08.10.04

Politik für Nichtskö(l)ner, Teil II

Wie der gestrige Beitrag zum Thema Ich-AG gezeigt hat, findet sich ein Großteil der Probleme unserer Republik nicht in den von erschlichenen Geldern ausgebeulten Taschen der Dauerarbeitslosen, sondern eben auch in den von Bürokratie und Korruption gelähmten Hirnen unserer Berufspolitiker. Die gestern aufgezeigte Idee für eine förderungsfähige und den Sozialstaat zu Grabe tragende Form der Ich-AG ist nur eine von vielen Maßnahmen, mit denen der Denkpass die Bundesrepublik Deutschland revolutionieren möchte. Alles im Zuge unserer gemeinsamen, deutschlandweiten Anstrengungen zur Schaffung einer besseren Welt. Ich rufe hiermit alle meine Leser auf, einer neu zu gründenden Partei beizutreten, die Leben und Liebe in die ausgetrockneten Herzen der Bundesbürger bringen wird. Hurra!

Unser Sofortprogramm würde ungefähr so lauten:

In jeden Kochtopf ein Huhn, jedem Bauern vierzig Schweine und ein Esel und Tempo 300 auf der Landstraße. Ach, was solls? Wo wir gerade bei sind: Jedem Bauern, der es will, ein weibliches Schaf ins Bett. Meinetwegen auch ein männliches. In der Politik kommt sowas immer an.
Mit diesen gerade auf dem Lande äußerst populären Forderungen werden wir mit 105 Prozent der Stimmen jedes noch so volksferne Parlament stürmen. Wir werden sie bei jedem Wahlkampf schlagen, bis ihnen die Münder offen stehen und sie um Gnade betteln. Denn gerade durch den ersten Punkt unserer Forderung wird die bundesdeutsche Parteienlandschaft völlig und komplett auf dem falschen Fuß erwischt.

Kochtopf? Huhn? Vertreter von NPD und PDS, der tiefste Abgründe überbrückenden Anti-Hartz-IV-Koalition, würden kopfloser denn je unverständlichen Unsinn vor sich hin blabbern, bis ihnen der Geifer die bereits verklebten Wangen hinunterläuft. Wahlkampfstrategen von Union, SPD und Grünen würden in gemeinsamen Krisensitzungen mindestens drei Monate brauchen, um die Problematik auch nur ansatzweise zu verstehen - von einer ernstzunehmenden Stellungnahme ganz zu schweigen.

Und sollten sie sich jemals dazu aufraffen, Position zu beziehen - und wir alle wissen, wie schwer es deutschen Politikern fällt, dies zu tun - können wir alles abstreiten und behaupten, wir seien absichtlich mißverstanden worden. Es sollte heißen:

Jeder Familie einen Hühnertopf.
Und schon lähmt man die Strategen einige weitere Monate. Zu guter Letzt könnte man wie jeder halbwegs schlitzohrige Politiker auch einfach an den Grundsätzen zweifeln:
Eine begriffliche Definition folgender von uns verwendeter Begriffe erfolgt erst nach der Wahl: Hühnertopf. Familie. Jede.
Unangreifbar wären wir mit dieser Strategie. Siegreich. Wir würden eine Welle formen, deren schäumende Spitze bis nach Kastrup-Rauxel oder weiter zu sehen wäre. Wir müssten nur mal anfangen, die Plakate zu drucken…

Warum aber, so fragt sich der aufmerksame Leser, heisst dieser Artikel denn eigentlich Politik für Nichtskö(l)ner? Nun, in Köln gibt es nur eine Politik. Und die heisst Karneval. Wird Zeit, dass wir Bundesrepublikaner diesen Unterschied begrifflich einebnen.

chiefpedro in Politische Notizen | TrackBack(0)
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