Um dem Folgenden im Großen wie im Kleinen auch nur den Ansatz eines Sinns geben zu können, ist es wichtig, einen ganz kurzen Blick auf die Ursachen der jetzigen Situation zu richten. Das aber sieht wie folgt aus:
Am Anfang der 90er Jahre hatte ich mich für eine Schule entscheiden müssen, nach deren Besuch ich für das Hochschulstudium zugelassen werden konnte. Weil es für mich an der von mir während des Jahrzehnts zuvor besuchten Polytechnischen Oberschule aufgrund gewisser Entscheidungen der dafür verantwortlichen Lehrer keine gnädige Beurteilung für den Besuch einer Erweiterten Oberschule gab, fasste ich damals eine Berufsausbildung mit Abitur ins Auge. Die Entscheidung meiner Lehrer, mich nicht für den höheren Bildungsweg zu empfehlen, hatte mit meiner "wenig staatsbürgerlichen" Einstellung zu tun, und sie sollten zumindest darin Recht behalten. Was die Berufsausbildung mit Abitur anging, wollte ich mir seinerzeit keineswegs von den Bewerbungsstellen der Berufsschulen eine Verpflichtung zum dreijährigen Dienst an der Waffe abpressen lassen - nicht nur, weil mir stupides Kasernenleben eindeutig nicht wünschenswert erschien, sondern weil mir die DDR bereits damals zum Halse raus hing und ihre Armee erst recht.
Damit blieb dem angehenden Abiturienten in mir aber nur die Unterschrift unter einen Lehrvertrag des Wohnungsbaukombinats, verbunden mit einer Ausbildung zum Maurer mit Abitur. Denn das Gegenstück zur Erweiterten Oberschule EOS war eben die einzig in Ostdeutschland vorhandene Berufsausbildung mit Abitur BmA, deren Vorteile die monatliche Entlohnung nach dem Lehrvertrag und die meist lockere politische Ausrichtung der Berufsschullehrer waren. Diese Vorteile waren allerdings zu einem hohen Preis erkauft: eine BmA dauerte ein Jahr länger als der zweijährige Besuch der EOS.
Aufgrund dieser Ausrichtung am Maurerberuf, dessen Lehrlingszeit zwar anstrengend, aber auch lustig und voller Erkenntnisse für die Wertschätzung körperlicher Arbeit war, fiel die Wahl meines Studiumwunsches später auf das Bauingenieurwesen an der TU Berlin. Ob die Wahl eines anderen Studiums vielleicht zu dessen schnellerem Abschluß geführt hätte, wird die Welt wohl nie erfahren. Letztendlich jedoch scheint auch dieser Weg mir all die Erfahrungen und Einblicke in das Leben gebracht zu haben, die mein Wesen heute ausmachen. Zu bemängeln, welche Richtung ich damals einschlug, blietet sich also kein Grund.
Zur selben Zeit, als ich damals meine Zelte im Oberstufenzentrum Bau-Steine-Erden (oder wie das auch immer geheissen haben mag), wurden anderswo bereits Entscheidungen getroffen, die auch mich später einmal berühren sollten. Meine Mutter gründete, um der Arbeitslosigkeit aus dem Weg zu gehen, eine Firma. Die vertrieb die eigenen Designleistungen im Leiterplattenentwurf sowie die Herstellung und Bestückung elektronischer Flachbaugruppen und sollte, nach Jahren harter Arbeit, gegen Ende der 90er Jahre auf gesunden Beinen stehen und urplötzlich wie wild zu wachsen anfangen. Als ich jedenfalls mein Studium beendet hatte, war es im Bauwesen fast unmöglich einen Job zu bekommen - doch da gab es ja diese Firma, deren ertragreiche Lage auch dem eigenen Sohn und ins Auge gefassten Nachfolger eine Möglichkeits der Erwerbstätigkeit bieten sollte. Um die Zeit bis zur ersten Anstellung als Bauingenieur zu überbrücken, schlug ich damals das Angebot nicht aus, hatte ich doch immerhin zu dieser Zeit bereits meine Frau und unseren Sohn zu versorgen.
Als dann später die Anstellung im Bauwesen gefunden war, die Stelle als Projekt- und Oberbauleitungsassistent beim Generalunternehmer für den Bau einer Müllbehandlungsanlage angetreten war, gab es erste Gespräche über die spätere Nachfolge im Familienunternehmen. Die Arbeit dort bietet einige Vor-, aber auch, wer schon mal in ähnlicher Konstellation gearbeitet hat, weiss das jetzt, genügend Nachteile, dass man sich diesen Schritt lange und gründlich überlegen sollte. Ich habe das getan, und bin dabei zu dem Schluß gekommen, es versuchen zu wollen. Das tat ich auch und habe vor einigen Monaten im Bauwesen das Handtuch geschmissen. Was am Anfang der 90er Jahre begann, ist somit ein für allemal zu Ende gegangen.
[Fortsetzung morgen]
chiefpedro in MBA | TrackBack(0)