Voller Sorge wandte sich der Berliner Abgeordnete Oliver Friederici (CDU) am 23. August im Jahre des Herrn 2004 in einer sogenannten Kleinen Anfrage an die Senatorin für Justiz. Gegenstand seines Interesses war die desaströse Entwicklung des Vermögenszustandes der in Berlin ansässigen Rechtsanwälte und Notare.
Das sind eben jene Herren, deren Honorare in einer Gebührenordnung festgeschrieben sind. Da kann ein Brief schon mal 65,00 € oder mehr kosten - zuzüglich den Seitenkosten von 0,50 €. Lässt der Rechtsanwalt die Gebührenordnung außen vor, weil die im vorliegenden Fall zu teuer sei, so rechnet er gerne nach Stunden ab. Da schlagen sich dann gerne mal 200 € pro selbiger zu Buche. Wie man unschwer erkennt, eine wirklich von finanzieller Austrocknung bedrohte Berufskaste.
Und siehe - in der Bundeshauptstadt haben es die Rechtsanwälte tatsächlich sehr schwer. Achtzehn von ihnen haben in den letzten beiden Jahren ihre Zulassung wegen Vermögensverfalls verloren. In einer Stadt mit mehr als drei Millionen Einwohnern fährt sich der gute Oliver Friederici also verzweifelt durch die Haare, wenn durchschnittlich neun Rechtsanwälte pro Jahr ihre Zulassung verlieren, weil sie ihre Vermögensverhältnisse nicht mehr im Griff haben.
Besorgt um die Berliner Rechtslandschaft, fragt Friederici weiter: Wieviele Notare ihr Amt niedergelegt hätten? 79 (in Worten: neunundsiebzig), so die Antwort der Justizsenatorin. Wovon aber 67 (in Worten siebenundsechzig) des Alters wegen ausgeschieden seien. Ganze sechs Notare sahen sich einer Amtsenthebung aufgrund schlechter Vermögensverhältnisse ausgesetzt.
Herr Friederici braucht sich also um die finanzielle Schlagkraft der Berliner Rechtsanwälte und Notare nur in begrenztem Umfang Sorgen zu machen. Nur ein verschwindend geringer Teil schafft es nicht, mit den horrenden Honoraren vernünftig zu wirtschaften. Aber vielleicht wollte ja Herr Friederici genau das in Erfahrung bringen? Vielleicht, so steht zu vermuten, liebäugelt er ja mit einem Teamwechsel vom Abgeordnetenhaus hinein ins freie Wirtschaftsleben als Rechtsanwalt oder Notar?
Das aber führt sofort zu einer weiteren Frage an den Berliner Senat:
Wievielen Abgeordneten wurde jemals ihr Mandat wegen Vermögensverfalls entzogen?