31.03.04

Nur zu Ausstellungszwecken

Wenn man im Jahr auf vier bis sechs Messen ausstellt, sieht man so einige schräge Sachen. Bufetts auf dem Messeball zum Beispiel, bei denen trotz identischen Angebots auf einer Seite mehr als hundert Menschen Schlange stehen und man auf der anderen Seite sofort zum Zuge kommt. Oder Ausstellerparkplätze, die zu Fuß ungefähr dreimal so weit entfernt sind wie das Hotel, aus dem man morgens aufbrach.

Bei der ILA 2004 jedenfalls gibt es auch einige Aussteller mit Waffen-Exponaten. Deswegen füllt jeder Aussteller im Rahmen der Anmeldung zur Messe ein Formular aus, auf denen man Ausstellungsgüter angibt, die unter das Kriegswaffenkontrollgesetz fallen. Ich habe heute dieses Formular für mein Unternehmen ausgefüllt. Was kann man dort alles angeben? Zum Beispiel folgendes:

• Flugkörper
• Startanlagen für Lenkflugkörper, ungelenkte oder sonstige Flugkörper
• Triebwerke für Flugkörper
• Kampfflugzeuge
• Kampfhubschrauber

... und noch einiges Weiteres. Einige Zeilen weiter wird der geneigte Kriegswaffen-Aussteller zur Friedfertigkeit angehalten. Man versichert durch Unterschrift:

Die oben aufgeführten Kriegswaffen werden nur zu Ausstellungszwecken auf der ILA 2004 verwendet.

Wär ja auch noch schöner, sollte man die mitgebrachten Konflikt-Bereinigungs-Utensilien zum sofortigen Konflikt-Bereinigen verwenden, oder?

Amazon-Umfrage

Amazon.de schreibt seine Kunden an, um eine Umfrage durchzuführen. Hier sind die Fragen (und fettgedruckt meine Antworten):

Bücher sind für mich…

lebenswichtig.
angenehmer Zeitvertreib.
wichtige Informationsquellen.
perfekte Schlafmittel.
Flucht in eine andere Welt.
besser als Fernsehen.
Statussymbole.

Was haben Bücherleser anderen Menschen voraus? Sie sind…

anregendere Gesprächspartner.
besserere Liebhaber.
bei jedem Wissensquiz überlegen.
kurzsichtig.

Die meisten Bücher, die ich ausgelesen habe, ...

stelle ich ins Regal.
werfe ich weg.
leihe ich Freunden.
verkaufe ich im Internet.

In welcher Situation darf bei Ihnen ein Buch auf keinen Fall fehlen?

In Bus und U-Bahn
In der Badewanne
Vor dem Einschlafen/auf der Couch
Im Urlaub

Welche Bücher lesen Sie am liebsten?

Historische Romane (z.B. "Das Lächeln der Fortuna" von Rebecca Gablé, "Die Säulen der Erde" von Ken Follett)
"Chicklit" -- Literatur für die moderne Frau (z.B. "Mondscheintarif" von Ildikó von Kürthy, "Schokolade zum Frühstück" von Helen Fielding)
Liebesromane (z.B. "Die Muschelsucher" von Rosamunde Pilcher, "Das Lächeln der Sterne" von Nicholas Sparks)
Krimis (z.B. "Nie sollst du vergessen" von Elizabeth George, "Nobiltà" von Donna Leon)
Thriller (z.B. "Illuminati" von Dan Brown, "Die Farm" von John Grisham)
Science-Fiction-Bücher (z.B. "Star Trek", "Per Anhalter durch die Galaxis" von Douglas Adams)
Beziehungs- und Lebensratgeber (z.B. "Der perfekte Liebhaber/Die perfekte Liebhaberin" von Lou Paget, "Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken" von Allan & Barbara Pease)
Politische Sachbücher (z.B. "Stupid White Men" von Michael Moore, "Irak. Geschichte eines modernen Krieges" von Stefan Aust)
Kochbücher (z.B."Genial kochen mit Jamie Oliver", "Hausmannskost für Feinschmecker" von Alfons Schuhbeck
Literarische Klassiker (z.B. "Der Steppenwolf" von Hermann Hesse, "Faust" von J. W. von Goethe)
Business- und Karriere-Bücher (z.B. "Simplify your Life" von Werner Küstenmacher, "So zähmen Sie Ihren inneren Schweinehund!" von Marco von Münchhausen)
Wissenswertes, Nachschlagewerke, Fachliteratur (z.B. "Bildung" von Dietrich Schwanitz)

Stellen Sie sich vor, Sie sind zum ersten Mal in der Wohnung Ihres Traummannes/Ihrer Traumfrau. Sie würden sich in ihn/sie richtig verlieben, wenn er/sie folgendes Buch im Schrank stehen hätte:

Joseph und seine Brüder von Thomas Mann

Und bei welchem Buch im Regal Ihres Traummannes/Ihrer Traumfrau verlassen Sie fluchtartig die Wohnung?

Dieter Bohlen

Welches Buch würden Sie vor Ihren Gästen verstecken?

Dieter Bohlen

Wenn auf der ganzen Welt nur ein Buch übrig bliebe -- welches müsste das Ihrer Meinung nach sein?

J. R. Tolkien: "Der Herr der Ringe"
Hermann Hesse: "Siddhartha"
J. W. von Goethe: "Faust"
Die Bibel
Thomas Mann: "Buddenbrooks"
Patrick Süskind: "Das Parfum"
J. D. Salinger: "Der Fänger im Roggen"

Und eine letzte Frage: Wer hat soeben diesen Fragebogen ausgefüllt?

Eine Frau
Ein Mann

So. Das waren die Fragen, für deren Beantwortung der weltweit größte Buchversand seinen Kunden 5 € bietet. Offensichtlich will man hier einige Statistiken fürs Marketing gewinnnen.

Sollten zehntausend Kunden mitmachen, kostet allein der Fragenteil 50.000 € - und die Auswertung, Vorbereitung und Erstellung der Automation ist da noch nicht enthalten. Wir geben es ja zu, die 5 € je Kunden sind natürlich auch kein echtes Geld, sondern nur Gutscheine. Ein Teil wird nicht eingelöst, und man lässt hier nur Luft aus den Margen anstelle Geld auszugeben (allerdings sind diese Margen in der Buchbranche nicht immer sehr hoch).

Mein Vorschlag: Ich fälsche erarbeite die Statistiken selber. Man überweist mir die Hälfte (25.000 €) und alle sind glücklich. Vor allen Dingen: ich.

30.03.04

Joseph und seine Brüder - Wertung

Goethe sollte Recht behalten: In Kürze die Geschichte Josephs zu erzählen, wird dem Stoff nicht gerecht. Thomas Mann sagte selber:

"[..] das wird ja wieder mal kein Roman im herkömmlichen Sinn, sondern der Versuch eines epischen Werkes von unmodisch langem Atem, zu dessen Herstellung eine zähe Geduld gehört."
Ägypten materialisiert, dank Thomas Manns unermüdlicher dichterischer Schaffens- und Beschreibungsgabe, vor den Augen des Lesers. Der Eindruck wirkt so real, als ob der Leser das Land am Nil unter der Herrschaft Echnatons und Nofretetes, dem Pharaonen-Ehepaar an Josephs Seite, bereist. Man kennt Joseph, man spürt den Sand der am Horizont beginnenden Wüste in der warmen Luft und unter den Füßen. Man wird vorübergehend zum Ägypter, zu einem Teil der Geschichte von Joseph und seinen Brüdern.

Auch deshalb, weil die Motive, die den Handlungen der Romangestalten zugrunde liegen, dem Leser einleuchtend vor Augen geführt werden. So einleuchtend, daß nicht nur ihre Handlungsweise verständlich wird, sondern die Handlungsweise eines jeden Menschen in dieser - oder jeder anderen - Situation begreifbar ist. Joseph und seine Brüder ist ein Buch über Menschen - und zwar über uns alle.

Hans Mayer, vielleicht der bedeutendste Literaturhistoriker des 20. Jahrhunderts, sagte einmal über Gesine Cresspahl, Titelfigur in Uwe Johnsons Jahrestage:

Aber Gesine Cresspahl ist kein biblischer Joseph, dessen Geschichte ausführlich berichtet werden mußte, weil der Sohn des Jaakob und der Rahel ungewöhnlich genannt werden durfte: hübsch und schön und klug. Es wäre bei Uwe Johnsons umfangreichem Erzählbuch - einer ungewöhnlichen literarischen Leistung, die es zuläßt, daß Vergleiche bemüht werden aus hoher Sphäre der Schriftstellerei - eher an ein Gegenstück zu den Buddenbrooks zu denken als zu Thomas Manns biblischer Tetralogie.
Biblisch also - auch in umfänglichen Sinne - ist der Joseph, und er stammt aus hoher Sphäre der Schriftstellerei, so Hans Mayer. Warum erwähnt Hans Mayer aber bei der Auseinandersetzung mit Uwe Johnsons Hauptwerk den Joseph, über den Thomas Mann selber sagte:
"... ich bin sehr geneigt, den Stimmen zu glauben, die dafür halten, daß der Joseph den Höhepunkt meines Lebenswerkes bildet."
Der Denkpass glaubt, weil Hans Mayer diese ansonsten nicht zu vergleichenden Lebens-Werke, an denen ihre Autoren mehr als anderthalb Jahrzehnte arbeiteten, neben einander erwähnen will. Zu Recht, denn sie sind beide von einzigartiger Qualität und Bedeutung. Sind die Jahrestage laut Hans Mayer
unvergleichbar mit allen anderen Erzählbüchern deutscher Sprache seit dem Jahre 1945,
so ist Joseph und seine Brüder eben unvergleichbar mit allen anderen Erzählbüchern deutscher Sprache vor 1945. Wir münzen eine Aussage Hans Mayers über die Jahrestage auf Joseph und seine Brüder um, weil wir sie so passend finden:
Wenn es bei Bewertung von bedeutender Literatur auf Sprachkraft ankommt und Sorgfalt der Konstruktion, auf Kenntnis von Dingen und Menschen, literarische Bildung, Humor und Empfindungskraft: dann [ist Thomas Manns Joseph und seine Brüder] ein bedeutendes Buch.
Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen.

Nur noch dies: Sollte man sich vor den fast zweitausend Seiten, über die sich Josephs Geschichte erstreckt, scheuen, so sei zumindest die Lektüre der dem Werk vorangestellten Höllenfahrt empfohlen. Dem geneigten Leser bietet sie eine Zusammenfassung großer Teile des Alten Testaments. Darüber hinaus beleuchtet sie den Ursprung der Menschheit und des Menschen - in uns wie auf der Erde. Wie fand Gott zum Menschen und der Mensch zu Gott? Dort steht es auf knapp fünfzig engbedruckten Seiten geschrieben, als Einstieg in das gewaltigste Buch eines Lese-Lebens.



Warum der Denkpass dem Beispiel Hans Mayers folgt und die Werke Johnsons und Manns neben einander erwähnt? Nun, ein Teil der Hartnäckigkeit beim Lesen des Joseph verdanken wir dem Fakt, Platz schaffen zu wollen - zu müssen - für die Jahrestage. Auf dem Bücherbord und in unserem Geiste. Letztendlich haben wir uns anders entschieden: Um einen chronologischen Einstieg in Uwe Johnsons Erzählwerk zu finden, werden wir mit der Lektüre seines erstgedruckten Buches beginnen. Das trägt übrigens den passenden Namen Mutmaßungen über Jakob.

29.03.04

Amboss oder Hammer sein

Eine der faszinierendsten Textstellen von Johann Wolfgang Goethe, die ich kenne, lautet:

Geh! gehorche meinen Winken,
Nutze deine jungen Tage,
Lerne zeitig klüger sein:
Auf des Glückes großer Wage
Steht die Zunge selten ein;
Du mußt steigen oder sinken,
Du mußt herrschen und gewinnen,
Oder dienen und verlieren,
Leiden oder triumphieren,
Amboß oder Hammer sein.
Der einzigartige, Goethe´sch perfekte Rhythmus unterstützt die kräftigen Bilder dieser Zeilen. Beim lauten und betonten Lesen der letzten Zeile beispielsweise strafft sich wie gezwungen die Stimme. Der starken Wirkung wegen, die das von Goethe so hervorragend gewählte Bild ausübt, spannen sich die Muskeln des Armes, als ob sie einen Hammer zu führen hätten.

Bemerkenswert finde ich aber auch, daß Amboss und Hammer hier gleichen Wertes sind: Ohne Amboss ist der Hammer nur halb so nützlich. Beide brauchen einander. Dieses Kennzeichnen der lebenswichtigen Symbiose geht weiter: ´herrschen und gewinnen´ und ´dienen und verlieren´ stehen in klarer Zuordnung, die aber in ´Leiden oder triumphieren´ und bei ´Amboß oder Hammer´ auf den Kopf gestellt wird. Ist ´herrschen und gewinnen´ nun mit leiden oder mit triumphieren verbunden? Dient der Herrscher als Amboß und die Diener führen den Hammer? Austauschbar, weil so sehr voneinander abhängig, benötigen beide gegensätzlichen Aspekte menschlichen Lebens einander, um in vollem Glanz erstrahlen zu können.

Mehr will ich auch gar nicht sagen. Nur noch, daß ich gerne Hammer wäre, wenn ich oft nur Amboss bin. Nur? Eben nicht. Auch der Amboss hat seinen Platz im Leben...

Das Licht, das Dich fort trug

Also, der Michael, der hat ja in letzter Zeit so einige Probleme. Er stellt nämlich sein Weblog von Movable Type auf Textpattern um. Das macht jetzt fast jeder, weil es einige Vorteile bietet. Der Denkpass beobachtet das und bedankt sich bei all diesen - nennen wir sie ruhig so - Beta-Testern für ihre gebloggten Hinweise, sollte dieser Schritt auch hier einmal vollzogen werden.

Jedenfalls hat der Michael aufgrund seiner Probleme leider weniger Zeit für seine kostbaren Einträge. Und das, meine Freunde, ist etwas, das wir - und alle anderen sollten es auch tun - sehr bedauern. Denn oft - wir kommen nicht umhin, es hervor zu heben - da schreibt der Michael auf außergewöhnlich gutem Niveau. Womit wir nicht andeuten wollen, daß er sonst außergewöhnlichen Mist von sich gibt. Nein, das tut er nie. Aber auch wenn der Himalaja das höchste Gebirge der Welt ist, so ragen doch einige Gipfel über die anderen hinaus.

Ein Beispiel gefällig? Wie wäre es mit dieser Sonntagsarabeske, in der Michael dauerhaften Abschied nehmen muß von jemandem, den er bewundert. Zugleich stellt er lesenswerte Überlegungen darüber an, wie grausam und doch zugleich hoffnungsvoll ein Abschied sein kann:

Ich sehe das goldgelbe Licht, das vielleicht Deine Wangen gestreichelt hat, wärmend, ein Schimmer von Frühling, ein Wink, dass es Zeit sei, Zeit zu einem letzten kleinen Wagnis, dem man nicht mehr entkommen kann. Ein Licht, in dessen Verlängerung bald die ersten Blüten sprießen und Knospen grün leuchten werden. Es hat Dich in das Jahr hinein getragen und im Arm gewiegt. Aber wie soll ich sie ertragen, diese Sonne, deren verlöschende Strahlen Deine schweren Lider geküßt haben?
Wir schauen neidisch auf Michaels schreibende Kraft und sagen: Weiter so!

Wessen Kinder?

"Das ist aber schön... ", sagte sie, als die ersten Gäste gingen, "...jetzt kann man mal sehen, welche Kinder zu welchen Erwachsenen gehören."

28.03.04

Joseph und seine Brüder - Inhalt

Die Geschichte um Joseph und seine Brüder, im Alten Testament im ersten Buch Mose - der Genesis - zu lesen, erregte bereits Goethes Interesse aufs Außergewöhnlichste:

Höchst liebenswürdig ist diese natürliche Geschichte, nur erscheint sie zu kurz, und man fühlt sich versucht, sie in allen Einzelheiten auszuführen.
Thomas Mann nahm sich dieser "höchst liebenswürdigen" Geschichte an und arbeitete sechzehn Jahre an einem Roman, der zweifellos zu den besten Büchern aller Zeiten und Sprachen gerechnet werden darf. Aufgeteilt in vier Bände, führt das Werk den Leser durch die Stationen des Lebens Jaakobs und seines Sohnes Josephs.

Die Geschichten Jaakobs, der seinem Bruder Esau das Erstgeborenenrecht abkaufte und ihm später den Segen stahl, sind Teil des ersten Bandes. Vor dem Zorn seines Bruders auf der Flucht, verdingt sich Jaakob auf sieben Jahre bei Laban, um als Schwiegersohn für dessen Tochter Rahel Anerkennung zu finden. Hier aber wird der Betrüger Jaakob selber Opfer eines Betrugs: In der Hochzeitsnacht findet er sich im Bett nicht mit der Geliebten, sondern mit ihrer älteren Schwester Lea. Nach erneuter Dienstzeit für Rahel und deren längerer Unfruchtbarkeit wird ihm Joseph statt als erster somit als elfter Sohn geboren - steht in den Augen Jaakobs seinen Brüdern aber bevor.

Diese Auszeichnung Josephs vor seinen Brüdern (auch dem zwölften: Benjamin, dem zweiten Rahel-Kind, bei dessen Geburt die Einzige stirbt), ist Gegenstand des zweiten Bandes Der junge Joseph. Eitel und hochmütig zerstört Joseph die Familienbande, weil er die Bevorzugung offen akzeptiert. Die Brüder antworten mit roher Gewalt: schlagen Joseph und zerreißen seine Kleider, werfen ihn in die Grube und verkaufen ihn anschließend als Sklaven. Um dem Verdacht des gemeinsamen Vaters vorzubeugen, tränken sie das zerrissene Kleid im Blute eines Tieropfers und entweichen Jaakobs Vorwürfen mit dem Hinweis auf wilde Bestien.

Joseph in Ägypten ist der Titel des dritten Bandes. Joseph, verkauft an Handelsleute, zieht vom Lande Kanaan zum Nil und nilaufwärts nach Theben. Dort wird er als Haussklave dem Eunuchen Potiphar weiter gegeben, einem "Ersten Freund des Pharao". Die Frau Potiphars, Mut-em-enet, lebte bis dahin in religiöser Keuschheit in einem im Wandel begriffenen Weltzentrum. Joseph, auf dem der Segen des Herrn ruht, arbeitet sich an die Spitze des Hauses und - nebenbei - in den Tempel des Herzens der bisher von Liebe unberührten Hausdame. Der Betrug ihres Ehemannes scheitert am religiösen Widerstand Josephs, führt letztendlich aber zu dessen erneutem Wurf in die Grube: Joseph landet im königlichen Gefängnis.

Dort - an der Spitze des Gefängnisses - wohl verwahrt, beobachtet Joseph den Wandel des Nillandes. Der alte Pharao entgeht nur knapp einem Umsturz, tritt aber kurze Zeit später aus natürlichen Gründen seine letzte Nilreise an. Sein Sohn übernimmt als Minderjähriger die Regierungsgeschäfte und hat von des Landes Religion eigene Vorstellungen. Ein Traum, von Gott gesandt und nur durch Joseph deutbar, katapultiert den mittlerweile zum Manne gereiften Joseph fast bis an die Spitze des damaligen Zentrums der Welt. Joseph, der Ernährer Ägyptens, sieht sich im vierten Band endlich in der Lage, seine Brüder und seinen Vater wieder zu sehen.

