30.04.04

Es war von Anfang an unvermeidlich

Patrick hat darauf hingewiesen, Jim an dieser Stelle auch: Die Sache wächst den Amerikanern über den Kopf. Wer sich diese Bilder aus einem irakischen Gefängnis unter amerikanischer Kontrolle anschaut (Warnung!), versteht, warum Krieg niemals eine Option ist.

Denn das, was uns diese Fotos zeigen, ist im Krieg unvermeidlich.

Wahl-o-mat

Der Wahl-o-mat, ein bei der letzten Bundestagswahl anscheinend mehr als drei Millionen Mal eingesetztes Instrument zur Bestimmung der zu wählenden Partei, ist für die Europawahl am 13. Juni wieder online. Der Wahl-o-mat wird von der Bundeszentrale für Politische Bildung mit Informationen über die Positionen der relevanten Parteien zu dreißig Fragen gefüttert. Die Antworten des Nutzers werden mit diesen verglichen und Übereinstimmungen ermittelt. In meinem Falle sieht das so aus:

wahlomat.gif

Die Gesamtverteilung der so bisher erzielten Auskünfte im Wahl-o-mat sieht so aus:

wahlergeb.GIF

Die hierin enthaltene Aussage gibt leider nur über die Wahlpräferenzen der Websurfer Auskunft - nicht über die der deutschen Allgemeinheit. Am Rande bemerkt: Über die Unterschiede der Wählerzusammensetzung der einzelnen Parteien wird der Denkpass sich demnächst qualifiziert zu äußern versuchen. Warum versuchen? Na, nicht nur Michael ist ein ineffektiver Zeitmanager ...

Kriegsanfang

Der Text des Memorandums, das Verteidigungsminister Robert S. MacNamara am 16. März 1964 seinem Präsidenten, Lyndon B. Johnson, vorlegte, findet sich an dieser Stelle. Es sollte die Beteiligung amerikanischer Truppen am Vietnam-Konflikt auslösen.

Die Texte weiterer, ähnlicher Memoranden finden sich hier oder ausfühlicher an dieser Stelle.

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Drei Big Macs pro Tag

Eine Auflistung verschiedener Berufsgruppen, deren Entlohnung tarfilich auf unter 6,00 € die Stunde festgelegt wurde, listet dieser Artikel des Spiegels auf. Die Liste ist vom Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit auf Anfrage der CDU-Bundestagsfraktion erstellt worden. Insgesamt enthält die Liste mehr als 130 Berufsgruppen in diesem Niedrigstlohnsektor, davon allerdings in der Mehrzahl Tätigkeiten für ungelernte Minderjährige oder Berufsanfänger. Insgesamt werden 7,5 Prozent aller Erwerbstätigen, also ca. 2,8 Millionen Menschen, nach diesen Tarifen entlohnt. Beispiele:

Kaufmännischer Angestellter im Gartenbau (ohne Ausbildung) - 2,74 Euro - Sachsen Wachmann bei Objekten der Bundeswehr - 3,91 Euro - Sachsen-Anhalt Fahrkartenkontrolleur - 4,49 Euro - Thüringen

Der Artikel führt weiter an, daß seit 1970 der durchschnittliche Stundenlohn von 4 auf 20 € gestiegen und die durchschnittliche Jahresarbeitszeit von 1789 auf 1362 Stunden gesunken sei. Diese Entwicklung habe sich seit der Wiedervereinigung verlangsamt, seitdem sei für den weiteren Anstieg der Durchschnittslöhne hauptsächlich die Angleichung von Ost- und Westniveau verantwortlich und für den weiteren Rückgang der Jahresarbeitszeit vor allem die starke Ausweitung der Teilzeitbeschäftigung.

Errechnen wir einmal kurz den tariflich festgeschriebenen Jahresbruttolohn eines ungelernten Kaufmännischen Angestellten im Gartenbau im Bundesland Sachsen:

2,74 € • 1362 Stunden = 3731,88 € Brutto im Jahr

Das entspricht (ohne Abzüge, wohlgemerkt) etwa 10,20 € am Tag. Na, das sind doch immerhin drei Big Macs! Und wer ißt schon tagein, tagaus drei Big Macs, fragt sich der Denkpass?


29.04.04

Bum-Bum-Boris

Jochen fordert uns Männer auf, Boris neue Sendung zu sehen. Er befürchte ansonsten den Einbruch von Ange Engelke in die Männerdomäne Late-Night-Talk. Dem stimmt der Denkpass zu, versucht aber eigene Intelligenzansprüche mit dem Kampf um Männerdomänen dadurch zu verbinden, beide Sendungen NICHT anzuschauen.

Wer ist Boris überhaupt, daß wir uns seine durch die Schlichtheit der Gedankenführung so auffälligen Interviews anschauen sollen? Man schaue sich nur einmal Boris´ Bild in Jochens Eintrag genau an:

smalltalk.jpg

Was ist das da für ein seltsamer Fleck auf dem Hals? Etwa der Grund, weswegen der Eintrag drüben bei word2go auf ein fehlendes K(n)öpfchen verweist? Ein Schatten also?

Oder hat Boris früher zuviel geraucht? Hatte er Kehlkopfkrebs? Das würde immerhin den seltsamen Ton seiner Stimme erklären. Aber er war Spitzensportler und hat sich seinen Spitznamen Bum-Bum-Boris mit ´nem tollen Tennisarm schwer verdient. Geraucht haben kann in der Zeit höchstens seine Omme - wegen der vielen Interviews, die er da so geben mußte. Wegen der Anstrengung stehen ihm heute noch die Haare zu Berge. Also was anderes.

Ist das vielleicht so ein schwuchteliges Ganzlörper-Tattoo, obendrein in Rosa? Der Name Bum-Bum-Boris bekäme eine völlig neue Bedeutung. Ein Tennisarm käme da auch ganz handy, weil die Jungs in der Szene doch gerne richtig zur Sache gehen. Dies würde auch erklären, warum die russische Mutter seines letzten Kindes den Umweg über eine Windbestäubung gehen mußte - Bum-Bum is only for man. Laut Jochen der Late-Night-Talk übrigens auch.

A belt with two hundred pounds of gold in it

The guiding words for Michael Lewis´ Moneyball are from John Ruskin, Unto this last:

Lately in a wreck of a Californian ship, one of the passengers fastened a belt about him with two hundred pounds of gold in it, with which he was afterwards found at the bottom. Now, as he was sinking - had he the gold? or the gold him?

What a single asshole can do for you

This one is from Michael Lewis´ Moneyball:

Kelly Heath had had played second base in the Royals organization, and had exactly one major league at bat, in 1982, after the Royals regular second baseman, Frank White, decided in the middle of the game that his hemorhoids were bothering him. As one of the other scouts put it, Kelly was the only player in history whose entire big league career was made possible by a single asshole.

28.04.04

High School Abschlußball

Und so zieht man sich dafür an!

Fünfe gerade sein lassen

Der Tagesspiegel über die fehlenden Kinder in unseren Wohnzimmern:

Wer Kinder bekommt, kann gar nicht alles richtig machen. Kinder sind der Einbruch des Unberechenbaren in eine nicht mal halbwegs geordnete Welt. Kinder bedeuten Chaos, sind eine Zumutung, eine Überforderung, der Inbegriff der Unvernunft, das Ende jeglicher Perfektion. Wer Kinder bekommt, bekommt sie wider besseres Wissen und garantiert ohne Garantie. Vielleicht brauchen wir Deutschen also nicht mehr Kinderfreundlichkeit und eine „neue Kultur der Fürsorglichkeit“, wie Hans Bertram es nennt, sondern vor allem mehr Gelassenheit: den Mut, Fehler zu machen und fünf gerade sein zu lassen.

Alter Angriffstrick?

Hoffentlich lesen die Verantwortlichen unserer Regierung ab und zu mal was Klassisches. Oder welche Bedeutung hat dieses Trojanische Pferd auf dem Potsdamer Platz?

trojapferd.jpg

Zehn Jahre später ...

Heute vor genau zehn Jahren, am 28. April 1994, entschied das Bundesverfassungsgericht, Gelegenheitskiffer mit ein paar Gramm Haschisch im Besitz nicht mit einem Strafverfahren zu überziehen. Verfahren gegen Konsumenten haben deutlich nachgelassen, so ein Oberstaatsanwalt aus Frankfurt, die Denkanregung habe also Wirkung gezeigt. Was die Justizminister der einzelnen Länder bis heute nicht umgesetzt haben, ist eine deutschlandweit vereinheitlichte Regelung, die die Höchstmenge für den straffreien Besitz festlegt.

Die Werte in den einzelnen Bundesländern schwanken zwischen sechs und dreißig Gramm, mit einem eindeutigen Nord-Süd-Gefälle. So wird der Höchstwert in Schleswig-Holstein erreicht, während der Besitz von sechs Gramm Haschisch in Bayern und Baden-Württemberg toleriert wird. Offen ist auch, wann Anklage bei Wiederholungstätern erhoben wird und wie diese Fälle zu erfassen sind. Man scheue sich offensichtlich vor diesem Thema, weil eine Liberalisierung als Freigabe verstanden werden könne, so der Autor eines Kommentars zum Betäubungsmittelgesetz.

Man hat ja sonst eben nichts anderes zu fürchten:

Bereits 1996 lag der Pro-Kopf-Verbrauch an reinem Alkohol in Deutschland bei 11,5 Litern. Trotz einer in den 90er Jahren sinkenden Tendenz hatten wir damit zumindest in Europa den Spitzenplatz erreicht. Heute trinken die Deutschen etwa soviel wie 1997, wie der Drogenbericht auf Seite 59 hinweist. 11,5 Liter reiner Alkohol pro Kopf sind übrigens in mehr als 40 Flaschen 40%igem Schnaps enthalten, was durchschnittlich fast einer Flasche pro Woche entspricht. Da es auch Leute gibt, die keinen Alkohol trinken, zimmert sich ein großer Teil der deutschen Bevölkerung also weit mehr als zwei Flaschen Hochprozentiges pro Woche in die Birne. Mehr als 30 Gramm reinen Alkohol konsumieren nach Schätzungen etwa 5,5 Millionen Deutsche.

Diese Entwicklung gefährlichen Alkoholkonsums setzt sich bis heute fort, wie auch der Drogen- und Suchtbericht des Drogenbeauftragten der Bundesregierung besorgt feststellt. So stieg die Anzahl der wegen Alkoholvergiftungen behandelten Jugendlichen um 26 Prozent. Grund und Hauptangriffspunkt für Gegenmaßnahmen seien Alkopops, so der Bericht weiter. Die erreichen auch allerjüngste Konsumenten in nennenswerten Mengen. Doch die durch eine Sondersteuer geplante Verteuerung der süßen Alkoholika stößt auf zumindest juristisch berechtigten Widerstand der an diesen Getränken hervorragend verdienenden Spirituosenindustrie.

Was lernt man aus alldem? Wie immer beim Denkpass nicht viel. Eines aber sicher:

Nicht nachvollziehbare Verbote bringen mehr Ärger als sie vermeiden wollen.

Weitere Informationen zur rechtlichen Lage des Haschischkonsums findet der interessierte Leser auf dieser Seite. Zwölf entscheidende Gründe für eine Legalisierung, für die sich auch der Präsident der Berliner Ärztekammer ausspricht, gibt es hier. Lesenswert!

27.04.04

Warum Hundebesitzer keine Scheißhaufen wahrnehmen

Was Hundebesitzer wohl denken mögen, wenn sie ihre kleinen Lieblinge dabei beobachten, wie sie die Gegend vollscheißen? Der Denkpass entschuldigt sich im Voraus für die plakative Ausdrucksweise, doch Themen wie die ekelerregende Rücksichtslosigkeit der Hundebesitzer fordern eine angepaßte Sprache. Jedenfalls finden sich sechs mögliche Antworten:

• Ausblenden - Hundebesitzer nehmen die Tretminen nicht wahr. Dafür sammelt ihr Gehirn, überwältigt von Liebe und Zuneigung zu ihren behaarten Lebensabschnittsbegleitern, visuelle Informationen über die unmittelbare Umgebung eines Hundescheißhaufens, extrapoliert die Daten und gaukelt dem Bildverarbeitungs-Zentrum eine scheißefreie Umwelt vor. Die Verarbeitung des Datenstroms des Geruchssinnes wird ähnlich manipuliert. Die Frage bleibt, ob sich auch der Tastsinn austricksen läßt, sollte sich ein Hundebesitzer wider Erwarten knöcheltief in den Exkrementen seines Mitbewohners wiederfinden.

• Stolz - So wie Männer auf ihre spiegelblank polierten, tiefer gelegten und auffällig lackierten Schwänze oder ihre prallen, gut durchbluteten und ellenlangen Autos stolz sind ... ähhh ... so ähnlich jedenfalls könnte die Brust eines Hundebesitzers anschwellen, sobald sein Haustier eine markige Bombe mitten auf dem Gehweg platziert. Die Gründe für Stolz sind für Außenstehende eben oft nicht nachvollziehbar.

• Vermeintliche Normalität - Die Möglichkeit ist in Einzelfällen nicht auszuschließen, dass Erziehung und Lebensverhältnisse des Hundebesitzers die Existenz von Fäkalien im unmittelbaren Lebensbereich als normal erscheinen lassen. Eine Jugend in einem asozialen Elternhause, Scheiße unter, auf und neben Bett und Nachttisch, Kotze und Urin auf dem Fernsehsessel, vollgekackte Unterwäsche noch im Erwachsenenalter - ganz schnell verschiebt sich da die Toleranzschwelle in Richtung eines unbürokratisch vor sich hinscheißenden Haustieres.

• Autodidaktische Intoleranz - Zwischen der eigenen und fremden Absonderung von Exkrementen wird zuallererst einfach kein Unterschied wahrgenommen. Auch nicht in hygienischer Hinsicht. Das kann ganz einfach erklärt werden: Nur in einem durchschnittlich gepflegten Klobecken sticht ein brauner, turnschuhgroßer Kackklumpen ins Auge. Fällt aber im eigenen WC die Schranke hinsichtlich der hygienisch notwendigen Mindestmaßnahmen, lassen sich bis zu 1000 Gramm menschlichen Kots leicht übersehen. Und hat man diese Gefilde aus Dummheit erstmal zu Hause betreten, schert einen das Naserümpfen der Mitbürger auf der Straße längst nicht mehr.

• Absicht - Die Scheißneigung des eigenen Wolfsabkömmlings wird verwendet, um der Gesellschaft einen übelriechenden Denkzettel zu verpassen. Kackende Anarchie sozusagen. Ein Phänomen, das gerade unter Deutschen sehr oft vorkommt, ist fehlende Selbstkritik, die Fähigkeit, eigene Fehler einzugestehen. Es mag also Hundebesitzer geben, die die Schuld am Fehlstart ihres Lebens der Gesellschaft geben. Ihre Rache konzentriert sich folgerichtig auf die gleichmäßige Bescheißung der Gehwege unserer Gemeinden.

• Sexuelle Erregung - Es mag Fälle geben, in denen Hundebesitzerinnen der Bauch kribbelt und ihre Nippel hervorstehen und sie sich zwanghaft in den Schritt fassen, in denen Hundebesitzern ein unbeschreibliches, knüppelhartes, schmerzhaftes und saugeiles Prachtexemplar einer Dauererektion unterkommt, einfach und allein deshalb, weil sie Scheiße sehen. Was ist heute schon pervers? Eine sexuelle Affinität zu halbverdautem Rinderpansen etwa? I wo.

Und deswegen, liebe Hundebesitzer, weiter so. Haut die Tölen voll, bis ihnen die Därme platzen, auf daß sie unsere Innenstädte in Scheiße versinken lassen. Ihr werdet eure Gründe schon haben - dies ist immerhin eine Demokratie. Und das bedeutet nichts anderes, als daß jeder auf den anderen scheißen darf.

