Eine sehr interessante Nachschrift zum "Namen der Rose" hatte Umberto Eco seinerzeit auf Verlangen seiner zahlreichen Leser vorgelegt. Darin äußert sich Eco unter anderem zum Eigenleben eines Buches, das von den zahlreichen Deutungen seiner verschiedenen Leser lebt:
Nichts ist erfreulicher für den Autor eines Romans, als Lesarten zu entdecken, an die er selbst nicht gedacht hatte und die ihm von Lesern nahegelegt werden.Radikal fordert Umberto Eco dann auch, dem Text sein Eigenleben zu überlassen und als Autor nicht zu viel von der eigenen Sicht zu dogmatisieren:
Der Autor müßte das Zeitliche segnen, nachdem er geschrieben hat. Damit er die Eigenbewegungen des Textes nicht stört.Eco äußert sich zum Sinn des Titels, zum Arbeitsprozeß bei der Wahl von Personen, Orten, Setting, Zeitalter und Aufbau seines Romans (sehr interessant), zu den Schwierigkeiten bei der Gestaltung der Dialoge und vielem weiteren mehr. Der Leser erfährt den Grund für die verschachtelte "Überlieferung" der Geschichte, erhält Einblick in die Schwierigkeit der Rhythmusgestaltung eines Romans ("Atem" der Geschichte genannt) und wird Zeuge der schöpferischen Auseinandersetzung Ecos mit seinem Publikum. Man erfährt vom Initiationsritus des Lesers:
Nach der Lektüre meines Skriptes meinten die Freunde im Verlag, ich sollte die ersten hundert Seiten ein wenig kürzen, sie seien zu anspruchsvoll und ermüdend. Ich hatte keinerlei Zweifel, ich lehnte ab mit dem Argument: Wer die Abtei betreten und darin sieben Tage verbringen will, muß ihren Rhythmus akzeptieren. Wenn ihm das nicht gelingt, wird er niemals imstande sein, das Buch bis zu Ende zu lesen. Die ersten hundert Seiten haben daher die Funktion einer Abbuße oder Initiation, und wer sie nicht mag, hat Pech gehabt und bleibt draußen, zu Füßen des Berges.Das Ganze ist unterhaltsam wie das Buch, von dem es spricht. Das zählt übrigens zu den besten Büchern, die man weit und breit finden kann. Lesen sollte man beides.
Zu finden ist der Text in einem Büchlein des Deutschen Taschenbuch Verlag aus den 80er Jahren oder aber in adlibitum Nr.1, einer Literaturzeitschrift aus dem Verlag Volk und Welt (man suche beispielsweise bei ZVAB.com).
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