Soweit zum Inhalt. Eine Auseinandersetzung mit der Wertung des Werkes erfolgt in einem zweiten Beitrag, dessen Erscheinen für morgen geplant ist.


Eine populistische Kahnfahrt

Populismus ist laut der Wikipedia u.a. wie folgt definiert:

[Populisten] achten bei [..] Äußerungen meist mehr darauf, ob sie die Zustimmung [großer Teile] des Volkes finden, als darauf, ob sie [anstehende] Probleme wirklich lösen.
Populismus ist also nichts anderes als mehrheitliches Honig-ums-Maul-schmieren. Peter Struck, Verteidigungsminister der Bundesrepublik Deutschland und ehemaliger Vorsitzender der SPD-Fraktion, der sonst anderen Politikern Populismus gerne mal vorwirft, hieb gestern selber in die populistische Kerbe, als er sich im Fernsehen zur Deutschen Meisterschaft im Fußball positionierte:
"Ich bin froh, daß Werder Deutscher Meister wird. Ich bin froh, wenn jede Mannschaft außer Bayern München Meister wird."
[Anm. d. Denkpasses: Zitat basiert auf Mitschrift, kann also vom wirklichen Wortlaut geringfügig abweichen.]
Der zweite Satz erregt unser Mißfallen. Entweder kann Peter Struck den FC Bayern nicht leiden, weil er ihn immer an diesen Herrn erinnert - oder er möchte sich auf Kosten des FC Bayern profilieren. Mit den Worten des Volkes (um dessen Zustimmung er sich ja anscheinend sehr bemüht) beschreibt man das so: auf anderer Leute Pisse Kahn fahren.

27.03.04

Wochenende?!

Zumindest für heute gilt:

1:0 Privat für den Denkpass.

Und immer an derselben Stelle

Aus Theodor Fontane, Der Stechlin:

"..Eine Woche lang läßt sich keine Katze blicken, aber wenn unser Schicksal erst mal ´nen Entschluß gefaßt hat, dann kann es sich auch wieder nicht genug tun. Man gewinnt dreimal das Große Los, oder man stößt sich dreimal den Kopp. Und immer an derselben Stelle."

26.03.04

National Security Agency Part II

Gestern versuchte jemand, mich zum Backlinken aufzufordern. Das ist ja generell kein Problem (man frage einmal Daniela M!). Nur hier handelt es sich einerseits um mein altes, lange Zeit nicht gepflegtes Blog und andererseits um seltsame Gründe.

Um Zeit zu gewinnen, habe ich gestern erstmal nachgefragt, wo ich denn verlinkt werde. Hier die Antwort:

Just read your reply -- thanks for the prompt response! I've already linked to
you here:


http://www.highindex.com/Regional/
North_America/United_States/Government/
Agencies/Independent/National_Security_Agency/

In exchange for me adding you to High Index as shown above, Im asking that you
link to my other site which is techtrainingtips.com. To make it easy for you to
link to me, here's the html code which will make it easy to add a text link:

<a href="http://www.techtrainingtips.com/security+.html">Security+</a>;

Again, please use the above html code to link to the site I published:
techtrainingtips.com

I'll leave you up as a featured listing until i hear from you. If i don't hear
back, I'll assume you're not interested and will have to remove the link.

Aus der Sache werde ich nicht schlau. Beim ersten angegebenen Link ist So it goes die einzige aufgeführte Seite zum Thema National Security Agency. Dies trotz deutscher Sprache und fehlenden Bezugs (ich habe, wie bereits ausgeführt, höchstens mal was zum Irakkrieg vom Stapel gelassen).

Der zweite Link führt zu einer Seite, auf der Sicherheitsqualifizierungen für IT-Fachleute angeboten werden. Das ist auch der Link, der auf So it goes erscheinen soll. Er hat nichts mehr mit der National Security Agency zu tun, aber auch nichts mit deutscher Sprache, mir, meinen Interessen oder So it goes.

Techtrainigtips.com hat kein Impressum und keine e-mail. Kontakt erfolgt über Formulare. Whois? liefert eine Adresse ohne Namen in Kalifornien, die zu Articleinsider.com gehört (ebenso wie bei Highindex.com übrigens). Das ist anscheinend ein Expertennetzwerk, bei dem eine Suche nach So it goes erfolglos bleibt. Am Fuß der Seite wird das Copyright Traffic Logic zugeschrieben.

Auch Traffic Logic sitzt in Kalifornien und verdient Geld mit Suchmaschinenmarketing. Deren Whois? wiederum liefert Hinweise zu Articleinsider.com.

Fassen wir mal zusammen:

Die laut Eigenwerbung am schnellsten wachsende Seite qualifizierter Links listet mein altes Blog unter einem Begriff, der darin nicht thematisiert wurde. Das Blog ist zudem in einer Fremdsprache. Die Seite wird betrieben von einem Expertennetzwerk, die das alles, was hier gegen eine Verlinkung spricht, nicht mitkriegen. Geschäftlich eng verknüpft sind beide Seiten mit einem Unternehmen, das sein Geld mit Suchmaschinenmarketing verdient, aber auch die schnallen nichts. Dafür soll ich eine Seite verlinken, die sich anscheinend für qualifiziert hält, Umsätze mit IT-Schulungen zu erzielen.

Na, wenn das alles mal keine gute Werbung für deren Leistungsfähigkeit ist.

Wartezeit

Träge von Strich zu Strich schleichend, schlief der Minutenzeiger bei seiner Runde ums Ziffernblatt ein. Abwechslung bot allein das Klingeln der Nummernanzeige, dessen doppelter Klang von Zeit zu Zeit die Augen der Anwesenden auf die gelb leuchtenden Ziffern lenkte. Die Hoffnung, die die Wartenden mit den Klängen des Zählwerks verbanden, wurde mit jedem Blick aufs Neue enttäuscht. Die Segmente, deren Zusammenspiel die Ziffern ergab, folgten unbarmherzig der Zahlenreihe. Etwaige die Wartezeit verkürzende Sprünge blieben aus.

Neu Hinzukommenden kündete der Zettel, den die Maschine unter dem Zählwerk ihnen mit einem leisen Rattern entgegen spuckte, vom bevorstehenden Martyrium. Kleingedruckt stand dort unter anderem, wieviele Wartende vor ihnen an der Reihe wären. Als der junge Mann sein Billett entgegennahm, benötigte die dort abgebildete Zahl zu ihrer Darstellung bereits drei Ziffern.

Die stickige, verschwitzte Luft, die ihm aus dem Warteraum entgegen schlug, ließ ihn seine Schritte den vollbesetzten Gang hinunter leiten. Um ihn herum wurde gelesen, geschrieben, telefoniert, geredet und gegähnt. Man schlief hier und da. Die Wartenden langweilten sich und glotzte müde aneinander vorbei. Als er endlich Platz vor einem der verschlossenen, staubigen Fenster gefunden hatte, schlug er sein Buch auf und fing an zu lesen. Über den Rand des Papiers hinweg nahm er die vorbeiziehenden Schuhe wahr. Es war ein Kaleidoskop von Braun- und Schwarztönen, Absätzen, flachen Sohlen, neuem oder abgetragenem Schuhwerk, das da am Rande seines Blickfeldes zu tanzen anfing.

Mundgeruch machte ihn auf die beiden Frauen neben ihm aufmerksam. Die Ältere hatte blaßbraunes, überstrapaziertes Haar, trug einen Ledermantel und war etwa 60 Jahre alt. Wenn sie sprach, kündete der Hauch ihrer krebskranken Stimme vom Ursprung des nach Zigaretten stinkenden Fäulnisgeruchs. Auf dem Boden vor ihren hellbraunen Schuhen stand ein übergroßer, quaderförmiger, blaß karierter Plastikbeutel, wie man ihn häufig auf dem Lichtenberger Bahnhof sieht, wenn Züge aus Osteuropa eintreffen. Als ihr Handy klingelte, öffnete sie umständlich die Tasche, wartete ein weiteres Klingelzeichen ab und ließ sich dann in ungenierter Lautstärke auf ein fernmündliches Gespräch ein.

Ihre Begleiterin war um einiges jünger, um die vierzig etwa. Sie war kräftig gebaut: Ihr Körper strahlte den Charme einer Serviererin vom Oktoberfest aus. Dem, was das Leben ihr hinwarf, trat sie auf hohen Absätzen gegenüber. Ihr fettiges Haar ließ erahnen, daß es vor langer Zeit blond gefärbt worden war. Mit ihren in billigem Blau geschminkten Augen suchte sie ruhelos den Korridor ab. "Scheiße" war eines der Wörter, die am häufigsten die verfaulten Zähne hinter ihren dünnen Lippen passierten.

Sitzenbleiben war dem jungen Mann nur möglich, wenn er sich unauffällig die Nase zuhalten würde. Der Gestank von billigen Zigaretten und Alkohol, durch jahrelange Gewohnheiten zur Unerträglichkeit verdichtet, war auf so kurze Distanz nicht auszuhalten. Dabei keine Aufmerksamkeit zu erregen und weiter zu lesen, war ihm aber nur für wenige Minuten möglich. Danach stand er auf und lief den Gang hinunter. Er stand lieber. Der Stuhl, den er zurückließ, war noch leer, als er eine Stunde später aus dem Büro kam und nach Hause ging.

Die beiden Frauen hatten ihre Isolation nicht mal mitbekommen.

25.03.04

National Security Agency

So, wenn man denkt, man hat es alles gesehen ... man weiß Bescheid ... wenn man meint, die Sache im Griff zu haben ... den Arsch an der Wand ... die Tassen im Schrank... Dann kriegt man so eine e-mail:

I was just doing some research about national security agency in Yahoo and found your domain, so-it-goes.blogspot.com ranked 76...which got me thinking...

I published a informational site about Education. We've got a very strong following, primarily because we only produce informational content, since you also produce a quality site in this category, I'd like to exchange links with you. I get a pretty good amount of visitors to my property, so if I link up to your site you should benefit from a traffic standpoint.

Please take a look at my site when you get a chance -- I think you'll find it to be knowledgeable and useful. If you like what you agree, please link to it -- I'll send you all of my info on your request.

I've already linked to you to get the ball rolling. I'll keep it up a few days until I hear back from you.

Abgesehen davon, daß ich ihre Seite ohne Link schwer finden kann, frage ich mich, welchen wahren Hintergrund dieser Kontakt haben mag.

Es ist wahr, mein altes Blog So it goes hat einen guten Rank beim Suchbegriff "National Security Agency" - den 75. zwar und nicht den 76., aber egal. Das kann ich mir nur so erklären, als daß ich mich dort sehr oft zum Irakkrieg (oder vielmehr: dagegen) positioniert habe. Trotzdem, ernsthaft geschrieben habe ich da drüben seit mehr als einem halben Jahr nicht mehr.

Nun will die gute Person also linken, obwohl ich a) alles in Deutsch schreibe und b) laut den Datumseinträgen seit Monaten Sendepause habe. Eine Suche im Internet mit dem Namen der Person brachte jedenfalls keine Erkenntnis. Was geht da vor?

- Ist das intelligentes Sex-Spamming, das mich erst intellektuell um den Finger wickeln will?
- Haben Virenbots beim Sammeln meiner e-mail ein bisschen Geschichte dazu gesponnen um eine Bestätigungsmail rauszukitzeln?
- Verarscht mich irgendjemand mit Programmiererfahrungen?
- Ist das der Amerikaner neue Abhörmethode?
- Dreht Rumsfeld langsam völlig durch und bekämpft Gegenargumente auf diese Weise?
- Checkt die National Security Agency so ihre Yahoo-Rankings?
- Krieg ich langsam den Blogkoller?

Oder ist das, was man unter einem www-Mißverständnis versteht?

Kommentarlos

Als er nach hinten ging, die Festlegungen der Geschäftsleitung den Mitarbeitern mitzuteilen, fühlte er sich unsicher. Wer würde Bemerkungen fallen lassen? Wem müßte er etwas erklären, was nicht zu erklären sei? Ruhig und bewußt freundlich, mit gefaßter Stimme verbreitete er die Informationen. Niemand schien sich aufzuregen, alle lächelten. Kommentarlos nahm sein Rundgang ein Ende.

Er wünschte sich, das wäre immer so, wenn er den Mitarbeitern näher brachte, wer morgen am Englischkurs teilnehmen müsse.

Kleidungsunterschiede

Die Unterschiede der Kleidung von (Geschäfts-)Frau und Mann wurden in den letzten Tagen der Reihe nach bei den reisenotizen, dem Brosamen und A2O - Business pur behandelt. Naja, der Brosamen zitiert eigentlich nur.

Mit meinem zugegebenermaßen begrenzten Erfahrungsschatz erlaube ich mir trotzdem, mich in die Diskussion einzuschalten. Woher nehme ich diesen Mut? Zum einen habe ich die Erfahrung nicht nur vieler Messebesuche, sondern auch des einen oder anderen Messebesuchs als Aussteller. Gerade auf Messen aber neigen die Kleidungsgewohnheiten zu Überspitzungen. Zum anderen studiert meine Frau Fashion Design. Ja, richtig gelesen, ich bin verheiratet sie studiert Mode.

Auf die bei A2O angesprochene Gratwanderung mancher Frauen zwischen Gesprächspartner und (Lust-)Objekt wollen wir nur insofern hinweisen, als ein Zuviel an Chic dem menschlichen Auge mehr schmeichelt als ein Zuwenig. Die Aufmerksamkeit, die die meisten Frauen ihrer Kleidung und ihrem Äußeren widmen, neide ich Ihnen als typischer Vertreter meines Geschlechts. Nicht in übertriebener, oftmals schlichtweg unangepaßter, weil zu freizügiger Manier, sondern eben als Ausgangspunkt eines gepflegten, geschmacklich abgestimmten Ensembles.

Was einem an Männern in der Geschäftswelt so vor die Flinte läuft, ist manchmal kaum zu ertragen:

- Micky-Maus-Krawatten
- Tennissocken zu Lederschuhen
- hellbraune Schuhe zum dunklen Anzug (in Italien vielleicht zu dulden?!)
- überlange Ärmel oder Hosenbeine
- ungebügelt und zerknittert
- schlecht gebundene Schlipse (entweder zehn Zentimeter zu lang oder zu kurz)

Ich will zugleich darauf hinweisen, daß mich über meine Holprigkeiten des Geschmacks (oder der Faulheit) meine Frau hinweg schubst. Sie rettet mich öfter vor peinlichen Auftritten, als mir lieb sein kann (obwohl ich der Sache langsam, so glaube ich, selber auf die Schliche komme).

Ich glaube, es war Coco Chanel, die einmal sagte:

Trägt jemand gute Kleidung, achtet man auf die Person. Trägt jemand schlechte Kleidung, achtet man auf die Kleidung.
Dem kann ich - als Opfer und Täter - nur zustimmen.

Zwischenbilanz

Jemand, der sich von Alpha bis Omega im Business auskennt, fasst das ganze Brimbamborium der Generation Blockhead zusammen - und verpasst en passant dem Denkpass vernichtende Kritik:

[ 04 ]
Der Denkpass: Generation Blockhead

"Ich bin ein pickliger, chipsfressender Spätpubertierer. Ich gebe es ja zu. Eines bin ich aber mit Sicherheit nicht: ein peinlicher, jammernder Lappen, der damit nicht klar kommt, daß keiner sein bedrucktes Klopapier kauft."

Zur Selbstauskunft provoziert.

Stellt diese unbemerkt stark reflektierende Selbstauskunft denn wirklich das Maß der Dinge dar? Stimmt das knackige Urteil? Ich glaube: Leider ja.

Der eigentliche Denkpass leidet. Er kümmert dahin und entfernt sich zusehends von dem, was ich eigentlich vorhatte mit ihm. Ich wäre ja gerne immer geistreich, eloquent und unterhaltsam (immer: das dazwischen gezwängte Wörtchen wahrt mir den Anschein). Allein die Realität zeichnet ein anderes Bild. Ich beobachte es ja selber: Mich zu sehr mit scheinbar originellen Kurzbeiträgen weitläufigster Thematik aufhaltend, verwischt sich das Bisschen an geplantem Denkpass-Profil in zwanghaften Exzentrizitäten. Wo doch einige Leser gerade meine Weitschweifigkeit bevorzugen und dies manchmal auch offen deklamieren, lasse ich mich von der eigenen Ungeduld hetzen. Hüpfe von Thema zu Thema und kenne kein Ziel.

Von daher: Danke, Silke. Trägt Dein vernichtendes Urteil auch einen leichtfertigen, oberflächlich recherchierten Geruch, hält es der Denkpass mit Kritik wie Erich Kästner:

Auch aus Steinen, die dir in den Weg gelegt werden, kannst du etwas Schönes bauen.
Der Stein, den Deine Aburteilung ins Rollen brachte, ändert hoffentlich den Weg des Denkpasses. Vielleicht läßt sich mit etwas Erfahrung und einiger Übung aus den vereinzelten Ansätzen was Schönes bauen (Ich greife ganz hoch - eine Blogperle zum Beispiel). Ich arbeite daran. Und auch an mir.

P.S. Zur Klärung meiner Selbstauskunft sei mir zum Abschluß ein Rückfall ins pubertäre Niveau gestattet: In Wirklichkeit scheiße ich auf Chips.

Betriebsklima

Als er mit der Digitalkamera zum zweiten Mal ins hinterste CAD-Büro ging, um die Räumlichkeiten einschließlich der Klimaanlage zu fotografieren, fragte ihn ein Mitarbeiter, wofür diese Fotos seien.

"Für die Bezuschußung der Klimaanlage.", antwortete er wahrheitsgemäß.

"Klimaanlage?", kam die Antwort, "Besser wäre eine Betriebsklima-Anlage."

24.03.04

USB-Offiziersmesser

Da hat sich jemand für die Cebit 2004 etwas Nettes einfallen lassen: Ein Offiziersmesser mit integriertem USB-Stick. Ideal für Geschäftsleute, die das Messer beispielsweise zum Kaffeemilch-Behälter-Zerscherbeln, Tische-Zerkratzen und Dokumente-Zerscheren anwenden können und schon immer mal den einen oder anderen elektronischen Virus mit sich rumschleppen wollten.

Nein, ganz ehrlich: die Idee gefällt mir. Klein, handlich und funktionell. Und sieht nebenher noch sehr gut aus. Einziger wirklicher Nachteil: Diesen USB-Stick muß man leider am Flughafen abgeben.

Der ...-Generator

Weil darüber immer gerne gebloggt wird, hat sich auch der Denkpass umgeschaut, um seinen Lesern irgendeinen Generator präsentieren zu können. Weil nun aber der Denkpass in den Herzen seiner Leser einen besonderen Platz erobern möchte, gibt es hier ein bisschen mehr zum Generieren. Sozusagen für jede Lebenslage den richtigen Generator:

- Marks Apology Note Generator hilft Männlein wie Weiblein, passende Entschuldigungen zu finden (SEHENSWERT!)

