erachtens etwa so lauten:

[D]as, was man zum Eigengebrauch hat, [ist] genauso strafwürdig [..], wie das, was man dealt. Kinderpornografie ist das Widerwärtigste, was an psychischer Abnormität vorstellbar ist.
Aber ich bin halt nur Bauingenieur. Kein Jurist.

07.05.04

Yo mei!

Viel zu tun ... somit kommentarlos: Ein wunderschönes Wochenende!

06.05.04

Press Credentials for Bloggers

John Kerry und die Demokraten behandeln Blogger auf ihrer Democratic National Convention offiziell als Mitglieder der Presse:

The Democratic National Convention Committee is pleased to announce that for the first time ever, bloggers will be offered Convention access through the official media credentialing process.
Eine Anmeldung wäre zum Beispiel hier möglich.

[via Unqualified Offerings]

Destroyer of worlds

J. Robert Oppenheimer about the moments after he and his team tested the first nuclear bomb:

We knew the world would not be the same. A few people laughed, a few people cried, most people were silent. I remembered the line from the Hindu scripture, the Bhagavad-Gita. Vishnu is trying to persuade the Prince that he should do his duty and to impress him takes on his multi-armed form and says, “Now, I am become Death, the destroyer of worlds.” I suppose we all thought that one way or another.

Erfolgreiche Investitionen

Beim Lesen folgender Selbstzensur der Bundesregierung dürften sich neben Moe auch alle übrigen an deutschen Hochschulen Studierenden nachdenklich am Kopf kratzen:

Die Bundesregierung investiert erfolgreich in die Köpfe der Menschen.
Widerspricht diese Feststellung doch dem Alltag in der Bildungswüste Deutschland. Die Regierung des ehemaligen Außenhandelsweltmeisters, dessen Schüler im Pisatest ernüchternde intellektuelle Distanz zum Kreis der restlichen Industrienationen bewiesen, verneint nicht nur die eigene Verantwortung für dieses blamable Ergebnis - sondern gibt sich höchst zufrieden mit dem Erreichten! Man wühlt sich durch die Früchte vergangener Entscheidungen und weist auf einige nennenswerte Erfolge der Wirtschaft hin. Und dabei vergißt man so nebenbei den Blick nach vorn. So ist zwar die Zahl der Studierenden seit 1998 gestiegen und befindet sich damit auf dem höchsten Niveau in der Geschichte des Landes. Doch wird dieser Trend zumindest in Bundesländern mit erhöhten Studiengebühren einen Knick ertragen müssen.

Allerdings, zumindest rhetorisch krempelt man die Ärmel hoch: 4 Milliarden €, so die Bundesregierung, wolle man in den Ausbau der Ganztagsschulen investieren. Geld dafür solle die Streichung der Eigenheimzulage liefern, die angesichts der ausreichenden Wohnungsversorgung überflüssig geworden sei. Entsprechende Gesetzesvorlagen werden dem Bundestag in den nächsten Wochen vorgelegt. Opposition und Bauindustrie jedenfalls schlagen vor Freude über eine Streichung der Eigenheimzulage keine Purzelbäume. Es bleibt also abzuwarten, inwieweit die geplante Finanzierung des Ausbaus der Ganztagsschulen auf sicheren Füßen steht. Und was man dann als nächstes unternähme, um weiterhin erfolgreich in die Köpfe der Menschen zu investieren.

05.05.04

Unter den Linden 63-65

Rund um den Pariser Platz geben sich die repräsentativen Botschaftsgebäude der vier großen Mächte in der deutschen Nachkriegszeit ein Stelldichein. DIrekt auf dem Paiser Platz liegt die Französische Botschaft. Nicht weit davon entfernt, zwischen Brandenburger Tor und dem Denkmal für die ermordeten Juden haben die Amerikaner schon ein Gundstück erworben. Und gleich um die Ecke vom Hotel Adlon liegt die Britische Botschaft.

Und die Russen? Die sind ein ganz kleines Stück die Straße hinunter. Ein Blick in den bildschönen Innenhof der Russischen Botschaft in Berlin:

russemby.jpg

Für einen besseren Schnappschuß mit dem Taschentelefon blieb leider keine Zeit - ein Wachmann wies mich an, das Gebäude zu verlassen. Der Grund meines Besuches? Ich durfte die Visa abholen, die ich für die Präsentation unseres Unternehmens auf der Expoelectronica in Moskau benötige.

Gleichzeitige, endgültige Niederlage?

