29.02.04

Rohstahlproduktion und die SPD

Wie Moe hinweist, gibt es das Mierscheid-Gesetz, das einiges über die Chancen der SPD bei Wahlen aussagt. Aufgestellt 1983, lautet es folgendermaßen:

Der Stimmenanteil der SPD richtet sich nach dem Index der deutschen Rohstahlproduktion der alten Länder - gemessen in Mio. t - im jeweiligen Jahr der Bundestagswahl.
Nun hat die Rohstahlproduktion in den alten Bundesländern 2003 eine Höhe von 38,4 Mio. Tonnen erreicht, und nicht wie Jim in den Kommentaren bei Plastic Thinking schrieb, 44,8 Mio. Tonnen. Die SPD liegt aber derzeit in Meinungsumfragen weit unter 38,4 Prozent.

Zwei Sachen möchte ich anmerken:

1. Das Mierscheid-Gesetz bezieht sich ausdrücklich auf eine Bundestagswahl, und Meinungsumfragen spiegeln nicht immer das wirkliche Wahlverhalten wider (wie Big Ed bei der letzten Kanzlerwahl schmerzhaft erfahren musste). Erst recht nicht Meinungsumfragen bei Landtagswahlen.

2. Offensichtlich scheint die deutsche Stahlindustrie auf gesunden Beinen zu stehen, ist Deutschland doch sechstgrößter Produzent weltweit und kann auf die effizientesten Arbeitsmethoden in Europa zurück greifen. Subventionen in anderen EU-Staaten belasten die Stahlindustrie eher als daß sie gefördert würde. Gerade wegen des geplanten EU-weiten Subventionsabbaus, aber auch sonst sieht die SPD also rosigen Zeiten entgegen.

- Update -

Wie Moe hinweist, bin ich hier etwas auf die Nase gefallen: Da verläßt man sich mal auf die Wikipedia und schon landet man bei solcher Biografie eines Mitgliedes des Bundestages (hier nur die lustigen Teile davon):

Mitglied der Gewerkschaft Landwirtschaft und Forsten. Mitglied Kleintierzüchterverein Morbach.
Mitglied Freiwillige Feuerwehr Morbach (seit 1977 Ehren-Kommandant). Mitglied der Turnfreunde (Kassierer 1977-1982).
Ehrenmitglied des Sängerbundes Freie Gewerkschaft Holz und Kunststoffe - Beisitzer im Senioren-Vorstand.
Mitglied weiterer Vereine und Verbände.

Silberne Ehrennadel des Männergesangsvereins (MGV) Morbach.

Mitglied der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, 2.Ortsvorsitzender
21.-25.11.1960 ordentlicher Delegierter am SPD-Parteitag in Hannover
16./17.Mai 1963 erster Besuch in der Bundeshauptstadt

Stellvertretender Vorsitzender des Mittelstandsausschusses 1981-82.

1967/1968 vierteilige Folge im Zentralorgan der Brieftaubenzüchter: "Die Reiseroute der geringelten Haubentaube und ihre Flugeigenschaften“.
Nachdruck mit Genehmigung in der Eidgenössischen "Flugtauben- Correspondenz" 1969.

14.07.1983: Artikel im "Vorwärts": "Mierscheid-Gesetz" für die SPD. Neue Forschungsergebnisse zur Wahlprognostik.

12.01.1985: Artikel im "Vorwärts": Der Ausweg: Mehr Markt statt Korruption.
1993: Ökologische Kenndaten zum FCKW- Ersatzstoff R 134a. Beitrag zum 3. Hoechster Steinlaus-Symposium, XII (3), Frankfurt/M.

1986: Die Mierscheid-Akte.
Dokumentarische Spuren eines Phantoms. Hrsg. von Peter Raabe, Hannover 1986. 1998: Jakob Mierscheid, Aus dem Leben eines Abgeordneten: Eine politische Holografie. Herausgegeben von Dietrich Sperling und Friedhelm Wollner.

Übliche Mitarbeit in den Pressediensten.

Schwerpunkt der Arbeit: Allgemeine Sozialfragen, Probleme der Berufsausbildung, Aufzucht und Pflege der geringelten Haubentaube in Mitteleuropa und anderswo, Untersuchung des Nord-Süd-Gefälles im Bundesgebiet.

Mitglied des Deutschen Bundestages seit Ende 1979

Eine Frau hat der Mann auch noch: Helene Mierscheid. Auch hier findet sich einiges an Unsinn, wenn man mal die pdf-Dateien öffnet. Und das alles auf der Seite des Deutschen Bundestages?

chiefpedro in Politische Notizen | TrackBack(0)
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