- Der Postmodernism Generator könnte beispielsweise Studenten helfen, ihre Studienarbeiten anzufertigen

- Cooltext.com hilft dabei, graphische Logos oder Buttons zu erstellen

- Der Banner Generator hilft ebenso, Logos zu erstellen

- Der Internet Anagram Server hilft, Buchstabenschütteleien zu bestimmten Wörtern zu finden

- Der web economy bullshit generator sucht überstrapazierte Phrasen zur Stärkung der eigenen Business-Rhetorik

- Rubriken, die beim Beurteilen helfen, erschafft der Rubric Generator für die allerverschiedensten Zwecke

- Die Erzeugung von sinnlosem Fülltext übernimmt der Lorem Ipsum Generator

- Der Hobbit Name Generator erzeugt aus dem realen Namen Hobbit-Namen

- Der Fantasy Name Generator hilft zufällige Namen für Elfen, Zwerge, Orks und ähnliche Wesen zu finden

- Der Cyborg Name Generator wandelt den realen Namen in eine Bezeichnung für einen kybernetischen Organismus um

Wasserzeichen aus Buchstaben

Das Untitled Project beschäftigt sich mit der Rolle des Textes in unserer Wahrnehmung der Umwelt:

The Untitled Project is a series of photographs of urban settings accompanied by a graphical text layout. The photographs have been digitally stripped of all traces of textual information. The text pieces show the removed text in the approximate location and font as it was found in the photograph.
Das Projekt will untersuchen, welche Rolle Text in unserer Umwelt spielt. Nebenbei liefert es Hinweise zur Textformatierung und liefert Rückschlüsse zur besseren Verwendung von Symbolen, Logos und anderen graphischen Mitteln zur Informationsverteilung. Interessant, weil zugleich informativ und hochgradig ästhetisch.

Ein weiteres, interessantes Projekt desselben Photographen ist Floating Logo. Es ist aber bisher nicht über die Entwurfsphase hinausgelangt.

[via jimmyz journal]

Ein Christ wird ein Chinese oder lieber Weihenstephan?

Aus Theodor Fontane, Der Stechlin:

"Sehen Sie, meine Herren, vom Weihenstephan zum Pilsener, das kann jeder; aber das Umgekehrte, das ist was. Chinesen werden christlich, gut. Aber wenn ein Christ ein Chinese wird, das ist doch immer noch eine Sache von Belang."

Opfer und Plagen

Aus Albert Camus, Die Pest:

Ich sage nur, daß es auf dieser Erde Plagen und Opfer gibt und daß man sich, soweit wie möglich, weigern muß, auf seiten der Plage zu sein.

23.03.04

Fünf Planeten mit bloßen Auge sichtbar

Aufgepaßt! Am Abendhimmel kann man derzeit fünf Planeten gleichzeitig mit bloßem Auge beobachten: Merkur, Venus, Mars, Saturn und Jupiter.

Allabendlich [erscheint] bei Sonnenuntergang gegen 19 Uhr über dem westlichen Horizont Merkur als hell leuchtender Punkt. Weiter oben leuchtet die Venus, momentan mit Abstand der hellste Punkt am Abendhimmel. Auf der verlängerten imaginären Linie, die Merkur und Venus verbindet, kann der Beobachter auch die anderen Planeten finden: den rötlichen, recht schwach leuchtenden Mars und den eher gelblich erscheinenden Saturn. Jupiter, ebenfalls strahlend hell und deutlich größer als Venus oder Merkur, komplettiert die seltene Himmelsformation.
Während der nächsten zehn Tage sei diese Formation sichtbar, so die NASA. Außerdem wandere die zunehmende Mondsichel die Planeten in der angegebenen Reihenfolge ab. Also nichts wie raus heute abend, den Arm um die Dame seines Herzens geschlungen und - eng umschlungen - in den Himmel gestarrt.

- UPDATE - Auch der Spiegel berichtet. Jetzt bräuchte man nur noch sternenklare Nächte.

Saubere Luft

Aus Theodor Fontane, Der Stechlin:

Wohl möglich, daß aristokratische Tage mal wiederkehren, vorläufig, wohin wir sehen, stehen wir im Zeichen einer demokratischen Weltanschauung. Eine neue Zeit bricht an. Ich glaube, eine bessere und eine glücklichere. Aber wenn nicht eine glücklichere, so doch mindestens eine Zeit mit mehr Sauerstoff in der Luft, eine Zeit, in der wir besser atmen können. Und je freier man atmet, je mehr lebt man.
Freier: sicher. Von allgemeinerem Wohlstand auch. In dieser Hinsicht ist die Zukunft, in der wir leben und von der Pastor Lorenzen stellvertretend für Theodor Fontane träumt, besser und glücklicher. Mehr Sauerstoff in der Luft ist aber nur in eben diesem - übertragenen - SInne zu verstehen. Sonst wohl kaum: Der Motor der Demokratie, der wirtschaftlich-technische Aufschwung, nimmt auf seine Umwelt nur ungern Rücksicht.

Die Seltenheit des wahren Schönen

Aus Theodor Fontane, Der Stechlin:

Nirgends in der Welt blühen Schönheiten wie die gelben Butterblumen übers Feld hin; wirkliche Schönheiten sind schließlich immer Seltenheiten. Wären sie nicht selten, so wären sie nicht schön, oder wir fänden es nicht, weil wir einen andern Maßstab hätten.

Die Welt, in der wir leben möchten

Vor kurzem wurden Studien veröffentlicht, die darauf hinweisen, daß der Erde ein neues Massensterben an Tierarten bevorsteht. Wir hatten das unter plakativem Titel hier angemerkt.

Nur nicht aufregen, sagt Stuart Grimm, ein Biologe der Duke University. Von dem Massensterben wissen wir schon länger. Überraschend an der Studie sei nur, daß Schmetterlinge vor Vögeln sterben, also offensichtlich untere Bereiche der Nahrungskette vor den oberen Bereichen vom Aussterben bedroht sind.

Grimm zeichnet außerdem ein düsteres Bild der Erde in 50 Jahren: versteppt, eintönig und langweilig werde die Landschaft aussehen. Um das zu verhindern, sollten wir unser Verhalten überprüfen und ändern. So gebe es Maßnahmen, die nicht nur ökologisch sondern auch ökonomisch sinnlos seien. Grimm nennt die globale Subvention des Fischfangs als Beispiel, die eben in beiderlei Hinsicht Schaden erzeuge. Auf den Punkt gebracht:

We have to be smart, be informed and understand where the connections are.
Unsere Chancen stünden nicht schlecht, so Grimm, wenn wir sofort handeln:
There are lots of big things that could be done right away to help keep the world a more enjoyable place. And that's the kind of world people want to live in.

22.03.04

High Heels

Pssst, Mädels, pssstttt. Ich verrat Euch ein Geheimnis: Jeder Mann steht auf Frauenbeine mit High Heels dran. Jeder. Wirklich.

Also? Ab und welche kaufen. Jetzt. Sofort.

Aber welche Absatzhöhe gefällt Männern denn? Gaaaaaaaaaaaaaaaaaanz lang sollen sie sein. Und wie lang dürfen sie sein, ohne daß frau dabei zu Schaden kommen kann? Haben Männer sich auch schon Gedanken drüber gemacht. Hier ist die Formel:

h = Q • (12+3s / 8)

mit
h - Höhe der Absätze in cm
s - Schuhgröße gemessen in britischer Damengröße

Q = p • (y+9) • L / [(t+1) • (A+1) • (y+10) • (L+ 20 £)]

mit
p - Sexwert des Schuhes von 0..1 (1=SEXY)
y - Erfahrung der Frau mit High Heels in Jahren
L - Wert der Schuhe in £
t - Zeit in Monaten, seit dieses Paar High Heels in Mode kam
A - Anzahl der alkoholischen Getränke der Trägerin an diesem Abend

Alles klar? Ist doch einfach, oder? Also ab in den Laden, Mädels, und den Herren der Schöpfung eine optische Freude verpaßt.

Des Denkpasses prägnantes Urteil: Juchhuuuuu - Forschung, die sich sofort rentiert!!!!

Generation Blockhead

Ich bin ein pickliger, chipsfressender Spätpubertierer. Ich gebe es ja zu. Eines bin ich aber mit Sicherheit nicht: ein peinlicher, jammernder Lappen, der damit nicht klar kommt, daß keiner sein bedrucktes Klopapier kauft.

[via Plastic Thinking]

Web-Junk

Auch sowas gibt es:

1. Da scheint jemand eine Spam-Sucht entwickelt zu haben. Orlando Soto aus New York jedenfalls kauft wöchentlich für mehrere hundert Dollar Produkte, die ihm via Spam-Mails empfohlen werden. Wie e-mail-Marketing-Firmen angeben, sind ein Fünftel der Kunden, die durch Spam generiert werden, Wiederholungstäter wie Soto und damit verantwortlich für den Großteil der Umsätze. Generell brauche man in etwa eine Rückantwort je 10.000 Spam-Mails, so ein Spammer.

Orlando Soto kaufe Produkte, um sie teilweise weiter zu verkaufen. Dafür setze er Webseiten ein, von denen er mehrere betreibe. Die Idee dazu kam aus einer Spam-Mail. Trotzdem müsse er zugeben, mit dieser Methode kaum Geld zu verdienen. Auswirkungen? Mr. Soto sei enttäuscht, wenn er nur 17 Spam-Mails in seinem Postfach finde...

2. David C. Parker verklagt eine Firma, die Penisverlängerungs-Medikamente verkauft. Parker habe das Mittel über einen Zeitraum von acht Monaten eingenommen - aber letztendlich blieb alles, wie es war. Die Klage war nötig geworden, so sein Anwalt, weil die Firma nicht länger die Möglichkeit der Doppelt-Geld-zurück-Garantie einräume. Das Unternehmen habe Verweise auf Untersuchungen, die die Penisverlängerung bestätigen, mittlerweile aus der Werbung genommen.

Was lernt man daraus? Nicht allem glauben, was man zu lesen oder hören kriegt...

2004 Jahre exzentrische Dümmlichkeit

Der Sloganizer hilft Einfaltspinseln wie mir, aussagekräftige Slogans zu finden. Sollten wir sowas brauchen, natürlich.

Tests ergaben folgendes:

Röcheln mit Denkpass - intellektuell werden mit Stil.

Denkpass - nicht einer bemerkt exzentrischer und auch nicht schlampischer.

Denkpass kommt und 2004 Jahre Dümmlichkeit sind Geschichte.

[via schreibblogade]

Die Stimme des Volkes

Bloggen wird eine immer größere Bewegung, weltweit und auch in Deutschland, wie Patrick ganz klar feststellt. Den unzähligen Blogs auch eine Stimme zu verleihen, hat sich Radio Vox Populi auf die Fahnen geschrieben.

Wie funktioniert das? Nun, Radio Vox Populi nimmt den Inhalt von Blogs mit Hilfe eines Robots aus dem World Wide Web, verarbeitet die Informationen, verwandelt den Text über einen Synthesizer zu Sprache und sendet das Ganze dann aus (hier in Breitband- und hier in Dial-Up-Zugangsqualität).

Wie ich das heraus gefunden habe? Nun, Radio Vox Populi tauchte in meinen Referrern auf. Ob das bedeutet, daß Äußerungen des Denkpasses nun als kleine Informationspakete mit Lichtgeschwindigkeit durchs All rasen und irgendwo da draußen in Äonen irgendwelchen extraterrestrischen Intelligenzen Kopfzerbrechen bereiten? Wer weiß das schon so genau...

21.03.04

Wochenenden

... sind für Blogger so eine Sache für sich.

Zum einen bieten sie Zeit im Überfluß, bahnbrechende Einträge zu schreiben, die in ihrer Geistesschärfe, ihrem Witz und Weitblick auf umfassenden, gründlichen Recherchen fussen. Recherchen eben, für die sich Hobbypublizisten eben nur am Wochenende wirklich Zeit nehmen können. Und sonst? Wird da nicht recherchiert? Ich spreche nur für mich, wenn ich antworte: Doch, auch - aber nur, wenn es sich nicht vermeiden läßt. Ernsthaftes, tiefgründiges Investigativ-Blogging verschiebe ich - zumindest in meinen Träumen - lieber aufs Wochenende.

Zum anderen aber bieten Wochenenden die einzige Plattform für intensive Beschäftigung mit unserem Leben - der Familie und den paar nicht nur oberflächlichen Freundes-Beziehungen, die man sich leisten kann. Und auch das ist zeitintensiv und zuweilen anstrengend. Beide Aspekte, auf die ich als Blogger mich also freue, wenn das Wochenende naht, schließen sich aus. Das ist zu hart formuliert: Aber wenn sie sich nicht ausschließen, so stehen sie sich doch im Wege. Eine Lösung habe ich bislang noch nicht gefunden.

Wie handhaben andere Blogger dies? Schauen wir uns im Überblick einmal die Aktivitäten der Blogs an, die auf der rechten Seite des Denkpasses unter Tägliche Lesung aufgeführt sind:

Beruf Terrorist: Das Blog des Dr. Bittner ist offensichtlich Teil seines Aufgabengebietes bei der Zeit. Am Wochenende arbeitet man nicht - zumindest nicht offiziell -, also hat Dr. Bittner Zeit für sich. Lesen, recherchieren und die Augen offen halten wird er trotzdem. Nur eben mehr für die Wochenzeitschrift als fürs Blog. Am Rande bemerkt, Dr. Bittner: Die Auflösung des Rätsels um die beste Definition des Begriffes Terrorismus ist überfällig. 1:0 Privat.

Bibliomaniac: Der Bücherverrückte scheint soziale Beziehungen oder die Vorteile des Aufenthalts an frischer Luft nicht zu kennen. Am Wochenende explodieren seine Blogs nicht nur in quantitativer Hinsicht, sondern auch - und dies zu glauben fällt schwer - in qualitativer. Ausgleich 1:1.

Daniel van Moll: Eher fleissiger als in der vergangenen Woche, fällt ein Vergleich zwischen Wochenende und Woche bei unserem Mann bei GIGA eher schwer. Grund: Daniels Einträge orientieren sich häufig an seinen Erlebnissen im Fernsehen - und ein übliches Wochen-Ende gibt es dort nicht. Man kann vermuten, daß seine vereinzelten Sendepausen mit seinen freien Tagen in Zusammenhang stehen, aber: Nichts Genaues weiß man nicht. 2:1 Blog.

jimmyz journal: Auch hier, zumindest samstags, eine Eruption von Einträgen eines auch sonst sehr schreibfreudigen Bloggers. Inwieweit die vielen Einträge des gestrigen Tages mit seinem DSL-Anschluß erklärt werden, kann man aber nicht abschätzen. Somit: 3:1 Blog.

Meinungen & Deinungen: Klare Erkenntnis - YellowLed hat an Wochenende keinen Strom. Der Denkpass beneidet ihn, aber: 3:2 Blog.

Michael Himsolt: Datumsbezogene Zuordnungen seiner Einträge nimmt der liebe Michael nicht vor. Aus der Erinnerung kann aber bestätigt werden, daß das Wochenende bei Michael Himsolt auch fürs Bloggen in Frage kommt. Gerade an diesem Wochenende war das keine gute Entscheidung, gab es doch Anlaß für Frustrationen mit Kommentardiensten oder Scannern. 4:2 Blog.

Michaels Remarks: Michael hat übers Wochenende wieder Zeit, so sagt er selber. Und wer eine Kategorie für seine Einträge mit dem Namen Sonntagsarabesken führt, sollte das auch. Auch hier also: Bloggen ist fester Bestandteil des Wochenendes - 5:2 Blog.

Plastic Thinking: Für Moe ruht die Welt nie und sein Kampf gegen ungerechte Studiengebühren, Einschränkung der Perönlichkeitsrechte durch totale Überwachung und für Kommunikationsverteilung über WiKis wird auch an Wochenenden verbissen geführt. Diese Einstellung macht ihn ja zu dem, was er ist: einer der bekanntesten deutschen Blogger. Ich wußte vorher, wie die Wertung hier ausfallen würde: 6:2 Blog.

schreibblogade: Patrick schreibt sporadisch - aber auch an Wochenenden. Gestern über Neid unter Bloggern. Wir hören zu und gehen nicht weiter, lieber Patrick, und stellen fest: 7:2 Blog.

Unqualified Offering: Jim Henley hat Familie. Eines seiner Kinder besitzt oder besaß einen Stoffclown, den ich ihm mal gesandt hatte. Der Clown soll auf den Namen Pedro gehört haben, sagte man mir. Warum nur? Jedenfalls hat Jim Familie und scheint Wochenenden ab und zu privat zu nutzen. 7:3 Blog also.

Weltentummler: Der Weltentummler sitzt das Wochenende aus, gibt uns aber fleißig Links zum Tüfteln mit. Auch wenn dies am Freitag abend um kurz nach 23:00 Uhr geschah, werten wir des Weltentummlers Einstellung als das Private favorisierend. Kurzum - 7:4 Blog.

Es scheint also nicht nur mich zu betreffen. Wochenenden bieten viel Zeit und Raum, und beides wird nicht immer zum Bloggen genutzt. Mit dem Bloggen ist es eben wie mit den Wochenenden: Es ist eine Sache für sich.

- UPDATE -

YellowLed bloggt am Wochenende. Jedenfalls an dem, was er darunter versteht. An dem Wochenende, das wir so kennen, bloggt er nicht - da arbeitet er. Der Denkpass revidiert somit seine statistische Erhebung auf 7,5:3,5 Blog.

20.03.04

Grand Prix-Ausrichter drohen türkischen Votern

Wie aus gut unterrichteten Kreisen verlautete, verlief die in Berlin-Treptow stattfindende deutsche Vorentscheidung zur Teilnahme am European Song Contest mit auffallend agressiven Untertönen. So kam es zu einer Reihe von Zwischenfällen, so ein Augenzeuge unter Berufung auf Anonymität, die darauf ausgerichtet waren, dem deutschen Vertreter im Endausscheid die Gesamtheit aller türkischen Stimmen zu sichern. Die Dramaturgie des Abends unterstützt diese Anklagen.

Den Anfang nahm die Beeinflussung türkischer Wählerstimmen, als die Moderatorin des Abends, Sandra Kuttner, in türkischer Trachtenmode die Bühne betrat. Man hätte ihre "unrasierten Hammelhaxen sehen" können, so unser Mann vor Ort. Einzig und allein ihr Verzicht auf weitere typisch türkische Mode-Acessoires wie "Ringelsöckchen und krumm gelaufene Pumps" hätten die Produzenten davon abgehalten, Sandra Kuttner aus dem Programm zu nehmen.

Zu einem späteren Zeitpunkt habe der Komoderator Jörg Pilawa, als er einen Reporter in Istanbul per Lifeschaltung befragen wollte, die Wörter Istanbul und Israel vertauscht. Dass der Moderator der Wissenshow "PISA-Der Ländertest" dieser Verwechslung zufällig erlegen sei, "ist wohl auszuschließen", so die dem Denkpass zugängliche Quelle. Statt dessen wolle man hier gezielt drohen: Istanbul werde vor der arabischen Welt mit Israel gleich gesetzt, sollten die Türken nicht richtig abstimmen. Über die Bedeutung dieser Gleichsetzung sei sich wohl jeder im Klaren, so unser Informant weiter.

Während der erwähnten Lifeschaltung folgte sofort die nächste unverhohlene Drohung. Ein unbekannter ARD-Reporter, der sich als Leiter des ARD-Studios in Istanbul, Dieter Sauter, ausgab, stellte territoriale Ansprüche an die Türkei: Istanbul sei nichts weiter als ein "überdimensionales Kreuzberg". Den Türken werde hier gezeigt, "wie man mit Abweichlern verfahre", so das Fazit unseres Informanten, "annektieren und fertig".

