18.10.05

Zelluloid als mächtige Waffe

In einem Artikel über das politische Kino, der in der Zeitschrift Das Parlament erschien (Ausgabe 42/2005, leider noch nicht im Internetarchiv), kommt Barbara Schweizerhof auf die politische Bedeutung von Hollywood zu sprechen. Schweizerhof, Kulturredakteurin beim Freitag, zur Wirkung des Kinos im Sozialismus:

In der Sowjetunion wurde einst versucht, durch gezieltes Kopieren gewisser Hollywoodrezepte einen eigenen populären Kanon zu erzeugen, der dem westlichen Einfluss sozusagen durch Besetzung von Positionen Einhalt gebietet. Inwiefern das gelang, ist bei Wissenschaftlern umstritten. Es gibt jedoch einige, die das Ende des real existierenden Sozialismus in unmittelbarem Zusammenhang mit der Ausbreitung des Videomarktes seit den frühen 80er-Jahren sehen. Was die Menschen sich als private Kopien in ihren Wohnzimmern anschauten, war damit nicht mehr zu regulieren - der "westliche Lebensstil" aber triumphierte in Form von illegalen Importen und Schwarzkopien erst recht, da die "legale" einheimische Filmproduktion die Einführung von Video fast gänzlich versäumte.

Innerhalb der westlichen Hemisphäre wird ironischerweise genau dieses affirmative Moment der großen Hollywoodproduktionen oft als "unpolitisch" kritisiert.

Dabei soll hier nicht die Lanze gebrochen werden für ein Hollywood als Zentrum des geistig-politischen Widerstands gegen eine unmenschliche Ordnung der Welt. Der Aussage Schweizerhofs wohnt jedoch eine gewisse Logik inne - Videos und Kino haben zur sinkenden Identifikation der Bürger mit ihrem sozialistischen Staat beigetragen. Sie waren ein Teil des Prozeßes, der die Staaten hinter dem eisernen Vorgang untergingen ließ.

chiefpedro in Politische Notizen | TrackBack(0)
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