26.04.04

Von langer Hand geplant

Mit wieviel Bedacht Autoren die Namen für die Figuren ihrer Bücher wählen, ist manchmal schon bemerkenswert. Da schleppt Thomas Harris beispielsweise diesen unsympathischen, kleinkarierten Anstaltsleiter durch die beiden ersten Bücher der Hannibal-Lecter-Trilogie. Und der wahre Grund für die Wahl seines Nachnamens (Chilton) wird dem aufmerksamen Leser erst sehr spät so richtig klar. Eine kurze Erläuterung des Hintergrundes:

Das FBI ist sich klar darüber, im Entführungsfall der Senatorentochter nicht ohne Hilfe Hannibal Lecters auszukommen. Man ermittelt weiter in alle Richtungen, hält aber eine Konsultation Lecters durch Clarice Starling für unerläßlich. Diese bietet Lecter dafür zum Schein eine substantielle Verbesserung der Haftbedingungen. Die Gespräche will man vor dem Anstaltsleiter Chilton geheimhalten, da der für Bezahlung diese Informationen an Zeitungen verkaufen würde. Chilton ahnt etwas in der Art, und läßt das Gespräch zwischen Lecter und Starling abhören. Nachforschungen seinerseits ergeben, daß die Angebote Starlings zum Schein sind. Mit wirklichen Angeboten, die er mit Hilfe des Einflußes der Senatorin machen kann, will Chilton Lecter zur exklusiven Zusammenarbeit überreden. Dieser geht aus eigenen Gründen darauf ein (denn er hofft, dabei fliehen zu können) und gibt seinerseits als mutmaßlichen Namen des Entführers William Rubin - kurz Billy Rubin - an.

Soweit die Geschichte in der Geschichte. Kommen wir zum unterhaltsamen Teil. Als Lecter später wirkllich flieht, findet die Polizei in seiner Zelle eine in Anspielung auf den Namen des Anstaltsleiters leicht verdrehte chemische Formel:

C33H36I L T O6N4
Diese Formel (ohne I L T, und die Sauerstoff- und Stickstoffanteile an getauschten Plätzen), deren exakte Zusammensetzung man lange suchte, gehört zu einer chemischen Substanz, die ein Zersetzungsprodukt des Hämoglobins ist. Hämoglobin findet sich in roten Blutzellen und ist für den Sauerstofftransport im Organismus verantwortlich. Sterben die roten Blutzellen ab, reichern sich ihre Überreste in der Milz an. Bei der Aufarbeitung wird die erwähnte Chemikalie ins Blut abgegeben und anschließend von der Leber aufgenommen und dort um ein Molekül erweitert. Diese neue Chemikalie wird von der Galle aufgenommen, weiter in den Darm geleitet und letztendlich ausgeschieden. Die erwähnte Chemikalie ist verantwortlich für die Farbe unserer Exkremente - scheißbraun, was am Rande bemerkt der Haarfarbe des Anstaltsleiters Chilton entspricht.

Der Name der Chemikalie? Bilirubin. Alles klar?

Offizielle Statistiken

Eine Vielzahl interessanter und aktueller Statistiken stellt das Statistische Bundesamt seinen Bürgern zur Verfügung. Die Dienstaufsicht über das Statistische Bundesamt führt das Bundesministerium des Innern, das neben regulativen Aufgaben auch die Polizeiliche Kriminalstatistik aufstellt (diese kann über den Internetauftritt des BMI bezogen werden). Viele Daten können auch über das offizielle und gemeinsame statistische Portal von Bund und Ländern eingesehen werden.

Ein etwas dürftiges gesamteuropäisches Äquivalent findet sich hier. Die öffentlich zugänglichen Statistiken kann man zusammengefaßt an dieser Stelle einsehen. Mehr wäre über Bezahlung zu erhalten, dann auch in gedruckter Form.

Seek-e-book

Die laut Eigenwerbung größte und schnellste Datenbank über e-books wird auf dieser Seite aufgebaut. Die Unterteilung umfasst folgende Bereiche:

• Astronomie
• Unternehmen
• Biographisches
• Biologie
• Erotik
• Geschichte
• Gesundheit
• Humor
• Kinderbücher
• Kunst und Literatur
• Musik
• Technik und Physik
• Religion
• Romane - Science Fiction
• Romane - Restliche
• Sport
• Comics
• Seltene Sprachen

Die in der Datenbank enthaltenen e-books liegen in den Sprachen Deutsch, Englisch und Holländisch vor. Es werden Dateien in verschiedensten Formaten angeboten, auch spezielle e-book-Formate sind darunter.

-UPDATE-
Wie der Jens hinweist, ergeben selbst allerseltsamste Suchbegriffe mehr als 150 Einträge. Das führt dazu, daß man von der Suchmaske angeraten kriegt, den Suchbegriff weiter einzugrenzen. Ergebnisse werden aktuell nie angezeigt, was eigene Versuche bestätigt haben. Ist also anscheinend nutzlos (oder vorübergehend außer Betrieb!).

Jesus! Und diese Suchbegriffe für die Suchmaschinen-Bots erst! Einfach mal auf die Seite gehen, und in den Einstellungen unterschiedliche Farben für Text und Hintergrund einstellen - Voila! Schon sieht man eine Vielzahl von Begriffen, die dann eben die Suchmaschinen zum Linken auf diese Seite leiten. Übrigens: Jens hat Fluxkompensator gesucht. Ich habe Richard Nixon und Martin Luther King gesucht. Die Begriffe finden sich auch in diesen weiß auf weiß versteckten Bot-Appetizern. Die sehen auch sonst recht seltsam aus. Könnte es sein, daß ein Skript die Suchanfragen in die Seite einschreibt, um in Zukunft auch hier Suchmaschinen-Hits zu erlangen? Sozusagen inputgesteuert? Interessante Taktik...

Jedenfalls: Entschuldigung an alle Leser für diesen Sinnlos-Aufmerksamkeits-Schummel-Link.

25.04.04

Die Hannibal-Lecter-Trilogie

Was mich die beiden letzten Bücher der Hannibal-Lecter-Trilogie (The Silence of the Lambs und Hannibal) verschlingen ließ, waren die schnellen, filminspirierten Szenenwechsel, ein abwechslungsreicher, detailliert beschriebener Hintergrund, die zugrunde liegenden, aufrührenden Perversionen und die clever recherchierte und konstruierte Geschichte, die sich um das hochintelligente Katz-und-Maus-Spiel von Charakteren dreht, die trotz ihrer seelischen Abgründe lebhaftes Interesse und die Identifikation des Lesers wecken. Beide Bücher fesseln den Leser an die mit Druckerschwärze gefüllten Seiten und ziehen in eine Welt unvorstellbarer menschlicher Abgründe.

Diese Abgründe beschränken sich nicht allein auf die Seite der Täter. Wie Laurenz Volkmann in A terrible beauty is born feststellt, lassen

die kollabierenden staatlich-gesellschaftlichen Normen, Werte und ihre ausgehöhlten Funktionsträger [..] die Gesellschaft als pervers erscheinen, nicht den perversen Triebtäter.
Diese Bedrohlichkeit der Normalität des Romanuniversums wird am deutlichsten im dritten Teil (Hannibal), der sich von den vorhergehenden Teilen dadurch unterscheidet, daß der Fokus des Erzählers sich auf Hannibal Lecter einstellt. Wo er vorher nur eine wenn auch hochinteressante Statistenrolle einnahm, ist er nun zum Protagonisten gereift, der gezwungen wird, den Kampf gegen sein einziges überlebendes Opfer wieder aufzunehmen. Dieses Opfer, Mason Verger, ist das hervorragendste Beispiel eines ausgehöhlten Funktionsträger, ist er doch Vertreter der absoluten Oberschicht, der in seiner Vorliebe für die geistige und körperliche Beeinflussung Minderjähriger und der an seiner Schwester begangenen Inzucht den Kannibalismus eines Hannibal Lecters noch übertrifft und in seiner Inhaltsleere die anderen Funktionsträger wie Krendler, Chilton, Pearsall und sogar Crawford, der im ersten Teil der Trilogie Will Grahams Leben in Gefahr bringt und zerstört, stehen läßt.

Grund für den Wechsel der Perspektive ist sicherlich auch, daß es über den Charakter Hannibal Lecter in einer Nebenrolle nichts Neues oder Interessantes mehr zu erzählen gab. Interessant war ja immer nur seine Andersartigkeit - der Dämon in ihm war es, der uns zugleich abschreckte und anzog. Man kann aber nur zu einem gewissen Maße anders sein, der Rest des Hannibal Lecter blieb normal - und damit uninteressant. Harris wußte sich also nicht anders zu helfen, als Lecter zum Hauptdarsteller zu machen und ihn in die Rolle des Opfers zu drängen, indem eines seiner Opfer Rache plant. Das Opfer und sein Racheplan sind an Perversion nicht zu überbieten, schaffen Antipathie auf Seiten des damaligen Opfers und Sympathie auf Seiten des damaligen Täters. Sie bringen den Leser zur Identifikation mit Lecter, dessen Gedankenwelt, so Volkmann, als abnormale Obszönität und als Tabubruch stigmatisiert, nun als Teil des eigenen Selbst erkannt wird. Die Komplizenschaft reicht damit über Schadenfreude hinaus - der Leser wird durch seine Toleranz und Sympathie zum passiven Täter.

Die Darstellung von Schaurigkeiten in Harris Werken, so Volkmann, zerreiße den Schleier der uns umgebenden Unübersichtlichkeit, enthülle die enthumanisierenden Machtverhältnisse der Industriegesellschaft und gibt den Blick frei auf den sterbenden Körper - die letzte Authentizität unserer Zeit. Das sterbende Individuum verkörpert das (Über-)Leben der Masse und zeigt den Weg in die Zukunft. Zugleich ermöglicht diese Verbindung von Barbarei und Hochzivilisation dem Leser das seelische Abreagieren mit Hilfe nicht ausgelebter Phantasien, so Volkmann weiter, und das ist es, was uns unterschwellig so sehr gefällt an Büchern wie diesen. Der beispielsweise von Franz Kafka in Die Strafkolonie gesetzte Kontrapunkt von akkurater Schilderung der Taten zurmoralisch abstoßende[n] Brutalität und Unmenschlichkeit, die Kafka dort in unübertroffener Weise durch die Freude des Offiziers an der reibungslos arbeitenden Menschenentsaftungsmaschine demonstriert, wird in Harris Hannibal-Lecter-Trilogie durch das kaltblütige, gelassene und beinah humorvolle Vorgehen des Protagonisten ("I am ready if you are", sagt Hannibal kurz vor der Tötung eines Polizisten) bei seinen Untaten erreicht.

Am Ziel dieser Reise in die menschlichen - somit auch in meine - Abgründe angelangt, fand ich mich nicht ganz glücklich wieder. Der zweite Teil (Das Schweigen der Lämmer) ist der beste Teil der Trilogie. Was im ersten Teil nicht klappte, habe ich an dieser Stelle aufgezählt. Im dritten Teil mißfiel dieser Wandel der Sichtweise, der nicht nur dem Leser zugemutet wird, sondern auch den Protagonisten. Der Ausstieg Clarice Starlings aus dem FBI und der Gesellschaft, den sie mit ihrer Verbindung mit Hannibal Lecter vollzog, blieb nicht nachvollziehbar und unglaubwürdig. Verglichen mit den ersten beiden Teilen, bietet auch die Handlung weniger Spannung. Das Buch liest sich trotzdem flüssig. Wie alle Bücher von Thomas Harris, übrigens.

23.04.04

Voreingenommenheit

Lieber Oliver Hüttmann,

es gibt da einige Aussagen in Deinem tollen Bericht über Quentin Tarantinos neuesten Film, die so nicht wahr sind. Man kann ja verstehen, wie sehr es Dir am Herzen liegt, uns diesen Film näher zu bringen. Man spürt, wie der Film Dir gefallen hat. Wahrscheinlich bist Du obendrein in Tarantino und/oder Uma Thurman verliebt. Ich mache Dir keinen Vorwurf deswegen. Der Film ist sicherlich sehr gut (viele von Tarantinos Filmen sind das) und wen Du anbetest, ist Deine Sache. Was Du in Deiner vom Spiegel veröffentlichten Lobeshymne so zum Besten gibst, ist aber doch zu viel des Guten. Schauen wir mal genauer hin:

1. Du sagst: Der neue Film von Quentin Tarantino ist noch immer sein vierter Film. "Kill Bill". Das Werk, zwei Hälften.

Wie man hier sehen kann, gibt es keine einzelne Kategorie, in der man diesen Film als Nummer vier ansehen kann. Ob als Schauspieler, Regisseur, Produzent, Drehbuchschreiber oder Chamäleon (das ist die Bezeichnung für den Kurzauftritt einer Berühmtheit) - Quentin Tarantino war auf Grund seines berechtigten Erfolges weitaus fleißiger, als Du wahrhaben möchtest.

2. Deine Beschreibungen Uma Thurmans Schönheit betreffend sind voreingenommen. Auszüge: Tarantino zeigt dies ebenso in Nahaufnahmen wie Carradines zerfurchtes Gesicht und den makellosen Teint von Thurman. oder Und Uma Thurman ist nun eine Ikone des Kinos, die derzeit schönste Frau von Hollywood, deren anbetungswürdige Aura anscheinend nur Tarantino auf die Leinwand bannen kann.

Was ich zu Uma Thurman zu sagen habe, ist natürlich nur subjektiv. Es mag aber verdeutlichen, welche Meinung andere Personen über die nach Deinen Worten schönste Frau von Hollywood haben. Ich schrieb in diesem Beitrag über einen anderen Hollywood-Film (Paycheck, ein anderer Regisseur hat offensichtlich kläglich dabei versagt, ihre anbetungswürdige Aura auf die Leinwand zu bannen) folgendes über die liebe Uma, die sich selber als durchschnittlich bezeichnet:

Uma Thurman ist häßlich - riesige Nasenlöcher, Falten um die Augen, struppige Haare und ein buckliger Rücken fallen auch bei gutem Willen ins Auge. In meinen Augen noch nie wirklich hübsch - allenfalls interessant - ist sie so sehr gealtert, daß ich ihr eine Rolle als Frau, in die Männer wie Ben Affleck sich schlagartig verlieben, nicht abnehmen kann.
Lass es mich anders formulieren: Uma Thurman ist in meinen Augen die häßlichste Hauptdarstellerin Hollywoods aller Zeiten. Das Makabre daran ist, diesen Titel wird sie auf ewig behalten. Der Grund, fragst Du? Nun, sie war bisher die häßlichste Hauptdarstellerin aller Zeiten. Und daß sie es in Zukunft bleibt, dafür sorgt einzig und allein die Evolution, lieber Oliver. Die entwickelt Lebewesen nämlich bergauf statt bergab, um es bildlich auszudrücken. Und sollte der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika nicht völlig verzweifeln und militärische Menschenversuche erlauben, bei denen man Wildschweine mit Menschen kreuzt, dann wird die gute Uma ihren Titel nicht mehr abgeben können.

Na klar, auch in meinem Fall schlägt das Pendel zu weit aus. Sooooooo häßlich kann man gar nicht sein. Sooooooo schön, wie Du sie beschreibst, mit Sicherheit aber auch nicht. Was ist schön? Schönheit ist sicherlich eine subjektive Wahrnehmung. Aber die Milliardenindustrie Hollywood zieht die schönsten Frauen und Männer der Welt an. Dabei unterscheide ich der Einfachheit halber mal zwei Schönheitstypen. Der eine Frauentyp ist sexy in einem animalisch perfekten Sinne: einfachen Stammhirndenkern wie uns Männern läuft der Sabber aus den Mundwinkeln, der Schock fährt einem im wahren Sinn des Wortes in die Eier. Gemeint sind Frauen wie Hale Berry, Salma Hayek, Denise Richards, Liz Hurley, Natasha Henstridge oder Kristanna Loken. Der andere Typ sind Frauen, die trotz ihrer visuellen Reize unter dem Radar durchfliegen. Lieb-Schön, aber unsexy, wie beispielsweise Julia Roberts oder Julia Ormond. Und es gibt Frauen, die je nach Rolle zwischen beiden Typen wechseln, wie Natalie Portman oder Monica Belluci.