Der Höhepunkt war der Auftritt des in London lebenden türkischen Sängers Mustafa Sandal. "Ihm wurde das Mikro abgedreht", um auch so Türken zu zeigen, "welche Macht Deutschland habe". Trotzdem beendete Sandal seinen Auftritt mit professioneller Routine. Das i-Tüpfelchen der Beeinflussung türkischer Grand-Prix-Wahlstimmen bildete "mit Sicherheit die Kleidung" von Mustafa Sandal, so die Meinung unseres Beobachters. Sandal wurde buchstäblich "mit vorgehaltener Pistole" gezwungen, ein weißes T-Shirt mit einem blutroten Fleck auf der Brust zu tragen. "Wer diese Symbolik nicht versteht, tut mir leid.", wies der anonyme Informant auf die bildhafte Drohung hin.

Äußerungen der Türkei zu den Vorwürfen liegen dem Denkpass noch nicht vor.

19.03.04

Es gibt 1000 gute Gründe

... auf dieses Land stolz zu sein gegen George W. Bush zu sein.

[via IndyBlog]

In einem Riesenhaufen Scheiße

... sitzt unser Planet: Den Untersuchungen britischer Forscher zufolge scheint das nächste große Artensterben auf diesem Planeten bevorzustehen. Die Untersuchungen zeigen, daß gerade bei Schmetterlingen, aber auch anderen Insektenarten die Zahl der Arten dramatisch zurückgeht. Durch intensive Landwirtschaft sinkt auch die Vielfalt in der Pflanzenwelt. Die Forscher werten dies als erste Anzeichen einer kommenden Katastrophe. Inwieweit die Menschheit verantwortlich ist, geht aus der Untersuchung nicht hervor.

Übrigens, zusätzlich zum größeren Schema, in dem sich unsere Welt wiederfindet, sitzt das Indyblog in einem recht idyllischen Privat-Scheißhaufen.

NEIN!

Das wollen wir uns nicht vorstellen...

Dat kommt davon

Aus Theodor Fontane, Der Stechlin:

"... War da mal ´ne Hinrichtung, weil eine Klempnermadam, nachdem sie sich in ihren Lehrburschen verliebt, ihren Mann, einen würdigen Klempnermeister, vergiftet hatte. Und der Bengel war erst siebzehn. Ja, meine Herren, soviel muß ich sagen, es kamen damals auch schon dolle Geschichten vor. Und ich, weil ich den Gefängnisdirektor kannte, ich hatte Zutritt zu der Hinrichtung, und um mich rum standen lauter Assessoren und Referendare, ganz junge Herren, die meisten mit ´nem Kneifer. Kneifer gab es damals auch schon. Und nun kam die Witwe, wenn man sie so nennen darf, und sah soweit ganz behäbig und beinahe füllig aus, weil sie, was damals viel besprochen wurde, ´nen Kropf hatte, weshalb auch der Block ganz besonders hatte hergerichtet werden müssen. Sozusagen mit ´nem Ausschnitt."

"Mit ´nem Ausschnitt; ...gut, Gundermann."

"Und als sie nun, ich meine die Delinquentin, all die jungen Referendare sah, wobei ihr wohl der Lehrling einfallen mochte..."

"Keine Verspottung unserer Referendare..."

"... Wobei ihr vielleicht ihr Lehrling einfallen mochte, da trat sie ganz nahe an den Schafottrand heran und nickte uns zu (ich sage 'uns', weil sie mich auch ansah) und sagte: 'Ja, ja, meine jungen Herrens, dat kommt davon...'"

18.03.04

CeBit

...heißt die Messe, die den heutigen Tag meines Lebens verschlungen hat - und zwar mit Haupt und Haar von früh bis spät. Es war ein schöner Tag, wenn auch anstrengend. Aber liegt nicht in erschöpfender, schaffender Anstrengung eine befriedigende Tiefe, die mich nur zu einem Urteil kommen lassen kann? Nämlich, daß dieser Tag eine entsprechende Fortsetzung des Tags zuvor gewesen sei? Und sollte es so weitergehen mit dieser Aneinanderreihung schöner Tage, so kann ich nicht umhin, als festzustellen: Es formt sich eine Welle. Und ich sitze drauf.

Am Rande bemerkt, die Aussichten für den morgigen Tag sind blendend. Aber genug mit den persönlichen Ansichten, wie glücklich und rosa sie auch sein mögen. Wir wollen uns hinwenden zu zwei Nachrichten, die ich einzelnen Lesern von dieser großen Verkaufs- und Werbeveranstaltung mitbringe:

- Dem Daniel seien die Grüße ausgerichtet, die ich auch seinen Kollegen auftrug (zur Kontrolle: es handelte sich um diesen und jenen)

- Dem intellektuellen Proleten sei gesagt, auch die Titten der Messemäuse sind zuweilen erstklassig

Den anderen Lesern sei mitgeteilt, daß mich der Scharfsinn nach diesem langen Tage längst verlassen hat. Aber das merkt man auch so, oder? Stinknormale Grüße müssen also reichen...

17.03.04

Ein wunderschöner Tag

Oft braucht es nicht viel, um einem Tag etwas Besonderes zu verleihen, einen goldenen Schein, der ihn aus der schier endlosen Wiederholung gleichförmigsten Dahinlebens heraushebt. Der heutige Tag protzt mit goldenem Schimmer, daß mir die Augen tränen, daß mein Herz vor Freude hüpfen mag und die Seele lauthals lacht. Soll ich die Gründe nennen? Mich beschleicht das Gefühl, daß die Gründe nur der äußere Motor einer inneren Maschine sind, einer Überzeugung, eines siegesgewohnten Gefühls - eines Glückszustandes, der auch ohne äußeren Anlass sich breitmachen und der ganzen Welt um den Hals fallen würde.

Doch würde ich die Gründe nicht nennen, schmälerte ich den Beitrag anderer zu meinem erhabenen Gefühl. Der Reihe nach aufgezählt, präsentiert sich der Lauf der Dinge folgendermaßen:

- das Wetter in Deutschlands größter Stadt ist unglaublich - 20° C in etwa, Sonne und ein warmer Wind pusten die letzte Kälte aus den Ecken
- ein lange überfälliger, aber dringend benötigter versicherungstechnischer Durchbruch gelang heute
- die schweißtreibende, Knochen zermahlende Arbeit, die der Denkpass bereitet, findet schmeichelnde Anerkennung

Mein herzlichster Dank gilt allen, denen ich die treibende Kraft meines Glücksmotors verdanke: Der lieben Sonne ebenso wie dem Herrn Assekuranzmakler Hans Fissenewert, und natürlich in besonderem Maße dem Michael und seinen Remarks.

Sherlock Holmes ermittelt wieder

Im Büro einer Londoner Anwaltskanzlei stieß man auf über 3000 Dokumente aus dem Privatbesitz von Arthur Conan Doyle, darunter Briefe an Familienmitglieder und Schreiben berühmter Bewunderer wie Winston Churchill. Auch Manuskripte fand man, unter anderem das von der Geschichte, in der Sherlock Holmes erstmals auftritt.

Da die Erzählungen Arthur Conan Doyles wegen ihres Alters nicht mehr unter das Urheberrecht fallen, sind sie im Internet verfügbar. Ein Blog, das sich mit Sherlock Holmes beschäftigt, gibt es übrigens hier.

Zu im Internet frei verfügbaren Büchern hier einige Links:

- Eine Seite der Universität von Pennsylvania
- Project Gutenberg
- Books Online
- Bartleby hat eine riesige, sehr gut sortierte Auswahl
- O´Reilly stellt eigene, ältere Bücher zur Verfügung

Panda-Porno

Nein, gemeint ist nicht öffentliche Kopulation in Fiats kleinstem Modell. Hier geht es um Wissenschaft, Freunde!

Weil Pandalady Hua Mei sich über Sex bislang keine Gedanken gemacht hat, aber vier Männchen Schlange stehen, um sich mit ihr zu vergnügen, haben sich ihre Pfleger Gedanken gemacht, wie man Hua Mei aufklären könne. Des Rätsels Lösung: Hua Mei schaut sich vorbereitender Weise Filmchen mit kopulierenden Pandas an - als Einstimmung und Anregung sozusagen.

Berliner Eigenarten

Aus Theodor Fontane, Der Stechlin:

Wie beinah jedem hierlandes Geborenen, war auch ihr die Gabe wirklich Vergleichenkönnens völlig versagt, weil jeder echte, mit Spreewasser getaufte Berliner, männlich oder weiblich, seinen Zustand nur an seiner eignen kleinen Vergangenheit, nie aber an der Welt draußen mißt, von der er, wenn er ganz echt ist, weder eine Vorstellung hat noch überhaupt haben will.
Der Denkpass entschuldigt sich daher, wenn er seine Meinung zu sehr an der eignen kleinen Vergangenheit, nie aber an der Welt draußen mißt. Daß er nämlich aus Berlin kommt, dürfte mittlerweile bekannt sein.

16.03.04

Irgendwo da draußen

Als sie ihn das dritte Mal auf ihren Unmut aufmerksam machte, war ihr Zischeln mit Sicherheit zwei Reihen weiter zu hören. Er schaute zu den beiden Typen herüber, die ihren Unmut verursachten. Er konnte ihren Ärger nachvollziehen. Aber im Gegensatz zu ihr wußte er, wer dort saß: Jemand, mit dem nicht zu spaßen war. Mit dem man nicht einfach so rumdiskussierte. Typen wie die standen nicht auf Diskussionen. Typen wie die brachten sich Schweinefilets in Tupperware mit, wenn sie ins Kino gingen. Ihr Rucksack war voller Alkohol, und sie selber saßen in Unterhosen im Kino. Wahrscheinlich, weil sie von alledem nicht viel mitkriegten.

Die Gefahr eines mit Drogen vollgepumpten Eisbären auf Partnersuche ausstrahlend, waren das da drüben zwei Typen, die Diskussionen überhaupt nicht mochten. Das Ende der Fahnenstange der menschlichen Entwicklung, aber das untere. Er richtete seine Augen wieder auf die Leinwand und drückte sanft ihren Arm. Er verstand sie vollkommen. Für sie war das hier der Höhepunkt des Monats. Der Besuch der 23:00-Uhr-Vorstellung an einem Dienstagabend war für sie das nach außen weithin sichtbare Zeichen ihrer finanziellen und geistigen Emanzipation, ihrer eigenen Freiheit, ihres Erfolgs. Frauen neigen zu solchen Übertreibungen.

Aber er würde sich hüten, deswegen zu den Typen rüber zu gehen. Er hatte ihnen in die Augen schauen können. Kurz vor Beginn des Films hatte er sie für einige Zeit auf der Toilette erleben können. Hatte ihren Atem gehört und ihr abgeschabtes Lachen. Wer mit so einer Dröhnung rumlief, hatte große Mühen auf sich genommen. Dafür braucht man zuallererst einmal knallharte Disziplin und eine funkelnagelneue Kreditkarte. Und zu guter Letzt, unabdingbar, als wichtigste Voraussetzung: man brauchte achtundvierzig Stunden volle Rückendeckung. Sind Typen erstmal so tief drin, merken sie gar nichts mehr. Nicht mal, wenn man ihnen eins mit der Baseballkeule vor die Birne hauen würde. Typen wie die würden wahrscheinlich grinsen, sich brennend für das lebende Spielzeug interessieren, das vor ihnen mit der Alustange rumfuchtelte und sich die nächsten zwei Stunden köstlich mit fremden Blut und Nieren amüsieren.

Er beschloß, die Sache so gut es ging zu ignorieren.

Kontroverser Sex

Big Brother übertrifft sich mal wieder selber. Traut man dem Privatfernsehen im Allgemeinen und RTL2 und premiere im Speziellen schon keine weitere Verflachung ihres Niveaus zu, nehmen die ganz schnell einfach eine neue Serie von Big Brother ins Programm. Und weil es bei RTL2 und bei premiere nur um Sendequote geht - und nicht um anspruchsvolle Unterhaltung oder kurz:Programm mit Sinn - nimmt man gezielt kontroverse Personen auf:

- Da ist zum einen eine Visagistin und Gelegenheitsstripperin aus Berlin, die ihr eines Kind kommentarlos den Großeltern unterschob, um mal eben für ein Jahr in den Container zu ziehen (und das andere laut Focus schon vorher bei Pflegeeltern unterbrachte).

- Da ist auf der anderen Seite Tatjana Gsell, Witwe eines millionenschweren Schönheitschirurgen, der duch Unfallursache starb und ein Millionenerbe hinterließ. Die Polizei ermittelte gegen die trauernde Witwe, fand aber nichts (ermittelt aber offensichtlich weiterhin wegen Versicherungsbetrugs).

Tatjana und Sandra sind wegen ihrer zweifelhaften Lebensläufe in den Container eingeladen wurden. Die damit verbundene Kontroverse interessiert den Sender als reines Verkaufsargument, kräftigst unterstützt durch Sex - Tatjana Gsell als männermordende Silikonmillionärin, Sandra als herzloses Stripperin-Besamungsobjekt. Inwieweit moralische Aspekte berührt werden, kratzt im Privatfernsehen niemanden mehr. Kontroverse bringt Publicity. Egal welcher Art - Publicity ist immer gut.

Wie fragt Jim:

Kann man die Produzenten nicht mal verhaften und einsperren?
Schön wär es.

Rechenkünste

In der langen Serie aufbauender Artikel zum Thema Bauingenieurabsolventen und ihre Berufschancen will sich auch Die Welt hervortun. Man liest:

"In drei bis vier Jahren rechnen wir mit einer großen Nachfragelücke", erklärt Jochen Uhlenberg, Vizepräsident der Ingenieurkammer-Bau Nordrhein-Westfalen. Die Rechnung, die der Prognose zu Grunde liegt: Heutzutage nehmen rund 6500 Erstsemester pro Jahr das Studium auf, von denen etwa die Hälfte den Abschluss zum Diplom-Ingenieur absolviert. Die Wirtschaft fragt aber jährlich rund 4500 Bauingenieure nach. Rein rechnerisch fehlen also 1250 Bauingenieure jährlich.
Etwas weiter unten im Text dann folgende Zahlen:
Während im September 1994 nur 5375 Bauingenieure arbeitslos gemeldet waren, hat sich die Zahl bis September 2003 auf 15.576 fast verdreifacht.
Alte Klugscheißer, wie wir sind, rechnen wir sofort mal nach:
15.576 : 1.250 = 12,8 Jahre

Solange würde es bei gleichbleibenden Absolventenzahlen dauern, um den Arbeitslosenstand im Bauingenieurwesen abzubauen. Von sich ändernden Verhältnissen wie etwa geringerer Baunachfrage wegen der Altersstruktur dieses Landes, geringeren Investitionen wegen des hohen Lohnniveaus in Deutschland oder billiger Ingenieurs-Konkurrenz aus zehn neuen EU-Staaten wollen wir gleich ganz schweigen. Aber Mathe war ja noch nie gefragt, oder?

Buchquiz

Wir haben ja schon das eine oder andere Quiz gemacht. Warum dann nicht auch ein Buchquiz?




You're The Dictionary!

You're one of those know-it-all types, with an amazing amount of
knowledge at your command. People really enjoy spending time with you in very short
spurts, but hanging out with you for a long time tends to bore them. When folks
really need an authority to refer to, however, you're the one they seek. You're an
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Take the Book Quiz at the Blue Pyramid.


[via Plastic Thinking]

Acht, neun oder zehn?

Michael Himsolt hat es erwähnt, und zwar hier und besonders ausführlich hier. Der Weltentummler hat es auch erwähnt. Wir erwähnen es nun auch: Die Zahl der bekannten, größeren Himmelskörper in unserem Sonnensystem steigt.

Wie Michael Himsolt hinweist, handelt es sich aber nicht um einen neuen Planeten. Auch Pluto ist nur aus historischen Gründen als Planet geführt, wenn man Himsolt glauben darf. Interessant bei Sedna ist eine der Erklärungen für die extremalen Verhältnisse seiner Umlaufbahn: dreimal so weit entfernt von der Sonne wie Pluto, benötigt er für einen Sonnenumlauf 10.500 Jahre. Grund könnte u.a. ein etwa marsgroßer, bisher unentdeckter Planet in etwa doppelter Plutoentfernung von der Sonne sein. Also doch neun oder zehn?

Weitere Informationen zu den bisher mit Sicherheit entdeckten Himmelskörpern und Planeten findet der interessierte Hobbyastronom beispielsweise auf dieser Seite. Neben Tips zur Beobachtung erfährt man dort auch etwas über bisherige Kandidaten für den zehnten Planeten wie beispielsweise einen hypothetischen Zwillingsstern der Sonne mit gigantischer Umlaufbahn.

- UPDATE -

Auch der Spiegel kommt nun mit den Daten rüber, die Michael Himsolt schon vor geraumer Zeit präsentierte.

Historische Ortsangaben

Aus Theodor Fontane, Der Stechlin:

Die Barbys, der alte Graf und seine zwei Töchter, lebten seit einer Reihe von Jahren in Berlin, und zwar am Kronprinzenufer, zwischen Alsen- und Moltkebrücke. Das Haus, dessen erste Etage sie bewohnten, unterschied sich, ohne sonst irgendwie hervorragend zu sein (Berlin ist nicht reich an Privathäusern, die Schönheit und Eigenart in sich vereinigen), immerhin vorteilhaft von seinen Nachbarhäusern, von denen es durch zwei Terrainstreifen getrennt wurde; der eine davon ein kleiner Baumgarten, mit allerlei Buschwerk dazwischen, der andre ein Hofraum mit einem zierlichen, malerisch wrikenden Stallgebäude, dessen obere Fenster, hinter denen sich die Kutscherwohnung befand, von wildem Wein umwachsen waren. Schon diese Lage des Hauses hätte demselben ein bestimmtes Maß von Aufmerksamkeit gesichert, aber auch seine Fassade mit ihren zwei Loggien links und rechts ließ die des Weges kommenden unwillkürlich ihr Auge darauf richten.
Dem Denkpass gefällt die beschreibende Gabe Theodor Fontanes so sehr, daß wir versuchen wollen, den exakten Ort des Anwesens zu lokalisieren:

Den Namen Kronprinzenufer gibt es offiziell seit 1978 nicht mehr. Es verlief von der heutzutage optisch äußerst opulenten Kronprinzenbrücke aus an der Spree entlang bis südlich der Moltkebrücke und war benannt nach dem Kronprinzen Friedrich Wilhelm Nikolaus Karl, dem 99-Tage-Kaiser und Intimfeind Otto von Bismarcks. Der südliche Teil des ehemaligen Kronprinzenufers hört seit 1991 auf den Namen Bettina-von-Arnim-Ufer. Dort - in der Nähe der Schwangeren Auster - scheint auch das reale Haus gestanden zu haben, das den fiktiven Barbys als Wohnsitz diente. Die Moltkebrücke ist lokalisierbar, die von Fontane erwähnte Alsenbrücke nicht. Es gibt eine Alsenbrücke in Berlin, aber sie wurde erst 1906 erbaut und liegt zu weit in Richtung Potsdam, als daß sie ernsthaft in Betracht gezogen werden kann. An anderer Stelle wird im Widerspruch zu Fontanes Schilderung (der eigentlich immer akkurat berichtete) erwähnt, die Moltkebrücke sei die aus Stein erbaute Nachfolgerin einer Holzbrücke mit dem Namen Alsenbrücke. Derselbe Vorgänger der Moltkebrücke wird an dieser Stelle Unterspreebrücke genannt.

