Das Buch, das als erster Biographieversuch des Linux-Erfinders Linus Torvalds fungiert, trägt den Namen "Just for Fun" und wurde in Kooperation mit David Diamond geschrieben. Ich habe leider nur die von Doris Martin miserabel übersetzte deutsche Version des im dtv-Verlag erschienen Buches gelesen - und zwar aus, sagen wir mal, technischer Neugier. Und ich betone es gleich zu Anfang, das Buch ist wertlos. Will man es lesen, dann eben nur just for fun - but nothing more.
Warum nun dieses Urteil? Die Geschichte der Erfindung von Linux ist sicherlich interessant, weist sie doch eine Neuerung auf, die nicht nur die Softwareentstehung revolutionieren kann. Gemeint ist der Open-Source-Aspekt, dessen Kernaussage der freien Verfügbarkeit dem Fundament unserer Gesellschaft - dem freien Unternehmertum - nicht nur nicht im Weg steht, sondern sogar nützlich sein kann. Und freie Verfügbarkeit ist eben demokratischer als Monopolismus. So betrachtet ist der Inhalt des Buches dem interessierten Leser zu empfehlen.
Leider aber nur der Inhalt - nicht die stilistische Ausformulierung sowie die dramaturgischen Beigaben. Größte Diskrepanz läßt sich zwischen der betonten Leichtigkeit des Schreibstils und dem Gewicht der Aussagen feststellen. Der gezwungen-lockere Ton, den entweder David Diamond in englisch oder Doris Martin in deutsch nicht sicher beherrschen, vereinfacht Zusammenhänge zu stark, will immer spaßig sein und kann - wenn nötig - nicht die erforderliche Argumentationstiefe erreichen. Ein Manko, das durch die Vorzüge des Buches nicht mehr wettzumachen ist.
Die interessantesten Passagen sind die, in denen Torvalds über die technische Seite der Betriebssystementwicklung spricht, wo er von seinem Tagesablauf und den üblichen Problemen beim Programmieren erzählt oder die Auseinandersetzung mit anderen Systemen sucht. Seltsamerweise klingt der lockere Ton hier meistens noch passend, sicherlich auch deshalb weil genügend Fakten untergerührt wurden, um interessant und kompetent und nicht nur locker-bemüht zu klingen. Tatsächlich sind aber gerade die technischen Fakten die, wo ich vom Buch mehr erwartet hätte.
Uninterssant demzufolge der Rest - in meinen Augen schlichtweg überflüssig. David Diamond hatte hier die grandiose Idee, Torvalds auch zu Aussagen über den Sinn des Lebens, Familienleben und den Platz des Menschen im Universum zu bewegen. Für die Anti-Microsoft-Bewegung ist Linus Torvalds sicherlich eine Ikone (obwohl er sich in diesem Buch nicht aggressiv gegen Microsoft positioniert), für uns in dieser Beziehung eher unbefangene Software-Anwender wohl kaum. Den privaten Lebensansichten irgendeines Programmierers messe ich dann auch kaum Bedeutung bei - erst recht nicht, wenn sie ihres lockeren Vortragstons und des fehlenden Konzeptes wegen fremd klingen und uninteressant bleiben. Die ersten hundert Seiten und die Hälfte der restlichen 160 Seiten läßt sich somit ersatzlos streichen.
Fazit: Die Lektüre war enttäuschend und höchstens phasenweise anregend. Das Buch bietet seichte, anspruchslose Unterhaltung und empfiehlt sich daher nur für ähnlich gestrickte Leser oder Leute mit vorgefasster Meinung - eben Fanatiker. Da ich mich zu keiner der beiden Gruppen rechne, kann ich es auch nicht empfehlen.
chiefpedro in Literatur