Hauptstädte nehmen in vielen Ländern eine führende Rolle ein. Ausnahmen mag es in Ländern geben, in denen die Hauptstadt nicht auch zugleich die größte Stadt des Landes ist, wie zum Beispiel in Australien. Überall sonst nehmen Hauptstädte die Funktion des Wegbereiters, des Trendbarometers wahr. So auch in Deutschland, wo Berlin ständig bemüht ist, dem Rest des Landes eine Nasenlänge voraus zu sein. Wie der Rundfunk Berlin Brandenburg meldet, leben in Berlin inzwischen fast genausoviel Menschen von staatlichem Geld wie von eigener Arbeit. So finanzierten sich im Jahre 2003 nach Angaben des Statistischen Landesamtes 39,4 Prozent der Berliner von ihrer Erwerbstätigkeit. Gleichzeitig lebten 38,6 Prozent von Rente, Arbeitslosengeld und -hilfe, Sozialhilfe oder anderer Unterstützung.
Die fast paritätische Verteilung ist dabei besonders besorgniserregend. Wird doch nach einem Blick auf die eigene Lohnsteuerkarte auch dem unbefangensten Staatsbürger schnell klar, daß zur vollen Finanzierung eines Arbeitslosenförderungs-, Sozialhilfe- oder Rentenempfängers mehr als ein Erwerbstätiger notwendig ist. Wie sieht das Verhältnis in Gesamtdeutschland aus? Unter eifriger Zuhilfenahme der Statistiken des Statistischen Bundesamtes und des Europäischen Parlamentes kann der Denkpass seiner werten Leserschaft folgende Daten für die letzten Jahre präsentieren:

Daß Berlin die Speerspitze der bundesdeutschen Entwicklung ist, zeigt sich bei der Fortsetzung der in der Grafik vorherrschenden Trends. In vier bis sechs Jahren, so die Erkenntnis, würden wir auch gesamtdeutsch eine Parität zwischen Einzahlern und Leistungs-in-Anspruch-Nehmern erreichen. Abhilfe könnte geschaffen werden, indem beispielsweise der negative Trend der Erwerbstätigenanzahl gestoppt würde. Allerdings scheinen rot-grüne Abhilfsmaßnahmen an dieser Stelle bislang regelmäßig auf Hindernisse zu prallen. Selbst wenn die Strategie einer CDU-Kanzlerin hier wirksamer wäre, könnte es im Jahre 2006 allerdings zu spät sein.
Uns Berlinern ist das sowieso egal. Denn bis dahin haben wir woanders längst wieder die Führung übernommen...
chiefpedro in Politische Notizen | TrackBack(0)