Wahrscheinlich ist also die alte Alsenbrücke eine Holzbrücke gewesen, die irgendwo zwischen Moltkebrücke und Lutherbrücke stand - eben da, wo sich heute das Bettina-von-Arnim-Ufer am Ufer der Spree entlangschlängelt. Der gesamte Bereich liegt im Spreebogen, dem heutigen Machtzentrum unserer Republik. In Sommer und Winter eine schöne Ausflugsgegend inmitten der grünen Lunge Berlins, dem Tiergarten, kann man sich die Schönheit der Gegend vorstellen, wie Theodor Fontane sie sah. Privathäuser stehen dort heute keine mehr, die beschriebene Immobilie wird also höchstens auf historischen Fotos wieder zu finden sein.

Wegen der kurzen Amtszeit eben jenes Kronprinzen wurde Otto von Bismarck von dessen machthungrigen Nachfolger so früh abgesetzt. Eine Entwicklung nahm damals in Deutschland ihren Anfang, die erheblich dazu beitrug, deutsche Innenstädte ebenso wie das ganze Land zu zerstören. Wahrscheinlich auch das Haus, um das sich diese kurze Geschichte dreht. Wer dennoch gerne in Berlin auf den Überresten von Fontanes Spuren wandeln möchte, dem sei dieses Buch empfohlen.

15.03.04

Angst vor Ansteckung erklärt niedriges Kommentar-Aufkommen

Der Denkpass überlegt schon lange, warum manch anderes Blog so viele Kommentare erhält - und man selber kaum. Ein Blick in die Yahoo!-Nachrichten brachte nun die lang gesuchte Erkenntnis: Die zu hohe Ansteckungsgefahr scheint der Grund zu sein.

Eine Studie der Universität Arizona untersuchte die Anzahle der Krankheitserreger auf verschiedenen Oberflächen wie Telefon, Maus, Tastatur und - um die Ecke gedacht - Toilette. Dabei gelang der Studie ein bahnbrechender Durchbruch hinsichtlich der Ursachen für Krankheiten: Die Zahl der Krankheitserreger auf Toiletten ist bis zu vierhundertmal kleiner als die auf Computermäusen, Tastaturen oder Telefonen.

Mäuse schneiden dabei besser ab als Tastaturen. Das aus Sicht des Denkpasses bedauernswerte Desinteresse an der eifrigen Abgabe von Kommentaren scheint nun endlich geklärt - Leser des Denkpasses meiden unnötige Selbstgefährdung durch Benutzung ihrer Tastatur und surfen einzig und allein mit Hilfe ihrer Maus.

Wissenschaft treibt George W. Bush in den Wahnsinn!

Das Unheil nahm seinen Lauf, als George W. Bush beschloß, neue Territorien zu erobern weitere Mond- und Marsmissionen in Angriff zu nehmen. Widerstand gegen die Visionen des amerikanischen Präsidenten regte sich vielerorts. So gibt es in Amerika Wissenschaftler, die den praktischen Sinn bemannter Weltraummissionen hinterfragen:

Wird [durch eine bemannte Marsmission] mehr Getreide wachsen oder eine Krankheit geheilt? Das erweitert nicht mal unseren Horizont. [..] Wir haben bessere Karten vom Mars als vom Ozeanboden.
Aber auch im Sauerland schlägt die Empörung Wellen. Leser eines Anzeigenblattes im westfälischen Hügelland haben vor einigen Jahren die Anrechte auf Mondparzellen erworben. Preis pro Grundstück - 30 DM. Die Immobilienhaie aus dem Sauerland haben ihre Beschwerden kanalisiert und dem Weißen Haus übersandt.

Stunk gibt es auch anderswo. Der praktische Nutzen George W. Bushs Idee, Geschlechtskrankheiten durch Keuschheitsgelübde zu verringern, wird von Wissenschaftlern der Columbia- und Yale-Universitäten angezweifelt. Eine Studie ergab, daß Geschlechtskrankheiten auch bei keuschen Jugendlichen genauso häufig auftreten wie bei Anhängern der freien Liebe. Fehlende Information sei ein größeres Problem als fehlender Sex, so die Wissenschaftler.

Um dem Faß die Krone aufzusetzen, untersuchte eine amerikanische Webseite für Genealogie, mit wem der weitverzeigte Bush-Clan verwandt sei. Neben Playboy-Erfinder Hugh Hefner und Dirty Harry Clint Eastwood fand man eine weitere haarsträubende Verwandschaft: So ist John Kerry, Bushs Gegner bei den anstehenden Präsidentschaftswahlen, ein Cousin 9. Grades.

- UPDATE -

Sollte George W. Bush der Gedanke kommen, alle Wissenschaftler und seinen Cousin 9. Grades auf den Mond oder einfach ins All zu schießen, hier ist eine Liste der bereits im All umherirrenden Gegenstände. Für maximale Effekte müsste man da entweder durch- oder genau gegenzielen...

- UPDATE II -

Da oben wird es langsam eng. Vielleicht also doch besser direkt zum Mond schiessen...

- UPDATE III -
Das Institut für Völkerrecht erteilt den Ansprüchen der Sauerländer Immobilienhaie eine Absage: Grundstücke auf dem Mond können nicht von Erdbewohnern erworben werden. Eine Sorge weniger für George W. Bush...

- UPDATE IV -
Es wird eng da oben. Auch die Chinesen fordern ihren Anteil an Mondparzellen.

Kopf an Kopf

Der Zeichentrickfilm Findet Nemo hat auf meinen Sohn - und auf mich - den allergrößten Einfluß. Der Film ist perfekt: gleichermaßen geeignet für Erwachsene und Kinder, verbindet er modernste Tricktechnik mit einem außergwöhnlichen Drehbuch, herausragender Kameraführung und komischen Dialogen. Im gesamten Film gibt es nebenbei bemerkt nicht einen bösen Charakter, sieht man einmal von dem Barracuda in der ersten Szene ab (und dessen Auftritt und Relevanz ist nach zehn Sekunden beendet).

Jedenfalls haben verschiedene Charaktere im Film verschiedene Rituale. Die Haie im Film zum Beispiel haben ein den anonymen Alkoholikern abgeschautes Ritual, um sich selber auf der vegetarischen Spur zu halten. Nemo und sein Vater Marlin kennen die Glücksflosse, eine Fischvariante von Gib mir fünf! Mein Sohn steht nun auch auf die Glücksflosse und so klatschen wir mehrmals am Tag gegenseitig unsere Hände ab. So weit, so gut.

Die Schildkröte Crush und ihr Kind Rocker haben ein weiteres Ritual: Sie stoßen ihre Köpfe aneinander. Sohnemann mag das auch...und weckt einen morgens manchmal auf schildkrötisch.

E.T. und das Apple-Logo

Die wahre Bedeutung des Apple-Logos erfährt der interessierte Leser auf dieser Seite vom Spiegel. Hinweise auf die Größe von Steve Jobs IQ sind ebenso enthalten wie über die Körperhaltung Außerirdischer bei der Leibesentleerung...

14.03.04

Kohl, Köhler - am köhlsten?

Den wirklichen Schaden, den die politische Landschaft der Bundesrepublik unter der Beinahe-Diktatur von Kanzler Helmut Kohl erfahren hat, werden wir wohl erst mit dem Abstand von einigen Jahrzehnten beziffern können. Wir möchten an dieser Stelle nicht auf allerhöchste Korruption hinweisen, sondern einfach nur feststellen, daß eingefahrene Machtverhältnisse, wie sie unter Helmut Kohl herrschten, schwerwiegende Probleme nach sich ziehen.

Zum einen hat die langgediente Oppositionspartei SPD das Regieren verlernt. Seit dem Machtwechsel 1998 jedenfalls hangelt sich der Kanzlernachfolger von Krise zu Krise. Zum anderen herrschte nach Kohl auch im langgedienten Regierungsbündnis CDU/CSU ein unübersehbares Machtvakuum, dessen Folgen noch heute spürbar sind. Ernstzunehmende, bessere Alternativen zum Nachfolger Kohls findet eine Mehrheit der Deutschen bei CDU und CSU jedenfalls nicht. Wenn heute Wahl wäre und jemand anders Kanzler würde, dann nur wegen des Prinzips des kleineren Übels.

Wirkliche Politiker, denen die Mehrheit der Wähler vertraut und vertrauen kann, gibt es eben seit geraumer Zeit nicht mehr. Den Anfang nahm diese ernüchternde Entwicklung bei Helmut Kohl. Seit er den Deutschen vorgemacht hat, welche Möglichkeiten Macht eröffnet, haben Politiker das Wort Gewissen aus ihrem Sprachschatz gestrichen. Das Niveau der Politik in diesem Lande nähert sich dem der Bildzeitung an - Mummenschanz ist ein passendes Wort.

Ein weiterer Beweis ist die Äußerung des designierten Bundespräsidenten Horst Köhler. Wie jimmiz journal hinweist, sieht der promovierte Volkswirtschafter und Politikwissenschaftler keine Probleme darin, die Funktion des Bundespräsidenten einseitig und parteilich zu missbrauchen. Der Denkpass schliesst sich dem in jimmiz journal gefällten Urteil an: Dies ist ein in der Geschichte der Bundesrepublik unerhörter und einmaliger Vorgang. Eine weitere Etappe eines langen Abstiegs vom Gipfel der politischen Kultur.

Die Macht des digitalen Fotos

...offenbart sich dem interessierten Websurfer beim Random Personal Picture Finder. Der aufgeschlossene Laie fragt sich wie bei SMS: ist das Kunst von und für Massen oder der nächste Schritt zur allgemeinen Verblödung. EIne Antwort fällt schwer und der Denkpass wird sich hüten, sie zu geben. Interessant ist es allemal.

[via Daniel van Moll]

13.03.04

Verteidigung und Angriff

Der Terrorismus- und Geheimdienstverantwortliche des Politkressorts der Zeit, Dr. Jochen Bittner, weist in seinem Blog auf eine Rede Tony Blairs hin, in der sich Großbritanniens Premierminister zu veränderten Sicherheitsanforderungen in unserer Welt positioniert. Dr. Bittner bezeichnet die Rede als beachtlich und weist daraufhin, daß sie Verteidigung und Angriff zugleich sei.

Die erste Behauptung übergeht der Denkpass, der zweiten stimmt er vorbehaltlos zu. Tony Blairs Entscheidung, britische Truppen in den Irak zu entsenden, wird mehr und mehr hinterfragt. Darauf haben wir an dieser Stelle schon einmal hingewiesen. Blair sieht sich in dieser Frage einem ungleich größeren Druck ausgesetzt als George W. Bush. Und so verteidigt Blair seine Entscheidung für den Krieg gegen Saddam Husseins Regime:

It is because it [is] my fervent view that the nature of the global threat we [face] round the world is real and existential and it is the task of leadership to espose it and fight it, whatever the political cost; and that the true danger [is] to our country if we now ignore this threat or erase it from the agenda in embarrassment at the difficulties it causes.
Was folgt, richtet sich gegen die vorgebrachten Anschuldigungen, die Öffentlichkeit wurde über die wahre Bedrohung seitens des Iraks von Anfang an und mit Vorsatz falsch informiert. Der Angriff startet an dieser Stelle. Mit dem Geschick und der Erfahrung eines Berufspolitikers hält sich Blair natürlich nicht eine Sekunde damit auf, den Vorwurf gezielter Falschinformationen zu widerlegen. Blair verknüpft stattdessen das Schreckensbild von Saddam Hussein mit dem Schreckensbild des Terrorismus - ohne dafür Beweise vorzulegen. Angst ist Blairs Offensivwaffe, und nach Madrid ist diese Waffe schärfer geworden.

Auf internationaler Ebene fordert er eine Überarbeitung der Prinzipien der internationalen Beziehungen und wirft - offensivfreudig wie eh und je - der UN und dem Sicherheitsrat indirekt vor, Schuld an der Entstehung von Regimes wie das von Saddam Hussein zu sein. Weil die Bedrohung sich geändert hat, schlägt Blair vor, auch das internationale Recht zu ändern. Dahingehend, Kriege gegen Staaten legitimieren zu können, die intern an Waffen arbeiten, um sie extern Terroristen zuzuspielen.

Eine schöne Rede, deren Inhalt Dr. Bittner vorbehaltlos zustimmt. Teilweise kann auch der Denkpass seine Zustimmung nicht verhehlen. Bedrohungen ändern sich, und ohne Anpassung kein Überleben, so Darwins bahnbrechende Erkenntnis.

Bedeutet das aber, so fragt der Denkpass, die Wähler einer Demokratie über die wahre Kriegsgefahr anzulügen? Blair weicht der Frage aus, auch in dieser Rede. Die Nennung einzelner Zitate zu bestimmten Themen ist bloße Rhetorik. So zitiert Blair auch Dr. Kay, den ehemaligen Chef der Waffeninspektoren, der den Krieg mit seinem heutigen Wissensstand verurteilt. Zu den Vorwürfen Kays nimmt er nicht Stellung - Angriff ist gefragt, keine Verteidigung.

Ist es denn auch sinnig, den UN-Sicherheitsrat zu wiederholten Sitzungen zusammen treten zu lassen, um letztendlich ohne Legitimation der UNO in den Krieg zu ziehen? Ist es sinnig, die Mitglieder des Sicherheitsrates und den UN-Generalsekretär der UNO Kofi Annan auszuspionieren und am Ende ihnen unsaubere Taktiken vorzuwerfen?

Der Denkpass fragt auch: Wer oder was legt fest, wie eine Bedrohung aussieht, die nach Blairs Vorschlag eine Invasion rechtfertigt? Auf welche Art von Informationen berufen wir uns da? Solche vom Geheimdienst vielleicht? Oder reichen uns die Entscheidungen von "Leadern" wie George W. Bush und Tony Blair?

Eine geschickte Rede nichtsdestotrotz. Zur argurmentfreien Verteidigung seiner ureigensten, in ihrer Natur undemokratischen Entscheidung die Initiative ergreifen und in die Offensve gelangen: Sollen Blairs Gegner mal sehen, wie sie mit Angst fertig werden.

Der Wert der Liebe

Aus Thomas Mann, Joseph und seine Brüder:

(Mut-em-enet war die Frau des Eunuchen, der Joseph als Sklave erwarb. Als sie sich in ihn verliebte, die erste und einzige körperliche Liebe in ihrem Leben, blieb Joseph standhaft und wurde dafür ins Gefängnis geworfen. Jahre später kehrt er als zweiter Mann des Staates und Pharaos rechte Hand ins öffentliche Leben zurück.)

Und doch ruhte auf dem Grunde ihrer Seele ein Schatz, auf den sie heimlich stolzer war als auf alle ihre geistlichen und weltlichen Ehren, und den sie, ob sie sich´s eingestand oder nicht, für nichts in der Welt dahingegeben hätte. Ein tief versunkener Schatz, der aber immer still hinaufleuchtete in den trüben Tag ihrer Entsagung und, wieviel Niederlage auch darin einschlägig war, ihrem geistlichen, ihrem weltlichen Stolz eine unentbehrliche Ergänzung von menschlichem, von Lebensstolz verlieh. Es war die Erinnerung - nicht einmal so sehr an ihn, der, wie sie hörte, nun Herr geworden war über Ägyptenland. Er war nur ein Werkzeug, wie sie, Mut-em-enet, ein Werkzeug gewesen war. Vielmehr und fast unabhängig von ihm war es das Bewußtsein der Rechtfertigung, das Bewußtsein, daß sie geblüht und geglüht, daß sie geliebt und gelitten hatte.

12.03.04

Werbung?

Der Bibliomaniac bedankt sich in aller Liebenswürdigkeit für ständige Erwähnung seiner unermüdlichen, missionarischen Tätigkeit zur Verbreitung der Leselust:

Danke für die Blumen und die Werbung, die du weiter unten und überhaupt schon des öfteren für mich machtest. Dank RSS-Feed bleibt mir nichts verborgen. :-)
Der leichte Hauch eines schlechten Gewissens, der dem aufmerksamen Leser bei der Lektüre dieser Zeilen übers Gemüt fährt, ist sicherlich auf zarteste Weise mit des Bibliomaniacs fehlender Kommentarneigung verknüpft. Dies sei im Falle des mit der stattlichen Zahl von vier Weblogs bis über beide Ohren beschäftigten Bibliomaniacs kein Grund für erziehende Ermahnungen seitens des Denkpasses, sind wir doch froh und stolz, so hoch geschätztes Publikum wie eben jenen Bücherverrückten in der Mitte unserer Leserschaft begrüßen zu dürfen. Bedanken möchte sich der Denkpass stattdessen für den Dank, um so von Dank zu Dank ein Band zu knüpfen, das unsere durchs Lesen begründete Beziehung weiter vertiefen mag.

Worauf wir aber unweigerlich die Aufmerksamkeit des geneigten Lesers lenken möchten, ist die Bedeutung des Wortes Werbung. Eine Nutzen bringende und dabei mehr als verdiente Werbetrommel, lieber Bibliomaniac, kann der Denkpass ja nur rühren, wenn es in seiner Macht läge, zumindest den einen oder anderen Websurfer weiter zu verweisen. Solcherart unter der Lupe betrachtet, ist der erhoffte Multiplikationseffekt wahrscheinlich sehr gering und tendenziell als gegen Eins konvergent zu betiteln. Sehr wahrscheinlich ist es gar, daß die Leserschar des Denkpasses eine Teilmenge der Leserschar des Bibliomaniacs ausmacht, ja ihre alleinige Existenz den zwar seltenen aber um so mehr geschätzten Erwähnungen des Denkpasses in den Weblogs des Bibliomaniacs verdankt. Der Dank, den wir vorhin erbrachten, sei demnach verdoppelt.

Auf einen weiteren Punkt möchte der Denkpass das scharfe Auge des Lesers lenken. Die Wikipedia, des Internets gutes Gewissen die freie Verteilung von Informationen bestreffend, definiert den Terminus Werbung in folgender Weise:

Werbung ist die öffentliche wirksame Bekanntmachung von Gütern oder Dienstleistungen, meist durch bezahlte Anzeigen.
Wir möchten dem anfügen, daß Werbung nicht nur für Güter oder Dienstleistungen wirksame Bekanntmachung sein kann, sondern auch für ein außergewöhnlich gutes Projekt wie eben jenes Archiv für Bibliomanika und Ausdruck [des] Verfallenseins an das Lesen und die Welt der Bücher. Bezahlt wird hier gar nichts, außer mit Zuneigung und schwer erarbeitetem Respekt seitens des Denkpasses.

Fazit dieser langwierigen Betrachtung: Bitte sehr!

Homosexuelle Schafe

Da wird sich Berlins Regierender Bürgermeister freuen und George W. Bush ärgern: Auch Schafe sind schwul.

Der Denkpass sagt: Und das ist gut so...

Manner-Schnitte

Gestern hat sich Der Denkpass kurz des Bildungssegments im Privatfernsehen angenommen. Weil wir heute auf einer transeuropäischen Wirtschaftsveranstaltung im Ludwig-Erhard-Haus der IHK Berlin auch auf Österreicher treffen, haben wir die sich bietende Chance genutzt und nach der Bedeutung der Manner-Schnitte gefragt. Einer von drei WLAN-Zugängen ermöglicht uns duie Live-Berichterstattung:

- Ja, die Manner-Schnitte ist bekannt, berühmt und ein kulinarisches Schmankerl.

- Ihren Siegeszug trat sie laut meinem Kontakt an, als sie in Tankstellen angeboten wurde. Dies war ein bahnbrechendes Ereignis, weil es Vergleichbares damals nicht gab. Tankstellen waren damals zum Tanken da.

- der ursprüngliche Name war Neapolitaner Schnitte No. 239

Na, wenn das nicht für jedermann die Vorteile von Wireless LAN eindeutig demonstriert, dann weiß ich auch nicht. Jetzt aber Schluß, ein Kunde wartet...