Der Punkt ist einfach der: Unter der schönsten Frau Hollywoods stelle ich mir etwas anderes als Uma Thurman vor. Ich stelle mir darunter eine Liebesgöttin vor, die extremste Verhaltensweisen bei allen Männern ihrer Umgebung hervorruft. Läuft sie außen an einer Kirche vorbei, tritt der Bischof während der Messe ein Loch ins Kirchenfenster, um eine bessere Sicht zu haben. Bringt sie Kaffee auf eine Aufsichtsratssitzung von General Motors, springen die Herren auf, reissen sich lautstark die Schlipse herunter und erdrosseln sich gegenseitig beim Kampf um die Ehre, ihr die Tür offenhalten zu dürfen. So eine Art Frau meine ich. Ich hoffe, den Punkt jetzt ins Ziel gehämmert zu haben: Uma Thurman ist jedenfalls nicht so eine Art Frau. Wenn jemand das behauptet, kann er auch gleich sagen, daß Edmund Stoiber so sexy ist, daß er sich für Liebe bezahlen lassen kann. Uma Thurman ist allenfalls interessant - in einem alternativen Sinne. Und von Mann zu Mann, wie in Deinem Falle, vielleicht sogar aufregend.

3. Du behauptest von Tarantino: Und Tarantino ist der Superheld des Kinos. Der beste Regisseur nicht nur seiner Generation, auch der Gegenwart. Und mit dem Geniestreich "Kill Bill", seinem erst vierten Film in zwölf Jahren, ist sein Gesamtwerk noch immer ohne Makel.

Auch das stimmt so nicht ganz. Pulp Fiction ist ein einzigartiger Film. Interessante, lustige Story aus dem Graubereich unserer Zivilisation, aufbereitet in einer ungewöhnlichen Erzählweise und mit harten, knackigen Dialogen und satten Bildern. Jackie Brown war von diesem Niveau weit entfernt - aber immer noch ganz interessant. Filme, bei denen er als Produzent oder Drehbuchautor auftrat, hatten gleich ein ganz anderes Niveau - von überflüssig (From Dusk till Dawn) bis verschenkt. Er ist einer der besseren Regisseure, hat einen Hang zum leichtfertigen Umgang mit Gewalt und passt in keine Kategorie. Der Mann verfügt über ausgezeichnetes handwerkliches Wissen, was Filme angeht, ist aber beiweitem kein Handwerker, der Auftragsware abliefert. Virtuos erzählt er seine Geschichten, witzig bis unterhaltsam und mit Blick für Absurditäten unserer Gesellschaft. Einzigartig somit, aber der Beste seiner Generation, der Gegenwart?Ich glaube nicht. Einen wirklich großen Film - von der Klasse eines Es war einmal in Amerika z.B. - hat er bislang noch nicht produziert.

Man merkt Dir also deutlich an, wie voreingenommen Du bist, lieber Oliver. Das hättest Du dann aber auch offenlegen können, indem Du Deine Aussagen subjektivierst. Hier klingen sie so objektiv, so wahr. Wir Deutsche glauben nämlich sehr oft, was geschrieben steht. Und da sollte man eben aufpassen. Ich stimme Dir aber zu, daß Quentin Tarantino ein außergewöhnlicher Regisseur gerade in den Augen junger Leute ist. Und seine Filme sind zumindest eines nie gewesen: langweilig.


22.04.04

Nicht werfen!

So, so. Nicht werfen, den Stuhl. Wer hätte das gedacht?

stuhl.jpg

Am Rande bemerkt, auch minderwertige Stühle zu werfen könnte als unhöfliche Handlung aufgefasst werden.

Schwarzbuch Steuern

Eine nach Bundesländern geordnete Aufzählung des allzu großzügigen Umgangs mit Steuergeldern findet sich an dieser Stelle.

In Berlin wird beispielsweise das Hickhack um die Sicherung der Synagoge in der Oranienburger Strasse bemängelt. Die wurde anfangs provisorisch mit Absperrgittern und einem brachialen Panzerfahrzeug mit Wasserspritze geschützt. Anschließend verteilte man auf der Oranienburger Strasse rund um die Synagoge Betonklötze. Die so erschaffene Sicherheitsarchitektur vom Schärfsten wurde anschliessend wieder bereinigt, indem man das heute anzutreffende, sich in die Straße ästhetisch einfügende Sicherheitskonzept mit zweireihig angeordneten Pollern umsetzte. Die Betonklötze, nach ihrem kurzem Einsatz nicht mehr benötigt, lagern in der Landespolizeischule Ruhleben und warten dort auf eine grundlegende Änderung unseres architektonischen Geschmacks.

Blogs von Programmierern

An der größten Teils fanatisch geführten Diskussion, ob Linux oder Microsoft oder irgend ein anderes Betriebssystem das beste und somit von jedermann zu verwendende System sei, möchte ich mich nur insofern beteiligen, als ich auf Ungereimtheiten in den Argumentationen hinweise (wenn mir denn welche auffallen). Das möchte ich hier nur mal laut und deutlich in den Raum stellen, um Bemerkungen vorzubeugen, ich ergreife heimlich Partei für eine der beiden Alternativen. Leider ist es so, daß seltsamerweise mehr Fanatiker gegen Microsoft wettern als dafür - und wo mehr gewettert wird, gibt es auch mehr Ungereimtheiten. Deswegen also meine scheinbare Pro-Microsoft-Lastigkeit.

Übrigens: Der Fakt, daß es eben mehr fanatische Einwände gegen Microsoft als dafür gibt, bedeutet für sich selber genommen auch nicht sehr viel. Auch das möchte ich sagen, um dahingehenden Äußerungen vorzubeugen. Ein Beispiel gefällig? Gerne, obwohl ich spüre, daß ich mich mit diesem Vergleich auf glattem Eis bewege. Daß viele Fanatiker gegen Israel vorgehen und deswegen jüdische und israelische Einrichtungen deutschlandweit unter aktivem Polizeischutz stehen, hat ja auch nicht nur mit Israels aggressiver Siedlungspolitik zu tun. Schuld am Fanatismus gegen Israel haben die Fanatiker - nicht Israel. Und so ist der Fakt, daß es Microsoft so fanatisch verabscheut wird, nicht allein Beweis genug dafür, daß es auch immer verabscheut werden muß.

Dies vorab, um einem Image zu entgegnen, daß sich bei einem Teil meiner werten Leserschaft ergeben könnte. Ich habe einige Male für Microsoft gestritten (z.B. hier oder hier). Ich habe eigentlich noch nie für Linux gestritten, auch das stimmt. Der Grund dafür ist darin zu suchen, daß ich selber zwar eine Linuxinstallation auf meinem PC zu Hause eingerichtet habe, die aber seit meinen Uni-Tagen nicht mehr hochgefahren wurde. Mir fehlen also einfach die Argumente für dieses System (und außerdem findet man da draußen selten Bemerkungen gegen Linux, die Anlaß zu einem Kommentar meinerseits geben). Wie bereits aufgezeigt, gibt es mehr hartnäckige Pro-Linux-Kämpen als solche, die ihren Degen für Microsoft brechen.

Was sicherlich auch mit den Nutzern selber zusammenhängt. Die meisten Windowsnutzer sind eben - sagen wir mal - Endverbraucher. Die wollen vom Betriebssystem in Ruhe gelassen werden, ihre Textverarbeitung starten und Briefchen drucken. Die meisten Linux-Anwender sind offensichtlich Leute mit Interesse am Rechner selber: Sie wollen Bescheid wissen über ihr System, es aktiv konfigurieren und individuell einrichten. Dafür ist Linux sicherlich besser geeignet - und zugleich eindeutig billiger. Stabiler. Offen einsehbar.

Ich schweife wirklich ab. Was ich nämlich wirklich mitteilen wollte, ist folgendes. Ein Artikel im Microsoft Developer Network beschreibt Weblogs, Feeds, RSS, Atom, Blogrolls, Trackbacks und andere Sachen. Es gibt viele Links und Hinweise, wie man bestimmte Sachen in seinem Blog unterbringt. Ein Link zeigt übrigens auf ein Sammelblog verschiedener Entwickler im MSDN. Auch dort gibt es interessante Einblicke in die Welt der Microsoft-Programmierer. Ein anderer Link verweist dann auf all die einzelnen Blogs, die bei MSDN im Zusammenhang mit der Microsoft-Programm-Entwicklung gehostet werden.

Um das zu zeigen, also dieser Rattenschwanz vorneweg. Dabei hätte ich doch einfach nur etwas Vergleichbares für Linux angeben brauchen, um Parität herzustellen. Gefunden habe ich nur das und das. Das letztere ist nicht mal ein Blog, aber ansonsten recht üppig mit Informationen rund um Linux und die dort verwendeten Programme ausgestattet. Es gibt aber auch dieses Online-Magazin des Linux Documentation Projects oder - noch besser - die Linux Gazette, die Linux-Usern mehr Spaß bringen und neue Ideen vorstellen möchte.

So, zumindest heute haben wir also beide Seiten gleichermaßen bedient.

-UPDATE-
Wie Jörn mitteilt, zeigt dieser Link auf eine Seite, wo sich einige Linux-Entwickler in einem Blog austoben. Wo wir gerade bei sind, der Jörn selber hat sowas auch am Start. Danke für die Tips.

21.04.04

Friedrichshain, Berlin

Nicht weit vom östlichen Zentrum der Haupstadt entfernt befindet sich der Friedrichshain, eine der vielen grünen Lungen der 3-Millionen-Metropole. Verdoppelt man die angesprochene Strecke, so landet man ungefähr dort, wo sich das geistige Zentrum des Denkpasses befindet. Der Friedrichshain ist also der Puffer zwischen meinem unmittelbaren Lebensbereich und dem pulsierenden Zentrum dieser Stadt. Ich mag ihn auch sonst sehr gern.

friedrichshain.jpg

Von Armbrüsten, Katapulten und Harpunenabschußgeräten

Eine Liste der Gegenstände, die von Fluggästen nicht mit ins Flugzeug genommen werden dürfen, findet sich auf dieser Seite des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Wohnungswesen. Sie wurde veröffentlicht, um Passagiere vorab zu informieren, welche Gegenstände bei der Kontrolle abgewiesen werden. Trotz ihres Umfanges sei die Liste nicht abschließend und kann jederzeit ergänzt werden. Allzuviele Punkte wird man aber nicht mehr aufnehmen müsse, so denke ich.

Speed up your life

Der Web Page Analyzer sagt über den Denkpass:

Analysis and Recommendations
TOTAL_OBJECTS - Congratulations, the total objects on this page (including the HTML) is 3 which most browsers can multithread. Minimizing HTTP requests is key for web site optimization.
TOTAL_IMAGES - Congratulations, the total number of images on this page is 1. Most browsers can send multiple requests, which can speed display of multiple images.
TOTAL_CSS - Congratulations, the total number of external CSS files on this page is 1. Because external CSS files must be in the HEAD of your HTML document, they must load first before any BODY content displays. Although they are cached, CSS files slow down the initial display of your page.
TOTAL_SIZE - Caution. The total size of this page is 58229 bytes, which will load in over 8 seconds on a 56Kbps modem - or 12.20 seconds. Consider reducing total page size to less than 30K to achieve sub eight second response times on 56K connections. Be sure to provide feedback for pages over 30K by layering your design to display useful content within the first two seconds. Consider optimizing your site with Speed Up Your Site or contacting us about our optimization services.
HTML_SIZE - Caution. The total size of this HTML file is 28035 bytes, which is above 20K but below 100K. With a 10K ad and a logo this means that your page will load in over 8.6 seconds. Consider optimizing your HTML and eliminating unnecessary features. To give your users feedback, consider layering your page or using positioning to display useful content within the first two seconds.
IMAGES_SIZE - Caution. The total size of all your images is 25262 bytes, which exceeds 15K. Consider optimizing and creatively cropping your images, and combining them where appropriate. Even better, replace graphic text and form controls with styled text to eliminate unnecessary HTTP requests. Ideally each image should be less than 1160 bytes, to easily fit into one TCP-IP packet.
SCRIPT_SIZE - Congratulations, the total size of all your scripts is 308 bytes, which is less than 1160 bytes. This will fit into one higher-speed TCP-IP packet.
CSS_SIZE - Caution. The total size of your external CSS is 4932 bytes, which is above 1160 bytes and less than 8K. For external files, try to keep them less than 1160 bytes to fit within one higher-speed TCP-IP packet (or an approximate multiple thereof). Consider optimizing your CSS and eliminating features to reduce this to a more reasonable size.
Caution führt 5:4 vor Congratulations - mal sehen, was sich da machen lässt. Andererseits, Probleme beim Laden sind mir bisher nur mit Opera 7 aufgefallen. Apropos Opera, die letzte wirklich zufriedenstellende Version war 5.23.

Wie man eine Rockoper schreibt

Ihr Name war Magenta und ihr Aufstieg auf den Rock- und Pop-Olymp war unvergleichlich. Sie unterschied sich grundlegend von den durchgestylten Barbiepuppen, die die Popszene in beliebiger Stückzahl auf den Markt warf. Sie ließ sich in kein Schema pressen, schlug ständig über die Stränge und war zugleich gelangweilt von dem Rummel um ihre Person. Ihre Marke war, keiner Marke zu entsprechen. Konventionen? Pahh. Regeln? Phhht. Nichts und niemand würde ihr Vorschriften machen. Das war ihre Marke, das war ihr Profil. Das liebten ihre Fans. Das, und ihre zügellose - fast maskuline - Wildheit.

Als ihr Manager sie im hintersten Zimmer des Appartments fand, lag sie völlig nackt auf dem Teppich vor dem Sofa. Auf dem Tisch standen verschiedene Drinks und überall lagen Zigarettenstummel und zerknülltes Geld herum. Nur von ihrer Kleidung war nirgends was zu sehen. Im Fernseher lief in voller Lautstärke MTV. Sie hatte mal wieder die Nacht zum Tag gemacht, hatte wahrscheinlich ein paar Leute mit aufs Zimmer genommen und ihre Affinität zu freiem Sex ausgelebt. Nichts dagegen einzuwenden, dachte er, holte ein nasses Handtuch aus dem Bad und wischte seinem Zugpferd die Kotze aus dem Gesicht. Als sie die Augen aufschlug und ihn angrinste, gab er ihr ein Glas Rum mit etwas Cola.

"Paß auf, Mädel.", begann er ansatzlos, seinen neuesten Plan vorzustellen, "Ich hab´ da eine Idee, wie wir Dich wieder interessant machen."

Sie grinste weiter. Als sie versuchte, sich mit ihrem nackten Arsch aufs Sofa zu setzen, verfehlte sie das Plüschmöbel nur knapp und rutschte wieder auf den Fußboden. Der Drink landete auf dem Teppich, aber zielsicher griff sie sich ein anderes Glas.

"Wir werden deine klassische Ausbildung betonen und eine Rockoper aufführen."

"Geil."

"Ja, nicht? Ich denke, wir könnten sie am Broadway unterbringen. Ich seh´ das alles vor mir.", fuhr er fort. Er erläuterte ihr seine Idee, malte ihr aus, wie gut diese Oper ihr Image der wilden, intelligenten, freiheitsliebenden Popikone bereichern würde, welchen Medienrummel man entfachen würde, daß sich hier Synergien und neue Märkte ergeben würdem, von denen niemand etwas ahnen würde. SIe unterbrach ihn nur einmal, als sie ihm freudig verkündete, kein Wort zu verstehen und anschließend rülpste. Unbeirrt fuhr er fort, die Einzigartigkeit seines Vorhabens zu schildern. Er war dermaßen begeistert, daß er erst nach einiger Zeit merkte, daß sie wieder eingeschlafen war. Er nahm ihr das Glas aus der Hand, zog ihren reizenden Körper auf das Sofa und warf ihr einen Bademantel über, um ihre Nacktheit zu verhüllen. Das Tattoo auf ihrem Rücken schaute darunter hervor und lenkte sein Interesse auf ihre prächtigen Arschbacken. Er schaute sie lange an und grinste dann. Als er das Zimmer verließ, hing er das Nicht-Stören-Schild über den Türknopf. Es gab keinen Grund, sie so dem Reinemachepersonal vorzuführen.

Zwei Stunden später traf er sich mit den Leuten vom Broadway. Die waren noch begeisterter als am Telefon. Als er die Frage stellte, wo man denn bloß eine Rockoper herbekomme, lachten die anderen.

