20.06.05

Doppelte Buchführung

Um die Einführung eines kaufmännischen Softwarepakets im Unternehmen, eines sogenannten Warenwirtschaftssystems, effektiv begleiten und leiten zu können, komme ich derzeit nicht umhin, mein zugegebenermaßen seichtes Grundwissen über die kaufmännische Buchführung zu vertiefen. Dieses Verständnis wird mir bei meiner demnächst beginnenden berufsbegleitenden Ausbildung zum MBA (darüber aber später einiges mehr) auch nicht schaden. Also führte der erste Weg zur Wikipedia und der aufschlußreichen Erklärung zur doppelten Buchführung.

Das dort aufgeführte Beispiel habe ich dann selber auch einmal versucht. Das Ganze folgt einfachen Regeln und macht nach einer kurzen Phase von Ratlosigkeit sogar Spaß:

Im Rahmen der doppelten Buchführung sind bei jedem Geschäftsvorfall immer zwei Konten betroffen. Sind beide Konten auf der Aktivseite (Vermögen - Mittelverwendung) oder beide auf der Passivseite (Mittelherkunft - s. auch hier), bleibt die Bilanz und damit das Firmenvermögen unbeeinflusst. Ist ein Konto auf der Aktiv- und eines auf der Passivseite, so wird das Vermögen beeinflusst. Es gibt Bestands- und Erfolgskonten. Auf Bestandskonten werden erfolgsneutrale Zustände erfasst, also Bestände an Gütern oder Geld. Auf Erfolgskonten werden erfolgs- oder gewinnwirksame Vorgänge erfasst, als Aufwände oder Erträge.

Will man nun einen Geschäftsvorfall buchen, wie zum Beispiel die Zahlung von Miete für die Geschäftsräume, überlegt man sich erstmal, welche Konten beteiligt sind. In diesem Fall ein Konto für die Bank und eines für die Mietzahlungen. Beim Zahlen von Miete dreht es sich um einen Vorgang, bei dem die Bilanz des Unternehmens gemindert wird. Es muss also ein Aktiv- und ein Passivkonto beteiligt sein. Bank ist Aktiv, da ja Vermögen des Unternehmens, das auf einem Bankkonto liegt, seiner Verwendung harrt. Demzufolge muss das Konto für die Miete ein Passivkonto sein. Bank ist ein Bestandskonto, Miete aber ein Erfolgskonto - in diesem Fall ein Aufwand.

Bei der Buchung sind dann noch einige Regeln zu beachten, auf welcher Seite des Kontos die Zahlen aufzuschreiben sind. Schließlich erkennt man auch die Einordnung des Vorgangs als erfolgsneutral oder erfolgswirksam. Die besagten Regeln sind dann bei der täglichen Arbeit der Finanzbuchhaltung sehr wichtig und erfordern den buchhaltungsspezifischen, für den groben Überblick, den wir anstreben, wollen wir hier aber Halt machen.

Die Zuordnung eines Geschäftsvorfalls zu den beteiligten Konten und die Einordung der beteiligten Konten in Aktiv/Passiv oder Bestand/Erfolg jedenfalls ist anspruchsvoll und interessant. Viele Menschen gehen da leichtfertig drüber hinweg und halten es für banal. Das ist es nicht und zugleich ist ein grundlegendes Verständnis dafür unerlässlich, will man beispielsweise als Ingenieur auch bei kaufmännischen Entscheidungen mitreden. Gerade die Geschäftsführer der New Economy haben ein beispielloses Fehlverständnis kaufmännischer Regeln und Gesetzmäßigkeiten an den Tag gelegt, was sich in einem kolossalem Gewitter an den Börsen - für uns alle noch heute spürbar - niedergeschlagen hat.

Fassen wir also zusammen: Doppelte Buchführung ist für Außenstehende völlig unverständlich. Wenn man die Materie aber erstmal begriffen hat, darf man sich getrost als zu einem auserlesenen Kreis gehörig fühlen. Hat man sich nur oberflächlich damit auseinander gesetzt, läßt man besser die Finger davon - Halbwissen wird tödlich bestraft.

So betrachtet, ähnelt die doppelte Buchführung durchaus der Klempnerei.

chiefpedro in MBA | TrackBack(0)
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