Starker Anfang

Der erste Satz aus Theodor Fontane, Der Stechlin:

Im Norden der Grafschaft Ruppin, hart an der mecklenburgischen Grenze, zieht sich von dem Städtchen Gransee bis nach Rheinsberg hin (und noch darüber hinaus) eine mehrere Meilen lange Seenkette durch eine menschenarme, nur hie und da mit ein paar alten Dörfern, sonst aber ausschließlich mit Förstereien, Glas- und Teeröfen besetzte Waldung.
Ein offenes Blog, das ausschließlich Anfangs- und Endsätze von Büchern wiedergibt, betreibt der Bibliomaniac. Ein schönes, interessantes, anregendes Projekt von und für Leute, die leben um zu lesen. So wie ich.

11.03.04

Bildung im Privat-Fernsehen

In der heutigen Ausgabe des Super-Duper-Bildungs-Magazins Galileo ging es - der Vollständigkeit halber sei es angemerkt - um irgend so eine österreichische Waffel-Keks-Variation. Der Start in den Beitrag, bezeichnend für das Sendeniveau des Privatfernsehens, hatte folgende Dramaturgie:

Quer durch ein leeres Cafe bewegt sich der Bildausschnitt in Schritthöhe auf eine Chromstahlsitzgruppe zu, an der eine junge, bildhübsche Frau mit langen Haaren und hellem Oberteil sitzt. Sie trinkt - nicht unerwartet - etwas, wahrscheinlich einen Cafe Latte oder sowas. Während der Bildausschnitt sich auf ihre glänzenden Lippen zentriert, die lasziv Schaum vom Teelöffel lecken, tätigt des Sprechers männliche Stimme folgende Aussage:

Ey, cool! Schwänzen und Kaffee trinken...
Ein Wissen & Lifestyle-Magazin eben. Oder, wie wir uns früher in unserer Muttersprache ausdrückten: Bildungsfernsehen. Auf Pro7 halt verbunden mit der Aufforderung, die Schule zu schwänzen...

Wehrpflicht mal anders

"Ich muss mich doch dazu äußern.", sagte er während einer verbalen Auseinandersetzung, "Ist doch meine Wehrpflicht."

Historische Romane

Anne, Brianne oder wie immer sie auch heißen mag, wünscht sich Empfehlungen zur kommenden Lektüre:

Ich hätte gerne einen historischen Roman, möglichst nicht weniger als 800 Seiten, ein bisschen Krieg, Liebe, Weltgeschichte und Dramatik dabei. Möglichst nicht zu schmalzig und übertrieben.
Der Denkpass könnte natürlich auf Ken Follett verweisen, der selten unter 1000 Seiten zum Ende kommt und sich auf historische Romane spezialisiert hat. Nur leider halten wir Ken Follett für einen Auftragsschriftsteller zweifelhafter Klasse (weswegen wir hier auch keinen Link zur Verfügung stellen).

Liebe Anne, dem Denkpass liegt die Empfehlung wertvoller Literatur sehr am Herzen, deswegen - ohne den Anspruch der Vollständigkeit erheben zu wollen - unterbreiten wir folgende Vorschläge:

Umberto Eco, Der Name der Rose oder Das Foucaultsche Pendel - sehr eloquente, geistreiche und mit Sachverstand recherchierte Unterhaltung von einem der besten Erzähler des 20. Jahrhunderts (jeweils etwa 800-1000 Seiten)

Thomas Mann, Joseph und seine Brüder - Teile des Alten Testaments in Romanform, anspruchsvolle Lektüre, wahrscheinlich das Lebenswerk eines der größten Schriftsteller aller Zeiten (vier Bände = ca. 1900 Seiten)

Lew Tolstoi, Anna Karenina - Russland vor 130 Jahren etwa, Wandel und Zerfall einer Gesellschaft am Beispiel einer weitverzweigten Familie, der Historien-Roman schlechthin (ca. 800 Seiten)

Lew Tolstoi, Krieg und Frieden, die Geschichte einer Familie im Kontext eines historischen Romans über die militärischen Auseinandersetzungen Rußlands und Frankreichs (vier Bände = ca. 1600 Seiten)

Laurence Sterne, Tristram Shandy, eine urkomische Satire über das Individuum im Gefängnis seiner eigenen Subjektivität, Wegbereiter für Jean Paul und James Joyce (ca. 800 Seiten)

Stendhal, Rot und Schwarz, das Leben eines Frauenhelden und Priesters in der korrupten Gesellschaft der nachnapoleonischen Ära (darüber habe ich an dieser Stelle schon mal berichtet, ca. 600 Seiten)

Zu guter Letzt könnte man sicherlich auch dem Bibliomaniac eine Zeile schreiben und ihn um Ratschläge bitten. Der Mann liest nun wirklich alles, was es da draußen in gedrucktem Deutsch gibt...

Die HTML-Hölle

Einen Überblick zu all jenen wunderschönen Designspäßchen, die Webseiten für den durchschnittlichen Websurfer bereithalten, findet man in der HTML-Hell-Page.

Ein kurzer Check ergibt nur einige Probleme für den Denkpass-Leser:

- Popups
- veraltete, unbrauchbare Links
- keine e-mail

Die Popups gibt es, wenn mal jemand zufällig auf den Kommentar-Link rutscht. Ist auch gut so, glaube ich. KÖNNTE NUR ÖFTER BENUTZT WERDEN! Also ich persönlich würde mich freuen, wenn meine Leser das öfter benutzen, ja? Ja?

Die veralteten, unbrauchbaren Links gibt es bei mir auch ab und zu. Ich geb´ es ja zu. Natürlich nur bei etwas älteren Einträgen. Eigentlich auch nur, wenn man auf die Online-Ausgaben von Print- oder Fernsehmedien verlinkt, denn die Jungs kennen die Bedeutung eines Perma-Links noch nicht.

Und die e-mail? Soweit alles OK, oder?

[via Meinungen & Deinungen]

10.03.04

Schwarze Wähler, aufgepaßt!

Wir haben ja im November Präsidentschaftswahlen in den USA: George W. Bush gegen John Kerry, wie es scheint. Weil es beim letzten Mal aber einiges an (berechtigten) Vorwürfen wegen unlauterer Wahlmethoden gab, hier einige Hinweise von Michael Moore für schwarze Wähler (politisch korrekter Terminus: Amerikaner afrikanischer Abstammung), um eine korrekte Stimmabgabe sicher zu stellen:

Bringen Sie alles mit, von dem Sie glauben, daß Sie es für eine gültige Stimmabgabe brauchen werden:

- einen Bleistift Nr.2
- einen schwarzen Filzstift
- eine Stricknadel (um sicherzugehen, daß Sie den Wahlzettel nicht nur leicht anritzen, sondern die Löcher völlig durchstoßen sind)
- ein Mehrzweck-Haushaltsöl
- eine Beißzange
- ein Vergrößerungsglas
- eine Kopie der örtlichen Wahlgesetze
- eine Kopie Ihrer Wählerregistrierungskarte
- eine Kopie Ihrer Geburtsurkunde
- eine Kopie Ihres Abschlußzeugnisses der zweiten Klasse als Beweis, daß Sie lesen und schreiben können
- jedes andere Beweismittel, daß Sie noch haben, das beweist, daß Sie leben
- eine Kamera, um alles, was Ihnen seltsam erscheint, aufzunehmen
- eine Lokalreporterin, der Sie aus erster Hand zeigen können, daß Sie keine Witze machten, als Sie erklärten, daß die Ausrüstung des Wahllokals tatsächlich aus Bolivien hergebracht worden sei
- Isolierband
- Faden
- Paraffin
- einen Bunsenbrenner
- Tipp-ex
- einen Fleckentferner
- einen Anwalt
- einen Pfarrer
- einen Bundesrichter

Wenn Sie das alles dabeihaben, haben Sie eine passable Chance, daß Ihre Stimme auch gezählt wird.

Busy, busy

Moe hatte gestern wohl einige Freizeit. Jedenfalls hat er am Dienstag, den 9. März, NEUN Einträge auf Plastic Thinking vorgenommen. Fleißig! Und: Weiter so.

Übrigens, Moe: heute ist der ZEHNTE März.

Alpine Bauconnections

Der Herr Wildmoser, seines Zeichens Präsident beim TSV 1860 München, dachte Warum nicht? und hat sich mit dem deutschen Ableger Alpine Bau GmbH der österreichischen Baufirma Alpine auf eine klitzekleine Korruption eingelassen, so scheint es. Soweit ist das gestern und heute morgen von allen großen Medien auch verkündet worden.

Der Denkpass zeigt sich nur verwundert, daß im Radio immer noch von einer Baufirma gesprochen wird. Die persönlichen Rechte der Herren Wildmoser (jr. + sr.) werden aufgrund der allzu klaren Beweislage nicht mehr geschützt und ihre Namen genannt. Die Rechte der Baufirma scheint man zumindest im Radio noch schützen zu wollen. Dabei gehören zu einer Korruption immer zwei: einer der das Geld vorher hat und einer der es nachher hat. Die für die Korruption verantwortlichen Mitarbeiter der Firma Alpine Bau GmbH, deren Webpräsenz vorübergehend einige Probleme aufzuweisen scheint, wären genauso schuldig wie die Herren Wildmoser. Sie sollten ebenso öffentlich benannt werden wie jene.

Des Weiteren sollte die Geldsumme, um die es hier geht, vom Staat einbezogen werden. Anfallende Kosten jedweder Art von gerichtlichen Auseinandersetzungen (der FC Bayern beispielsweise prüft rechtliche Schritte und TSV 1860 als Verein sollte das auch tun) sollten fair zwischen den Wildmosers und Alpine aufgeteilt werden. Die Bauleistungen für das geplante Stadium sollten neu ausgeschrieben werden, wobei Alpine von der neuerlichen Vergabe ausgeschlossen wird. Entstehende Kosten für die erneute Vergabe, z.B. durch die Verzögerung des Bauablaufs und Mehrkosten bei der beschleunigten Aufnahme nach der Vergabe sollten sich wiederum die Wildmosers und die Alpine Bau GmbH teilen.

Und sinngemäß sollte bei jeder Form von Korruption verfahren werden: hart, transparent und schnell. Wenn man das so durchhält, wird den Beteiligten auch schnell die volle Bedeutung des lateinischen Wortstamms klar:

lat. corrumpere = verderben / vernichten / bestechen

09.03.04

Höchste Vollendung

Das nenne ich mal einen Hochgenuss:

- Einen in ästhetischer Hinsicht nur als epochal zu bezeichnenden BBC-Film über die Wunder unserer Erde sehen
- Mitten im Film eine Vertreterin der einzigen bekannten Seegurkenart, die schwimmen kann, bei diesem phantastischen Farbkaleidoskop ihrer Schwimmübungen beobachten
- Dazu den einzig und allein passenden Sound hören: Soundtracks for Underwater Listening
- sich intellektuel, emotional und körperlich auf die Einswerdung mit der Seegurke vorbereiten
- allerlangsamst vom Sofa rutschen, zufrieden röcheln und sabbern
- vollkommen glücklich verenden

Zumindest vorübergehend.

Vergangenheit und Gegenwart

Ein Zitat von Karl Jenkins, zeitgenössischer Komponist klassischer Musik (bekannt u.a. durch Palladio):

My music, to a large extent, is concerned with drawing elements from different periods and styles and reworking the techniques with a relevance to today, looking at the past through the present.

Red Dragon

Das erste Buch der Hannibal-Lecter-Trilogie von Thomas Harris habe ich in Englisch gelesen. Bleiben wir bei der Drei-Teilung: das erste Drittel des Buches war - wie im Film - unerträglich spannend und schockierend. So spannend, daß ich, als ich das Buch in einem überfüllten Regionalzug las, Gänsehaut bekam und phasenweise meine Lesung unterbrach. Weil der Film in den letzten zwei Dritteln dieses Niveau nicht mehr halten konnte, die Zutaten für eine fesselnde Geschichte aber zu spüren waren, habe ich mir das Buch damals gekauft. Wie der Film hat auch das Buch seine Schwierigkeiten, das kolossale erste Drittel entsprechend fortzusetzen.

Dabei ist die Geschichte wunderbar aufgebaut und hervorragend recherchiert. Harris kann auf einen großen Erfahrungsschatz hinsichtlich polizeilicher Ermittlungsmethoden und pathologischer Psychologie zurückgreifen und setzt dieses Talent gewinnbringend ein. Die Dialoge sind absolut meisterhaft geschrieben, sehr lebendig und plausibel. Zu guter Letzt weist Harris allen Protagonisten teuflisch hohe Einsätze zu, so daß Langeweile oder Desinteresse niemals aufkommen können. Trotzdem, die Geschwindigkeit der Bilder verlangsamt sich spürbar (entsprechend den Ergebnissen der polizeilichen Ermittlungen) - und drosselt so auch die Aufmerksamkeit des Lesers. Verglichen mit dem furiosen Beginn kommt mir das Ende leer und überhastet erzählt vor (dasselbe Bild: das Tempo der Polizeiarbeit nimmt nach dem finalen Durchbruch drastisch zu).

Wer also schnell mal das Gruseln lernen möchte, ist hier - vor allem im ersten Drittel - sehr gut aufgehoben. Perfekt ist es leider nicht, trotzdem werde ich mir irgendwann die Fortsetzungen Silence of the Lambs und Hannibal vornehmen.

Namen für Variablen

Jeder, der mal den Programmcode eines anderen Programmierers bearbeiten muss, kennt folgende Probleme:

- viele Programmierer verzichten auf Kommentare
- jeder versteht etwas anderes unter strukturierter Programmierung
- Variablennamen sind oft nicht nachvollziehbar

Gerade die Variablennamen sind oft Anlaß unfreiwilliger Komik. In der Firma, in der ich arbeite, erfolgt die Auftrags- und Rechnungslegung mit Hilfe eines von Mitarbeitern erstellten VBA-Programmpaketes. Da ich derzeit für den Code zuständig bin, weil der ursprüngliche Programmierer unser Unternehmen verlassen hat, sehe ich mich seinen Variablenbezeichnungen ausgesetzt: temp, min, k, m, integ zum Beispiel. Aber nicht nur das, er deklariert diese Variablen auch nicht zu Anfang, sondern on-the-fly. Nicht mal in VBA ist das als gut zu bezeichnen, aber auch nur hier möglich.

Aber ich habe es noch gut, scheint es. Eine Aufstellung viel sinnloserer und verwirrenderer Bezeichnungen findet sich hier oder hier.

[via Tobiblog]

08.03.04

Kleine Bombenbau-Kunde

Zur Erweiterung des Arsenals von Möchtegern-Terroristen hat sich mal jemand die Mühe gemacht, und eine Anleitung zur Herstellung einer Wasserstoffbombe veröffentlicht.

Na denn...Wasser marsch!

Die Verwendung von Synonymen

Da äußert sich jemand zu meiner Angewohnheit, auf fremden Webseiten als chiefpedro Kommentare abzugeben. Die sicherlich nur spaßige Umschreibung eines fehlenden realen Namens als "Tarnname" nehme ich aber ernst, handelt es sich doch um Dr. Jochen Bittner, Autor des amüsanten und kurzweiligen Terrorismusblogs der Zeit.

Die Frage, die sich ergibt, ist folgende: Inwiefern ist es in Ordnung, beim Kommentieren fremder Blogs keinen realen, sondern einen virtuellen Namen zu benutzen? Michael Himsolt weist darauf hin, daß ein Zuviel an Informationen auch schädlich für den Webuser sein kann. Aber diese Angst teilte ich nicht, als ich mich entschloß, chiefpedro als Namen zu verwenden.

Was für viele unreif klingen mag, ist für mich eine ständige Erinnerung an meine geistig anregendste und interessanteste Internetbekanntschaft. Das pedro in chiefpedro stammt aus einem Urlaub in der Karibik. Das chief darin verdanke ich Jim Henley. Und weil ich Jim Henley nicht nur tiefste Einblicke in die wahren Zusammenhänge des American Football verdanke, sondern vor allem den Mut zur Publikation meines eigenen Geschriebsels hier im Denkpass (und vorher bei So it goes), werde ich dieses Synonym weiter verwenden.

Darf ich das aber? Darf ich in fremden Blogs kommentieren, ohne meine wahre Identität zu offenbaren?

Ich denke schon. Diese Frage grenzt übrigens wegen ihrer Abbild-Realität-Natur an die, die hier gestern betrachtet wurde. Die Angabe der wahren Identität fördert sicherlich verfassungskonformes, korrektes sowie der Netiquette entsprechendes Kommentieren. Dies aber nur insoweit man zu glauben bereit ist, dass ein real klingender Name auch ein realer Name ist. Sich bei Hotmail.com eine e-mail-Adresse als George W. (Bush) einzurichten, wäre ja immerhin denkbar. Und somit würde man wieder - wie mit Tarnnamen - jede Art geistigen Mülls abgeben können, den elektrische Entladungen des Kleinhirns abzugeben imstande sind. Einzige Lösung für den Blogbetreiber bleibt weiterhin nur, sich die Kommentare ständig anzuschauen und gegebenenfalls einzuschreiten. Oder, wie es Dr. Bittner handhabt: die Kommentare vor der Veröffentlichung lesen.

Und Informationen über chiefpedro gibt es ja: ich gebe immer eine e-mail an und natürlich auch den Denkpass. Und so kann man mich einerseits erreichen, andererseits auch etwas über mich erfahren. Zum Beispiel über Whois. Der "Tarnname" ist also leicht zu enttarnen. Und bleibt im meinem Fall aus den angegebenen Gründen bestehen.

Das Wellensittich-Problem II

Das Nationale wie das Internationale (und wahrscheinlich auch das Intergalaktische) Olympische Komitee überschlagen sich nicht gerade vor Begeisterung für unseren Vorschlag zur Bereicherung der Olympischen Spiele. Wir sind nichtsdestotrotz voller Zuversicht, diese Sportart zu einem späteren Zeitpunkt den verschiedenen olympischen Komitees erfolgreich präsentieren zu können. Nur leider - unsere Fans mögen uns verzeihen - scheint es mit einer Implementierung zu den Olypmischen Spielen 2004 in Athen nicht zu klappen.

Dies liegt sicherlich auch daran, daß nicht rechtzeitig Qualifikationswettbewerbe durchgeführt werden können. Es fehlt ebenso an speziellen Stadien: von den Griechen kann man ja kaum erwarten, daß sie nun auch noch neue Bauprojekte in ihr Durcheinander aufnehmen. Auch die Versorgung eines olympischen Turniers mit genügend Wettkampfvögeln würde unserer jungen Organisation derzeit noch schwer fallen. Somit sehen wir selber, wie unrealistisch unser Traum war.

Was machen wir aber nun mit den fünf Ruhestörern in "Olafs" und "Ramonas" Wohnung? Die Lösung liegt dem erfinderischen Geist nicht fern. Eine ebenso erfolgversprechende Idee wie unsere olympische Sportart Wellensittich-Federball ist unser Rühreiprojekt. Dabei handelt es sich - na klar - um eine Gelddruckmaschine, wie sie im Buche steht: Wir verkaufen Rührei. Und zwar in 50-kg-Wollsäcken, fertig gekocht und esswarm. Man sehe selber, welch gigantischer Markt sich unserem Konglomerat eröffnet. Millionen luxusgewöhnter Deutscher, deren Ernährungsprobleme wir auf einen Schlag in den Griff kriegen: mit 50-kg-Rühreisäcken. JAWOHL!!!