"Also, das ist gar kein Problem.", sagte einer, "Das läuft ganz einfach."

Man habe nur nachzuschauen, welche Opern junger, erfolgloser Stückeschreiber in der letzten Zeit abgelehnt wurden. Das habe nicht immer mit der Qualität des Stückes zu tun, weihte er den Manager ein. Eigentlich nie, warf der zweite dazwischen und grinste säuerlich. Das sei alles eine Frage des zu erwartenden Zuschauerinteresses, und das stehe selten in Zusammenhang mit der Qualität des Stückes. Bei Magenta, so fügte er an, sei die Sache anders - da ziehe allein der Name genug, da könne man sogar Qualität anbieten. Beide lachten laut auf.

"Wir suchen uns also so einen Stückeschreiber und lehnen sein Stück ab.", fuhr der erste fort, "Und dann bestellen wir ihn zu uns und nehmen ihn in die Mangel."

Man sage ihm, sein Stück würde unter diesen Umständen niemals aufgeführt. Was für Umstände würde er fragen? Sein Name, ganz einfach. Er sei keine Zugnummer und diesen ganzen Broadwayscheiß könne er sich aus dem Kopf schlagen. Vergessen. Abhaken. Das laufe so nicht. Es könnte aber anders laufen, würde man vorschlagen, man kaufe ihm das Stück ab und bringe es unter einem anderen Namen. Einem Namen, der zieht. Er würde gutes Geld verdienen. Damit könne er eine Zeitlang ohne Druck an einem neuen Stück arbeiten. Keine Nebenjobs, keine Mahnungen, keine Existenzängste. Das wäre der Deal. Und das Angebot habe er heute zu nehmen oder zu vergessen. Es würde nicht wiederholt werden.

Was wäre, wenn er ablehne, fragte der Manager besorgt. Die beiden Broadwaytypen lachten. Das wäre kein Problem. Würde er nicht ablehnen, wäre er ein Idiot. Aber die zweite Runde, das sei gewiß, die würde er nicht überstehen ohne zuzusagen. Warum, fragte der Manager neugierig. Ganz einfach. Man würde ihm zusätzlich zum Geld anbieten, sein neues Stück aufzuführen. Eine Premiere-Garantie, sozusagen. Und bei Gott, da hätte noch nie jemand nein sagen können.

"Unter uns gesagt, der Typ hat doch Talent.", grinste der eine und legte dem Manager den Arm um die Schultern, "Sonst würden wir sein Stück doch gar nicht nehmen."

Eine rundum gelungene Präsentation fand der Manager, so könne es laufen. So werden Geschäfte gemacht, tönte einer der Boradwaytypen und winkte den Kellner herbei. Man wolle den Anfang einer langen Freundschaft begießen, sagte er und bestellte zwei Flaschen Champagner. Als sie später gingen, ließen sie die Rechnung liegen. Magentas Manager nahm sie, zuckte mit den Achseln und zahlte. Geld verdienen würde er am Broadway noch genug.



Was das Ganze sein soll? Keine Ahnung. Hab´ nur mal nachgedacht, wie so was laufen könnte.

20.04.04

Heute vor 115 Jahren

An einem Dienstag vor exakt 115 Jahren brachten die Eheleute Alois und Clara H. in Braunau am Inn einen Buben zur Welt. Sie gaben ihm den Namen Adolf.

Kerosin-Steuer

Auf die ungleiche Behandlung der Verkehrsträger habe ich an dieser Stelle schon einmal hingewiesen. Das benötigte Wissen zu diesen Feststellungen konnte ich mir damals im Rahmen meiner Diplomarbeit aneignen. Die handelte nämlich von der Finanzierung von Eisenbahnbauvorhaben.

Die Deutsche Bahn leidet unter einer Benachteiligung gegenüber den anderen Verkehrsträgern Straße, Luft und - nicht zu vergessen - Wasser. Die Kosten, die die jeweiligen Verkehrsträger durch Neubau, Instandsetzung, Unterhalt sowie Sicherung ihrer Verkehrswege erzeugen, werden nicht überall gleichermaßen auf die Nutzer der Verkehrsträger umgelegt. Es geht aber weiter: Trotzdem die Bahn ökologischer ist als das Flugzeug, wird der Luftverkehr von der Mineralölsteuer und damit auch der Ökosteuer befreit. Die Deutsche Bahn ist übrigens eine der wenigen europäischen Bahnen, die Mineralölsteuern zu entrichten hat. Zusätzlich wird im grenzüberschreitenden Luftverkehr keine Mehrwertsteuer erhoben - bei der Bahn aber schon.

Gerade dieser Benachteiligung haben sich vor Kurzem die Bundestagsfraktionen der Grünen und der SPD angenommen und wollen bis September eine gesetzliche Änderung durchdrücken. Der Luftverkehr wird Mineralölsteuern (und somit Ökosteuer) zahlen müssen. Außerdem wird für den grenzüberschreitenden Verkehr die Mehrwertsteuer fällig. In einem weiteren Schritt möchte man die Mehrwertsteuer für Fernverkehrstickets der DB AG senken. Diese Regelungen waren seit langem überfällig, findet der Denkpass (immerhin ist mein Eintrag von damals bereits über ein Jahr her!).

Allerdings meint ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums, dafür lägen der Bundesregierung derzeit keine Pläne vor und deswegen wird der Termin September offensichtlich für unrealistisch gehalten. Seltsamerweise gab es einen ähnlichen Vorstoß des Bundesumweltministers Jürgen Trittin vor über einem Jahr, wie ich hier aufzeigte. Getan hat sich damals also nicht mal so viel, als daß die Bundesregierung Pläne in den Schubladen hätte. Oder wie kann man das sonst erklären?

- UPDATE -
Ein ähnlicher Vorstoß soll im letzten Jahr an der CDU/CSU-Mehrheit im Bundesrat gescheitert sein, konnte ich heute auf Inforadio hören. Das bezieht sich vielleicht auf ein Gesetz zur Beschränkung des Fluglärms, das Bundesumweltminister Jürgen Trittin seinerzeit vorschlug. Sucht man auf der Seite des Bundesrates, so findet man aber keinen Bezug zu Kerosin, Flugsteuer, Fluglärm oder ähnlichen Begriffen. Auf der Seite von Jürgen Trittin findet sich diese Rede, die eine Besteuerung von Kerosin ab Januar 2004 wegen der EU-weiten Einführung von Mindeststeuersätzen für Energieträger in den Bereich des Möglichen einordnet. Auf Inforadio wurde auch erwähnt, Flugbenzin werde in Europa nicht besteuert und deswegen falle die Einführung einer solchen Steuer schwer. Dies ist nicht ganz korrekt: Fluglinien sind sogar weltweit von der Besteuerung ausgenommen.

Die Gleichheit der Verkehrsträger sicherzustellen, ist laut Inforadio übrigens eine Forderung des Koalitionsvertrages zwischen Rot und Grün. Auf Seite 19 des Vertrages findet sich dann auch, daß die Koalition sich weiter für eine Kerosinbesteuerung im Flugverkehr einsetzen will. Auf Seite 37 äußert man sich dahingehend: Wir streben bei den Kostenbelastungen im europäischen Wettbewerb eine Harmonisierung an. Auch das kann als Gleichheit der Verkehrsträger verstanden werden.

Umso verwunderlicher, daß die Bundesregierung laut Spiegel keine Pläne in der Schublade habe, um Kerosin zu besteuern. Die Forderung der Besteuerung des Flugverkehrs macht mittlerweile eigentlich jeder auf, sogar Leute von der CSU. Und auch Europa scheint sich in dieser Frage zu bewegen, wie eine Grünen-Abgeordnete im Europäischen Parlament verkündet.


Die Währung der Macht

Aus Elias Canetti, Masse und Macht:

Der Tod als Drohung ist die Münze der Macht.

19.04.04

Unpflegbare Programme schreiben

Auf Beispiele schlechter Namensgebung für Variablen hat der Denkpass an dieser Stelle schon mal hingewiesen. Ob die nun unwissentlich oder absichtlich so seltsam ausfielen, hat uns damals nicht interessiert. Sollte es aber! Denn hier kommt die Anleitung für unpflegbaren Code. Soweit ich das sehen kann, ist es eine komplette Anleitung.

[via mindtrap::weblog::beta]

Ausreden

Warum er sich nicht früher um die Sache gekümmert habe, fragte die Sekretärin den Lieferanten, der Termin sei doch bekannt gewesen.

Schon ihr Ton machte deutlich, daß es ihr nur um Konversation und nicht um die Klärung der Schuldfrage ging. Die war gar nicht zu klären, zu einem Problem war es nicht gekommen. Wie immer, übrigens. Mit welcher Antwort mag sie dann wohl gerechnet haben?

• Weil ich ein vergeßlicher Volltrottel bin?
• Weil mich das Alles gar nicht interessiert?
• Weil ich zu blöd dafür bin?
• Weil ich mich erst jetzt damit befasst habe?
• Weil ich immer noch nicht weiß, wovon Sie eigentlich reden?
• Weil ich Sie hasse und um ihren Job bringen will?
• Weil die Kacke hier bei uns gar sehr dampfet?
• Weil ich mir vorher schmerzhaft in den Hoden schoss?
• Weil ich bis eben Haupt- und Nebenangeklagter in einem Sekretärinnen-Mordprozeß war?

Wir werden es nie erfahren ...


Zweierlei Maß

Wie man an der Rubrik Software erkennen kann, verwendet der Schockwellenreiter folgende Schreibweise für das weltweit größte Softwareunternehmen:

Micro$oft

Das Ersetzen des Buchstaben S durch ein $-Zeichen versteht sich in meinen Augen als Vorwurf hinsichtlich des Geldverdienens. Ganz klar, das zielt auf die General Public License, unter der u.a. Open Office, der Linuxkernel und andere nützliche Sachen wie emacs oder Gimp veröffentlicht sind. GPL und das verwandte (aber kommerzialisierungsfähige) Open Source sind Philosophien mit unbestreitbaren Vorteilen, diesem Urteil schließe ich mich an. Microsoft beharrt zum größten Teil auf proprietärer Software, aber seit Neuestem nicht nur. Hauptgrund werden handfeste kommerzielle Absichten sein, na klar!

Dass nun aber der Schockwellenreiter sich berufen fühlt, seinen Lesern diese kommerzielle Zielfunktion des Redmonder Software-Unternehmens durch den Gebrauch des $-Zeichens so deutlich vor Augen zu führen, zugleich aber selber die kommerzielle Seite beim Bloggen nicht außer Acht lässt, erscheint dem Denkpass zumindest bemerkenswert. Doppelte Moral, wenn es ums eigene Auskommen geht? Vielleicht sollten wir den

$¢HO¢KW€££€NR€IT€R

in Zukunft auch anders referenzieren?

Trying to do the job alone

... can be tough on you:

Dear Sir,

I'm writing in response to your request for additional information.

In block #3 of the accident report form I put "Trying to do the job alone" as the cause of the accident. In your letter you said that I should explain more fully and I trust that the following details should be sufficient.

I'm a bricklayer by trade. On the date of the accident I was working alone on the roof of a new 3 story building. When I completed my work I discovered I had about 300 pounds of brick left over. Rather than carry the bricks down by hand I decided to lower them in a barrel by using a pulley that was attached to the side of the building at the 3rd floor. Securing the rope at ground level I went to to the roof swung the barrel out and loaded the bricks into it. Then I went back to the ground and untied the rope while holding it tightly to insure a slow descent of the three hundred pounds of bricks.

You will note in block #2 of the accident report form that I stated I weighed 165 pounds. Due to my surprise at being jerked off the ground so suddenly I lost my presence of mind and did not let go of the rope. Needless to say, I proceeded at a rather rapid rate up the side of the building. In the middle of the second floor I met the barrel coming down. This explains the fractured skull and broken collar bone.

Slowed down only slightly by the barrel I continued my rapid ascent, not stopping until my right hand was two knuckles deep into the pulley. Fortunately, I retained conciseness and was able to hold tightly to the rope in spite of my pain and injuries.

At approximately the same time, however, the barrel of bricks hit the ground and the bottom of the barrel broke out. Devoid of the weight of the bricks the barrel weighed approximately 50 pounds. I refer you again to my weight in box #2. As you might imagine, I began a rather rapid descent down the side of the building. In the middle of the second floor, I again met the barrel coming up. This accounts for my two fractured ankles and lacerations of my legs and lower body. This encounter with the barrel slowed me enough to lessen injuries when I fell onto the pile of bricks. Fortunately only three vertebrate were cracked.

I'm sorry to report however as I lay there on the bricks, in pain, unable to stand or move, I lost my presence of mind and let go of the rope. The empty barrel, weighing more than the rope, came back down and broke both of my legs.

I hope I furnished the information that you need to complete the processing of my claim and that you understand how the accident occurred by trying to do the job alone.

Sincerely,

S. Anderson

Of course, the story is made up. Or so they say.

18.04.04

Politiker eben, Teil II

[Fortsetzung von gestern]

Pflüger, der sich innerhalb seines eigenen Webauftritts auch neben dem (O-Ton Pflüger!) sozialistischen Ideologen Rudi Dutschke abbilden lässt, äußert sich über den nötigen Dialog zwischen der westlichen Welt und den islamischen Staaten:

A dialogue can only be successful when first the West becomes conscious of its own values and presents them convincingly. Consequently, this means an end to the West’s justifying its aims through relativizing its values or portraying an absence of values or interests when convenient. These tendencies justifiably repulse especially Muslim believers who see these inconsistencies as symbols of decadence in the West.
Standfest und unnachgiebig also wünscht sich der außenpolitische Sprecher der CDU-Bundestagsfraktion die Haltung der westlichen Welt. Wie soll dieser Dialog sonst aussehen? Auszüge aus einer Empfehlung eines Buches von Oriana Fallaci, die Pflüger auf seiner Webseite gibt, die zugleich Aufschlüsse über Pflügers Haltung zum Thema gibt:
[..] Frau Fallaci sieht einen Zivilisationskampf, der aber nur was die "Spitze des Eisbergs" angeht, ein militärischer Konflikt sei. In Wahrheit tobe bereits heute überall ein kultureller, intellektueller, religiöser, moralischer und politischer Konflikt. Die Intellektuellen im Westen, die "Zikaden und Idioten" würden vor ihm die Augen verschließen, einem falsch verstandenen Pazifismus frönen und mit ihrem "Alles verstehen" dem Vordringen religiöser und kultureller Intoleranz den Weg bereiten. Frau Fallaci, deren Vater von Nationalsozialisten gefoltert wurde, sieht in den radikalen Moslems "neue Nazi-Faschisten", denen man entgegentreten müsse, die aber in Europa nur beschwichtigt würden. Hitler sei Usama bin Ladens Großvater!

[..] Oriana Fallaci sieht das "Überleben unserer Zivilisation" in Gefahr. "Wenn Amerika zusammenbreche, bricht Europa zusammen, (...) anstelle der Kirchenglocken ruft dann der Muezzin, anstelle der Miniröcke tragen wir den Tschador oder vielmehr die Burkah, anstelle eines kleinen Cognacs trinken wir Kamelmilch. Nicht einmal das versteht ihr, nicht einmal das versteht ihr, ihr Idioten?"

Der Staat müsse die Einwanderung erschweren, den bereits hier lebenden Ausländern aus anderen Kulturen selbstbewußter entgegentreten[.] Rauch, Gestank und das "Geschrei des Muezzins" [..] das ist für Frau Fallaci die Selbstaufgabe unserer Kultur. Die Einwanderer lungerten herum, handelten mit Drogen und gefälschten Waren [..] "Sie fordern immer mehr Moscheen, obwohl sie in ihrem eigenen Land nicht den Bau der kleinsten Kirche gestatten und Nonnen vergewaltigen und Missionare ermorden, sobald sie können." [..]

Der "Dialog der Kulturen", nicht der "Kampf der Kulturen" ist es, den wir uns wünschen. Aber der Dialog erfordert gegenseitige Achtung und Toleranz, also auch von der islamischen Seite gegenüber uns. Wird aber nicht tatsächlich ein "umgekehrter Kreuzzug" (Fallaci) geführt? Achten die Muslime uns, oder verachten sie uns zunehmend? Vielleicht auch, weil wir so wenig von uns selbst halten, uns nicht wehren, keine Selbstachtung erkennen lassen?

