Die paritätische Mitbestimmung der Arbeitnehmer im Betrieb aufgrund des Betriebsverfassungsgesetzes von 1972 bezeichnet BDI-Präsident Michael Rogowski als "Irrtum der Geschichte", denn solcherart besetzte Aufsichtsräte seien seiner Ansicht nach "ziemlich ineffektiv". Seine Kritik stützt sich dabei auf den beispielhaften Gedanken, die Krise bei Karstadt-Quelle sei durch die Arbeitnehmer im Aufsichtsrat nicht verhindert worden.
Die vom Gesetzgeber gewünschte Kontrollfunktion über Entscheidungen des Vorstands üben die Arbeitnehmervertreter in den Aufsichtsräten sicherlich nicht immer in der Form aus, wie man sich das in den 70er Jahren so dachte. Schlingert ein Konzern beispielsweise in Richtung des finanziellen Abgrunds, werden die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat den Vorschlägen zur Kurskorrektur des - für die Krise immerhin hauptsächlich verantwortlichen - Vorstandes dennoch lieber folgen als den Vorstand auszuwechseln und das havarierte Schiff einem neuen Kapitän zu übergeben. Denn als ersten Schritt streicht die neue Leitung in den meisten Fällen im großen Stile Stellen, was der Natur nach nicht im Interesse der Arbeitnehmervertreter liegen kann.
Die Schuld am finanziellen Debakel des Karstadt-Quelle-Imperiums den Arbeitsnehmervertretern im Aufsichtsrat unterzuschieben, überspannt den Bogen aber deutlich. Denn für fehlerhafte Managemententscheidungen ist in erster Linie das Management selber verantwortlich. Das dessen Arbeit vom Aufsichtsrat in keinster Weise hinterfragt wurde, liegt aber nur zur Hälfte an den dort sitzenden Arbeitnehmervertretern. Zur anderen Hälfte an den übrigen Mitgliedern des Aufsichtsrats.
Über deren Zusammensetzung spricht Michael Rogowski aber nicht. Wär doch noch schöner, wenn man am Ende die Schuldigen bestrafen wollte, oder?
chiefpedro in Politische Notizen | TrackBack(0)