Aber was fehlt dem geneigten Konsumenten zu seinem Rührei? Richtig: es fehlt die

WELLENSITTICH-BOULETTE

07.03.04

Wer sind wir?

Es sind nachdenkliche Blicke unter die Oberfläche wie dieser Artikel, die Michael Himsolt aus der Masse der deutschsprachigen Blogs herausheben. Er liest über ein geplantes Internettreffen, bilanziert seine Erfahrungen dazu und sinniert anschließend über die Personen hinter all den Blogs die wir mögen:

Von den Menschen, deren Weblogs ich regelmässig lese (und kommentiere), habe ich noch niemanden persönlich kennengelernt. [..] Ich habe einmal vor Jahren den Fehler gemacht, zu einem Internettreffen zu erscheinen. Fazit damals: offline sind wir alle ganz anders. Ich kam mir unglaublich fremd vor. [..] Macht man sich, wenn man das Weblog eines Menschen liest, schon ein Bild der Person hinter dem Weblog? Obwohl einem immer klar sein sollte, dass die Online-Persönlichkeit nur ein Teil des Menschen hinter dem Weblog ist?
In aller Ehrlichkeit: darüber habe ich mir noch nie Gedanken gemacht. Michael schon. Und dabei ist es eine interessante Frage.

Ich kann im Brustton voller Überzeugung sagen, daß ich mir eifrig Bilder von den Personen hinter meinen Lieblingsblogs mache. Bei Moe und Daniel ist das einfach, sie haben Web- oder richtige Kameras, die uns ihre Bilder übermitteln.

Aber wir reden ja nicht vom visuellen Bild. Wir machen uns beim Lesen ja gleich ein Bild von den Charaktereigenschaften, vom menschlichen Wert des jeweiligen Bloggers. Sympathie oder Antipathie setzen unsere Phantasie in Bewegung und geben die Richtung unserer Gedanken vor.

Aber wir können uns doch Bilder machen wie wir wollen, oder? Klar. Letzten Endes ist es doch egal, ob unser Bild vom Blogger mit dem Blogger übereinstimmt. Wir werden weiterhin die Seiten der für unsere persönlichen Maßstäbe guten Blogger im Auge behalten und die der für die selben Maßstäbe als ungenügend empfundenen Blogger weiterhin nur ungern verfolgen (wenn überhaupt). Aber wir lassen uns hier eigentlich nur von unserer Affinität zu ihren Texten leiten, das sollten wir nicht vergessen.

Diese Erkenntnis wollen wir klar herausstellen: unsere Wertungen der Blogs(Antipathie/Sympathie, gut/ungenügend) haben rein gar nichts mit den Menschen hinter diesen Blogs zu tun. Und in dieser Hinsicht ist das auch gut so. So bleibt alles zugleich persönlich und unpersönlich. Und zugleich: immer wieder rätselhaft - und interessant.

Pilot Error

In der meiner Wohnung am nächsten liegenden Stadtbibliothek mit dem ehrenwerten Namen Heinrich Böll werden von Zeit zu Zeit ehemalige Buchbestände der amerikanischen Armee verramscht. Es handelt sich dabei um Bücher der U.S. Army Library, Taukkunen Barracks, Worms. Meistens handelt es sich um Sportbücher, naturwissenschaftliche Fernstudienskripte oder Golf- oder Diätkurse. Ab und zu ist aber auch ein Glodstück wie dieses dabei.

Es handelt sich um Pilot Error aus dem Verlag Van Nostrand Reinhold Company, New York, aus dem Jahre 1977. Als Autoren fungierten die Editoren des Flying Magazine, namentlich genannt wird von ihnen nur Peter Garrison. In Pilot Error finden sich die Beschreibungen von 25 Flugunfällen, deren Verläufe minutiös in Funkverkehrmitschnitten zu verfolgen sind. Anschließend werden die genauen oder wahrscheinlichen Ursachen erläutert. Meistens äußert sich Peter Garrison anschließend noch, um Besonderheiten heraus zu streichen.

Interessant bis grotesk die Überlegung, daß die Mitschnitte des Funkverkehrs die letzten Zeugnisse des Lebens der beteiligten Piloten sind. Hier kann man die letzten Minuten vor dem fatalen Ende nachleben. Manchmal spürt man die Hektik der heraufziehenden Katastrophe, manchmal hört man die Panik des Piloten. Und vereinzelt wundert man sich über die sorglose Gelassenheit des Piloten, der kurze Zeit später vom Himmel - und vom Angesicht der Erde - für immer verschwunden ist. Diese unmittelbare Anteilnahme packt den Leser und platziert in mitten im Cockpit.

Technisch nicht ganz selbsterklärend, versteht aber auch ein Flugnovize wie ich genügend, um nachvollziehen zu können. Es geht weiter: ich persönlich fand das Ganze so faszinierend, daß ich handeln mußte. Wie die 72-Stunden-Regel sagt, muß man das tun, um sein Ziel erreichen zu können. Mein Ziel seit der Lektüre des Buches: Pilot sein. Zumindest auf dem Rechner. Also habe ich mir den MS Flightsimulator 2002 gekauft. Fliegen hat mich schon immer interessiert, das gebe ich ja zu. Aber Pilot Error hat dieses Interesse auf eine neue Stufe gehoben. Und deswegen kann ich das Buch empfehlen.

Technisch Up-to-date beim Flunkern

Bestimmt können sich einige von Euch noch an folgende Werbung erinnern:

Mehrere Männer sitzen in der Bar und sind dabei, eine gute Zeit zu haben. Kurz: Sie besaufen sich. Einer von ihnen ruft seine Ehefrau an und spielt ihr vor, er säße auf dem Flughafen fest. Seine Saufkumpane unterstützen ihn, indem sie die Geräuschkulisse eines Flughafens nachahmen. Ich glaube, es war ein Spot für amerikanisches Bier und er kam in einer dieser Sendungen, wo gute, humorvolle Werbung aus dem Ausland dem Auge des entwöhnten deutschen Werbekonsumenten vorgeführt wird.

Jedenfalls scheint es gerade für solche Fälle einen Markt zu geben. Eine rumänische Telefonsoftwarefirma jedenfalls hat ein Programm vorgestellt, daß jedwede Art von Hintergrundgeräusch ins Gespräch einfließen läßt. Die Software ist derzeit aber nur auf Nokia-Handys einer bestimmten Baureihe lauffähig, wird aber derzeit auf andere Geräte umgesetzt. Man arbeite auch an der Aufnahme weiterer Soundquellen.

[via Unqualified Offerings]

Who am I? Rerun, Nigel Rerun.

Weil das ja gerade Mode ist, machen wir es auch einmal:

Rerun
Which Peanuts Character are You?
brought to you by Quizilla

[via Meinungen & Deinungen]



Und, weiter damit:

You are NIGEL!
What Finding Nemo Character are You?

brought to you by Quizilla

[via Plastic Thinking]

06.03.04

Tiger

So. Zufrieden klopft sich einer der heimlichen Stars der Design-Szene auf die Schulter. Sein neuestes grafisches Opus ziert nun die Überschrift seiner Webseite. Sind dort zwar immer noch einige ästhetische Gratkanten zu finden, so stimmt er nun ein in den sabbernden Millionenchor seiner deliriösen Fans: Hier wird ein ganz großer Wurf gelingen...

[Ich hoffe, Euch gefällt dies Bild ebenso wie mir ;-) ]

Totales Wissen

Haben mir doch zwei Bekannte - nennen wir sie "Ramona" und "Uwe" - vor einiger Zeit ein Buch geschenkt: Wissen Total - Von Antike bis Zündschnur. Die Beweggründe für diese Handlung bleiben weiterhin im Unklaren, aber zumindest das hat einen Grund. "Uwe" ist ein Sachse, jawohl. Und zu verstehen, was ein Sachse denken mag, ist einem Berliner unmöglich. In der Tat.

Was wir nun mal haben, das lesen wir auch - eine Grenze zu dieser Regel würden wir an dieser Stelle ziehen. Und weil alles, was wir lesen, im Denkpass auch begutachtet wird, äußern wir uns nun zu Wissen Total:

Das Buch aus dem Kinder- und Jugendbuch Verlag Loewe ist in Wahrheit eine Zusammenfassung einer Bücherserie unter dem Namen WahnsinnsWissen. Der aufmerksame Leser merkt das an einigen Formulierungen, es mindert den Reiz des Buches aber nicht spürbar. Das Niveau des Buches zielt auf Schüler, bedingt nur auf Erwachsene, was aber sicherlich stark vom Bildungshorizont der jeweiligen Person abhängig ist. Diesen Anspruch, vorrangig für Schüler geschrieben zu sein, erfüllt das Buch dadurch, bei in Comic-Szenen stattfindenden Gedankenexperimenten ständig Lehrer als Versuchskaninchen zu verwenden. Auf komische Art leiden sie dabei oft über die Maßen (ohne aber ihre Würde zu verletzen).

Das Buch bietet einen Überblick über fast alle Naturwissenschaften und die Geschichte und ihm unterlaufen dabei nur selten Fehler (und diese eher wegen der gestrafften Darstellung als wegen fehlenden Verständnisses der Autoren). Geschichtlich wird auf Ägypter, Griechen, Römer und das Mittelalter eingegangen. Naturwissenschaftlich werden die Mathematik, Chemie, Physik, Biologie, Vulkanologie, Geologie und Astronomie behandelt und in einfachen Bildern erklärt.

Und: Man lernt dabei. Beispielsweise lautet eine vollständige Adressangabe für unseren Kanzler:

Gerhard Schröder
Kanzleramt
Am Spreebogen
Berlin
Deutschland
Europa
Erde
Sol-System
Galaxie Milchstraße
Lokale Gruppe nahe dem Virgo-Cluster
kurz vor der großen Mauer
Universum

Fazit: Das Buch entspricht dem Schüleräquivalent der anderen Bildung für Erwachsenene. Im richtigen Alter die richtige Lektüre, macht Bildung auf diese Art Spaß.

Vize-Europameister im Geiz

Wir haben schon einmal darauf hingewiesen: Wenn es um Geiz geht, haben die Deutschen ein tüchtiges Wörtchen mit zu reden. Hier nun der Beweis: Der Spiegel berichtet, wir werden im preisbewußten Kaufverhalten in Europa nur von den Polen übertroffen. Dies habe eine Studie der Gesellschaft für Konsumforschung ergeben. Schuld für den Anstieg der Preissensibilität seit den 80er Jahren seien das Platzen der New-Economy-Blase und eine derzeitige Wirtschaftsschwäche überhaupt.

Schnäppchenjäger lassen sich dabei grob in drei Gruppen unterteilen: Träumer, Abenteurer und Weltoffene. Während die ersten beiden Gruppen junge, modebewußte und risikofreudige Singles präsentieren, handelt es sich bei den Weltoffenen um eine "stark weiblich geprägte Gruppe in den besten Jahren, der in Deutschland 12 Prozent der Bevölkerung angehören, [die] einen gehobenen Lifestyle [pflegt] und [..] hochwertigen Innovationen gegenüber sehr aufgeschlossen [ist]". Alte Schiffe also, auf denen man am besten segeln lernen kann, würde man fast sagen.

Geiz kommt also aus der gesellschaftlichen Mitte - und die ist breit aufgestellt in unserem Lande. Witze über Schotten möchte ich also nicht mehr hören: Man ersetze Schotte durch Deutscher. Zur gleichen Zeit wundere sich bitte auch niemand über fast 5,0 Mio. Arbeitslose: Bei unserem Konsumverhalten wissen wir selber ganz genau, wo die herkommen...

Auswärts zählt doppelt!

Die Frage, wer seine Schwäche abstellt (Lübeck - heim, Union - auswärts), wurde gestern in der für mich korrekten Form beantwortet: Union gewann 2:0 und verlässt wieder mal die Abstiegsränge. Dieses Mal, so hoffen hier einige in Berlin, bleiben wir auch außerhalb dieser Ränge.

Zwei Sachen wollen wir denn noch anmerken:

1. Die gute Abwehrarbeit des 1.FC Union Berlin (siebentbeste Abwehr) wird sich dahingehend auszahlen, bei weiterhin guter Abwehrarbeit nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben. Offense wins games, defense wins championships gilt überall.

2. Um die Spiegelei aufrecht zu erhalten, hat Hertha heute gegen Bochum nachzulegen. So wie die beiden Vereine in letzter Zeit Schritt halten, sieht es aber gut aus.

05.03.04

Der e-mail Account von George W. Bush

Daniel hat ihn entdeckt: So sieht er aus.

(Man nehme sich die Zeit und lese alle Betreffs. Man achte aber auch auf die verschiedenen Mailordner am linken Rand.)

Landschaftsschutzpark Neue Bundesländer

Wahre Trostlosigkeit offenbart sich dem Betrachter in den Bahnhofsgaststätten unseres Landes. In Rathenow, wie auch sonst überall in den neuen Ländern, treffen sich hier die Gestrandeten und die Reisenden. In Rathenow sind es mehr von den Gestrandeten. Sie essen billige Schnitzel, trinken abgestandenes Bier und entfalten dabei einen unangenehmen, isolierenden Lärm.

Auch sonst bietet der Bahnhof in Rathenow nichts Aufregendes. Welcher Bahnhof außer den blitzenden Hauptbahnhöfen in drei oder vier deutschen Großstädten bietet das schon? Selbst dort schaut man allzu leicht hinter die spiegelblanke Fassade und wendet - voller Ekel - den Blick schnell wieder ab. Hier in Rathenow stellt sich dem Betrachter eine zweigeteilte Welt zur Ansicht. Der benutzte Teil des Bahnhofs riecht neu und entspricht visuell derselben Stangenware, wie sie die Deutsche Bahn überall in Deutschland abliefert. Der alte Teil ist gleich gegenüber: verwahrlost, zugewachsen und zerfallen steht auf dieser Seite alles leer soweit das Auge reichen mag.

Die aus unternehmerischer Sicht interessanten Züge fahren denn auch mit voller Wucht durch Rathenow hindurch, ohne auch nur einen Blick nach links oder rechts zu werfen. Hält mal ein Regionalzug, so steigen mehr Leute zu als aus. Die, die aussteigen, sind durchgängig höheren Alters. Die, die einsteigen, auch. Fortpflanzung fällt somit schwer: Menschen im geschlechtsreifen Alter treffen sich nicht so oft.

Diesen ernüchternden Beobachtungen entspricht auch die Geräuschkulisse am Bahnhof, klingt es hier doch wie anderswo im Landschaftsschutzgebiet. Vögel zwitschern und der pfeifende Wind lässt irgendwo den Draht an einem Fahnenmast klappern. Selten nur hört man ein Auto vorbeifahren. Die größte Abwechslung bietet der mit 250 km/h glücklich vorbeidonnernde ICE.

Rathenow ist ein Blick in die Zukunft. Bald wird der Ort tot sein, so wie das ihn umgebende Land. Ein paar Leute werden dem geneigten Reisenden die Betten ausschütteln und die Toiletten sauber halten. Zwei oder drei Förster werden sich um das Wild kümmern. So sieht er aus, der Landschaftsschutzpark Neue Bundesländer.

Dummschwätzing

Die Uni Heidelberg beschäftigt sich mit hochbrisanten wissenschaftlichen Themen wie beispielsweise dem Dummschwätzranking. Der Denkpass erringt sagenhafte 19.7 Punkte und reiht sich somit irgendwo zwischen der Schreibblogade und Plastic Thinking ein. Wir versprechen, weiterhin hart an uns zu arbeiten, um diesen Ehrenplatz nicht nur zu verteidigen, sondern auch zu verbessern. Was immer das nun heißen mag...

Angst

Aus Thomas Harris, Red Dragon:

Fear [..] is the price of imagination.
Und ich habe mich schon so oft gewundert, warum ein so kräftiger Bursche wie ich es bin von Filmen wie The Ring oder Ghost Ship so beeindruckt ist. Jetzt weiß ich es.

Übrigens: interessant diese beiden Filme zu nennen. Ist der eine doch in meinen Augen der Film mit der beeindruckendsten Schlußsequenz, während der andere die beeindruckendste Anfangssequenz vorweisen kann.

04.03.04

Mitten ins Schwarze

Giga-Daniel läßt tief blicken: Seit er seine Glühbirnenwattzahl verdreikommasiebenfünffacht habe, gehen ihm Toilettenbesuche nicht mehr so an die Nerven.

Also, ich kenne da auch so eine Geschichte:

Da ging mal jemand, mittelschwer angesoffen wie sonst auch, bei irgendeiner Fete so nichtsahnend aufs Klo. Fummelte an seinem Hosenschlitz herum, rülpste ohrenbetäubend und fing an zu pissen. Wie er da so steht und sich gemütlich in diesem fremden Bad umschaut, merkt er, daß die Gegenstände in Relation zu ihm an Fahrt aufzunehmen schienen. Ein verunsicherter Blick zeigte ihm nach kurzer Zeit, daß er mit einem Fuß auf einem Teppich stand, mit dem anderen auf den Fliesen. Trotz eindringlichem Zureden - ja Flehen - schien der Teppich sich nicht davon abbringen zu lassen, weg zu rutschen. Die Aufmerksamkeit unseres Helden wand sich nunmehr für die nächsten Augenblicke seiner momentanen Hauptbeschäftigung zu: Dem Zielen auf ein sich mittlerweile bewegendes Objekt....

Als er wenige Minuten später durchgeschwitzt das Wohnzimmer betrat, trug er ein herausforderndes Lächeln zur Schau. Unabhängige Beobachter würden später aussagen, er hätte Jahre älter ausgesehen.

Das Universum furzt

Auf dem Mars sei zum wiederholten Male Wasser entdeckt worden, so Michael Himsolt, und deswegen gehen nun sogar die Londoner Buchmacher davon aus, das dort Leben existiere. Zum Abschluß äußert Michael sich folgendermaßen:

Heute ist der Mars ein steriler, toter Planet; wenn es dort einmal Leben gab, dann ist es schon lange ausgestorben. Vielleicht tut sich auf einem Mond wie Europa oder Titan noch etwas. Aber wahrscheinlich leben wir in einer einsamen, langweiligen Ecke der Milchstrasse.
Vielleicht leben wir aber auch bloß in einem einsamen langweiligen Universum. Das führt mal wieder zur alles entscheidenden Frage:
Sind wir nun Teil eines großen Plans oder nur ein zufälliger Furz des Universums?
Auch als kosmischer Furz könnten wir hoffen, daß das Universum weitere Blähungen hat (und wenn man sich die Geschichte und Entstehung desselbigen anschaut, so wird man zu keinem anderen Schluß kommen: Dieses Universum leidet daran!). Es bliebe uns auch in dieser verqueren Allegorie Hoffnung, nicht allein zu sein.

Und so ist es sicherlich wahr, daß wir letztendlich gerade wegen der wechselvollen Geschichte, aber auch der immensen Größe unseres Universums doch nur ein Teil eines größeren Bildes sind. Daß da draussen irgendwo andere geistige Entitäten mit derselben Sehnsucht nach Gemeinsamkeit wie wir sie empfinden ins Universum lauschen.

Teil eines großen Planes womöglich? Ich hoffe es.

