Von Pilzen und Innovation

Unsere Gesellschaft, so finde ich, geht mir oft zu positiv mit Innovation um. Die Grundeinstellung gegenüber Innovation scheint zu sein, dass sie per Defintion gut sei. Innovationen können gut sein, müssen es aber nicht. Innovationen bergen Risiken und unbeabsichtigte Konsequenzen, die man bereden oder beobachten sollte.

Ein Beispiel: Netflix versprach beispielsweise, unabhängig von Sendezeiten-Slots zu sein. Kommst Du erst gegen 20:37 Uhr nach Hause statt exakt um 20:15? Kein Problem. Mit Netflix schaust Du, wann Du willst. Kümmer Dich nicht um unmoderne Sendezeiten-Slots. Lass die anderen ihr Leben in ein 15-Minuten-Raster zwängen, Du bist frei und unabhängig. Netflix versprach also: schau, wann immer Du willst. Was ist dabei herausgekommen im Netflix-Konsum? Schau immer!

Ob das von Netflix unbeabsichtigt war, glaube ich kaum. Und es ist ganz sicher negativ, wenn beispielsweise junge Leute immer vor irgendeinem ihrer Geräte hocken und Serien schauen.

Mir ist folgendes Gleichnis eingefallen, das unseren Umgang mit Innovation besser erklärt:

Wenn Du im Wald einen schönen, unbekannten Pilz findest, was machst Du damit? Ab in den Kochtopf, weil schöne, neue Pilze immer gut sind? Oder schaust Du lieber in ein Pilzbuch, um herauszufinden, ob der neue Pilz auch gut für Dich ist?