Nicht nur standfest und unnachgiebig, sondern auch stolz soll er sein, unser Standpunkt. Daß ein gewählter Vertreter des deutschen Volkes, der unter einem anerkannten Politikwissenschaftler und Experten für moderne Geschichte promoviert hat, eine derartige Häufung polemischer Ungereimtheiten veröffentlicht, zeigt deutlich, wie sehr Friedbert Pflügler bereit ist, Wahrheit gegen eigene Ziele einzutauschen:

• das Wort Nazi-Faschisten (Langform: Nationalsozialistische Faschisten) dient wohl eher der Beschreibung eines rein deutschen Phänomens als der religiöser Fanatiker
• sollte irgendwo auf der Welt der Muezzin anstelle von Kirchenglocken rufen, die Frauen anstelle von Miniröcken Tschadors oder Burkas tragen und jemand Kamelmilch einem Cognac vorziehen, so könnte das auch daran liegen, dass es in dieser Region mehrheitlich so gewollt ist
• daß Einwanderer herumlungern und häufig mit Drogen und gefälschten Waren handeln, hat sicherlich mehr mit ihren sozialen Bedingungen zu tun als mit ihrer Kultur
• den Vorwurf der Nonnenvergewaltigung und Missionarsermordung lassen wir wegen seiner Haltlosigkeit unkommentiert, zeigt er doch am deutlichsten den Schwund des geistigen Niveaus der mittlerweile 71-jährigen Frau

Friedbert Pflügler, das zeigt sich hier, ist also an einer gewaltsamen Wahrung des Status Quo interessiert. Wahrung des Wohlstandes unserer Zivilisation durch Kontrolle der islamischen Welt. Würde sonst jemand, der an gleichberechtigtem Dialog interessiert ist, die Lektüre einer solchen Verhetzung empfehlen? Wenn Pflügler von Dialog redet, verwendet er dazu Farben, die eine andere Symbolik innehaben. Dies macht deutlich, was er unter Dialog versteht: Auseinandersetzung ist das Wort, das Pflüger meint, das er aber nicht verwenden möchte. Denn rhetorisch, das haben wir gesehen, kann Friedbert Pflügler mit den Besten mithalten. Er weiß, was er sagt. Wenn er auch manchmal absichtlich etwas vergißt: zum Beispiel die Tätigkeit im parlamentarischen Kontrollausschuß, wie der Terrorismusexperte der Zeit bemerkt. Ein Vollblut-Politiker eben.

Um auch noch auf seine derzeitige Position zum Irakkrieg zu sprechen zu kommen, der außenpolitische Sprecher der CDU-Fraktion ist mit Sicherheit keine Taube. Friedbert Pflüger zählt zu den Falken, und davon haben wir zwar in der Bevölkerung kaum welche, in politisch relevanten, konservativen Kreisen jedoch überproportional viele. Schwerter zu Pflügen machen ist eine Forderung, die aber die Tauben der Friedensbewegung oft stellen. Angewandt auf Friedbert Pflüger ergäbe sich konsequenterweise folgender Name: Kriegbert Schwerter. Dann wüßte man als Wähler wenigstens, woran man ist.

17.04.04

Politiker eben, Teil I

Dr. Bittner nimmt die demagogischen Aktivitäten eines Friedbert Pflügers, des außenpolitischen Sprechers der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, unter die Lupe. Pflüger hatte im Januar 2003 behauptet, die rot-grüne Bundesregierung verschweige der Nation die wahre Bedrohung, die von Saddam Husseins Irak ausgeht. Sie sei somit daran Schuld, daß sich in der deutschen Bevölkerung keine Mehrheit für einen Krieg im Irak finden ließe. Ein Jahr später die Kehrtwende - Pflüger sieht nun selber, wie wenig Bedrohung von Saddam Husseins Irak ausging, gibt aber die Schuld für falsche Informationen der Amerikaner der rot-grünen Bundesregierung und macht sie damit für den Krieg mitverantwortlich.

Lässt sich dieser plötzliche Sinneswandel anders als mit dem typischen Gebaren einer Oppositionspartei erklären? Pflüger, über den ich mich in einem anderen Bloggerleben schon mal hier und hier zu äußern gezwungen sah, ist zuallererst ein Politiker und Mitglied der CDU (der Denkpass fühlt sich genötigt, darauf hinzuweisen, das sich das nicht ausschließt). Hat die CDU bereits große Schwierigkeiten damit, als Opposition zugleich kritische aber auch konstruktive Hinweise zu liefern, bei Pflüger selbst treten dabei noch größere Probleme zu Tage. Der Mann ist schließlich ans Regieren gewöhnt, wie seine Biographie zeigt.

Im Alter von 26 Jahren tritt er als Mitarbeiter in das Büro Richard von Weizsäckers ein, des Regierenden Bürgermeisters von Berlin. Ein Jahr später wird Pflüger in Bonn der akademische Titel Dr. phil. verliehen. Sein Doktorvater war der Politikwissenschaftler Karl Dietrich Bracher. Pflüger, der in den letzten Jahren von Weizsäckers Amtszeit als Regierender Bürgermeister zu dessen Leiter des persönlichen Büros aufrückt (und zu diesem Zeitpunkt noch nicht mal dreißig Jahre alt ist), begleitet Weizsäcker anschliessend ins Amt des Bundespräsidenten, wo er als Pressesprecher fungiert. Später zieht er in den Bundestag ein und bekleidete innerhalb der CDU-Fraktion verschiedene Ämter, die meist mit Abrüstung oder Außenpolitik in Verbindung stehen.

Der Mann ist also Berufspolitiker. Nach einer kurzen Sichtung der Interviews und Aussagen, die im Internet zu finden sind, stellt man eines fest: Die Inhalte seiner Aussagen sind schwammig und selten so eindeutig, daß sie später gegen ihn verwandt werden könnten. Dabei verfügt der Mann über rhetorisches Geschick. Die meisten der Antworten in diesem Interview beispielsweise folgen den typischen Regeln politischer Stellungnahmen:

• wenn unangenehmen Inhalts, Kern der Frage umgehen
• immer auf angenehme Zusammenhänge eingehen
• dabei den politischen Gegner - notfalls zusammenhangslos - attackieren

Aus dieser Einstellung heraus ist es für Pflüger normal, aus der Opposition heraus jeden Schritt der Regierung zu bemängeln. Auch wenn dies im Falle der Geheimdienstinformationen eine Kehrtwende bedeutet:

Ich habe den manchmal sehr zugespitzten Berichten … nie vertraut, sondern wir haben immer gesagt, das sind wichtige Informationen.
Manchmal sehr zugespitzt also, was ein Jahr vorher so brisant schien. Dabei hatte Pflüger den Informationen des BND vor einem Jahr doch so sehr vertraut, daß er sich genötigt sah, die Bundesbürger aufzuklären, oder?
Wir haben den Zuspitzungen vorher nicht vertraut, sondern uns auf die nüchterne Kommentierung unseres BND … verlassen.
[Fortsetzung morgen]

16.04.04

Bewerbungspolitik

Was schreibt der Patrick da?

Eben füllte ich ein Bewerbungsformular aus. Kurz nach dem Abschicken lag die Ablehnung schon in der Mailbox. Kurz bedeutet in diesem Fall ca. 15 Sekunden. Es war ein ziemlich ausführlicher Text. Coole Sache das. Das Formular prüft wahrscheinlich die Eignung und schickt die Ablehnung gleich mit raus.
Es gibt noch eine andere Lösung: Das Formular prüft gar nix und lehnt die Bewerbung gleich ab. Warum dann erst eine Bewerbungsmöglichkeit vorsehen? Nun ja, zum einen könnte man froh sein, diese ganze Bewerbungsformular-Geschichte endlich in technischer Hinsicht in den Griff bekommen zu haben. Leider sind mittlerweile alle Stellen besetzt, aber ... na ja ... Never change a winning team running system. Und mal unter uns: Wen juckt´s, wenn die Absage nett klingt?

Zum anderen, und darauf wollen wir eigentlich hinaus, kann so ein Bewerbungs-Allgemeinplatz auch eine (unternehmens)politische Geschichte sein. So zu Präsentationszwecken im Marktumfeld. So in der Art von Wir sind die Größten und wachsen immer noch, ihr etwa nicht? Das wär doch unmenschlich? Halt, halt. Soziale Marktwirtschaft betreiben wir hier schon lange nicht mehr. Spätestens seit 1999 und dem Knall der Nemax-Blase.

Ich will da mal was von einem bekannten deutschen Baukonzern, der Firma Hochtief, berichten. Deren Personalstelle, besetzt mit Vorzeigedamen, denen das Grinsen im Gesicht festgefroren ist, ist auch sonst sehr rührig beim Ins-Licht-Rücken ihrer Stellenbesetzungen. Jedenfalls hat sich Hochtief herabgelassen, an der TU Berlin einen Hochschultag durchzuführen.

Weil ein Bauunternehmen auch zur Bauingenieursfakultät passt, beschloss man, die Sache dort unterzubringen. Nachdem die angehenden Bauing´s beim Workshop ins Schwitzen gekommen waren, trat eine der erwähnten Damen mit breitem Grinsen vors Auditorium, bedankte sich für den Einsatz der Teilnehmer und warf so nebenbei die Information hin, daß man Bauingenieure in den nächsten Jahren nicht suche. Man könne sich ja trotzdem bewerben, bei etwa 8.000 Initiativbewerbungen spiele das keine Rolle.

Beim anschließenden Vortrag durfte dann eine Absolventin der TU Berlin von ihrem Diplompraktikum in der Hochtief-Unternehmenszentrale in Essen berichten: wie gut es lief, wie interessant es war, welch hervorragende Kontakte sie zu den Personen in der Unternehmensleitung habe. Auf Nachfragen antwortete sie später, daß trotz aller guten Dinge (denn die sind bekanntlich drei) das Wichtigste, nämlich eine Anstellung, leider nicht mit rausgesprungen sei.

Das Ganze war also eine Farce. Wie so vieles in unserem Lande. Aber ich bin mal wieder etwas ausgeufert. Und habe mir wahrscheinlich ein für alle Mal die Chancen beim größten deutschen Baukonzern versaut. Was tut man nicht alles, um Patrick zu trösten...

Die Rücksichtslosigkeit der Lebenden

Aus Christa Wolf, Nachdenken über Christa T.:

Das ist die Rücksichtslosigkeit der Lebenden gegenüber den Toten. Was wir unser gutes Recht nennen: das Recht des Nichtwissenwollens oder des Nichtsagenmüssens. Ein gutes Recht.

Klebezettel-Terror

Also, ich finde gelbe Klebchen nützlich wie Damon auch. Welches Schicksal ihn aber ereilte, will ich gar nicht wissen. Äußerst lustig ist es aber alle Mal.

[via Weltentummler]

15.04.04

Alle 500.000 Jahre

Die Auswirkungen eines Asteroiden-Einschlags kann man mit einem Tool der Universität Arizona berechnen. Nehmen wir einmal an, ein Asteroid würde in Dresden einschlagen, hätte einen Durchmesser von 2.000 Metern und bestünde aus Eisen mit einer Dichte von 8000 kg/m³. Er würde mit einer für Asteroiden durchschnittlichen Geschwindigkeit von 17 km/s aufschlagen und dabei einen für Asteroiden üblichen Winkel von 45° einhalten. Der Boden in Dresden verfüge weiterhin über eine Dichte von 1500 kg/m³, so unsere Annahme. Was wäre von einem Einschlag wie diesen, der schätzungsweise alle 500.000 Jahre auftritt, zu befürchten?

Nun sehr viel. Der Einschlagskrater hätte einen Durchmesser von 30 km und würde weiter wachsen auf 47 km. Der Feuerball hätte einen Durchmesser von 31 km und wäre damit für den Betrachter in Berlin 40mal so groß wie die Sonne. In Berlin würde er Gras und kleine Bäume entzünden, die meisten Berliner würden Verbrennungen dritten Grades erleiden. Der Einschlag entspräche einem Erdbeben der Richter-Skala 8.7 und wäre damit größer als jedes jemals gemessene Erdbeben. Trümmer des Asteroiden, die bis zu 1.5 Meter groß sein können, würden nicht mehr als drei Minuten nach dem Einschlag auf Berlin regnen. Zehn Minuten nach dem Einschlag würde ein Sturm die Stadt erreichen, der neunzig Prozent der Bäume entwurzelt, Autobahnbrücken zerstört und die meisten Häuser umschmeißt.

Mit anderen Worten: Dieser Einschlag wäre fatal. Da ist es doch beruhigend, daß die Schöpfer dieses Tools ganz unten jegliche Garantie ablehnen:

These results come with ABSOLUTELY NO WARRANTY
[via Spiegel]

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Eisenbahnromantik pur

Nix zu tun an Wochenenden in Mai und Juni? 367 Freunde und du selber langweilen sich? Schon immer ein bisschen von der Eisenbahnromantik berührt gewesen? Dann ist das hier die ebay-Auktion deines Lebens:

Die Deutsche Bahn versteigert im Internet-Auktionshaus eBay einen kompletten ICE 2 für eine Charter-Tagesfahrt. Der erfolgreiche Bieter kann die Fahrtroute der Hin- und Rückreise selbst bestimmen und gleich noch 367 Menschen mit auf die Reise nehmen, teilte die Bahn am Mittwoch mit. Als mögliches Reisedatum stehen verschiedene Samstage im Mai und Juni in der Zeit zwischen 6 Uhr und 22 Uhr zur Auswahl. Zum Einsatz kommen kann der ersteigerte ICE auf allen Strecken in Deutschland, auf denen ICE 1 oder 2 fahren. Betreut werden die Fahrgäste von DB-Mitarbeitern.

Die Auktion beginnt am 16. April um 16.16 Uhr und endet am 26. April zur selben Zeit. Vor dem ersten Gebot muss sich jeder Bieter mit einer Kopie seines Personalausweises bei eBay freischalten lassen. Das Mindestgebot liegt bei einem Euro. Der Reinerlös der Aktion geht an die Stiftung für Straßenkinder "Off-Road-Kids".

So schlecht geht´s uns nicht!

Wie die Berliner Zeitung berichtet, hat sich das Geldvermögen der Bundesbürger gegenüber dem Vorjahr erhöht:

Die Deutschen hatten im vergangenen Jahr ein Pro-Kopf-Vermögen von 47 400 Euro. Damit haben sie ihr Geldvermögen gegenüber dem Vorjahr um 4,6 Prozent vermehrt, so lautet das Ergebnis einer Studie der Dresdner Bank und der Allianz-Gruppe. Laut dieser Studie wurde mit insgesamt 3,9 Billionen Euro der höchste Betrag nach der Wiedervereinigung erreicht.
Zwar weist man darauf hin, daß die 47.400 € ein Durchschnittswert seien und das Geldvermögen vieler Deutscher niedriger liege. Trotzdem: So ganz oberflächlich betrachtet, scheint es uns Deutschen also nicht so schlecht zu gehen ...

Blog Virus

1. Grab the nearest book.
2. Open the book to page 23.
3. Find the fifth sentence.
4. Post the text of the sentence in your journal along with these instructions.

"You want me to stay with you?" - Thomas Harris, Hannibal

[via Daniel van Moll, Seelenleben]

14.04.04

Baseblogs

Einen Überblick über die große amerikanische Base(ball)blog-Gemeinde gibt dieser Artikel. Warum bloggen so viele über diesen Sport? Nun, die Saison erstreckt sich über einen Zeitraum von mehr als sechs Monaten. Dabei tragen die Teams in dieser Zeit 162 Spiele aus, wozu noch mehr als 30 Springtraining-Spiele kommen sowie für die besten Teams die Play-Offs mit maximal 21 Spielen.

Jedes Team hat außerdem mindestens vier Amateurliga-Vereine, die jeweils mindestens 120 Spiele austragen und in denen die kommenden Stars Spielparxis sammeln. Die Vielzahl dieser täglichen Spiele, verbunden mit den überaus reichen Statistiken, die dieser Sport erzeugt, führen dazu, daß man eben viel zu beobachten, feststellen und drüber schreiben hat. Keine andere Sportart bietet diese Voraussetzungen. Einige der Baseblogs haben innerhalb eines halben Jahres nach ihrem Start die 200.000-Hits-Grenze überschritten und können dabei auf kontinuierliches Wachstum verweisen.