Oralsex im Cafe Berlin

Einer der grundlegenden Schritte, die ich jeden Morgen...nein. DER grundlegende Schritt, den ich jeden Morgen durchführe, ist die Analyse meiner Serverstatistik. Sie sagt mir zum einen, wieviele Hits, Visits, Pages usw. am vergangenen Tag von den Internetnutzern dieser Welt angeschaut wurden - und zwar auf meinem Server. Da sich dort größtenteils nur Seiten des Denkpasses befinden, wie jeder vermuten mag, gibt mir dies recht genaue Auskunft über den Erfolg des Denkpasses und die Zusammensetzung seiner Leserschaft. Recht genau übrigens deswegen, weil bereits jetzt ein Großteil der Hits über Direct Requests zustande kommt: Bookmarks also. Weitere Informationen, wo diese Bookmark-Nutzer herkommen gibt es aber nicht - und deswegen eben nur recht genau. Aber wir schweifen ab und kommen nicht zur Sache.

Die Sache ist nämlich die: Heute morgen fand ich dort einen neuen Referrer - das Cafe Berlin. Und siehe, es scheint dort einen Link auf den Denkpass zu geben. Wir hatten ja mal erwähnt, daß Oralsex die Krebsgefahr erhöhe und das als das Ende aller Träume bezeichnet. Diese Information scheint auch im Cafe Berlin Schockzustände auszulösen, denn man gibt mich dort als Link zum Weiterlesen an. Leider bezieht sich der angegebene Link nicht auf den Eintrag, sondern global auf den Denkpass.

Was lernen wir daraus? Sex sells, ganz klar. Oralsex im Cafe Berlin erst recht.

03.03.04

Ein neuer Tag beginnt

Alea iacta est, sagte einst ein kleiner Gallier, Der Würfel ist gefallen. Gestern also hat John Kerry das demokratische Ticket hinter Schloß und Riegel gebracht. Die Zeit sieht dafür hauptsächlich vier Gründe als verantwortlich an. Zum einen eint George Bush die Demokraten zum ersten Mal seit längerer Zeit. Zum zweiten hat Howard Dean die Einigkeit des Landes, die seit den Anschlägen vom 11. September 2001 herrschte, mit seinen Bemerkungen aufgelöst - und später dafür gesorgt, daß John Kerry darauf aufbauen kann. Kerry profitierte außerdem vom gedrängten Vorwahlkalender. Und zu guter Letzt besann er sich mit seinem letzten Gegner darauf, vereint gegen Bush zu stehen anstatt mit Dreck aufeinander zu werfen.

George Bush hat gratuliert, hält aber seine Kampfhunde nur noch kurze Zeit an der Leine. Der eigentliche Wahlkampf startet demnächst. Oder, wie John Kerry sagte:

Macht Euch bereit. Ein neuer Tag beginnt.”

Dr. Bittner - Wo sind Sie?

Eines der interessanten Blogprojekte der Zeit, nämlich das des Dr. Jochen Bittner zum Thema Terrorismus meldet sich nicht mehr: Server nicht gefunden heißt es lapidar.

Eigentlich sollten Amateurpublizisten wie wir Blogger nun mal sind, darüber froh sein. In diesem Falle aber führt der liebe Doc Joc(hen) eine heiße rhetorische Klinge (man merkt ihm seinen professionellen Hintergrund eben an) und er hatte einiges an interessanten Beiträge zu vermelden. Nur nicht am Wochenende, wenn man etwas genauer hinschaut. Und so blieb uns Hobbyjournalisten eben noch Zeit, um alleine das Web zu durchstreifen. Sei es wie es wolle, alle Zeit-Blogs sind nicht auffindbar.

Warum? fragen wir uns sofort. Schauen wir mal:

- Nun, vielleicht ist Doc Bittner dem Geheimdienst, dem Establishment oder einem Terroristen auf den teuren Schlips getreten und wurde aus dem Netz gefegt?
- Vielleicht hat der liebe Dr. Bittner sein Wochenende diesmal verlängert und sicherheitshalber den Serverstecker gezogen?
- Vielleicht läuft der Karneval in der Zeitredaktion noch?
- Vielleicht will man nur gezielt gegen den Denkpass vorgehen und ihm die interessantesten Neuigkeiten vorenthalten?

- UPDATE -
Alles wieder beim Alten - Dr. Bittner ist wieder zu erreichen. Oder lag es an der Seite des Internets, auf der ich mich befinde?

- UPDATE II -
Wie es ausschaut, erreiche ich Dr. Bittners hochinteressantes Blog über den Terrorismus wieder nicht. Da es gestern aber von zu Hause so funzte, wie es sollte, tendiere ich zu folgender Annahme: Die Seite des Internets auf der ich mich befinde ist schuld.

Damit an alle folgender Hinweis: Nicht immer alles so ernst nehmen, was ich hier vom Stapel lasse. Aber das wußtet Ihr ja sowieso, oder?

Farbliches

Aufgrund einer Vielzahl von Beschwerden...nein, anders...aufgrund des Gefühls, daß es dort draußen eine Vielzahl von Beschwerden geben könnte...so vielleicht?...hmm....egal: Jedenfalls habe ich die Hintergrundfarbe nachgeregelt. Von unfreundlich-düsterem Schwarz zu aufmunternd-heiter-beschwingtem metallischen Grau, wie man sieht.

Dazu muß man nur in der jeweiligen Stylesheet-Datei den hexadezimalen Farbwert hinter den background:-Attributen ändern. Und sich vorher eine Farbe aussuchen. Wie macht man das? Am besten hiermit (gefunden über Plastic Thinking).

- UPDATE -
Gerade habe ich mir das mal auf einem herkömmlichen Monitor angeschaut. Einige werden sich mit Sicherheit - so wie ich - fragen, wo denn der Unterschied zu vorher sei. Ich antworte leicht verunsichert, daß es diesen Unterschied gibt und deute dabei mit dem Finger Richtung Display meines Laptops.

Maculaturalia

Ein sehr interessantes Büchlein erwähnt der Bibliomaniac im Lesefieber - Maculaturalia von Julius Rüttger Haarhaus. (Um den Eintrag zu finden, auf den ich mich beim Bibliomaniac beziehe, muß man den Link nach ganz unten scrollen.) Maculaturalia ist ein Märchen für Bücherfreunde, das davon erzählt, wie Bücher ihre Lebensgeschichte erzählen und sich über mangelnde Aufmerksamkeit seitens der Leser beklagen.

Da mich das Buch sehr interessiert, möchte ich es gerne erwerben. Wie geht man da nun vor? Man kann ja mal bei Amazon.de schauen. Einige Antiquariate bieten dies Buch für Bücherfreunde auch über die sogenannten z-shops an. Man hätte somit den Vorzug der Sicherheit von Amazon.

Ein anderer Weg führt über ZVAB.de, dem Zentralen Verzeichnis Antiquarischer Bücher. Eine Suche listet dann 26 Treffer auf (die drei Treffer bei Amazon finden sich hier auch wieder). Man hat hier aber nicht nur die Auswahl hinsichtlich Qualität, Ausstattung und Preis, sondern auch die Ausgabe kann man wählen.

Der Bibliomaniac ist in den Besitz der deutschen Ausgabe von 1919 gelangt, deren 700 Exemplare zum 50. Geburtstag von Karl Ebert herausgegeben wurden und mit Federzeichnungen von Wilhelm Heise prächtig ausgestattet sind. Vielleicht hat er aber auch eines der ersten hundert Stück dieser Ausgabe, die von Karl Ebert handsigniert wurden. Die genaue Druckfolge ist übrigens nicht so klar: mehrere Antiquariate geben die 1919-Ausgabe mit 700 Stück an und eines mit 600. Dafür gibt es auch einige Hinweise auf die Vorzugsausgabe von 100 Stück. 600 + 100 macht 700, also tendiere ich zu der Annahme, daß die erste Auflage geteilt war in 100 handsignierte Vorzugsdrucke und 600 weitere Stück auf Hadempapier und mit gestempelter Signatur von Karl Ebert. Diese Ausgabe ist übrigens die einzige im Hans von Weber Verlag.

Die weiteren Auflagen sind alles aus dem Haessel Verlag. So beispielsweise die zweite Auflage von 1920, nun 96 statt 72 Seiten stark. Seltsamerweise ist sie aber mit 3.-5. Tausend abgezählt. Da die Ausgabe von 1919 ja nur aus 700 Stück besteht, fehlen hier noch 2300 Bücher.

Die dritte Auflage ist dann von 1922. Wieder mit 96 Seiten, finden sich keine Angaben, wieviel Exemplare gedruckt worden. Eine weitere Auflage ist von 1936, auch ohne Angabe der Anzahl der Exemplare, aber wieder mit 96 Seiten.

Es gibt aber auch die Originalausgabe von 1896. 99 Seiten stark, erschien sie im Haessel Verlag. Maculaturalia ist also früher von dem in Barmen geborenen, aber in Wuppertal lebenden Julius Haarhaus geschrieben worden, als die Auflagen bisher andeuteten. (Genauere Daten zum Lebenslauf des Julius Rütger Haarhaus finde ich hier nicht, habe aber auch kein Lexikon zur Hand.) Die Originalausgabe von 1896 hilft aber vielleicht, die fehlenden 2300 Stück zu erklären, die sich zwischen den Auflagen von 1919 und 1920 ergaben. So könnte es sein, daß die Ausgabe von 1919 eben nicht von 0-700 nummeriert ist, sondern von 2301 bis 3000. Wenn denn die Ausgabe von 1896 eben 2300 Stück stark war.

Also welche Ausgabe nehme ich denn nun? Die Originalausgabe von 1896? Die von 1919, wie der Bibliomaniac? Die danach möchte ich ausschließen, obwohl sie vielleicht am besten lesbar sind. Ich tendiere zu einem sehr gut erhaltenen Exemplar der Ausgabe von 1919 (eines der 600 Exemplare auf Hadempapier, was immer das ist). Ich bin gespannt, wie es sich lesen lässt...

02.03.04

Was wir sehen und beobachten

Aus Thomas Harris, Red Dragon, ist dieses Zitat von Alphonse Bertillon, einem Anthropologen und Kriminologen des 19. Jahrhunderts:

One can only see what one observes, and one observes only things which are already in the mind.

Mehrwegflaschen - Kommunismus

Der Spiegel vergreift sich zunehmend im Ton: In der Ausgabe vom 21.2.04 wird gegen den grünen Umweltminister Jürgen Trittin vom Leder gezogen. Zu finden ist der Artikel hier oder hier, leider aber entweder gegen Bares oder in gekürzter, unvollständiger Form. Jedenfalls gibt es dort im Heft auf S. 24 ein Bild mit Jürgen Trittin im Vordergrund, das folgende Bildunterschrift trägt:

Minister Trittin bei Berliner Aktion gegen Dosen: Früher war er für Kommunisten, heute ist er für Mehrwegflaschen.
Wir ledern mal mit und deuten das aus:

Grüner Drang nach nachhaltiger Bewirtschaftung unserer Natur wird hier mit wirtschaftsfeindlicher, eigentumshinterfragender und terrorismusfreundlicher Kommunismusliebe gleich gesetzt. Oder wollte man andere Assoziationen hervorrufen beim Leser? Der zu Tage tretende populistische, rechtskonservative und oberflächliche Ansatz offenbart die Höhe des geistigen Niveau, das beim bislang objektivsten deutschen Nachrichtenmagazin Einzug zu halten scheint.

Weil die Politiker in diesem Lande schon lange keine gepflegte öffentliche Diskussion mehr führen, scheinen nun auch Zeitschriften und Magazine ihre Rhetorik auf Schmutzbeschmiss zu beschränken. Den Anfang nahm das Alles sicherlich mit Bild. Das andere Ende des deutschen Blätterwaldes will da offensichtlich hin...

01.03.04

Koinzidenz

Eine Koinzidenz ist folgendermaßen definiert:

Koinzidenz (lat.), zeitl. Zusammenfallen, genaue Übereinstimmung (z.B. Interessen-K.).
Was sich gestern aus Berliner Sicht im Fußball zutrug, kann demzufolge nicht besser als mit Koinzidenz beschrieben werden.

Die Situation vor dem gestrigen Tage sah folgendermaßen aus: In der ersten und zweiten Fußballbundesliga gibt es jeweils einen Berliner Fußballverein, der sich mit aller Macht gegen den Abstieg wehrt. Die Tabellensituation sah bis gestern jeweils so aus:

(Die seltsame Formatierung bitte ich zu entschuldigen.)

Pl.                                   Anz. S  U  N    Torverh.   Punkte

1.Liga:
15 1. FC Kaiserslautern      21  7  3  11  23:34  -11  21
---------------------------------------------------------------
16 Eintracht Frankfurt      21  5  5  11  22:32  -10  20
17 Hertha BSC                 21  4  7  10  20:41  -21  19
18 1. FC Köln                   21  4  4  13  16:30  -14  16

2.Liga:
14 Erzgebirge Aue          21  5  8  8    21:26  -5    23
---------------------------------------------------------------
15 Eintracht Trier          21  6  5  10  24:35  -11  23
16 1. FC Union Berlin      21  5  6  10  24:27  -3    21
17 LR Ahlen                   21  6  3  12  20:33  -13  21
18 VfL Osnabrück           21  5  5  11  21:35  -14  20

(Mannschaften unter der gestrichelten Linie befinden sich auf einem Abstiegsplatz.)

Durch die Siege von Hertha BSC und Union Berlin haben sich beide Berliner Profi-Mannschaften am gestrigen Tage innerhalb von 2,5 Stunden aus den Abstiegsplätzen entfernt. Die Tabellensituation heute:

Pl.                                   Anz. S  U  N    Torverh.   Punkte

1.Liga:
15 Hertha BSC                  22  5  7  10  23:42  -19  22
---------------------------------------------------------------
16 Borussia M'gladbach     22  5  6  11  23:33  -10  21
17 1. FC Kaiserslautern     22  7  3  12  23:35  -12  21
18 1. FC Köln                  22  4  4  14  17:33  -16  16

2.Liga:
14 1. FC Union Berlin      22  6  6  10  26:28  -2    24
---------------------------------------------------------------
15 Erzgebirge Aue          22  5  8  9    21:28  -7    23
16 Eintracht Trier          21  6  5  10  24:35  -11  23
17 LR Ahlen                   21  6  3  12  20:33  -13  21
18 VfL Osnabrück           22  5  5  12  21:36  -15  20

So weit, so gut. Dem Schicksal war diese großartige Möglichkeit, einen Jokus kosmischen Ausmaßes durchzuführen, denn doch zu schade, als daß es sie vorbei ziehen ließ. Und so ähneln sich die beiden Berliner Vereine im bezahlten Fußball dahingehend, daß sie die letzten Nichtabstiegsplätze ihrer jeweiligen Liga einnehmen - zumindest derzeit. Dies verdanken die Klubs ihren bislang starken Rückrundenergebnissen:

Pl.                                   Anz. S  U  N    Torverh.   Punkte

7 Hertha BSC                     5   3  0  2     8:9    -1    9

4 1. FC Union   Berlin          5   2  2  1     9:6    +3    8

Damit enden die Gemeinsamkeiten auch. Wir wollen jetzt nicht davon reden, daß der 1. FC Union Berlin dem Denkpass bedeutend mehr am Herzen liegt als Hertha BSC. Wir wollen auch nicht über die unterschiedlichen Etats reden, der bei den Ostberlinern 6,5 Mio. € beträgt und bei den im Westen der Stadt spielenden Herthanern 49,2 Mio. € (womit wir gleich zwei weitere Unterschiede aufgezählt hätten). Wir wollen einzig und allein die sportlichen Ergebnisse vergleichen, um zu zeigen, daß die gestrige Koinzidenz wirklich nur ein zeitliches Zusammenfallen war. Stellen wir einmal Heim- und Auswärtsstärke gegenüber:

Heim:
Pl.                                   Anz. S  U  N    Torverh.   Punkte

18 Hertha BSC                  10  2  3  5     10:18  -8    9

6 1. FC Union Berlin           12  6  2  4     18:12  +6    20

Auswärts:
Pl.                                   Anz. S  U  N    Torverh.   Punkte

6 Hertha BSC                    12  3  4  5    13:24  -11  13

18 1. FC Union Berlin         10  0  4  6      8:16  -8    4

Es ergibt sich ein wirklich gespiegeltes Bild (man beachte die Platzierungen!) - Union ist zu Hause stark, Hertha BSC auswärts. Umgekehrt ist Union der auswärtsschwächste Klub der 2. Liga, Hertha BSC das heimschwächste Team der 1. Liga. Schlimm für beide: während der restlichen Spiele müssen beide Klubs öfter dort antreten, wo sie sehr schwach sind - Union auswärts, Hertha zu Hause.

Beide Vereine haben zudem einige Schwierigkeiten, das gegnerische Tor zu finden. Allerdings scheint gerade Union da auf einem besseren Weg. Der Verein hat nämlich in der Hinrunde einen Schnitt von 1,0 Toren pro Spiel erreicht, kann aber in der Rückrunde bisher 1,8 Tore pro Spiel vorweisen. Aber auch Hertha hat in den letzten vier Spielen seinen bisherigen Saisonschnitt verdoppeln können.

Herthas größte Schwäche scheint - neben dem schwachen Sturm - die katastrophale Abwehr zu sein. Immerhin die drittschlechteste der Liga, läßt sie fast 2,0 Gegentore pro Spiel zu. Doch auch daran scheint man zu arbeiten: in den letzten vier Gegenspielen hat Hertha BSC nur noch exakt 1,25 Tore pro Spiel kassiert. Unions Abwehr spielt während der gesamten Saison konstant und läßt nur 1,2 Tore pro Spiel zu.

Fazit: Vom Torekonto und Punktestand würde ich sagen, Hertha BSC müsste sich mehr fürchten. Hertha BSC hat auch keine Erfahrungen im Abstiegskampf, und gerade in Berlin mit seinen sechs regionalen Tageszeitungen ist der Druck groß. Auf dem Papier aber hat Hertha BSC eine Mannschaft, die um UEFA-Cup-Plätze spielen sollte. Union hat da nichts Vergleichbares aufzuweisen, und sollte nur im Glücksfall um den Aufstieg spielen. Beide Mannschaften scheinen aber den Kampf ums Überleben anzunehmen - das zeigen die Ergebnisse der Rückrunde.

Ich denke, beide werden bis zum Ende da unten mit bei sein. Aber: Beide werden es schaffen. Union, weil ihr Torekonto andeutet, daß sie besser sind als ihre Platzierung. Hertha, weil es eben in der 1. Liga andere Mannschaften gibt, die da wirklich nicht hingehören.

- UPDATE -

Union ist jetzt also wieder in den Abstiegsrängen, da Trier den VfB Lübeck mit 4:2 besiegt hat. Interessant ist übrigens, daß der VfB Lübeck als zweitschlechteste Heimmannschaft der 2. Liga am kommenden Freitag den 1. FC Union empfängt - wie wir wissen, somit das schlechteste Auswärtsteam. Eine bessere Möglichkeit für Union, seine Auswärtsschwäche abzustellen, wird es wohl kaum geben. Eine bessere Möglichkeit für Lübeck, seine Heimschwäche abzustellen, aber wohl auch nicht.

72 Stunden

Aus den Außendienst Informationen des Verlags Norbert Müller:

"[Eine wichtige] Regel besagt, daß Sie, um einen guten Vorsatz in die Tat umzusetzen, innerhalb von 72 Stunden, nachdem Sie sich ein Ziel gesteckt haben, auch einen ersten Schritt darauf zu machen müssen. Andernfalls sinken Ihre Chancen, das Ziel jemals zu erreichen, auf 1:99 gegen Sie."
Und: Ich habe meinen ersten Schritt getan. Und werde das jetzt immer so machen.