24.03.05

Rücktrittsforderungen wegen eines Bundesministerzitats

Der Bürgermeister des Berliner Bezirks Steglitz-Zehlendorf, Herbert Weber (CDU), sei "kein Demokrat" und sein "rechtsradikales Gedankengut [sei] nicht mehr zu überbieten", so der Gemeindechef der Jüdischen Gemeinde in Berlin, Albert Meyer gegenüber der Berliner Zeitung. Er halte Forderungen nach Webers Rücktritt für legitim, äußerte sich Meyer zu den Bestrebungen von SPD, Grünen und PDS im Bezirk.

Anlass der Rücktrittsforderungen waren unter anderem Aussagen Webers zum zweiten Weltkrieg, die er in einer Rede zum Volkstrauertag hervorbrachte. Teile dieser Rede waren gegen deutsche Deserteure im zweiten Weltkrieg gerichtet:

"Die meisten Deserteure hatten etwas auf dem Kerbholz und wussten, warum sie abhauten. Der unbekannte Deserteur, welche Verhöhnung des unbekannten Soldaten. Es ist eine Verirrung, die nur mit Geisteskrankheit, Hetze oder maßloser Verhetzung zu erklären ist."
Dabei zitierte er den Ritterkreuzträger, Vizekanzler und Bundesminister a.D. Dr. Erich Mende. Die Spuren dieses vermeintlichen Skandals führen also vom Berliner Südwesten bis weit in die Vergangenheit der Bundesrepublik.

Daß nun aber ein Bezirksbürgermeister für das Zitat eines ehemaligen Vizekanzlers der Bundesrepublik seinen Rücktritt erklärt, halte ich für unwahrscheinlich. Und, unter uns gesagt, auch für unangemessen. Damit soll aber dem Bezirksbürgermeister Herbert Weber keine Entschuldigung für sein sonstiges Verhalten ausgestellt werden. Nur eben der Hinweis, daß man für nachhaltige Rücktrittsforderungen etwas mehr Vorwürfe anzuhäufen hat.

chiefpedro in Politische Notizen | TrackBack(0)
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