Der Rückzug in die eigene Unantastbarkeit

Aus Christa Wolf, Nachdenken über Christa T.:

Die Wahrheit ist: Wir hatten anderes zu tun. Wir nämlich waren vollauf damit beschäftigt, uns unantastbar zu machen, wenn einer noch nachfühlen kann, was das heißt. Nicht nur nichts Fremdes in uns aufnehmen - und was alles erklärten wir für fremd! -, auch im eigenen Innern nichts Fremdes aufkommen lassen, und wenn es schon aufkam - ein Zweifel, ein Verdacht, Beobachtungen, Fragen -, dann doch nichts davon anmerken zu lassen. Weniger aus Angst, obwohl viele auch ängstlich waren, als aus Unsicherheit. Eine Unsicherheit, die schwerer vergeht als irgend etwas anderes, was ich kenne.
Ein Phänomen, das typisch ist für repressive Staaten. Zugleich ein Phänomen, das während des letzten Jahrhunderts den Bürgern mindestens zweier deutscher Staatengebilde mit eisernem Griff die Luft zum Leben nahm. Die Unsicherheit, die ist bis heute nicht vergangen. Nur, das wir das nicht vergessen, woher sie stammt ...

An Unmögliches glauben

Aus Christa Wolf, Nachdenken über Christa T.:

Soll den Mund verziehen, wer will: Einmal im Leben, zur rechten Zeit, sollte man an Unmögliches geglaubt haben.

13.04.04

Niemals nicht! Oder ... doch?

Fünf Dinge, die laut word2go eine bundesdeutsche Partei während eines Wahlkampfs niemals in Erwägung ziehen sollte:

5. Sozialscheine für einen Urlaub in Florida ausstellen (Ausreisehallen können zu gefährlichen Engpässen mutieren).

4. Gratisexemplare von Harry Potter verteilen.

3. Ein Gratisweißwurstfrühstück mit den bayrischen Ministerpräsidenten ansetzen (ja, ich weiß, Bayern ist klein und nicht allzu dicht bevölkert, aber versucht ihr mal Regensburg, Straubing und Passau in ein Weißbierzelt zu pressen).

2. Die Fluchtwege versperren, wenn Guido [Westerwelle] Gratis-[Blow Job]s verteilt.

1. Eine Treibjagd auf Bundeskanzler Gerhard Schröder veranstalten.

Wir fragen, warum? Haben der deutsche Wähler und der deutsche Abgeordnete denn etwas anderes verdient für all die Wahlen und Legislaturen, die sie bisher auf ihre kollektive Schulter zu nehmen haben? Lasst uns Punkt 5 und 4 streichen, die sehen einerseits zu real und andererseits zu sehr nach Belohnung aus. Ersetzen wir sie doch durch diese Punkte:
5. Wähler haben eine Bundestagsdebatte live in voller Dauer auszuhalten. Für die namentliche Benennung nicht anwesender Bundestagsabgeordneter gibt es deren im aktuellen Quartal angefallenen Vielfliegermeilen.

4. Bundestagsabgeordnete dürfen sich eine Woche grundlos die Beine in den Bauch stehen: sie haben Pässe, Sozialhilfe, Arbeitslosen- und Wohngeld sowie Kindergartenzuschuss, BaföG-Unterstützung und amtliche Kennzeichen zu beantragen. Zur weiteren Erhöhung ihres Spassfaktors haben sie ein Schild zu tragen, auf dem Name und parlamentarische Funktion deutlich zu erkennen sind.

Ha. Jetzt dämmerts mir, warum das so nicht ginge. Dann würde ja keine Wahl mehr stattfinden. Alle Wähler würden nämlich Urlaub auf Vielfliegermeilen machen, und alle Gewählten würden in den Ämtern rumsitzen (und blaue Augen haben). Und das kann doch keiner wollen, oder?

PS. word2go ist übrigens auch sonst unterhaltsam bis zur Schmerzgrenze. Deswegen rutscht es prompt in meine Tägliche Lesung.

Europawahl: Ich bin dabei!

Sollten auch die in Deutschland zur Auswahl stehenden Politikerinnen für die Europawahlen so aussehen wie die in Estland ... also dann sag´ ich euch ... dann werde ich mich ganzzzzzzzzzzzzzz intensiv mit dieser Wahl auseinander setzen. So intensiv, daß mein Schädel zu klappern anfängt ...

25 Worte

... und nicht mehr stehen dem belesenen Mitstreiter dieses Forums zur Verfügung, um den Inhalt einer Novelle zu beschreiben. Auszüge gefällig?

The Bible
Good opening chapter. Main character arrives halfway through, but gets killed off early. Some decent (if dated) commandments. Cracking ending. Slighty too open to interpretation.

The Lord of the Rings, by JRR Tolkien
Little guys go to a lot of trouble to get rid of stolen jewelry.

Slaughterhouse Five by Vonnegut
"Being in World War II was so bad that now I hallucinate about aliens and time travel."

Weitere Fragen, die ihrer geistreichen, belesenen Antworten harren, finden sich hier. Nun aber zu des Denkpasses Frage an sein Publikum: Gibt es vergleichbar lockeren, zugleich aber versierten Umgang mit Literatur wie den hier vorgestellten auch auf deutschen Webseiten? Und wenn ja, wo wäre er zu finden?

[via Spiegel]

Star Ship Trooper 2 - Hero of the Federation

Einer der (zumindest in meinen Augen) besten Science-Fiction-Filme aller Zeiten - Star Ship Trooper - findet demnächst eine Fortsetzung. Warum mir Teil 1 gefallen hat, habe ich in aller Kürze hier schon mal aufgeführt. Einige Aussagen zu Inhalt und Erscheinungsform des zweiten Teils finden sich auf dieser Seite. Es gibt einige Überraschungen:

• der Film wird nur auf DVD erscheinen - nicht im Kino (aus Budgetgründen, wie es heißt)
• nur ein Charakter aus dem ersten Teil wird teilnehmen (und spielte damals in einer Nebenrolle)

Zur Story: der Krieg mit den Insekten dauert an. Die im ersten Teil gelungene Gefangennahme eines Brainbugs hat also nur einen neuerlichen Gleichstand geschaffen und nicht die erhoffte Wende gebracht. Wieweit im zweiten Teil auf die großpolitische Wetterlage eingegangen wird, wie sehr die surreale Welt des ersten Teils wieder aufersteht, bleibt unklar. Hier der Plot:

A small group of troopers find themselves taking refuge in an abandoned outpost as they attempt to fight the encroaching Arachnids - not realizing that a much graver danger is actually infiltrating their unit...

Aussagen kleiner, grüner Fußbälle oder verstorbener deutscher Faschisten?

Little Green Footballs ist ein in Amerika recht populäres Weblog mit politischen Inhalten. Die Kommentare seiner Leser allerdings gleiten manchmal ins Unerträgliche ab:

I was inspired to build this quiz when I noticed that comments on Littlegreenfootballs.com (a popular warblog) tended to be indistinguishable in tone and content from the writings of Adolf Hitler, Heinrich Himmler, and the other architects of the "final solution."

Always indistinguishable? Well, maybe not - but close enough and often enough to be pretty disturbing. Yes, the quotes I've used here are all "cherry-picked" - from LGF and the Nazis both - but since the webmaster patrols LGF pretty thoroughly it's fair to say that his site is as defined by what he allows (e.g., calls to "sterilize" the "subhuman" Palestinians) as it is by what he doesn't (e.g., criticisms of Israel or George W).

Und so gibt es eben ein Quiz, in denen einige ausgewählte Kommentare Zitaten nationalsozialistischer Größen gegenübergestellt werden. Man beurteilt im Quiz, wem diese Zitate zuzurechnen sind und kann so die erschreckende Kongruenz selber feststellen. Meine Zuordnung war nur zu 62 Prozent korrekt, was einfach daran liegt, dass diese Zitate wirklich nicht auseinander zu halten sind.

12.04.04

American Troops Blogging

Eine amerikanische Soldatin bloggt über ihre Erfahrungen im Irak. Ihre Berichte über den Irak starten mit der Einreise, bieten aber vorher auch schon Interessantes. Von Jim Henley in der Bedeutung auf eine Ebene mit Salam Pax Liveberichten des letzten Sommers gestellt, fand ihre Beschreibung eines Hinterhalts soviel Nachfrage, daß sie den Bericht wieder aus dem Internet nahm. Eine Zusammenfassung ihrer Beschreibung des Kampfes, in dem sie mit drei anderen amerikanischen Soldaten, einigen Alliierten und einem Trupp irakischer Polizisten eine Gruppe Beamte der provisorischen Regierung zu schützen hatten und dabei für mehr als 20 Stunden dem Feuer mehrerer hundert Rebellen ausgesetzt waren, gibt es aber hier.

Ihre Zusammenfassung:

They say women don’t belong in combat. I don’t think that anybody does, frankly. But after today, the only thing I can say is that this woman doesn’t belong anywhere where she has to listen to twits have conversations like this:

“Our ammo situation is red. Over.”

“Oh.”

“Come morning, we will be over-run, with high casualties. The enemy has stated they will eliminate everyone in the compound. Over. Have you relayed my last transmission to Higher?”

“Roger that, over.”

And then nothing. “What was their response?”

There was none.

We were running out of rounds, and they just didn’t do anything.

[via Unqualified Offerings]

- UPDATE -
Brad DeLongs Eintrag mit der fast wortgleichen Zusammenfassung des Augenzeugenberichts der Soldatin ist nicht mehr erreichbar. Auf seinem recht umfangreichen Webseiten-Komplex kann ich aber auch keine Informationen darüber finden, ob dies Zufall oder Absicht ist. Einer der letzten Kommentatoren jedenfalls forderte Brad DeLong auf, den Beitrag zu löschen. Die Soldatin habe ja nach einiger Zeit auch beschlossen, ihren Bericht der Öffentlichkeit vorzuenthalten. Schade - es war erschreckend und informativ: erschreckend informativ.

11.04.04

Kausale Kette

Nicht weit vom Herzen Berlins, des östlichen Zentrums rund um den Alexanderplatz, entfernt, liegt einer der vielen Parks der Bundeshauptstadt, die in ihrer Gesamtheit den Titel Grünste Hauptstadt Europas sicherlich verdient hätte. Der Friedrichshain, von dem hier gesprochen werden soll, liegt umgeben von Mietskasernen im Stadtgebiet Berlins etwa da, wo Berlin liegen würde, wenn man Berlin als eine Landkarte Deutschlands auffassen möchte. Er verdankt einen Großteil seines Reizes seiner umfassenden Sanierung im Laufe der letzten Jahre, in deren Zuge auch das Friesenstadion abgerissen wurde, um Platz zu machen für eine Naherholungsfläche, die mit gutem Recht den Titel Grünstes Fitneßstudio Berlins beanspruchen könnte. So findet man dort neben einer Beachvolleyballanlage auch ein kleines Klettergebirge, eine Inline-Skate-Bahn sowie mehrere Joggingstrecken, deren Pfad von stationären Trainingsgeräten einfachster Art gesäumt wird. Würde man wiederum den Friedrichshain als Karte Deutschlands begreifen, so fände man den eben besprochenen Teil des Parks, erschaffen auf den Trümmern des ehemaligen Schwimmstadions, eben da, wo man sonst Berlin gesucht hätte.

Nicht weit davon, im Schatten der großen Laubbäume, findet sich ein kleiner, von Amts wegen so benannter Duft- und Behindertenpark. Eingeschmiegt zwischen das am östlichen Rande des Friedrichshains gelegene, gleichnamige und ebenso modernisierte Krankenhaus und einen der zwei das Zentrum des Parks bildenden, am Ende des letzten Krieges aus der Not entstandenen, mittlerweile von der Natur wieder integrierten Trümmerberge, kann der interessierte Besucher dort Blumen und Kräuter in kreisförmig angelegten Beeten und Rabatten erkundschaften. Das Angebot wird von den Rekonvaleszenten des Krankenhauses, aber auch vielen anderen, meist älteren Bewohnern der Umgebung gerne angenommen. Das Zentrum dieser kleinen Anlage inmitten der größeren Anlage des Friedrichshains bildet eine Skulptur, eine Mutter mit einem Kind darstellend.

Neben ihr steht ein Schild, und darauf findet sich denn auch, sowohl in deutschen Buchstaben als auch in Blindenschrift, die offizielle Bezeichnung der Plastik: Mutter mit Kind. Mit einem handelsüblichen Permanentmarker hat jemand daneben vermerkt: Mutter wird gefikt, dabei im selben Atemzuge die Rechtschreibung der deutschen Sprache ebenso gröblich verletztend wie die kausale Kette der Beziehung zwischen Mutter und Kind.

Schuhe falsch geknotet?

Dann nix wie rüber zu Ian und seinen Schnürsenkelknoten!

Es sind Seiten wie diese, die den wirklichen Wert des Internets widerspiegeln. Wo sonst wäre für solche Exzentrizitäten ein Forum zu finden? Und im Internet kommt das Ganze nun sogar mit einer wirklichen Daseinsberechtigung daher, ist es doch lesens- und anschauenswert aufbereitet, bietet Wissen über einen Bereich, der sonst nie angesprochen (weil bei jedermann vorausgesetzt) wird und nimmt sich doch selber nicht allzu ernst. Wunderbar! sagt der Denkpass.
[via Plastic Thinking]

Die Feinde eiliger Einkäufe

Michael lässt ein bissiges Remark los:

Warum gehen so viele Asoziale nach 20:00 Uhr einkaufen, wenn der Laden eigentlich schon geschlossen hat? Können die ihre paar Pullen Billigbier nicht am frühen Nachtmittag, gleich nachdem sie aus dem Koma vom Vortag aufgewacht sind, besorgen? Haben die so viele Termine? Neue Lederhandytasche für den Gürtel auswählen? Mit Bernd vom Schnellimbiss plaudern? Den Kampfhund zum Gassi gehen zerren? Jugendliche auf dem Sportplatz anpöbeln?
Wir wissen warum! Tagsüber, aber vor allem vormittags regieren Renter die Läden:

Sie schlurfen langsam durch die Gänge und schieben dabei fast leere Einkaufswagen vor sich her. Oft bleiben sie mitten im Gang stehen, kramen umständlich ihre Brille aus der Handtasche und lesen sich sorgfältig eine Verpackung durch, die sie anschließend zurück ins Regal legen. Endlich am Fleischstand angelangt, ordern sie von fast allem etwas, aber jeweils nur 50 Gramm. Bei der Obst- und Gemüseauslage grabbeln sie geduldig alles an und nehmen es unter die Lupe, bevor letzten Endes ein eingeschweißter Sechserpack Äpfel und etwas Suppengrün im Einkaufswagen landen. Am Zeitungsregal greifen sie sich eine der nur für diese Zielgruppe aufgelegten, bunten und inhaltsleeren Gesellschaftsmagazine und eine ebenso inhaltsleere Tageszeitung mit großen Buchstaben auf der Titelseite. Nach einer dreiviertel Stunde an der Kasse angekommen, erfüllen sie erst einmal ihren sozialen Bedarf, den einzigen wirklichen Grund für diesen täglichen Einkauf, indem sie mit jedem, der da zu finden ist, ein Gespräch übers Wetter und die Alltagsprobleme vom Stapel treten. Beim Bezahlen kramen sie minutenlang in ihren Portemonnaies herum, um etwas Kleingeld zu finden, bevor sie, verzweifelt durch das ungeduldige Gestöhne der anderen, die Kontrolle über ihr Geld an die Kassierin abtreten.

10.04.04

Spring is here!

Moderner Sport ist eine Ersatzreligion. Dies gilt für Fußball ebenso wie für Baseball, den typischen amerikanischen Sport (obwohl seit einiger Zeit nicht mehr die wirkliche Nr. 1 - das scheint mittlerweile American Football zu sein.) Religion hat immer viel mit Ritualen zu tun, und eines dieser Rituale bei meiner Ersatzreligion Baseball ist die Bestellung des Baseball Prospectus.

