Jeff Long ist ein fanatischer Bergsteiger und Himalaya-Tourist. Zusätzlich kann der in Boulder, Colorado lebende Mann schreiben, und zwar ziemlich spannend. Einer der besten Science-Fiction-Romane der letzten Jahre war das 1999 erschienene The Descent. Darin geht es um die Entdeckung eines die gesamte Erde umspannenden Tunnelsystems, das den Menschen Zugang zu ungeahntem Reichtum an Bodenschätzen und Lebensraum bieten kann. Aber lassen wir Jeff Long selber zu Wort kommen:
Faced with a land of new riches, the armies, governments, and corporate powers would rush in, claim territory, plant their flags, subjugate the natives, and exploit the resources.Aber der Wettlauf um die vorderen Plätze im Labyrinth unter der Erde führt zu einer schrecklichen Erkenntnis. Der unbeschreibliche Reichtum liegt auf dem Grunde der Hölle:
I decided, if you're going to descend, really descend. Journey into the ultimate abyss. Go to the real heart of darkness, into the underworld. The Descent bottom-feeds on our darkest fears. . . and transcends our remembered nature. Some of the oldest adventure stories in literature have painted a picture of what hell might look like.Und genau dorthin führt die lange Reise in den Abgrund den Leser - direkt in Long´s Version der Hölle. Und die Sache hat einen weiteren Haken - die Hölle ist bewohnt. Nahrung ist hier unten knapp, deswegen gehen die Bewohner mit ihren Opfern grausam um. In der ewigen Dunkelheit erwartet die Eindringlinge eine Auseinandersetzung verschiedener Zivilisationsansätze:
[Mankind] discover[s] that this tubular frontier of tunnels and caves is inhabited. Here are the fabled devils . . . a species that is monstrously separate from ours. I call them Homo hadalis, or hadals. But are they truly evil? Or are they simply defending themselves from human invasion? And how much are they like us? The expeditionaries view the hadals much the way Europeans viewed indigenous people here and in Africa and Australia, as inhuman savages. One thing is certain, the hadals have retreated from beneath the continents to the deepest, most remote hiding place, beneath the Marianas Trench. There they seem to be preparing an apocalyptic last stand.Der wahre Reiz des Buches geht dann auch von dem Anführer der unterirdischen Bewohner aus. Jenem Fürsten der Dunkelheit, den die Menschheit schon so lange kennt und fürchtet - Satan:
If there was a historic Jesus, why not a historic Satan? What would he be like? Forget the sadist with a pitch fork -- that's a cartoon. I tried to envision him as a real being, one who might still be alive. Would he be a philosopher-king, or a guerrilla leader like Mao or Geronimo, or a wanderer like Odysseus, or a dark prince like Hamlet? What about his capacity for evil? And what about ours?Es ist dieses Konzept des Bösen, das Jeff Long lebendig werden lässt und das den Leser von Seite zu Seite mehr in seinen Bann zieht. Seine Gedanken sind nachvollziehbar und verständlich, seine Handlungen konsequent, aber grausam und endgültig. Ist Satan am Ende ein Mensch?
Die Antwort erfährt, wer das Buch liest.
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