In einem Interview, das am vergangenen Samstag in der Welt erschien, kommt Jagdish Bhagwati auf die soziale Marktwirtschaft zu sprechen. Bhagwati, Professor an der Columbia University in New York, antwortet auf die Frage, ob in einer globalisierten Welt kein Platz für Mitmenschlichkeit zu finden sei:
Doch, unbedingt. Allerdings müssen wir die Institutionen tiefgreifend reformieren. Der alte Wohlfahrtsstaat paßt nicht mehr in unsere Zeit. Der internationale Wettbewerb hat sich enorm verschärft. Wir brauchen ein neues System der sozialen Absicherung, um die Chancen der Globalisierung besser zu nutzen.Der Druck auf soziale Errungenschaften, ein übrigens zumindest für Kinder der DDR unerträgliches Wort, ist durch die Globalisierung gestiegen, das stimmt. Arbeitnehmer in den Industrienationen haben sich den veränderten Bedingungen anzupassen, die durch den Export von Arbeitsplätzen oder den Wettbewerb durch kostengünstigere Produkte entstehen. Und egal, was uns die Koalition der Wahlverlierer glaubhaft machen will, unsere frisch gewählte Regierung weiß schon, wie: In der Hauptsache durch Senkung der Löhne und Beschneidung des sozialen Netzes.
Dabei gäbe es doch auch noch einen anderen Weg. Wenn ein Großteil des Kostengefälles bei den Löhnen in sozialen Leistungen festzustellen ist, warum denkt man nicht daran, diese Leistungen zu exportieren? Zum Beispiel, indem man die Bildung von Gewerkschaften in all den Billiglohnländern unterstützt. Wenn dort die Kosten für soziale Leistungen steigen, brauchen wir hier nicht an allen Ecken der sozialen Marktwirtschaft zu sparen. Eine andere Möglichkeit wäre die Einflußnahme über WTO oder andere internationale Organisationen, um sicherzustellen, daß die Rechte der Arbeitnehmer auch in Billiglohnländern im akzeptablen Rahmen gewahrt werden.
In diesem Zusammenhang passt doch gerade zu ins Bild, daß die größte Bedrohung unserer Arbeitsplätze derzeit aus dem kapitalkommunistischen China zu kommen scheint. Gegen ein bisschen Gewerkschaftsarbeit dürfte die PK China doch eigentlich nichts einzuwenden haben, oder? Gewerkschaften sind doch die Ursuppe ihrer Bewegung, der Brei, aus dem sie ihre Berechtigung ableiten.
chiefpedro in Politische Notizen | TrackBack(0)