Das ist ein jährlich erscheinendes Kompendium, das aufgrund seines außergewöhnlichen statistischen Inhalts die Baseball-Welt revolutioniert. Die Autoren betreiben auch eine Webseite, die ebenso hervorragenden Inhalt bietet. Dort findet sich auch eine Artikelreihe zur Erklärung des Baseball Prospectus-eigenen Ansatzes zur Verwendung von Statistik. (Der Ansatz folgt der Philisopie von Bill James, am Rande bemerkt.)

Egal, egal. Jedenfalls ist die neueste Ausgabe des Werkes eingetroffen. Spring Training ist vorbei, für die nächsten sechs Monate lautet also täglich meine Devise: Nachschauen, wie gespielt wurde.

PS. Es besteht die relativ hohe Chance, daß zu Baseball und seinen Statistiken in Zukunft an dieser Stelle etwas mehr zu lesen sein wird. Vielleicht sogar in englisch. Auf alle Fälle gilt: Man darf gespannt sein. Auf der rechten Seite gibt es bis dahin einige Links, aber das weiß der interessierte Denkpass-Surfer ja bereits.

Die Bedeutung der menschlichen Augen

Aus Michail Bulgakow, Meister und Margarita:

"Ich glaube Ihnen!", rief der Schauspieler endlich und löschte den Blick. "Ich glaube Ihnen! Diese Augen lügen nicht! Wie oft habe ich euch schon gesagt, euer Hauptfehler besteht darin, daß ihr die Bedeutung der menschlichen Augen unterschätzt. Begreift doch, Zungen können die Wahrheit verbergen, aber Augen nie! Man stellt euch eine plötzliche Frage, ihr zuckt nicht einmal, habt euch sofort in der Gewalt und wißt, was ihr sagen müßt, um die Wahrheit zu verbergen, ihr sprecht höchst überzeugend, und keine Falte eures Gesichts bewegt sich, doch leider springt die von der Frage aufgestörte Wahrheit für einen Moment vom Grunde der Seele in die Augen, und schon ist alles aus! Die Wahrheit wird bemerkt, und ihr seid ertappt!"

09.04.04

To good to pass up!

Aus Thomas Harris, Hannibal:

[Während seiner Gefangenschaft entwarf Hannibal Lecter eine Uhr, in der Jeses Christus am Kreuz dargestellt war: Seine Arme zeigen Stunden und Minuten an. Seine Gegenspieler untersuchen eine Zeichnung der Uhr, weil sie von dort Hinweise auf seine Persönlichkeit erwarten.]

"The Crucufication clearly represents a destroyed object of veneration. Note that the arm that forms the minute hand is at six, modestly covering the pudenda. The hour hand is at nine, or slightly past. Nine is a clear reference to the traditional hour when Jeses was crucufied."

"And when you put six and nine together, note that you get sixty-nine, a figure popular in social intercourse.", Margot could not help saying.

08.04.04

Alle Achtung!

Indianer Frauen kennen keinen Schmerz.

Beobachtungen in Europa

Thomas Harris bisher größter Erfolg, Das Schweigen der Lämmer, erschien 1988. Der Nachfolger Hannibal erschien ganze elf Jahre später, im Jahre 1999. Womit hat sich Harris in der Zwischenzeit beschäftigt? Darüber kann man nur Vermutungen anstellen. In Hannibal finden sich aber Hinweise auf den Lebenswandel des erfolgreichen Autoren.

So scheint er längere Zeit in Europa verbracht zu haben. Gerade Italien scheint dabei einen besonderen Eindruck hinterlassen zu haben. Denn ein Teil der Geschichte, die in Hannibal erzählt wird, spielt in Florenz mit seiner einzigartigen Architektur und Kunst und der in ihnen lebendig werdenden Geschichte Europas. Der Palazzo Vecchio und die Uffizien werden ebenso detailliert und liebevoll beschrieben wie Kunstwerke in einigen der vielen, kleinen Kirchen in Florenz oder die Straßen, Brücken und Plätze der Stadt in der Toscana. Selbst die Geschichte der Pazzi-Verschwörung von 1478, bereits von Dante Alighieri in der Göttlichen Komödie thematisiert, wird nicht nur erwähnt - sondern gleich in die Handlung eingeflochten. Mit ziemlicher Sicherheit läßt sich also sagen, daß Harris zumindest einen Teil der elf Jahre zwischen seinen letzten beiden Büchern für einen ausgiebigen Urlaub südlich der Alpen genutzt hat.

Die mediterrane Küche hat es ihm ebenso angetan. Wie es sich für einen erfolgreichen Autoren gehört, liegt das Augenmerk dabei auf hochpreisigen, luxuriösen Gaumenfreuden. Hannibal Lecter verzehrt solch kulinarische Kostbarkeiten wie Foie Gras, sogenannte Entenstopfleber, Weiße Trüffel, anatolische Feigen oder grüne Austern aus der Gironde. Zu trinken gibt es in Hannibal nur Exklusives. Das fängt an bei Chateau Petrus Bordeaux, setzt sich fort bei Batard-Montrachet und endet bei Weinen aus St. Estephe. Das Gewicht, das Harris als Erzähler dem Essen und Trinken beimißt, legt die Vermutung nahe, selber oft diesen Genüssen zu frönen.

Mit ziemlicher Sicherheit lässt sich also sagen, daß Thomas Harris Teile seines Vermögens in Italien in Umlauf brachte. Wie kam er dorthin? Auch darüber gibt Hannibal Auskunft: Mit dem Flugzeug natürlich. Die Gedanken, die Harris als Reisender wälzte, wollen wir dem Leser nicht vorenthalten, wenn sie auch den ästhetischen Rahmen des bisher Aufgeführten gröblich verletzen:

[..] Shoulder room [aboard a typical passenger plane] is twenty inches. Hip room between arm rests is twenty inches. This is two inches more space than a slave had on the Middle Passage. The passengers are being slopped with freezing-cold sandwiches of slippery meat and processed cheese food, and are rebreathing the farts and exhalations of others in exonomically reprocessed air, a variation on the ditch-liquor principle established by cattle and pig merchants in the 1950s.
Harris ist übrigens sonst auch ein penibel aufzeichnender Beobachter, der mit Interesse weite Gebiete abstreift. So drehten sich die ersten beiden Bücher der Hannibal Lecter-Trilogie um ein Bild von William Blake oder um ein in Amerika selten vorkommendes, mit Aberglauben behaftetes Insekt, den Totenkopfschwärmer. Beide sind in Museen zu finden und dort spielt auch ein Teil der Handlung. Die mit Blick fürs Detail verfassten Beschreibungen beider Motive und der sie beherbergenden Museen lassen auch hier das Interesse des Schriftstellers durchschimmern. Aber das nur am Rande.


07.04.04

Auf dem Weg nach Hollywood ...

So, so. Der Giga-Daniel hat also sturmfreie Bude, weil sein Mädel für paar Monate in New York ist. Und was macht er? Stellt sich vor den geöffneten Kühlschrank und rülpst ganz laut. Stellt sich einem sofort die Frage, ob man derzeit vor bestimmten Fenstern drüben im Big Apple auch so tolle Laute vernehmen kann?

PS. Also, wenn das auch was ist, was man zum Fernsehen so talentmäßig braucht ... dann sag ich euch ... dann bin ich bald in Hollywood!

Schwarzarbeit und ihre Beweggründe

Daniela schreibt über Anzeichen von Schwarzarbeit und kommt zu folgendem Fazit:

Einerseits schlimm, dass so viele nach Feierabend schwarz weiter arbeiten.
Andereseits echt traurig, dass es überhaupt notwendig ist! Da gehen die Männer von morgens 7 oder 8 Uhr bis spät abends arbeiten, teilweise noch am Wochenende...nur um die Familie durchzukriegen oder einfach mal wieder in den Urlaub fahren zu können. Nur Zeit haben sie dann keine mehr...
Wie weit wird das noch gehen?
Allein der Denkpass ist sich nicht so sicher, daß das immer nur gemacht wird, um "die Familie durchzukriegen" oder mal eben nach langer Zeit "in den Urlaub fahren zu können".

Erstmal haben wenige Deutsche eine "Familie", so mit Frau und Kind. Zum zweiten sind wir immer noch Urlaubsweltmeister.

Der Denkpass behauptet: Der Großteil der Schwarzarbeit wird allein aus dem Grund geleistet, MEHR Geld zu verdienen. Keine Abgaben zahlen, keine Steuern, keine Versicherungen. Erhöht - vor allem bei Arbeitgeber aber auch beim Arbeitnehmer - die Einnahmen. Ist aber zutiefst unsozial.

Wer schwarz arbeitet oder arbeiten lässt, ist unfähig, zugunsten anderer auf etwas zu verzichten, weil er auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist. Kurz, er ist ein Egoist. Auch wenn das seltsame System in unserem Staat es manchmal nicht anders möglich macht.

Wie ein Primus eine Schockwelle (verb)reitet

Da hatte so mancher sich schon etwas gefreut, daß Microsoft Strafe zahlen müsse. Leider auch gleich festgestellt, daß diese Strafgebühr angesichts der gefüllten Kriegskassen des Unternehmens nicht weiter auffällt. Zumal diese Strafe einerseits den Gewinn schmälert (was die Steuerbelastung senkt), andererseits von den Kunden bezahlt wird (oder besser: wurde). Grundlegende Änderungen ergeben sich kaum, da die anderen Auflagen (ebenso wie die Strafzahlung) von Microsoft angefochten werden. Schätzungen über die Dauer des Rechtsstreites bewegen sich zwischen drei und fünf Jahren.

Aber: auf Regen folgt Sonnenschein und auf Ebbe folgt die Flut. Und so hat die Firma Microsoft schnell reagiert, um den schlechten (oder aus der Sicht dieses Herrn: guten) Nachrichten gute (oder aus der Sicht dieses Herrn: schlechte) entgegenzusetzen. Und so öffnet Microsoft sich nicht nur dem Open-Source-Gedanken, sondern begräbt kurzer Hand auch das Kriegsbeil mit Sun Technologies. Dafür ist man dann auch bereit, 1.600.000.000,00 $ zu zahlen (übrigens fast das Dreifache der von der EU verhängten Strafe).

Bei der Veröffentlichung eines Werkzeuges zur Erstellung von Windows-Installationspaketen aus XML-Code als Open-Source geht man allerdings nicht so weit, auch die General Public License GPL zu verwenden. Statt dessen wurde die Common Public License aus dem Hause IBM verwendet, die nach Aussagen von Microsoft-Manager Jason Matusow weniger Probleme bei der kommerziellen Verwertung der frei verfügbaren und modifzierbaren Software bereitet. Und man werde weiterhin die Politik verfolgen, Programme unter einer Shared License oder als Open-Source zu veröffentlichen. Man öffnet sich in diesem ersten Schritt also nur teilweise - aber immerhin. Man muss mit den Wölfen heulen, nur lauter.

Vom künftigen Miteinander - statt des Gegeneinanders - versprechen sich Microsoft und Sun eine bessere Marktposition. Sun-Server werden Microsoft-Zertifikate erhalten, die Firma bekommt ständig Informationen zur besseren Verträglichkeit der Produkte und das öffentliche Gegeneinander (verbal und juristisch) hat ein Ende. Mittel- bis langfristig, so der Artikel im Spiegel, ergeben sich jedoch gravierendere Auswirkungen:

• Sun kann sich nun gemeinsam mit Microsoft auf die Auseinandersetzung mit Linux konzentrieren (das von Suns Hauptkonkurrenten IBM und Dell kostenlos auf deren Server gespielt wird und Microsoft schon länger ein Dorn im Auge ist)
• bei künftigen Auseinandersetzungen europäischer Behörden fehlt die Unterstützung eines der bisherigen Hauptkonkurrenten
• interne Grabenkämpfe mit ihren Personal- und ressourcenbindendem Aufwand gehören der Vergangenheit an

Microsoft hat wieder einmal bewiesen, sich den Platz an der Sonne verdient (und keineswegs durch Zufall erreicht) zu haben. Man ist seinen Verfolgern ständig voraus: hier ein Haken und dort ein Haken und am Ende stolpert die Konkurrenz über ihre eigenen Beine. Beachtenswert.

Übrigens: der Fanatismus, mit dem sich viele Leute gegen Microsoft einschwören, gilt der auch für andere Quasimonopolisten? Regt sich diese Frontwelle der deutschen Blogszene auch darüber auf, daß in mehr als neunzig Prozent der deutschen Restaurants Coca Cola angeboten wird oder in mindestens ebenso vielen Kiosken, Zeitungsläden und Imbissen eigentlich nur Kaugummis von Wrigley´s zu erwerben sind?

06.04.04

Mehr Arbeit für weniger Geld

Eine repräsentative Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach untersuchte die Einstellungen der Bundesbürger zu möglichen Änderungen der Arbeits-Entlohnungs-Konditionen. Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass die Situation für die Allgemeinheit noch nicht so schlecht ist, daß einschneidende Veränderungen eine mehrheitliche Unterstützung erfahren würden:

• ein gutes Viertel würde sich für mehr Freizeit für weniger Geld entscheiden (das Teilzeitmodell)
• 37 Prozent möchten für gleiches Geld mehr arbeiten (das vieldiskutierte Beamtenmodell)
• 25 Prozent befürworten geringeren Kündigungsschutz
• direkten Lohnverzicht halten sieben Prozent für möglich
• höhere Sozialabgaben werden von neun Prozent unterstützt

Der letzte Punkt, kaum unterstützt, ist kontraproduktiv, da er ja die Lohnkosten weiter steigen lässt. Auch der erste, das Teilzeitmodell, ist nicht ewig fortsetzbar. Eine wirkliche Verbesserung am Arbeitsmarkt ist aus meiner Sicht nur mit Hilfe einer Kombination der mittleren drei Punkte möglich. Diese Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit des Arbeitsstandortes Deutschland ist dringend nötig - ohne sie wandern große Firmen weiter aus. Diese Entwicklung kann - in meinen Augen - nur rückgängig gemacht werden, wenn man da ansetzt, wo der Standort Deutschland am weitesten hinterher hechelt: hohe Lohnkosten und ungleichmäßige, komplizierte Besteuerung.

Aber zu den drei mittleren Punkten. Für gleiches Geld mehr arbeiten, senkt zwar die Lohnkosten je Zeiteinheit - ist zugleich aber unsozial gegenüber anderen. Zudem arbeiten die meisten Menschen in der freien Wirtschaft bereits mehr als sie bezahlt kriegen, aus eben dem Grunde, die Lohnkosten flach zu halten und die Produktivität hoch. Der nächste Punkt, geringerer Kündigungsschutz, funktioniert in anderen Ländern (z.B. Dänemark, USA) anscheinend hervorragend, um kurzfristige Kapazitätsengpässe zu umgehen und unkompliziert Arbeitsplätze zu schaffen. Er fordert von allen Beteiligten große Flexibilität und ein Umdenken hinsichtlich der Planbarkeit des eigenen Berufslebens. Eine Umsetzung scheint nach Jahrzehnten weitestgehender Planungs-Sicherheit schwer möglich.

Es ist der direkte Lohnverzicht, von nur sieben Prozent in der Umfrage befürwortet, der mir als die beste Variante erscheint. Daß es nur sieben Prozent sind, ist der Grund für meine Ansicht, einschneidenden Veränderungen fehle eine mehrheitliche Unterstützung. Für eine Verbesserung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben wir uns also noch etwas zu gedulden. Und zwar bis fast allen das Wasser bis zum Halse steht ...

Berlin, Berlin ...

Da gibt es ja diesen Werbespot irgendeiner Hopfen-Malz-Hefe-Wasser-Brauerei, der mit den gesungenen Worten aus der Überschrift dieses Eintrags die aufregenden, alternativen und coolen Seiten der Hauptstadt hervorhebt, um für das braune Gesöff zu werben. Findet anscheinend auch Plastic-Thinking-Co-Moderatorin Anneke saugeil (oder war sie nur eben so auf irgendeiner Demo?). Egal, egal ...

