Das Wahlergebnis und die langwierigen Koalitionsverhandlungen haben Wünsche nach der Einführung eines Mehrheitswahlrechts laut werden lassen. So äußern sich in diesem Sinne ehemalige Verfassungsrichter ebenso wie amtierende Minsterpräsidenten oder aber der Redakteur des Managermagazins Henrik Müller. Dieser sieht laut seinem Kommentar in Ausgabe 9/2005 auf S. 111 folgende Vorteile:
Das politische System könnte [..] noch effektiver werden, wenn das Mehrheitswahlsystem eingeführt würde. Kämen nur noch direkt gewählte Abgeordnete mit einfacher Mehrheit der Stimmen in die Parlamente, würden sich eindeutigere Mehrheiten herauskristaliisieren. Kanzler und Ministerpräsidenten könnten sich auf klare, eigene Mehrheiten abstützen.Dann wäre endlich alles gut. Das marode Mehrparteiensystem der altersschwachen Bundesrepublik, alleiniger Grund für all die vermeintlichen Probleme unseres Landes, wäre außer Kraft gesetzt und die Ministerpräsidenten und Kanzler und Kanzlerinnen und Ministerpräsidentinnen und wer sonst noch könnten mit Mehrheitsverhältnissen im Rücken mal so richtig loslegen - und müssten endlich nicht nur am Sonntag abend bei der Christiansen zur Hochform auflaufen. Kurze Zeit später, weil das nämlich wirklich richtig dolle kausal miteinander verbunden ist - das ewige Glück auf dieser Welt und das Mehrheitswahlrecht -, wäre zwischen Oder und Rhein, zwischen Boden- und Ostsee das Paradies auf Erden geschaffen. Arbeit und Wohlstand für alle, negative Arbeitslosenquoten im mehrstelligen Bereich, eine schöne, gesunde und potenzsteigernde Umwelt und in jedem Kochtopf ein bis fünf Hühner oder Schweine oder meinetwegen auch Nilpferde.
Aber warum beim Mehrheitswahlrecht halt machen? Auf ein richtig regierbares Mehrheitsverhältnis kann man sich auch da nicht abstützen. Eine Diktatur muß her - oder noch besser, eine Dynastie. Holen wir den Kaiser zurück! Lassen wir uns regieren, wie es dem Deutschen an sich nun mal am besten gefällt! So ganz von oben. Ohne irgendwelche Rücksicht auf Minderheiten, Opposition oder Gewerkschaften. Da wird entschieden und dann umgesetzt. Kein monatelanges Gesülze in den Parlamenten und Talkshows. Apropos Talkshows, diese subversiven Spinner wird´s dann auch nicht mehr geben. Braucht man aber auch nicht, denn was gemacht wird, bestimmt eh der Diktator.
Übrigens, auch die Wähler braucht man dann nicht mehr. Die sind aber sowieso eine verlogene Masse von minder bemittelten Jammerlappen, denen letzten Endes doch immer der Mut fehlt, zu ihren Überzeugungen zu stehen. Zumindest stehen sie nie zu den Überzeugungen der Kanzler und Kanzlerinnen und Ministerpräsidenten und Ministerpräsidentinnen. Der ungebildete und verzogenen Durchschnittswähler gesteht sich, man mag es kaum glauben, eine eigene Meinung zu! Wo kommen wir denn da hin? Wird in der Demokratie vielleicht am Ende noch gemacht, was der Wähler will?
Vielleicht, und dem Denkpass sei die Radikalität dieses Ansatzes aus welchem Grund auch immer verziehen, vielleicht sollte man darüber nachdenken, Wählen unter Todesstrafe zu stellen. Rückwirkend. Das hätte Vorteile für alle Beteiligten, für die Wähler ebenso wie für die Gewählten. Gibt es wegen des Vollzugs der Wahltodesstrafe keine Einwohner mehr, braucht man sie auch nicht zu verwalten, ihnen Straßen zu bauen, eine Polizei und Feuerwehr vorhalten und all diesen unnützen Kram. Wählen unter Todesstrafe würde sicherlich auch die Wahlbeteiligung, so schwer es zu glauben fällt, weiter drücken. Denn Wahlen kosten Geld. Geld, das der Staat dummerweise im Augenblick nicht hat.
Aber auch der Wähler profitiert. Man führe sich vor Augen, daß man als Leiche zumindest mittelfristig deutliche Steuerersparnisse geltend machen kann. Lebenshaltungskosten fallen auch weg. Sich also aus Steuergründen wenigstens vorübergehend tot zu melden, dürfte jedem schon mal durch den Kopf gegangen sein. Und so würden wir die Probleme des Landes sehr schnell in den griff kriegen, Freunde. Und wenn nicht, dann ist es uns auch egal. Wir sind ja tot.
So tot wie unsere Demokratie übrigens, wenn wir sie jedesmal ändern, wenn wir mit dem Wahlergebnis unzufrieden sind. Aber das nur am Rande.
chiefpedro in Politische Notizen | TrackBack(0)