Für geraume Zeit von der Bildfläche verschwunden, hört man nun wieder etwas über Saddam Hussein. Seine Befragung zu Themen wie Massenvernichtungswaffen, Verbindungen zu terroristischen Netzwerken und irakischen Auslandsvermögen sei von den Besatzungsmächten abgeschlossen, so ein Mitglied des Provisorischen Regierungsrates. Man werde Hussein noch im Sommer diesen Jahres vor ein irakisches Gericht bringen. Hussein ist seit Dezember 2003 in Haft.

Der Zeitpunkt für den Prozeß ist sicherlich nicht ganz zufällig, liegt er doch genügend weit vor den amerikanischen Präsidentschaftswahlen, um ins Bewußtsein des amerikanischen Wählers zu sickern. Man wolle den Prozeß straffen und sich deswegen nur auf einige Hauptanklagepunkte konzentrieren, so das Mitglied des Provisorischen Regierungsrates weiter. Der Prozeß könnte sonst Jahre dauern, und damit wäre niemandem geholfen.

Am allerwenigsten George W. Bush. Der führt derzeit laut Gallup zwar mit etwa fünf Prozentpunkten vor seinem Konkurrenten John Kerry. Doch der scheint ihm in den Augen der Wähler bei der Kompetenz in Sachen Irak den Rang abzulaufen. Nur noch bei Terrorismusfragen hat George W. Bush uneingeschränktes Vertrauen bei der Wählerschaft. Ökonomische und den Irak betreffende Fragen dagegen sähe das amerikanische Volk lieber in den Händen des Demokraten Kerry.

Es wird also eng für George W. Bush - denn wo außerhalb der Themen Terrorismus und Irakkrieg konnte er den USA seinen Stempel aufdrücken? Nirgends. Und nur der Unfähigkeit seines Widersaches John Kerry, seinem eigenen Image Charakterschärfe und Redlichkeit zuzufügen, könnte es George W. Bush am Ende verdanken, nicht im selben Jahr die Macht zu verlieren, in dem sein Erzfeind Saddam Hussein aller Wahrscheinlichkeit nach gewaltsam den Kopf verlieren wird.

Beruf Blogger

Heiko Hebig hat erreicht, was dem Denkpass gern gelänge: das Bloggen mit dem Beruf zu verbinden. Nun liegen aber zwischen hebig.com und denkpass.de Welten, und das hat seine Gründe.

Da wäre zum einen die sprachliche Eleganz in Deutsch und Englisch, die Heiko in ungenierter Verspieltheit zum Tragen bringt. Der schwebenden Leichtigkeit seines Ausdrucks und der geradlinigen Zwangsläufigkeit seiner Gedankengänge kann ich häufig nur planbare Tollerei und zähen, in Algorithmen erstarrenden Fleiß entgegen setzen. Auch bei der Treffsicherheit in der Wahl seiner Worte zeigt Heiko ein sicheres Händchen, das sich bei mir nicht immer einstellen will. Ohne Zweifel: Heiko ist ein Virtuose - und ich der Handwerker.

Es wartet also ein hartes Stück Arbeit auf mich, will ich Ähnliches erreichen wie Heiko. So wie in Heikos Fall den verdienten Erfolg in Form von anerkennender Aufmerksamkeit genießen. Ein so intensives und befriedigendes Hobby wie Bloggen zum Beruf zu machen. So viel Zeit wie nur irgend möglich dem Bloggen widmen. Denn Bloggen macht Spaß. Bloggen macht uns zu anderen, zu lebensfrohen und aufgeschlossenen Menschen. Bloggen öffnet die Augen und schärft die Sinne. Bloggen ist einfach wunderbar.

Und deswegen gratuliere ich dem Heiko. Und bin zutiefst neidisch.

-UPDATE-
Um Verwirrung vorzubeugen: Heiko Hebig schreibt manchmal auch in Deutsch.

04.05.04

Tumber Kapitalismus

Ein Zitat von Gerhard Falkner:

Der Kapitalismus befreit sich von seinem schlechten Gewissen, indem er schlichtweg die Intelligenz verliert, die Einwände gegen sich zu begreifen.
[via Kulturnation]

Nützliche Helferchen

Hilfestellung beim Gestalten eines Layouts für die eigene Webseite findet der unerfahrene Webseitendesigner beim Layout-o-Matic. Die Ergebnisse funktionieren laut Aussage des Programmierers in eigentlich allen gängigen Browsern.

Dies zu überprüfen, übernimmt die Browsercam. Das Tool lädt nach Anmeldung eine URL, lässt den Anwender Betriebssystem und Browser auswählen und zeigt die Ergebnisse als Screenshot an.