Es gibt jedenfalls eine Menge von Gründen, warum Berlin so einzigartig in Deutschland ist. Einen nennen soll ich? Na, wo kann man beim Lesend-durch-die-Straßen-Schlendern Leute beobachten, die auf dem Rasen solche seltsamen Kompositionen entwerfen:

berlin.jpg

05.04.04

Vom Verlust unserer Unschuld

Die Betroffenheit, mit der ich auf die Leichenschändungen im Irak reagierte, wurde nur vom Ekel vor Tat und Tätern übertroffen. Wie kann man nur die sterblichen Überreste eines Menschen dermaßen entehren: Dem Leichnam seine Ruhe - seine Unschuld - nehmen, ihn an einen Eselskarren ketten und unter dem Gegröle fanatisierter Massen durch den Straßendreck schleifen und zuletzt an Brückenpfeilern hängend zur Schau stellen. Findet sich in dieser verabscheuungswürdigen Tat ein unüberwindbarer Graben zwischen westlicher Zivilisation und arabischer Welt? Eine Grenze, deren friedliche Überschreitung beiderseits durch unverstandene oder unverständliche ethische Maßstäbe unmöglich ist?

So dachte ich, bis mir das Schicksal der Söhne Saddam Husseins einfiel. Da hatten die Amerikaner selber angefangen, Bilder von Leichen ihrer Gegner zu zeigen. Zur bildlichen Dokumentation ihres Erfolgs gewissermaßen. Ein Vorgehen, das zumindest im Hinblick auf die Menschenwürde als fragwürdig zu bezeichnen ist. Eine Grenze wurde damals überschritten. Von uns - der westlichen Welt. Wobei die Reihenfolge der Grenzüberschreitung keine Rolle spielt. Unser Gewissen verlor wieder einmal seine Unschuld.

Leichen zeigt man - wenn überhaupt - nur, um ihnen oder ihrer Sache zu helfen. Um der Wiederholung von Untaten vorzubeugen, denen sie zum Opfer fielen. Um die Täter zu finden, beispielsweise. Um ein Vergessen zu vermeiden. So wie man beispielsweise die Opfer des nationalsozialistischen Genozids auf Bildern darstellt oder in Gedenkmälern thematisiert.

Man zeigt Leichen nicht, um den Schuldigen an ihrem Tode, den Tätern, zu helfen. Keine öffentliche Erfolgskontrolle durch die Zurschaustellung der toten Söhne Saddams. Keine Machtdeklarationen durch die Verunglimpfung ziviler Besatzer. Für die westliche und die arabische - für jede - Welt gilt, den Toten ihre Ruhe zu lassen. Sie, die das Leben bereits hinter sich haben, nicht mehr vor (oder wie im Falle der vier Amerikaner in Falludscha hinter) den Karren spannen. Kurzgefasst:

Mit Leichen macht man keine Werbung.

Die Zweisamkeit von Hass und Liebe

Der einzige Mensch auf der Welt, den du hassen kannst; ist derjenige, den du liebst. Denn nur er kann dich wirklich verletzen.
[via It´s my life]

Hauptdestillierapparatunterstützungen oder Wie man mit Babelfish billig Anleitungen übersetzt

Die Anleitung zum Einstellen der Kombinationsschlösser meines neuen Pilotenkoffers liest sich in deutscher Sprache so:

GEBRAUCHSANWEISUNG FUR STELLUNG DES VEXIERSCHLOSS

1. Mit dem Schloss offend,Schieben den knopf (1) in der Richtung nach der Markierstab und niederhalten bis die zweite Operation durchgeführt werden hat.
2. Stellen das Nummersrad (2) auf die gewünschte kombination vergessen Sie nicht diese kombination.
3. Jetzt lassen den knopf (1) los,fur die prufüng drucken Sie den knopf wiedermai.

Der englische Quelltext ist noch in Ordnung. Er sieht so aus:
Directions for setting combination locks

1. With the lock open,push button (1) in the direction of the arrow and holg down until the second operation has been performed
2. Set number wheels (2) to the desired combination. Do not for get the combination you have set!
3. Now release the button (1) press the button again as a check

Bis auf Punktuation und das zweigeteilte for get bleibt das verständlich. Wir wollen es einmal durch den Babelfish jagen:
Richtungen für die Einstellung der Kombinationsschlösser

1. Mit der Verriegelung öffnen Sie sich, Stoßtaste (1) in der Richtung des Pfeiles und holg unten, bis dem zweiten Betrieb
2. gesetzte Zahlräder (2) zur gewünschten Kombination durchgeführt worden ist. Nicht für erhalten Sie die Kombination, die Sie eingestellt haben!
3. Geben Sie jetzt die Taste (1) Presse die Taste wieder als Überprüfung frei

Auch nicht besser. Daher verständlich, wie dieses Anleitungsdeutsch zustande kommt - durch rechnergestütze Übersetzung.

Übersetzt man den Text vom Englischen ins Deutsche, vom Deutschen ins Französische, vom Französischen ins Englische und anschließend wieder zurück vom Englischen ins Französische, vom Französischen ins Deutsche und vom Deutschen ins Englische, ergibt sich diese aussagefähige Anleitung:

Managements for the adjustment of the locks of combination

1. with the locking you openly of reason of the keys of the effect (1) in the management of the arrow and holg, to one the second society into the practice converted the wheels
2èmes of a number (2) balanced at the desired combination. For it the received combination, which you adapted!
3. it to give now to (1) the main distiller supports on the notice as the renewed examination freely

Und das Ganze übersetzen wir jetzt nochmal ins Deutsche:
Managements für die Justage der Verriegelungen von Kombination

1. mit, die der Blockierung wandelten Sie ist, öffentlich des Grundes der Schlüssel des Effektes (1) im Management des Pfeiles und des holg, bis eins die zweite Gesellschaft in die Praxis die Räder
2èmes einer Nr. um (2), die an der gewünschten Kombination ausgeglichen wurde. Für sie die empfangene Kombination, die Sie anpaßten!
3. es, zum (1) zu den Hauptdestillierapparatunterstützungen auf der Nachricht als die erneuerte Prüfung jetzt frei zu geben

04.04.04

Our last memory of peace

Aus Thomas Harris, The silence of the lambs:

She found Starling in the warm laundry room, dozing against the slow rump-rump of a washing machine in the smell of bleach and soap and fabric softener. Starling had the psychology background - Mapp´s was law - yet it was Mapp who knew that the washing machine´s rhythm was like a heartbeat and the rush of its waters was what the unborn hear - our last memory of peace.

Wegwerfgesellschaft

Wie die funktioniert? Beispielsweise so:

Villeroy & Boch bietet Demjenigen zwanzig Prozent Preisnachlass auf die eigene Produktlinie, der altes Geschirr mitbringt und überläßt. Natürlich jeweils eins zu eins. Kaufland verkloppt gerade überproduziertes Restgeschirr zu 10 Cent pro Teil. Somit kauften wir gestern zwölf nagelneue Teller für insgesamt 1,20 €, die wir morgen in Edelgeschirr mit zwanzigprozentigem Preisnachlass verwandeln werden.

So sieht sie aus, die Wegwerfgesellschaft.

03.04.04

Ein T-Shirt von der Zeit gewinnt ...

... "Ford" - wie man hier sieht. Es ging um die Definition von Terrorismus im Terrorismus-Blog des Dr. Jochen Bittner (eine Fortsetzung gibt es hier).

Auch wenn sich der Denkpass auf die Fahnen schreiben kann, durch penetrantes Nachfragen überhaupt für die Preisvergabe gesorgt zu haben, die sonst eventuell dem Vergessen anheim gefallen wäre, konnte bei der Bewertung der Definitionen kein Blumentopf gewonnen, geschweige denn eine Platzierung unter den ersten Fünf erreicht werden. Die letztendlich siegreiche Definition hat aber neben tiefem Sinn auch eine poetische Eleganz, deren beider sich unsere Beiträge entbehrten:

"Die Welt ist voller Schrecken, den wir dulden.
Terrorismus ist der Schrecken, den wir fürchten."

China-Sittich

Nachdem die verschiedensten olympischen Komitees unseren Vorschlag einer zeitgemäßen, neuen Sportart für die Olympischen Spiele weiterhin ignorieren, wenden sich unverständlicherweise auch die Geldgeber innerhalb der Lebensmittelindustrie von unseren Anregungen zu einer Wende im Ernährungsverhalten der Westeuropäer ab. Unverständlich bleibt diese ablehnende Haltung allein deshalb, weil sich bei der Umsetzung beider Ideen ungeahnte Synergieeffekte ergeben würden. Wellensittich-Federball liefert eben auf unerreicht einfache Weise die Grundbestandteile einer Wellensittich-Boulette.

Unser Problem besteht also weiterhin: fünf Wellensittich-Individuen, deren antisoziales Verhalten jede Zusammenkunft ihrer Besitzer in empfindlichem Maße stört. Darüber hinaus sind wir Wellensittich-Geplagten aber auch Vorzeige-Erste-Welt-Bewohner: Immer auf der Suche nach dem Goldenen Kalb. Und aus dieser unerhörten Verbindung - zutiefst sadistische Wellensittich-Mordlust und unbezähmbare Geldgier - ergeben sich denn auch ständig neue, potentielle Jahrhundert-Ideen. So wie unser neuester Vorschlag, der das Party-Wesen Westeuropas auf einen Schlag nicht nur ins 21. Jahrhundert, sondern gleich ins 22. Jahrhundert befördern wird.

Es handelt sich um den China-Sittich. Bei der Wahl dieses wahrhaft zeitgemäßen Namens wurden mehrere Aspekte berücksichtigt. Daß das kommende Jahrhundert als das Jahrhundert Chinas in die Geschichte eingehen wird, ist ebenso unbestritten wie die mit dem Namen Peking-Ente verbundenen Gaumenfreuden. Zudem ergab sich der Name aus einer Kombination von China-Böller und Wellensittich (und das Gegenteil, der Wellen-Böller, sagt nun wirklich nicht viel über die Partyrevolution des kommenden Jahrhunderts aus, wie sich zeigen wird).

Worum handelt es sich also nun? Ein je nach Geschmacksrichtung zubereiteter Wellensittich wird in die Mitte eines nicht zu großen, runden Tisches gelegt. Zur Erlangung der unterschiedlichen Geschmacksrichtungen empfiehlt es sich, den Wellensittich zu kochen, braten, rösten, pökeln oder räuchern. Auch Fans roher Kost kommen auf ihre Kosten: der sogenannte Su-China-Sittich wäre hier die Lösung. Aber wir schweifen ab. In eine Körperöffnung des fertig zubereiteten Tieres wird als nächstes ein zündelnder Chinaböller gesteckt. Die Teilnahmer der strikt nach Runden aufgeteilten Schlemmerei postieren sich um den Rundtisch herum, öffnen ihre Münder so weit wie möglich und schließen die Augen. Innerhalb kürzester Zeit werden sie - wie von selbst - in den Genuß einer wahren Köstlichkeit gelangen.

Der strenge Ablauf läßt sich mit verschiedenen Getränkerunden sehr gut auflockern. Zu speziellen Feiern, wie zum Beispiel der Sylvesternacht, läßt sich die optische Wirkung des Festmahls steigern, indem man die Wellensittiche ungerupft zubereitet und serviert. Die fröhlichen Farbtupfer, die man einer Feier so verleihen kann, werden in der Erinnerung der Gäste einen unerreichten Spitzenplatz einnehmen.

02.04.04

Abwertende Trennung

Aus Hans Mayer, Die unerwünschte Literatur:

"Es war ein deutsches und spätbürgerliches Vorurteil, die Dichtung von der Literatur zu trennen, noch dazu wertend oder abwertend: ganz wie die angeblich deutsche Kultur von der angeblich welschen Zivilisation."

01.04.04

Das Geschäft seines Lebens

"Weiss´ Du, was ´en juten von ´nem schlechten Kellner unterscheidet?", fragte er und schaute auf den Grund des Cocktailglases in seiner Hand. Sie waren an diesem Abend mittlerweile in der dritten Bar angelangt.

"Ne. Wat denn?", kam schwerfällig die Antwort seines Tischnachbarn.

" ´s is´ die Fähigkeit, die Jäste, bei den´s auf die eijene Faulheit nich´ so ankommt", er wies auf das Liebespaar am Nebentisch, das seit geraumer Zeit eng umschlungen schluchzte, "von den Jästen zu un´erscheiden, bei denen ei´m das Jeschäft seines Lebens entjeht."

Ich hab´zu tun

Die beiläufige Unterhaltung lief schon eine Weile, als sie ihn fragte: "Und? Wollen wir uns da mal ransetzen?"

"Nee! Ick hab...", kam seine Antwort sofort. Entsetzt schaute er für Sekunden auf den leeren Schreibtisch vor ihm, bevor er hinzufügte: "...zu tun!"

Die beiden Frauen verdrehten ihre Augen und wandten sich mit einer Grimasse ab. Überarbeitung war keine der Assoziationen, die man mit ihm verband.

Ostereierproduktion läuft an

Und zwar so!

Bekiffte Spermien

So sieht ein Gespenst an der Wand aus: Haschisch-Konsum schädigt möglicherweise das Sperma seiner männlichen Konsumenten. Wir könnten jetzt darauf hinweisen, daß es somit für weibliche Konsumenten bei gemeinsamen Orgien weniger Konsequenzen zu befürchten gäbe, wollen aber eigentlich auf einen anderen Punkt hinaus. Wir sehen hier eindeutig die Gefahr, Haschisch mit Hilfe drohender Impotenz zu verteufeln. Gefahren für unsere Spermien bietet die moderne Umwelt genügend, Freunde:

• nach 1950 geboren sein
Ozon
Infektionen oder Beschädigungen der Samen leitenden Gefäße
• über 35 Jahre alt sein
Xeno-Östrogene, die beispielsweise über das Trinkwasser aufgenommen werden können
substanzengefördertes Bodybuilding
Autoabgase
• Rauchen, Alkohol oder zu enge Hosen
• zu viel Sex (s. Punkt 15 dieser Spermien-FAQ)

Für den einen oder anderen unerfahrenen Leser: Spermien werden übrigens bei bestimmten Vorgängen emittiert, was hier beschrieben ist. Hinweise zur Steigerung der Spermienzahl, Änderung ihres Geruchs und Geschmacks, Einfluss des Wetters auf die Spermien und viele wirklich lebenswichtige Informationen mehr liefert diese bereits erwähnte Seite.

Wir wollen nochmal kurz auf unser Gespenst zurückkommen und in diesem Zusammenhang speziell auf Alkohol hinweisen. Denn Alkohol ist für 16-Jährige zugänglich - unter bundesdeutschen Politikern wachsen darüber niemandem graue Haare. Über die Zugangsmöglichkeiten erwachsener Menschen zu Cannabis aber schon.

Ein allgemeiner Vergleich von Cannabis und Alkohol findet sich beispielsweise hier. Dort wird - sicherlich nicht mit wissenschaftlicher Magnifizienz, aber doch eifrigst recherchiert - angeführt, daß es für einen Großteil der mit Cannabiskonsum in Zusammenhang gebrachten Erkrankungen keine wissenschaftlichen Beweise gebe. Auch diese Seminararbeit an einer Hochschule verweist den Vorwurf ernsthafter Schädigungen durch Cannabis-Konsum ins Reich der Behauptungen.

Warum dann werden diese Behauptungen vorgebracht? Es ist die Legalisierung von Cannabis in einigen Nachbarländern Deutschlands, die das Thema von Zeit zu Zeit auch bei uns in den Mittelpunkt rückt. Mit dem Für und Wider einer Cannabis-Legalisierung beschäftigt man sich ausführlich an dieser (ausführlich!) und dieser Stelle. Eine FAQ findet man hier. Auch der Jugendverband der Grünen unterstützt die Legalisierung (über die Stellung der anderen Parteien kann man hier etwas lesen). Das Thema ist also mittlerweile legitimer, öffentlicher Gesprächsstoff.

So, und für nachher überlege ich mir mal was ganz Aufregendes und Gefährliches für meine Spermien: Ich werde besoffen in engen Hosen während des Bodybuildingtrainings am Rande einer Berliner Hauptstraße viel Sex haben, dabei Unmengen von Trinkwasser zu mir nehmen und einen Joint buffen.