23.06.05

DLP statt PDS - Imagewechsel vor der Bundestagswahl

Wer dabei ist, sein Image zu wechseln, begibt sich auf eine mühsame Reise. Zum einen erfordert es eine kritische Selbstbewertung der alten Erscheinung, die man so lange nach außen und innen präsentiert hat. Ein altes Erscheinungsbild ist ja lange Zeit erfolgreich gewesen. Denn wer in der glücklichen Lage ist, über seine Außenansicht kritisch zu reflektieren, hat dafür immerhin lange genug mit ihr gelebt. Zum anderen erfordert diese Umstellung das Überwinden tief verwurzelter Verhaltensmuster, die Änderung eines individuellen Charakters, um glaubwürdig zu sein und auf Beifall zu stoßen.

Eine heikle Unternehmung diesen Ausmaßes kurz vor einem entscheidenden Ereignis in Angriff zu nehmen, wie die PDS gerade mit der Änderung ihres Namens, zeugt entweder von fehlender Weitsicht oder um sich greifender Verzweiflung. In den meisten Fällen nämlich erlebt man in der Phase nach dem Wechsel des Images einen vorübergehenden Verlust desselben. Gerade vor einer eventuell möglichen Bundestagswahl kann sich die PDS diesen wenn auch zeitlich begrenzten Verlust an Bekanntheit als Marke aber nicht leisten. Denn wenn es wieder nicht gelingen sollte, in den Bundestag mit Fraktionsstärke einzuziehen, wird man bald auch nicht mehr die Direktmandate in einigen Bezirken im Berliner Osten verteidigen können. Die Existenzberechtigung der Partei - zumindest im Konzert der Großen - steht auf dem Spiel.

Will die PDS nicht nur als Kuriosität am Rande des Parteienspektrums überleben, muß es ihr gelingen, auch im Westen Fuß zu fassen. Daher die Formung eines Bündnisses mit der WASG und Oskar Lafontaine als Spitzenkandidaten. Und deswegen auch dieser beinahe selbstzerstörerische Schritt weg von der eigenen Marke. Die zieht zwar im Osten, ist im Westen aber verpönt. Ob die Partei aber unter neuem Namen mehr Stimmen einzufahren vermag, bleibt abzuwarten. Die Aussichten scheinen nicht schlecht zu sein. Mit neun Prozent liegt das Linksbündnis sogar als drittstärkste Kraft gleich hinter der großen Mitte, wie die Berliner Zeitung schreibt. Statt Verzweiflung also Hoffnung?

chiefpedro in Politische Notizen | TrackBack(0)
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