Will man Templates überarbeiten und aufpeppen, könnte Lex-o-Matic hilfreich sein. Es handelt sich um ein PHP-Tool, das die Konfiguration eines Templates ohne HTML-Kenntnisse ermöglicht.

Benötigt man ein Rollover-Icon, hilft der Amazing Rolloverer. Rollovers sind Buttons, die ihre Farbe oder Erscheinung ändern, je nachdem, ob die Maus über sie gleitet oder klickt. Ein Beispiel gibt es hier.

Möchte jemand äußerst komfortabel Listen erstellen (z.B. für handerstellte Linklisten oder Navigationsmenüs), hilft der List-o-Matic. Das Tool liefert zum Abschluß fertigen HTML- und CSS-Code.

Will man schauen, wie andere Seiten aufgebaut sind, hilft vielleicht der Topographic Page Layouter. Das Tool zeigt die Vernestelung der Elemente an, indem es ihnen andere Farben zuweist.

[via WeblogToolsCollection]

Money makes the world go ´round

Die CDU feiert sich in dieser Pressemitteilung selbst. Die Zahl der Mitglieder der konservativen Volkspartei ist während der vergangenen Monate stark angestiegen, so die Aussage. Der wegen der Altersstruktur der Partei seit Herbst 2002 vorherrschende Trend sinkender Mitgliedszahlen konnte damit umgedreht werden. CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer tönt dazu gewohnt polemisch:

"Mehr und mehr Menschen wollen erfreulicherweise bei der CDU mitarbeiten. Das zeigt, dass die Bürgerinnen und Bürger eine andere Politik wollen als die dieser Bundesregierung."
Aber er hat Recht: Die SPD verlor im ersten Quartal 2004 mehr als 20.000 Mitglieder, soweit man den Angaben der erwähnten CDU-Pressemitteilung glauben darf. Liegen aber die Günde allein bei der Unzufriedenheit der Wähler mit der Bundesregierung? Oder spielt Näherliegendes eine Rolle? Handfeste finanzielle Interessen vielleicht? Versuchen wir mal, das herauszufinden.

Wie man aus dem Mitgliedsantrag der CDU entnehmen kann, verursachen die Bereitstellung von Informationen und die Teilnahme am politischen Willensbildungsprozeß Kosten. Diese werden zu einem erheblichen Teil über Mitgliedsbeiträge abgedeckt. Dieser ermittelt sich wie folgt:

Richtwerte zur Selbsteinschätzung der Beitragshöhe:
Bruttoeinkommen in € - mtl. Beitrag in €

  bis 1.000,00 - 5,00
  bis 1.500,00 - 5,00 bis 10,00
  bis 2.000,00 - 10,00 bis 15,00
  bis 2.500,00 - 15,00 bis 20,00
  bis 3.500,00 - 20,00 bis 35,00
  bis 5.000,00 - 35,00 bis 50,00
über 5.000,00 - 50,00 und mehr

Bei der SPD finden sich im Mitgliedsantrag folgende Richtwerte, diesmal bezogen auf das Nettoeinkommen:
Bei einem monatlichen Nettoeinkommen sind die monatlichen Mitgliedsbeiträge in €

           bis 1.000 € - 5 € bis 8 €
1.000 € bis 1.500 € - 8 € bis 25 €
1.500 € bis 2.000 € - 25 € bis 55 €
2.000 € bis 3.000 € - 55 € bis 135 €
3.000 € bis 4.100 € - 135 € bis 245 €
         über 4.100 € - 245 € und mehr

DIe FDP verlangt diese Beiträge:
Es ist ein monatlicher Mindestbeitrag nach folgender Staffel zu entrichten:

         bis 1.500 € - 6,00 €
1.501 bis 2.600 € - 8,00 €
2.601 bis 3.600 € - 12,00 €
3.601 bis 4.600 € - 18,00 €
      über 4.600 € - 24,00 €

Obwohl ja eigentlich als Mittelstands- und Wirtschaftspartei angesehen, ist der Unterschied zwischen Brutto und Netto für die Liberalen nicht so wichtig. WIr gehen mal davon aus, daß hier Brutto gemeint ist.

Die Grünen verlangen in ihrem Mitgliedsantrag pauschal ein Prozent des Nettoeinkommens.

Die PDS, die es als einzige der großen Parteien nicht geschafft hat, rechtzeitig ihre Domain einzurichten und auf eine Ausweichdomain umziehen mußte (es gibt nämlich diese Firma mit der einfachen Adresse), verzichtet ebenso wie die CSU auf öffentliche Angabe der Mitgliedsbeiträge.

Nehmen wir für eine Vergleichsrechnung also einfach mal ein Bruttogehalt von 3.000 € monatlich an. Dies entspricht unter durchschnittlichen Verhältnissen (alte BL, keine Kirche, Single - Steuerklasse I, gesetzliche KV 13,5 %) einem Nettogehalt von 1.767,11 €. Bei den verschiedenen Parteien fallen somit folgende Beiträge an:

   CDU - 27,50 €
   SPD - 40,00 €
   FDP - 12,00 €
Grüne - 17,67 €
Diese Werte gelten natürlich nur insofern die Mitglieder bei der freiwilligen Selbsteinschätzung ihres Einkommens ehrlich sind. Der Denkpass weist nur ungern darauf hin, aber wahrscheinlich ist die Selbsteinschätzung des Mitgliedsbeitrags die erste Lüge einer Politikerkarriere.

Trotzdem läßt sich eine Diskrepanz bei den Mitgliedsbeiträgen feststellen, die mit Sicherheit auch einen Einfluß auf die Anzahl der neuen Mitglieder hat. Sind in meinen Augen selbst die 12 • 12 = 144,00 € Jahresbeitrag für die FDP schwer zu schlucken, sind die 12 • 40 = 480,00 € für die SPD schon dreist. Die Sozialdemokraten scheinen ihre wahre Herkunft als Arbeiterpartei vergessen zu haben. Und der Unterschied zwischen CDU und SPD beträgt immerhin noch 13 € pro Monat. Genug, um Unterschiede zu erklären, aber nicht genug um auf der einen Seite 20.000 Mitglieder Schwund und auf der anderen Seiten 10.000 neue Mitglieder wegargumentieren zu können. Zumindest teilweise wird Laurent Meyer also recht haben.

Kommen wir zu einem anderen Punkt. Die CDU hat jetzt 587.338 Mitglieder, so die Pressemitteilung weiter. Bei einem durchschnittlichen Stundenlohn von 20,00 € und 1362 Stunden jährlicher Arbeitszeit ergibt sich ein durchschnittlicher jährlicher Bruttoverdienst von 27.240 € (s. dazu diesen Beitrag). Das ergibt ein Monatsbrutto von 2270 €. Sollte die CDU also über durchschnittliche Mitglieder verfügen, so ergibt das im Monat einen Beitrag von 17,50 €. Multipliziert mit der Mitgliederanzahl kann die CDU somit auf 17,50 € • 587.338 = 10.278.415 € im Monat verfügen. Im Jahr sind das dann 123.340.980 €. Dazu kommen noch die Zuschüsse aus dem Parteienfinanzierungsgesetz in Höhe von 43.896.706,42 € (soweit ich da keinen Fehler beim Ablesen gemacht habe). Zusammen sind das also 167.237.686,42 € im Jahr - in anderen Worten eine Sechstel-Milliarde €.

03.05.04

Dawn of the (Brain-)Dead

"Du bis´ also ooch so eener, der lieber die Rampe runter looft?", fragte er.

Es ging um die Kinderwagenrampe, die sich neben den Treppen zum S-Bahnhof hinunter wand und der sie den Vozug gegeben hatten.

"Ja.", antwortete der Zweite, "Det is´ jut um klar zu werden in ´ner Birne."

Er suchte nach Worten, seine Beweggründe klarer heraus zu stellen.

"Det sin´ so klare Formen...", er wies dabei auf eine höchst unansehnliche Betonkante knapp über ihren Köpfen, "... det wirkt so ... so ..."

"Jenau.", stimmte der erste ein und grinste verständnisvoll, "Jenau so wirkt det."

Sie stellten sich zwischen zwei kleine Häuschen. Es war kurz vor halb elf an diesem Sonntagabend und außer ihnen standen vielleicht ein Dutzend weitere Personen verteilt auf dem Bahnsteig herum und warteten auf ihre Bahn.

"Und? Mußte jetzt noch uff Arbeit? `N paar Kellnerinnen untern Rock grabschen ..."

"Joa. Bissl rumsitzen, een, zwee Dinger wegsaufen."

"Und dann schreien. Rrrrrichtig geil!"

"Jenau! Und denn kommen alle und labbern mich zu. Will ick aber ja nich´ hören."

"Wat machst De da?"

"Wat soll ick machen? Halt´s Maul und jeh´ arbeiten, sach ick."

"Cool.", zollte der Zweite Respekt, "Weeste, wat De denn tun musst, wenn De rinkommst?"

"Wat´n?"

"Du musst glei´ brüllen: WAT´N HIER LOS?", schlug der Zweite vor, "Ohne Namen nennen und anschauen. So kriecht jeder Angst und weeß nich´ ob er jemeint is´. UFF´N SONNTACHABEND SO´NE SCHEISSE, DA KOMMT MIR DIE WURST. Verstehste?"

"Und uff´n Montagabend, wat brüll´ ick da?"

"Na, et selbe. ICK WERD´ IRRE HIER, SO´NE SCHEISSE."

"Machste det ooch imma?"

"Na loogen. Tür knallen und sofort rumbrüllen."

Eine junge Frau lief den Bahnsteig entlang und näherte sich den beiden.

"Äähhh. ´N Zombie.", rief der eine entsetzt und lief hinter eins der Häuschen. Der andere schaute die junge Frau an, grunzte und folgte ihm.

"Und, wie fandst De den Film?"

"Naja, janz cool.", fing der Befragte an, "Janz schön straff erzählt."

Er machte eine Pause, weil plötzlich der verlängerte Rücken des anderen zu knarren anfing. Als der sich anschließend umdrehte und sah, daß keine fünf Meter weiter ein grauhaariger Mann vorwurfsvoll zu ihm rüberschaute, lachte er laut auf. Er hob ein Bein, streckte seinen Hintern ein ganz kleines bisschen in Richtung seines Ein-Mann-Publikums und ließ einen weiteren Knarrlaut ertönen.

"Cool, wa?"

"Yo, Alter, rrrrrichti´ cool. Jedenfalls hätten die doch ooch uff´n Meer treiben können und hätten dann Leichen-Schiff jetroffen."

"Wat für´n Schiff? Leichen-Schiff?"

"Na, weesst schon: Leichen-Schiff ... wie heest det? ... Schiff der ... Gespensterscheiße und so ... Ghost Ship! Und dann, wenn se da runter sin´, jehts weiter mit James Bond-Scheiße. Und dann jehst De pennen."

"Da jeh ick glei´ pennen."

"Neee. Warum denn?", reagierte der andere beleidigt, "Da landen die da so im Hafen und dann kriegen die Nachricht, bitte mitkommen oder wat, Ihre Majestät verläßt sich uff Sie."

Er dachte ein bisschen über die Story nach. Der Rücken des anderen knarrte zum wiederholten Male.

"Pass mal uff, so: Japan is´ voller Zombies und die wollen nu´ Beziehungen uffnehmen zur Welt. Uno und so. Volle Palette Beziehungen. Zombie-Nation nennen die sich.", fing er an, seine Plotvorstellungen zu erklären, "Und die wollen ooch ´n Team zur Fußball-WM schicken, sojar mit Maulkorb für ihre Spieler."

"Maulkorb is´ jut. Da sieht man gleich wie wichtig det denen is´."

"Jenau. Aber da is´ eener, der will die Macht an sich reißen. Verstehste? Und James Bond muß ran. Der will also die janze Macht an sich reißen und ... denn will er ... alle falsch informieren und ..."

"Und denn will er die alle abschlachten. Alle Zombies umbringen, ooch die lieben."

"Jenau. So´n richtijet Schwein."

Während sie kicherten, fuhr die S-Bahn ein.

"In der Scheißbahn sitzen mehr Zombies als in dem janzen Film.", stellte der erste fest.

"So ist det nu mal in ´ne Zone. Lauter Zombies."

"Tschö, Du Schwuppe.", sagten sie gleichzeitig, als sie sich die Hände schüttelten. Dann zeigten sie sich zum Abschied den Mittelfinger und grinsten.

Des Lebens müde

Aus Christa Wolf, Nachdenken über Christa T.:

Soviel ist sicher: Niemals kann man durch das, was man tut, so müde werden wie durch das, was man nicht tut oder nicht tun kann.

02.05.04

Mehr als drei Millionen

Laut dem Statistischen Landesamt Berlin wohnten im Oktober 2003 in der Bundeshauptstadt 3.393.295 Menschen, davon 1.653.375 Männchen und 1.739.920 Weibchen. Der Bezirk, in dem der eigentliche Lebensmittelpunkt des Denkpasses zu suchen ist, trägt den Namen Pankow und ist mit 348.315 Einwohnern (172.018 Männchen, 176.297 Weibchen) der bevölkerungsreichste der Stadt.

Davon sind insgesamt 441.404 melderechtlich registrierte Ausländer. Aufteilung:

• 122.000 Türken
• 32.000 Polen
• 8.000 Österreicher
• 10.000 Bosnier
• 5.000 Bulgaren
• 12.000 Kroaten
• 27.000 Serben
• 12.000 Russen
• 11.000 Amerikaner

Achja, und dann wären da noch 2.300 Rumänen, die seit letzten Mittwoch besonders stolz sind.

01.05.04

Die Suchbegriffe des Monats April

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